Farm&Travel in Australien

Reisezeit: November 2006 - Februar 2007  |  von Mirjam & Nico L.

Strathburn Station: Weihnachtszeit

Weihnachten im australischen Outback, das heißt Weihnachten bei vierzig Grad, natürlich ohne Kirche oder Verwandtenbesuch, statt dessen aber mit Cricket auf der Flugzeuglandebahn und Santa Claus im Postflugzeug!
So in etwa könnte man das isolierteste Weihnachten beschreiben, das ich je hatte - 80 km vom nächsten Nachbarn und 400 km vom nächsten Dorf entfernt.
Schon seit zwei Wochen stand der Weihnachtsbaum in einer Ecke des Wohnzimmers, natürlich ein Plastikweihnachtsbaum, der jeden Tag ein paar Kugeln und Zweige verlor, was aber niemanden störte. Ansonsten spürte man nicht, das Weihnachtszeit war - bis zum 21.12. Donnerstag, das Postflugzeug kam. Und heute wurde es von den Kindern noch sehnlicher erwartet als sonst. Denn heute kam der Weihnachtsmann!
Es ist so schade, dass ich an diesem Tag meinen Fotoapparat nicht da hatte, denn diese Szene hätte ich wirklich festhalten müssen: Die vor Hitze flimmernde Luft, die riesige, sandige Landebahn, das kleine Postflugzeug, Kinder mit Farmerhüten - und aus dem Flugzeug springt ein Weihnachtsmann in voller Montur.
Aufgeregt rannten die Kinder zum Flugzeug und jedes durfte einmal in den großen Sack greifen und eine Hand voll Schokolade ergattern. Mit leuchtenden Augen standen die Kinder da, die Schokolade eng an sich gepresst, und strahlten um die Wette. Ein kleines Gespräch, die Post abgeladen, dann stieg der Weihnachtsmann wieder in das Flugzeug um weitere Kinder auf anderen Farmen glücklich zu machen.

Der 24. Dezember hat in Australien, zumindest bei den Menschen, die nicht deutschstämmig sind, keine Bedeutung. Zum Glück fiel er in diesem Jahr jedoch auf einen Sonntag und so hatte ich frei und konnte meinen eigenen Heiligabend zelebrieren. Als ich in meinem Wohnwagen Bachs Weihnachtsoratorium lauschte, hatte ich schon ein wenig Heimweh - aber nur ein bisschen

Immer noch gewöhnungsbedürftig: Weihnachtsschmuck am Ventilator

Immer noch gewöhnungsbedürftig: Weihnachtsschmuck am Ventilator

Am nächsten Tag war nun der wichtigste Tag für die Australier und als ich um sieben Uhr zum Haus hinüber ging, befanden sich alle im Schlafzimmer. Die ganze Familie saß auf dem Ehebett - die Eltern noch etwas schlaftrunken - und alle rissen die Geschenke auf. Tagsüber wurden nun die Geschenke ausprobiert und Cricket auf der Landebahn gespielt. Die Kinder waren verrückt danach und G. und M. mussten sich wohl oder übel breitschlagen lassen.

Cricket auf der Flugzeuglandebahn

Cricket auf der Flugzeuglandebahn

Abends wurde es nun auch festlich. Kleider und Hemden wurden angezogen, der Truthahn vorbereitet - allerdings nur zwei Truthahnkeulen und kein ganzer - und noch mehr Plumpudding aus dem Kühlschrank geholt, mit dem sich jeder schon den ganzen Tag vollgestopft hatte. Ich konnte diese kuchenartige Speise schon nicht mehr sehen, doch den anderen schien es nichts auszumachen, immer weiter Plumpudding zu essen!
Zur Feier des Tages war heute der Tisch schön hergerichtet, mit Tischdecke, Blumen und einem Cracker über jedem Teller. Da M. und G. von Engländern abstammen, ist auch ihr Weihnachtsfest von einigen englischen Traditionen bestimmt.

Unter lauten Rufen ließen wir die Cracker krachen, die dann Papierkronen, kleine Rätsel, Figuren, Spiele und Witze preisgaben. Nachdem der Truthahn verzehrt war, gab es Plumpudding, außerdem Eis und Schokolade für alle. Ich fühlte mich wie im Paradies - es kam mir vor, als wäre es Jahre her, dass ich zuletzt Eis gegessen hatte. Mit vollem Magen und rundum zufrieden ging ich schließlich in meinem Wohnwagen schlafen, um halb neun, denn auch der Weihnachtstag endete hier früh. Morgen ging es wieder an die Arbeit.

An diesem Weihnachtstag habe ich weniger meine Familie vermisst als viel mehr das Besinnliche des deutschen Weihnachtens. Bei einer Temperatur von vierzig Grad zündet man eben keine Kerzen an. Das Gemütliche und Beschauliche, das für mich das Weihnachten in Deutschland ausmacht, das Warten auf die Bescherung, die frühe Dunkelheit...Wie wichtig das war, wurde mir erst jetzt bewusst. Auf der Farm war es einfach ein freier Tag, an dem man etwas mehr aß und sich dazu noch etwas schenkte, nicht mehr.

© Mirjam & Nico L., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Während meiner ersten Australienreise arbeitete ich auf verschiedenen Farmen im Outback von Queensland und reiste an der Ostküste entlang von Cairns nach Sydney.
Details:
Aufbruch: 07.11.2006
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 07.02.2007
Reiseziele: Australien
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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