Farm&Travel in Australien

Reisezeit: November 2006 - Februar 2007  |  von Mirjam & Nico L.

Die Ostküste: Byron Bay & Nimbin

Nach zehn Tagen Aufenthalt verließ ich Brisbane - wehmütig, da es mir dort so gut gefallen hatte, aber auch neugierig auf mein nächstes Ziel: Das berühmte Byron Bay! Ich hatte schon so viel Gutes über diesen Ort gehört und war äußerst gespannt, ihn nun selbst zu sehen. Auf der fünfstündigen Fahrt passierten wir die Grenze zwischen Queensland und New South Wales. Kaum zu glauben - auf meiner bisherigen Reise hatte ich bereits über 2000 km zurückgelegt und hatte mich doch immer nur in einem einzigen von sechs Bundesstaaten und zwei Territorien befunden. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie unglaublich riesig dieses Land war. Nun ging es aber endlich in einen anderen Staat!

Die Kolonie New South Wales umfasste ursprünglich ganz Ostaustralien bis zum 135. Längengrad. Hier entstanden die ersten europäischen Siedlungen des Kontinents. Bis 1848 blieb New South Wales eine Sträflingskolonie, dann wurden große Mengen Gold gefunden, was unzählige Goldgräber anzog. Mit der Zeit trennten sich die anderen Kolonien ab, zuletzt 1915 das Capital Territory.
Nun befand ich mich also nicht mehr im Sunshine State, sondern im Premier State, wie auch die Nummernschilder verkündeten. Trotzdem war es hier nicht weniger sonnig!
Als ich in Byron Bay ankam, war ich wirklich gespannt, wie dieser von so vielen hoch gelobte Ort auf mich wirken würde. Das Hostel war erstmal enttäuschend: Mit 29$ recht hoch im Preis, war ich in einem Achterdorm ohne Aircondition oder Ventilator untergebracht und die Badezimmer wurden anscheinend selten geputzt... Dafür machte ich aber gleich nette Gesellschaft: Die Israelin Iris bot sich sofort begeistert an, mir die Haare zu färben, als ich erzählte, dass meine Frisur dringend Hennanachschub benötige. Dieses Unterfangen stellte sich zwar ohne Badewanne mit wassersparender Dusche als recht abenteuerlich heraus, aber immerhin konnte ich nun wieder frischgefärbt unter die Menschheit treten!
Bei den begeisterten Schilderungen von Byron Bay hatten die Reisenden, die ich getroffen hatte, keinesfalls übertrieben.

In Byron Bay

In Byron Bay

Dieser Ort zog auch mich sogleich in seinen Bann. Natürlich wimmelte es nur so von Backpackern, aber angesichts der wundervollen Atmosphäre hier war das auch nicht verwunderlich. Ähnlich wie in Rainbow Beach hatte ich das Gefühl, einfach von der Außenwelt entrückt zu sein in einem Kaleidoskop von bunten kleinen Lädchen, Eisdielen, weichem Sonnenlicht, ein paar Hippies, einem wunderschönen Strand und dem Bild des Leuchtturms am Horizont. Hier konnte man einfach die Zeit und die Welt vergessen, sich stundenlang am Strand oder in den bunten Straßen treiben lassen und dann abends in einer der unzähligen Bars die Nacht zum Tag machen.
Zum Leuchtturm führte ein bekannter Wanderweg, auf dem man Cape Byron erkunden konnte - der östlichste Punkt des Kontinents! Diese Wanderung war wirklich wunderschön und blieb mir als eine der allerbesten in Australien in Erinnerung. Im strahlendsten Sonnenschein ging es vorbei an perfekten Stränden und malerischen Klippen, immer mit Blick auf den knallblauen, schimmernden Ozean und den schneeweißen Leuchtturm oben auf der Anhöhe.
Und dann hatte ich auch noch zwei Premieren: Ich sah meine allererste Schlange in Australien (und in diesen drei Monaten auch die einzige, die ich sah) - sie lag vor mir auf dem Weg, ich blieb ruckartig stehen, da schlängelte sie schon vorbei und verschwand im Unterholz. Keine Ahnung, was es für eine war. Und ich sah zum ersten Mal in meinem Leben wilde Delfine! Leider viel zu weit weg, um sie zu fotografieren, aber dennoch sah ich von hier oben ihre wunderschönen Bewegung und es war ein Erlebnis, das sich sehr einprägte.

Mal wieder eine sehr große Eidechse!

Mal wieder eine sehr große Eidechse!

Cape Byron - der östlichste Punkt Australiens!

Cape Byron - der östlichste Punkt Australiens!

Der Hauptstrand liegt ganz nah am Ortskern von Byron Beach, so dass ich hier viel Zeit verbrachte. Besonders gefiel mir, dass man von hier aus auch den Leuchtturm sehen konnte.

Main Beach

Main Beach

Am folgenden Tag nahm ich gemeinsam mit Iris an einer Tagesfahrt nach Nimbin teil. Mit anderen Hostelbewohnern wurden wir morgens hingefahren und hatten dann einige Stunden zur Verfügung. Während der Besiedlung des Kontinents war hier ein von Farmern bewohntes Dorf entstanden, das jedoch später verlassen wurde und zur Geisterstadt verfiel. Dann wurde es in den siebziger Jahren von Hippies entdeckt, die sich hier ihr eigenes Reich schufen und nach ihren eigenen Vorstellungen eine Gemeinschaft bildeten, das umliegende Land bebauten und Gras rauchten. Als Lebensgrundlage ist heute anscheinend hauptsächlich der Tourismus und der Handel mit letzterer Substanz geblieben und viele Backpacker, die hierher kommen, tun dies wohl auch mehr oder weniger, um ihre Vorräte wieder aufzustocken. Auch wenn dieser florierende Handel natürlich illegal ist, so weiß doch das ganze Land davon, und es scheint sich meistens niemand darum zu kümmern. So bietet Nimbin ein etwas surreales Bild: Bunt bemalte Häuser, in fast jedem ein kleines Lädchen, in dem man sich mit allem möglichen von Schmuck und bunten Tüchern bis zu heilenden Steinen und merkwürdigen Teemischungen eindecken kann, auf den Straßen barfüßige Althippies mit ergrauten Bärten und wallender Kleidung, dazwischen Rucksacktouristen, die sich teils befangen und teils mit sich und der Welt zufrieden umsehen.
Einzige "richtige" Sehenswürdigkeit ist das Nimbin-Museum, ein surreales Sammelsurium.

In Nimbin - die meisten Häuser sind bunt bemalt

In Nimbin - die meisten Häuser sind bunt bemalt

Die Hemp Embassy - der Name spricht für sich...

Die Hemp Embassy - der Name spricht für sich...

Auf der Rückfahrt am Nachmittag legten wir dann noch einen kurzen Stop an der "Secret Swimming Hole" ein, die eigentlich nicht ganz so geheim war, sondern im Gegenteil bei den Einheimischen ziemlich bekannt zu sein schien Aber es war herrlich, sich an diesem heißen Nachmittag im kühlen Wasser etwas zu erfrischen.

...und natürlich wurde auch noch einmal an einem Aussichtspunkt gehalten!

...und natürlich wurde auch noch einmal an einem Aussichtspunkt gehalten!

© Mirjam & Nico L., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Während meiner ersten Australienreise arbeitete ich auf verschiedenen Farmen im Outback von Queensland und reiste an der Ostküste entlang von Cairns nach Sydney.
Details:
Aufbruch: 07.11.2006
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 07.02.2007
Reiseziele: Australien
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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