Farm&Travel in Australien

Reisezeit: November 2006 - Februar 2007  |  von Mirjam & Nico L.

Die Reise beginnt: Somerville

Als ich in Richmond ankam, wurde ich von einer Frau mit einem Baby empfangen, A., meine Arbeitgeberin. Der Weg nach Somerville betrug 90 km bis zum Grundstück der Farm und dann noch einmal 10 km bis zu den Gebäuden. Der Weg war gesäumt von toten Kängurus, die angefahren worden waren. Doch endlich sah ich nun auch lebende, echte Kängurus durch die Landschaft hüpfen. Meine ersten Kängurus! Ein großer Moment für jeden Australienreisenden.

Auf Somerville

Auf Somerville

Als wir auf der Farm ankamen, zeigte mir A. als erstes mein Zimmer und ließ mich allein, damit ich meine Sachen auspacken konnte. Ich wusste nicht warum, aber ich war enttäuscht. A. war sehr freundlich gewesen, mein Zimmer war schön und die Farm genau das, was ich mir vorgestellt hatte - eine Farm mitten im Outback. Aber ich fühlte mich sofort unwohl, ohne zu wissen, warum.

Das Haus der Arbeiter, die mittlere Tür führt zu meinem Zimmer

Das Haus der Arbeiter, die mittlere Tür führt zu meinem Zimmer

Mein Zimmer. Es hatte ein eigenes Bad, die Küche teilte ich mit den anderen Arbeitern.

Mein Zimmer. Es hatte ein eigenes Bad, die Küche teilte ich mit den anderen Arbeitern.

Das Haupthaus

Das Haupthaus

In den nächsten Tagen zeigte sich, dass ich mit meinem unguten Gefühl Recht gehabt hatte. Positiv war, dass ich bei meiner Arbeit einiges mit Tieren zu tun hatte, denn morgens fütterte ich die Kälbchen, die von ihrer Mutter verstoßen worden waren. Es waren sieben Stück und das Füttern war nicht allzu leicht, diese Arbeit nahm locker anderthalb Stunden in Anspruch. Abends fütterte ich dann nochmal drei dieser Kälbchen (die, die noch die Flasche bekamen), außerdem die Hühner und die Schweine. Mit diesem Teil des Jobs war ich sehr glücklich. Vor allem das Füttern der Kälbchen machte riesigen Spaß. Es war faszinierend, zu sehen, wie sie jeden Tag kräftiger wurden. Außerdem waren sie richtige Schleckermäuler - weigerte sich eines, zu trinken, musste man nur ein wenig süßen Fruchtmus zu der Nährstofflösung geben und schon tranken sie gierig!

Die kleinen Kälbchen bekommen eine "Rescue" Nährstofflösung aus der Flasche

Die kleinen Kälbchen bekommen eine "Rescue" Nährstofflösung aus der Flasche

Das sind die älteren Kälber, sie wurden nicht mehr mit der Flasche gefüttert, sondern bekamen eine Milchlösung aus Tränken.

Das sind die älteren Kälber, sie wurden nicht mehr mit der Flasche gefüttert, sondern bekamen eine Milchlösung aus Tränken.

Auch das Füttern und Tränken der Schweine gehörte zu meinen Aufgaben

Auch das Füttern und Tränken der Schweine gehörte zu meinen Aufgaben

Der "Privathund" der Familie, der den ganzen Tag faul herumlag

Der "Privathund" der Familie, der den ganzen Tag faul herumlag

Der Rest des Jobs jedoch war alles andere als angenehm. A. hatte mir am Telefon gesagt, dass ich viel mit den Kindern machen würde und der Job nur ein wenig Putzen beinhaltete. In der Tat jedoch hatte ich mit den Kindern gar nichts zu tun, sondern putzte jeden Tag von zehn bis neunzehn Uhr. Das gesamte Wohnhaus der Familie, die Arbeitsgebäude, einfach alles...! Ich war am Ende, denn das hatte ich nicht erwartet. Wenn ich schon nicht mit dem Vieh arbeiten konnte, wie ich eigentlich gewollt hatte, dann wollte ich wenigstens etwas mit den Kindern machen, und ein bisschen am Leben der Familie auf einer Farm teilhaben, aber das hatte ich nicht. Ich war im Gegenteil sehr einsam, weil ich nicht mit der Familie essen durfte, sondern alle Mahlzeiten alleine in der Küche der Arbeiter einnahm. Es gab noch zwei andere Arbeiter auf der Farm, einen älteren Mann und eine junge Frau, doch sie hatten zu anderen Zeiten Pause als ich und redeten auch kaum mit mir. Also hatte ich nie Gesellschaft.

Die anderen fahren zur Arbeit

Die anderen fahren zur Arbeit

Mein einziger Kontakt zu Menschen war, wenn A. mir Arbeitsanweisungen gab. Ich war also sehr alleine und so wurde ich jeden Tag unglücklicher. Ich traute mich aber auch nicht, mit A. zu reden, denn sie war schließlich der einzige Mensch, mit dem ich hier zu tun hatte, und wenn ich es mir mit ihr verdarb, dann war alles noch schlimmer!
Ich fragte sie dann, ob ich denn noch etwas mit Kindern machen würde, und sie antwortete: "Nein, mit den Kindern hast du eigentlich nichts zu tun. Das, was du zurzeit machst, ist die einzige Arbeit, die wir haben. Andere waren damit zufrieden." Ab und zu durfte ich danach für eine Viertelstunde das Baby auf dem Arm halten, aber das war meine einzige Abwechslung zur Putzerei.

Nach einer Woche auf Somerville hatte ich schließlich genug, denn ich fühlte mich einfach nur noch elend und ausgelaugt. Dies war mein Traum, auf einer Farm zu leben, und dies war meine Zeit in Australien - sollte ich sie hier verschwenden, an einem Ort, an dem ich unglücklich war? Ich hatte nun eine ganze Woche lang versucht, mich zusammen zu reißen und das Beste aus der Sache zu machen, doch es wurde immer schlimmer. Also rief ich bei Visitoz an und bekam sofort ein paar Telefonnummern von Familien, die ein Mädchen für die Kinder suchten. Am nächsten Tag hatte ich einen neuen Job, 600 km weit von Cairns, als Kindermädchen auf einer Farm.

Von außen betrachtet war Somerville wirklich ein schöner Ort, die Landschaft und die Tiere faszinierten mich. Doch ich war froh, dass ich von hier fort konnte. Schon am Montag fuhr A. mich nach Richmond, wo ich den Greyhound nach Townsville und dann weiter nach Cairns nahm.

© Mirjam & Nico L., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Während meiner ersten Australienreise arbeitete ich auf verschiedenen Farmen im Outback von Queensland und reiste an der Ostküste entlang von Cairns nach Sydney.
Details:
Aufbruch: 07.11.2006
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 07.02.2007
Reiseziele: Australien
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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