Farm&Travel in Australien

Reisezeit: November 2006 - Februar 2007  |  von Mirjam & Nico L.

Die Ostküste: Port Macquarie

Auf dem Weg von Byron Bay nach Port Macquarie machte der Greyhound eine Pause in Ballina. Direkt neben der Haltestelle stand die "Big Prawn", eine riesige Garnele. Sie ist eines der "Big Things", die man in kleinen Orten im ganzen Land finden kann. Das erste war die "Big Banana" in Coffs Harbour, mittlerweile gibt es einen Großen Gummistiefel, eine Große Ananas, eine Große Kiwi, ein Großes Merinoschaf und viele mehr.

Die Big Prawn in Ballina

Die Big Prawn in Ballina

Port Macquarie wurde, wie so viele Örtlichkeiten in Australien, von dem Gouverneur Lachlan Macquarie nach sich selbst benannt. Es gibt einige Namen geschichtsträchtiger Personen, die einem überall in Australien immer wieder begegnen, und Macquarie gehört definitiv dazu! Es wird übrigens nicht Maquääärie ausgesprochen, sondern so, dass es sich auf sorry reimt.
Nach dem fröhlichen Byron Bay wirkte diese Stadt viel ruhiger: Hier waren die Farben gedeckter, die wenigen Touristen verhielten sich unauffällig und man schien viel mehr Australier als Touristen anzutreffen. Insgesamt eine beschauliche, etwas unscheinbare Stadt, die mir aber sofort sympathisch war und wo es einige sehr interessante Dinge zu sehen gibt.

Cooloonbung Creek in Port Macquarie - der Creek fließt durch den Westen der Stadt, nahe meinem Hostel

Cooloonbung Creek in Port Macquarie - der Creek fließt durch den Westen der Stadt, nahe meinem Hostel

Port Macquarie ist die drittälteste Stadt auf dem australischen Festland, und so war ein Grund für mein Kommen auch geschichtlicher Art: Ganz in der Nähe des Stadtzentrums befindet sich ein Friedhof aus der Zeit der ersten europäischen Besiedlung. Nach einem kleinen Bummel durch die Innenstadt besichtigte ich also die alten Gräber und war fasziniert davon, so ein Zeugnis lebendiger Geschichte vor mir zu sehen. Die ersten Menschen wurden hier im Jahr 1824 begraben, die letzten in den 1880ern. Insgesamt sind es 1500 Tote, darunter sowohl freie Siedler und Soldaten als auch Sträflinge. Einige Grabsteine waren sehr verwittert, doch auf anderen war die Schrift noch deutlich lesbar. Nicht selten war neben dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten auch der Ort in Europa angegeben, aus dem der hier Bestattete ursprünglich stammte. Die Grabsteine berührten mich sehr: Was hatte diese Menschen dazu gebracht, ihre Heimat, die zumeist in England lag, zu verlassen? Warum hatten sie die lebensgefährliche, wochenlange Reise über das Meer in ein fremdes und bedrohliches Land gewagt? Die Grabsteine verdeutlichen einmal mehr, dass hinter den trockenen Fakten, die sich in Büchern nachlesen lassen, menschliche Schicksale stehen.

Nach dem Besuch des Friedhofs wollte ich unbedingt noch zum nahe gelegenen Kooloonbung Creek Nature Park. Dieser schöne Naturpark ist ein 50ha großes Schutzgebiet, in dem auch viele Tiere leben. Leider verlor ich jedoch die Zeit aus dem Blick, und die australische Dämmerung geht immer sehr schnell vonstatten, so dass es plötzlich fast schon dunkel war. Natürlich gab es hier keinerlei Beleuchtung, da machte ich lieber schnell, dass ich wieder zurück in die Stadt kam. So sah ich leider nicht so viel vom Park, wie ich gerne gesehen hätte.

Kooloonbung Creek Nature Park

Kooloonbung Creek Nature Park

Am Rand des Creeks wachsen Mangroven

Am Rand des Creeks wachsen Mangroven

Am nächsten Tag regnete es leider ununterbrochen - zum ersten Mal, seit ich in Australien war! Es schüttete wie aus Kübeln, und so besichtigte ich an diesem Tag lieber einige Museen und Kirchen.

Die St. Thomas Anglican Church von 1824 wurde von Sträflingen erbaut und ist eine der ältesten Kirchen Australiens

Die St. Thomas Anglican Church von 1824 wurde von Sträflingen erbaut und ist eine der ältesten Kirchen Australiens

Im Maritime Museum, einem Sammelsurium mit allen möglichen Dingen zur Geschichte der Seefahrt in New South Wales

Im Maritime Museum, einem Sammelsurium mit allen möglichen Dingen zur Geschichte der Seefahrt in New South Wales

Das Old Courthouse, ein Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1869. Es wurde bis 1986 in dieser Funktion genutzt und ist heute wieder im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet.

Das Old Courthouse, ein Gerichtsgebäude aus dem Jahr 1869. Es wurde bis 1986 in dieser Funktion genutzt und ist heute wieder im Stil des 19. Jahrhunderts eingerichtet.

Am Tag danach zeigte sich das Wetter wieder hauptsächlich von seiner besseren Seite. Also machte ich einen Abstecher zum Strand, bevor ich die wohl bekannteste Einrichtung Port Macquaries besuchte: Das Koala Hospital. Mitten in einem kleinen Wäldchen befand sich dieses Krankenhaus für Koalas. Neben einigen kleinen Hütten lagen die Gehege der kranken Tiere, die auf ihren Bäumen vor sich hin dösten und sich nicht viel um die wenigen Besucher scherten. Auf Infotafeln konnte man die Geschichte der Bewohner nachlesen. Viele davon waren bei Waldbränden schwer verletzt, einige von Autos angefahren worden. Es gab auch ein paar Dauergäste, z.B. einen erblindeten Koala, der in der freien Wildbahn nicht überleben könnte und im Koala Hospital ein neues Zuhause gefunden hatte. Hier kümmerten sich Tierärzte und Pfleger um die Tiere und verbrachten von Spenden finanziert medizinische Meisterleistungen, um diese Vertreter einer immer kleiner werdenden Population zu retten. Umso besser, dass viele Tiere nach der Genesung wieder ausgesetzt werden können!

Town Beach

Town Beach

Auf dieser Tafel sind alle Patienten des Koala Hospitals verzeichnet

Auf dieser Tafel sind alle Patienten des Koala Hospitals verzeichnet

Kookaburra

Kookaburra

In der Nähe des Koala Hospitals fand ich ganz durch Zufall ein weiteres historisches Gebäude, Roto House. Das Haus wurde 1890 aus Mahagoni-Holz gebaut, und zwar von der Flynn-Familie. John Edmund Flynn war fünf Jahre zuvor nach Australien ausgewandert, um als Landvermesser zu arbeiten. Heute ist das Haus wieder im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts eingerichtet, so dass man sich ein gutes Bild davon machen kann, wie eine wohlhabende Familie zu dieser Zeit in New South Wales lebte. Ich fand es sehr interessant, die Architektur und Einrichtung sowie die vielen Alltagsgegenstände zu betrachten.

Roto House

Roto House

Port Macquarie war meine letzte Station vor Sydney - am späten Nachmittag ging endlich die Fahrt los zur wohl berühmtesten Stadt Australiens. Sieben Stunden Richtung Süden, bevor ich endlich mitten in der Nacht in Sydney ankommen würde.

© Mirjam & Nico L., 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Während meiner ersten Australienreise arbeitete ich auf verschiedenen Farmen im Outback von Queensland und reiste an der Ostküste entlang von Cairns nach Sydney.
Details:
Aufbruch: 07.11.2006
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 07.02.2007
Reiseziele: Australien
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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