Rückenwind

Reisezeit: Januar 2010 - März 2011  |  von Marco Burkhart

Panama: San Blas

Das "Darische Loch", ein dichtes Dschungelgebiet, trennt die Laender Kolumbien und Panama. Das Gebiet wird von Drogen- und Waffenschmugglern, Banditen, Guerillas und sonstigen Kojoten bewohnt. Die Durchreise endet fuer 80 % der Touristen toedlich. Soweit ist es mit meinem Wagemut nun doch nicht. Also entscheide ich mich fuer eine elegante Umschiffung dieses Streifens per Segelboot durch die Karibik.
Ein gut gewartetes Segelboot mit einem ausgebildeten Kapitaen ist in Kolumbien allerdings so einfach zu finden wie rosarote Panther im Schwarzwald. Doch ich habe Glueck und lande auf der "Stahlratte", die vom deutschen Kapitaen Ludwig gesteuert wird. Mal wieder eine Hauruck-Aktion innerhalb 18 Stunden von Anheuern bis Auslaufen.

Auslaufen vor Cartagena

Auslaufen vor Cartagena

Wir starten von Cartagena an der Nordkueste Kolumbiens in Richtung San Blas nach Panama. Die San Blas Inseln sind ein kleines Paradies auf Erden. Von der schreibtischgrossen Insel mit einer Palme bis zu groesseren bewohnten ist alles zu finden. In meinem ganzen Leben habe ich kein derart klares Wasser und so weisse Straende gesehen. Die Inseln sind so urspruenglich, weil sie unter der autonomen Verwaltung der Kuna Indianer stehen. Die Kunas fuehren ihr traditionelles Leben auf den Inseln und einem kuestenstreifen Panamas weiter, gehen morgen mit ihrem Einbaum zum Fischen und Hausen in Huetten mit Palmendach.

Die Stahlratte

Die Stahlratte

Nachtwache im Mondschein

Nachtwache im Mondschein

In der ersten Nacht halte ich mit Benjamin aus Frankreich Nachtwache. Jede Stunde muss der Motor geoelt und aufgedankt werden. Der Maschinenraum ist die reinste Sauna. Da bist du froh, wenn dir die Brise an Deck wieder um die Ohren weht.
Wir verbringen die Ueberfahrt zu den Inseln mit Lesen, Quatschen und ganz verrueckte mit Mastklettern. Wenn du 20 m ueber Deck stehst, hat der Mastkorb einen ganz schoenen Ausschlag zur Seite. Ist also nur fuer seefeste geeignet. Nach 33 Stunden erreichen wir San Blas in der Dunkelheit. Die einzigartige Schoenheit der Inseln kann man schon erahnen.

Ankunft in San Blas

Ankunft in San Blas

Am naechsten Morgen bietet sich dieser ueberwaeltigende Anblick. Wir packen die Schnorchel aus und erkunden die Umgebung per Flosse. Abends grillen wir wie Robinson Crusoe am Strand und sitzen am Lagerfeuer.

San Blas Inseln

San Blas Inseln

Hendl aufm Grill

Hendl aufm Grill

Nach der Grillparty wache ich mit den schlimmsten Halsschmerzen seit Erfindung dieser Krankheit auf. Weitere Bade- und Schnorchelgaenge sind nun abgeschrieben. Also lese ich ein Buch ueber die Enterung eines Schiffs durch Drogenschmuggler. Passend zur Umgebung.

Kuna Indianer mit Einbaum

Kuna Indianer mit Einbaum

Nach vier Tagen sollte die Tour eigentlich enden. Bei unserer Abschiedsparty an Deck rege ich an, ob wir einen Tag verlaengern wollen. Unser Kapitaen ist schnell einverstanden und am Ende auch alle Passagiere. Also fahren wir ein Stueck weiter und erkunden ein Schiffswrack. Ich allerdings nicht, meine Mandeln sind inzwischen zu Melonen angeschwollen. Trotz ausgiebiger Spuelung mit Cuba Libre.

Nach fuenf Tagen endet unsere Tour im Paradies und wir landen in Panama, dem Land der Tigerenten. Dorthin sind Tiger und Baer aufgebrochen, wollten ein neues Zuhause finden. Sie sind schliesslich nach einem Kreisgang wieder am Ausgangsort angekommen. Im Glauben Panama erreicht zu haben. Janoschs Botschaft: "Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst." Mir gehts genauso. Je weiter und laenger ich von Deutschland weg bin, umso mehr weiss ich mein Land zu schaetzen.

Mastblick

Mastblick

© Marco Burkhart, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am Donnerstag, 28. Januar früh fuhr ich mit dem geliehenen Citroen "Jolly" Jumper, über die Elbbrücken Richtung Freiburg. Auf Delta Radio lief "Rückenwind" von Thomas D. Ich dachte nur, was gibt es passenderes als Titel für dieses Kapitel?
Details:
Aufbruch: 31.01.2010
Dauer: 14 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Argentinien
Chile
Antarktis
Brasilien
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Botsuana
Sambia
Mosambik
Südafrika
Namibia
Ruanda
Tansania
Der Autor
 
Marco Burkhart berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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