Rückenwind

Reisezeit: Januar 2010 - März 2011  |  von Marco Burkhart

Botswana: Moremi Reservat

Unsere erste Safari steht an. Von Maun fahren wir in das Moremi Wildreservat. Ich bin total gespannt, welche Tiere wir entdecken werden. Die Fahrt fuehrt ueber Sand- und Schotterpisten, die unser Freund auf Stelzen "Bigfoot" bestens meistert. Wir fahren durch die typische Buschlandschaft, die durch die ersten Regenfaelle schon langsam ergruent.

Buschlandschaft

Buschlandschaft

Waehrend ich so sinniere, biegen wir um eine Kurve und mitten auf der Strasse steht sie, eine Giraffe. Ewig gross, mit ihrem langen Hals ueberragt sie Buesche und auch viele Baeume. Ich juble los, kriege mich kaum ein. Meine erste Giraffe, das ist ganz grosses Tennis. Wir entdecken eine weitere an einem Wasserloch. Sie spreizt langsam die Beine, prueft immer wieder ihre Umgebung, ist extrem vorsichtig, bevor sie trinkt. Stell dir vor, du senkst deinen Kopf aus sechs Metern, dein Hals ist immer noch zu kurz und du gehst in eine Art Kniestuetz, bis du das Wasser erreichst. Aus dieser hexenschussartigen Position kommst du nicht so einfach hoch und bist leicht angreifbar. Fuer mich ein grosses Schauspiel.

Zebrastreifen

Zebrastreifen

Weiter gehts durch Moremi, wir sehen traumhafte Landschaften mit Voegeln und Wasserboecken. Wieder ein grosses Wasserloch und ich sage noch zu Jan, jetzt koennte doch mal langsam ein Elefant um die Ecke kommen. Kurz darauf steht er da, in einiger Entfernung unser Auto pruefend. Er wackelt mit dem Kopf, stellt seine Ohren auf, scharrt mit den grossen Fuessen. Alles Drohgebaerden, die uns vor einem Angriff oder einem Naeherkommen abhalten sollen. Ich rutsche nervoes auf meinem Sitz hin und her. Meint er es ernst? Rennt er gleich auf unsere Karre los?

Antilopen bei der Kampfuebung

Antilopen bei der Kampfuebung

Wir nehmen wieder Fahrt auf, bis Jan abrupt in die Eisen steigt: "Da!" und zeigt neben mich. Zwei Loewen liegen faul unter einem Busch und weichen der bruetenden Mittagssonne aus. Es wird richtig heiss und unser Auto ohne Klimaanlage wird zur fahrenden Sauna. Abends im Dachzelt hoeren wir die Loewen bruellen. Da kriegst du eine Gaensehaut und bist froh, dass du im Dachzelt liegst. Am naechsten Abend erleben wir allerdings eine kleine Ueberraschung. Wir fahren im Dunkeln auf unseren Platz und ich frage mich, wie sich ein umgestuerzter Baum auf einmal bewegen kann. Das passt nicht zu Baeumen, schon gar nicht, wenn sie am Boden liegen. Ich leuchte mit meiner Stirnlampe und sehe ein Flusspferd. Wir hechten ins Auto und warten. Aber der Besucher interessiert sich ueberhaupt nicht fuer uns und grast einfach weiter. Also setzen wir uns in sicherer Entfernung und hoeren, wie es mit seinem grossen Maul das Gras aus dem Boden reisst. Rupf, mampf.

Junger Loewe

Junger Loewe

Besucher im Camp

Besucher im Camp

Kleine Trinkpause

Kleine Trinkpause

Das Gelaende und die Wege sind nicht gerade eine Rueckenkur. Tiefer Sand, Schotter und Lehm wechseln sich ab. Es ruettelt und schuettelt. Ab und zu kommen wir an ein Wasserloch, keine Bruecke, keine Umfahrung moeglich. Bis uns unser Navi an eine ueberschwemmte Pfanne fuehrt. Quasi ein See. Wir ueberlegen lange, ob wir uns durchwagen sollen, doch das Wasser ist konstant flach, unser Auto schafft die ersten 300 m problemlos. Auf einmal wird es tiefer, wir versuchen eine galante Umfahrung und bleiben stecken. Mitten im See, in einiger Entfernung plantschen Flusspferde. Jetzt ist guter Rat teuer. Was nun? An dieser Stelle wird in den kommden zwei Wochen keine Menschenseele vorbeikommen. Wir sind auf uns gestellt. Schock und Adrenalin schiessen in die Venen. Jetzt mal logisch und mit krampfhafter Ruhe nachdenken. Ich packe innerlich schon den Rucksack und ueberlege, was wir fuer einen Fussmarsch an Ausruestung benoetigen. Schliesslich schaffen wir es doch, ziehen die Karre mit Hilfe der Seilwinde Millimeter fuer Millimeter aus dem Dreck. Wir sind befreit! Das brauchst du wirklich nicht jeden Tag. Da bist du an deiner mentalen Grenze und wuenschst dir einen Hubschrauber.

Mein erstes Wasserloch

Mein erstes Wasserloch

Teichfahrt

Teichfahrt

© Marco Burkhart, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am Donnerstag, 28. Januar früh fuhr ich mit dem geliehenen Citroen "Jolly" Jumper, über die Elbbrücken Richtung Freiburg. Auf Delta Radio lief "Rückenwind" von Thomas D. Ich dachte nur, was gibt es passenderes als Titel für dieses Kapitel?
Details:
Aufbruch: 31.01.2010
Dauer: 14 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Argentinien
Chile
Antarktis
Brasilien
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Botsuana
Sambia
Mosambik
Südafrika
Namibia
Ruanda
Tansania
Der Autor
 
Marco Burkhart berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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