Rückenwind

Reisezeit: Januar 2010 - März 2011  |  von Marco Burkhart

Peru: Valle del Colca

Die Colca Schlucht ist die zweittiefste ihrer Art weltweit. Von der Bergspitze bis zum Fluss Colca sind es 3.200 m. Nur eine benachbarte Schlucht ist 160 m tiefer.
Ich fahre mit Ella von Arequipa nach Cabanaconde, dem Ausgangspunkt fuer unsere Tour. Der Ort liegt am Rand auf 3.200 m Hoehe. Der erste Blick in dieses tiefe Loch laesst deine Knie weich werden. Vom Rand blickst du 1.200 m in die Tiefe, ohne Barriere. Wir begeben uns auf den schmalen Pfad ins Tal. Wie Gelaender oder Sicherungsseil geschrieben wird, ist hier noch nicht angekommen. Also gehen wir langsam, ein Ausrutscher kann eine tiefe Abfahrt zur Folge haben. Die anfangs sehr nervoese Ella wird jedoch sicherer und so kommen wir immer besser voran. Wir werden immer wieder von Mauleseln ueberholt, die Lebensmittel in das reich bevoelkerte Tal transportieren. Die Treiber sind mit ihren vom Verfall bedrohten Sandalen deutlich schneller als wir mit unseren Hightech-Schuhen.

Blick vom oberen Rand

Blick vom oberen Rand

Der Hoehepunkt ist ein kleiner Junge um die sechs Jahre, der an uns vorbeirennt. Ich traue meinen Augen nicht, was der fuer ein Tempo drauf hat. Er traegt einen kleinen Ranzen und kommt vermutlich gerade von der Schule zurueck. Jeden Tag den Berg hoch und wieder runter. Echt krass. Ich denke, den sehen wir bei Olympia 2020 im Fernsehen wieder, wenn er die Aethiopier in Grund und Boden laeuft.

Wir erreichen unser Tagesziel San Juan an der Talsohle und ueberqueren den Rio Colca zum ersten Mal. Eine freundliche Dame nimmt uns in Empfang und fuehrt uns einen Huegel hinauf in ihr kleines Hotel mit Garten fuer Camper, also fuer uns.

Der zweite Tag soll sehr entspannt werden. Wir wollen in der Schlucht bis zum naechsten Camp weitergehen, das drei Stunden entfernt liegt. Doch wir verlieren den Weg, driften immer weiter Richtung Talsohle anstatt nach oben. Ein freundlicher Herr vom Senasa, der Landwirtschaftsbehoerde weist uns den Weg nach oben. Doch wir verhundsen es wieder. Das gute ist nur, dass man in einer Schlucht nicht verloren gehen kann. Nach oben findest du irgendwie immer. Wir entscheiden aber am Fluss langzugehen, durchqueren mehrere Kakteenfelder, die eigentlich nur mit einer vernuenftigen Machete passierbar sind, krakseln ueber Boeschungen. Dann stehen wir vor einer senkrechten Wand, eine Klamm. Das Wasser ist zu tief und zu schnell, also bleibt uns nichts anderes uebrig, als den Weg ganz nach oben anzutreten. Schliesslich finden wir den richtigen Pfad und kommen nach sieben Stunden in der Oasis Sangalle an, mit einem Thermal-Pool. Was fuer eine Entspannung fuer die Muskeln, ein grossartiges Gefuehl.

Die Oasis im Blick

Die Oasis im Blick

Der dritte Tag wird ein einziger Anstieg aus der Schlucht. Wir starten von der Oasis auf 2.100 m, der Weg schlaengelt sich kontinuierlich nach oben bis Cabanaconde. Da die Sonne morgens auf unsere Bergseite knallt, beschliessen wir frueh in die Wand zu gehen. Um halb sieben bei ersten Tageslicht gehts los. Es ist angenehm kuehl. Wir finden ein gemeinsames Tempo, dass wir bis nach oben durchhalten koennen. Gegen neun wird es heiss, die Sonne faellt uns in den Ruecken, doch der Wachposten am Berg sagt uns noch 30 Minuten bis zum Schluchtrand voraus. Immer wieder weichen wir Mauleseln und ihren Fuehrern aus. Einige halten ein Schwaetzchen mit uns, bis wir uns wieder loseisen. Zeit spielt fuer diese Jungs keine Rolle. Kein Wunder war das Bier in der Oasis so teuer.

Am naechsten Tag machen wir uns per Bus auf den Rueckweg und legen einen Stopp am Cruz del Condor ein. Jeden morgen ab sieben kreisen hier Condore mit ihre gigantischen Spannweite von 3.5 m. Sie segeln majestaetisch durch die Luft und beobachten die vielen Schaulustigen am Rand.

Der Bus faehrt uns weiter und bringt uns an einer atemberaubenden Szenerie vorbei. Die Schlucht weitet sich mehr und mehr. Es erscheinen die riesigen Terrassen, die vor vielen Jahrhunderten fuer die Landwirtschaft angelegt wurden und heute noch genutzt werden. Bis zur Talsohle wird die gigantische Flaeche genutzt.

© Marco Burkhart, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am Donnerstag, 28. Januar früh fuhr ich mit dem geliehenen Citroen "Jolly" Jumper, über die Elbbrücken Richtung Freiburg. Auf Delta Radio lief "Rückenwind" von Thomas D. Ich dachte nur, was gibt es passenderes als Titel für dieses Kapitel?
Details:
Aufbruch: 31.01.2010
Dauer: 14 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Argentinien
Chile
Antarktis
Brasilien
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Botsuana
Sambia
Mosambik
Südafrika
Namibia
Ruanda
Tansania
Der Autor
 
Marco Burkhart berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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