Rückenwind

Reisezeit: Januar 2010 - März 2011  |  von Marco Burkhart

Kolumbien: Manizales

Manizales liegt im Herzen der Kaffeeregion Kolumbiens. Es gibt hier auch viele Berge und Seen, allerdings hab ich davon in den letzten acht Monaten schon genug gesehen. Ich waehle das Kulturprogramm um den Kaffee und besuche zwei Fincas. Eine grosse mit 200 ha und eine mittlere mit 60 ha. Eine normale Familienfinca bewirtschaftet ca. 5 ha, also mehr oder weniger Vorgartenbetriebe. Die Region liegt auf ca. 1.300 m, das heisst es wird nur Arabica angebaut, der sogenannte Hochlandkaffee. Der Typ ist verspielt im Aroma und fein. Robusta ist weniger anspruchsvoll und wird in tieferen Regionen ab 600 m, hauptsaechlich in Brasilien angebaut. Er ist koffeinreicher und haerter im Geschmack. Deshalb werden die Typen bei uns gerne verschnitten.

Kaffeeplantage

Kaffeeplantage

Reifer Kaffee

Reifer Kaffee

Ich werde ueber die Felder gefuehrt und lasse mir den Anbau erklaeren. Es ist verblueffend, Kaffee ist dem Weinbau sehr aehnlich. Ich erkenne etliche Parallelen in der Pflanzenanzucht, Anbau und Verarbeitung. Durch das konstante Klima sind an einem Busch gleichzeitig Blueten, unreife und reife Bohnen zu finden. Eine Eigenheit der Natur. Das macht die Ernte zur Fummelarbeit, die Arbeiter muessen sehr genau selektieren, bevor sie eine Bohne pfluecken. Bezahlt werden die Pfluecker nach kg und leider ist es katastrophal wenig. Da kriegst du beim Trinken ein schlechtes Gewissen: 10 Cent/kg! Bei einer Tagesleistung von ca. 150 kg in der Hochsaison sind das 15 Euro. Davon gibt der Arbeiter nochmal drei Euro fuer die Mahlzeiten an die Finca ab. Den Anbauern gehts nicht viel besser, etliche geben ihre Flaechen auf, da es sich einfach nicht mehr rechnet. Kolumbien ist seit einiger Zeit in einer Kaffeekrise. Obwohl hier der wohl beste weltweit angebaut wird.

Typisches Landhaus

Typisches Landhaus

Frisch von der Plantage

Frisch von der Plantage

Nach der Ernte werden die Bohnen gewaschen und von der Schale getrennt. Die Bohnen, die oben schwimmen gehen in den lokalen Verkauf, die schweren, sinkenden in den Export. Deshalb findest du hier auch keinen gscheiten Kaffee, so ne Sauerei. Nach der Trocknung geht die gruene Bohne in Saecke und ueber den Ozean in die Hauptmaerkte USA und Europa. Vor Ort wird dann frisch geroestet und verkauft.

Trocknungsanlage

Trocknungsanlage

Im Anschluss an die Runde durch Kaffeefelder und Verarbeitung kommt nun die Zubereitung. Als grosser Espresso-Liebhaber glaube ich, dass ich einen guten Espresso zubereiten kann. Doch weit gefehlt. Der Fuehrer korrigiert mich immer wieder, falsch gemahlen, falsch angepresst, Siebtraeger nicht vorgewaermt, Tasse verkehrt positoniert... Ich fall vom Glauben hab! Am Ende kommt dann doch noch eine richtige, verwertbare Tasse raus. Inzwischen hab ich schon den totalen Zitterer vom Probieren. Die Nacht verbringe ich mit Bohnen zaehlen, an Schlaf ist kaum zu denken.

Gruene Bohne bis dunkel geroestet

Gruene Bohne bis dunkel geroestet

© Marco Burkhart, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am Donnerstag, 28. Januar früh fuhr ich mit dem geliehenen Citroen "Jolly" Jumper, über die Elbbrücken Richtung Freiburg. Auf Delta Radio lief "Rückenwind" von Thomas D. Ich dachte nur, was gibt es passenderes als Titel für dieses Kapitel?
Details:
Aufbruch: 31.01.2010
Dauer: 14 Monate
Heimkehr: 31.03.2011
Reiseziele: Argentinien
Chile
Antarktis
Brasilien
Bolivien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Panama
Costa Rica
Botsuana
Sambia
Mosambik
Südafrika
Namibia
Ruanda
Tansania
Der Autor
 
Marco Burkhart berichtet seit 11 Jahren auf umdiewelt.
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