Einmal um die Welt

Reisezeit: Dezember 2013 - August 2014  |  von Annika & Axel alias A Team

Argentinien: Buenos Aires 30.04. - 16.05.2014

Buenos dias, Buenos Aires!

So gut war der Tag ehrlich gesagt gar nicht, als wir in Buenos Aires gelandet sind. Bestimmt eine halbe Stunde lang sind wir durch eine nicht enden wollenden, dicke Wolkendecke geflogen, die wir erst kurz vor der Landung durchbrochen haben. Nieselregen, Schmuddelwetter, die Begrüßung hatten wir uns anders vorgestellt.

Aber nicht verzagen, wir haben ja schließlich vor, einige Tage in dieser Stadt zu verbringen und da wird es sicherlich auch die Chance auf ein bisschen Sonne geben. Und außerdem wollen wir ja sowieso die Schulbank drücken und ein wenig Spanisch lernen und das geht bei schlechtem Wetter sowieso viel besser

Doch Buenos Aires ist für mehr als eine Überraschung gut und so wurden wir bereits am nächsten Tag mit herrlichem Sonnenschein begrüßt. Unser Glück mit dem Wetter, das uns seit Beginn unserer Reise stets und fast ausnahmslos begleitet hat, setzt sich fort

Das Paris von Südamerika

Man merkt ja eigentlich meistens recht schnell, ob man sich in einer Stadt wohlfühlt und gerne länger bleiben mag, oder eben nicht. Bei unserem ersten Streifzug durch die Straßen von Buenos Aires war direkt klar: Hier lässt es sich gut aushalten!

Wir haben unser Quartier im Stadtteil Palermo Soho bezogen, und wie der Name bereits vermuten lässt, ist dies ein sehr schickes, trendiges Viertel mit Cafés, Restaurants und Bars.

Viele der Straßen sind hier von Bäumen gesäumt und noch mit Kopfsteinpflaster beschlagen, so dass Mancherorts schnell vergessen ist, dass wir uns in einer Großstadt mit immerhin 3 Mio. Einwohnern (Großraum sogar 13 Mio.) befinden. Das gesamte Stadtbild ist sehr europäisch geprägt mit hübschen Häusern im klassischen Stil, so dass man sich eher in Europa wähnt, als irgendwo in Südamerika. Kein Wunder, waren es doch überwiegend italienische und spanische Auswanderer, die ab Ende des 19. Jahrhunderts nach Buenos Aires übersiedelten. So hat es uns nicht verwundert, dass die Stadt auch gerne als "Paris Südamerikas" bezeichnet wird.

Typisches Straßenbild in unserem Viertel Palermo Soho

Typisches Straßenbild in unserem Viertel Palermo Soho

Wir kommen mit dem festen Vorhaben nach Buenos Aires, uns hier ein paar Spanischkenntnisse anzueignen bzw. die vorhandenen aufzupolieren. Wir haben uns zwar in Patagonien recht gut durchgeschlagen, aber es liegen ja noch ein paar Monate Südamerika vor uns. So wollen wir bereits am nächsten Tag ein paar Sprachschulen abklappern. Brauchen wir dann aber gar nicht, denn in der allerersten gefällt es uns bereits sehr gut und sie liegt in Laufnähe zu unserem Apartment. So melden wir uns direkt für eine Woche Spanisch an. Leider sind wir was den Kurs angeht ein bisschen ungünstig hier angekommen und können erst 5 Tage später beginnen. Aber macht nichts, solange schauen wir uns einfach die Stadt an. Wir sind ja auch nicht nur zum Lernen gekommen

Im "Microcentro", dem Geschäftszentrum von Buenos Aires, ist der Obelisk ein markanter Punkt auf der Avenida 9 de Julio, die mit 20 Fahrstreifen auf 140 Metern als breiteste Straße der Welt gilt. Wir brauchten auf jeden Fall immer mehr als nur eine Grünphase, um auf die andere Seite zu gelangen.

Im "Microcentro", dem Geschäftszentrum von Buenos Aires, ist der Obelisk ein markanter Punkt auf der Avenida 9 de Julio, die mit 20 Fahrstreifen auf 140 Metern als breiteste Straße der Welt gilt. Wir brauchten auf jeden Fall immer mehr als nur eine Grünphase, um auf die andere Seite zu gelangen.

Plaza de Mayo mit dem Präsidentenpalast, dem "Casa Rosada"

Plaza de Mayo mit dem Präsidentenpalast, dem "Casa Rosada"

Freunde finden sich überall auf der Welt

Ein beliebter Stadtteil, der bei unserem Besuch nicht fehlen durfte, ist San Telmo. Wenn auch sehr touristisch, strahlt San Telmo trotzdem viel historischen Charme aus und es macht Spaß, durch die engen Gassen zu schlendern.

Da unser lieber Freund "Laddernsche" vor ein paar Jahren für längere Zeit in Buenos Aires und vor allem in San Telmo war, waren wir mit entsprechenden Tips versorgt, insbesondere wo es die besten Steaks der Stadt gibt. So wollten wir auch gerne die Kneipe besuchen, in der er seinerzeit mehrfach täglich eingekehrt ist und am Ende den Rekord von durchschnittlich 1,8 Steaks pro Tag aufgestellt hat. Klar, dass man da in Erinnerung bleibt. Nachfolgend die Reaktion den Gastwirts, als wir ihm ein gemeinsames Foto von ihm und unserem Kumpel aus den damaligen Tagen zeigten.

Und schwupps gehören wir auch zur "Familia"

Und schwupps gehören wir auch zur "Familia"

Typischer Innenhof in San Telmo
Es muss nicht immer alles niegelnagelneu sein, um schön zu sein. 
Oft macht genau das Gegenteil den Charme aus.

Typischer Innenhof in San Telmo

Es muss nicht immer alles niegelnagelneu sein, um schön zu sein.
Oft macht genau das Gegenteil den Charme aus.

Edel gebettet

Recoleta ist mit seinen breiten Boulevards und schicken Prachtbauten sicherlich der edelste Stadtteil von Buenos Aires. Damit die Creme de la Creme der Stadt auch nach ihrem irdischen Dasein in Würden ruht, hat Recoleta auch einen ganz besonders schicken Friedhof, der einen Besuch wert ist. Hier liegen ehemalige Präsidenten, Sportler, Wissenschaftler und Schaupieler in palastähnlichen Mausoleen.

Am Eingang gibt es einen Plan, wo sich die Ruhestätte welcher Persönlichkeit befindet. Leider sind wir nicht allzu bewandert, was die Namen angeht, und steuern daher gezielt nur das Grab der einzigen uns bekannten Person an, das von Eva Perón.

Links das Grab der Familie Duarte, in dem auch Evita ruht.

Links das Grab der Familie Duarte, in dem auch Evita ruht.

In Recoleta befindet sich auch der edelste Buchladen der Stadt in einem ehemaligen Theater. Hier wird der Lesestoff so richtig in Szene gesetzt - ein Traum für jeden Bücherwurm!

In Recoleta befindet sich auch der edelste Buchladen der Stadt in einem ehemaligen Theater. Hier wird der Lesestoff so richtig in Szene gesetzt - ein Traum für jeden Bücherwurm!

Iglesia Nuestra Senora Del Pilar in Recoleta

Iglesia Nuestra Senora Del Pilar in Recoleta

Back to school

Montags beginnt dann unser Spanischkurs und seit Langem stellt sich mal wieder ein geregelter Tagesablauf ein und seit noch viel Längerem drücken wir wieder einmal die Schulbank.

Nachdem uns der Wecker rausgeworfen hat (auch das kennen wir ja mittlerweile schon fast nicht mehr), sitzen wir die nächsten Stunden fleißig in der Schule. Nachmittags müssen dann die Hausaufgaben gemacht werden, wie früher eben

Das Ganze gefällt uns so gut, dass wir uns nach einer Woche Unterricht dazu entschließen, noch eine Woche dran zu hängen. Schließlich gibt es schlimmere Städte als Buenos Aires, in denen man seine Zeit verbringen kann Und außerdem macht eine weitere Woche wirklich Sinn, um auch ein bisschen Lernerfolg zu sehen.

In der zweiten Woche stellt sich wahrhaftig so etwas wie Routine ein, die wir aber positiv empfinden. Nach der vielen Reiserei haben wir in Buenos Aires zumindest ein vorübergehendes Zuhause gefunden. Jeden Mittag werden die süßen Teilchen zum Nachmittagskaffee beim selben Bäcker geholt, der jederzeit zu einem Plausch aufgelegt ist und auch vom Gemüsehändler nebenan werden wir mittlerweile wie alte Bekannte gegrüßt.

Anni mit "Klassenkameradin" Florence und Lehrerin Alejandra und Axel mit Lehrerin Valéria

Anni mit "Klassenkameradin" Florence und Lehrerin Alejandra und Axel mit Lehrerin Valéria

Buenos Aires und das Nachtleben

Dass wir nicht unbedingt zu den Nachteulen zählen, wissen die Meisten. Nichts desto trotz lohnt es sich ja mal in einer hippen Stadt wie Buenos Aires schön weg zu gehen. Keine Chance, zumindest für uns.

An die sehr späten Essenszeiten haben wir uns nach ein paar Tagen gewöhnt und kennen wir ja schon teilweise aus Patagonien. Vor 20:30 Uhr haben die wenigsten Restaurants geöffnet. Ab dann kann man dort hin gehen, bis 21:30 hat man jedoch das Lokal zusammen mit ein paar wenigen anderen Touris weitestgehend für sich. Ab 22:00 kommen dann auch die Argentinier so langsam eingetrödelt.

In einen Club braucht man vor 2:00 nicht zu gehen, es sei denn, man möchte alleine tanzen. Wenn der Club dann um 6:00 Uhr zumacht, öffnet der nächste seine Pforten und mann kann dort dann bis 8:00 abtanzen. Somit scheint Buenos Aires zugleich auch das New York von Argentinien sein; die Stadt, die niemals schläft. Wie die Argentinier das hinkriegen, auch am nächsten Tag wieder auf die Arbeit zu gehen, haben wir nicht herausgefunden. Einen Unterschied zwischen Wochentag und Wochenende scheint es auch nicht zu geben, ein Grund zum Feiern findet sich immer. Irgendwie haben die wohl ein Gen zu viel oder zu wenig

Wir schaffen es immerhin, mal in eine Bar zu gehen und besuchen eine Show der ganz besonderen Art, "Fuerza Bruta". Diese ist ein Mix aus Performance, Tanz, Trommeln, Gesang, Akrobatik - und totalem Ausflippen Am ausgefallensten war ein Schwimmbecken, dass über unseren Köpfen herab gelassen wurde und von unten einsehbar war, in dem dann die Künstler eine coole Performance hingelegt haben. Ein sehr gelungener Abend und wer Buenos Aires besucht, sollte sich dieses Event nicht entgehen lassen.

Unser Stadtrundgang geht weiter

Retiro, ein weiteres nobles Viertel von Buenos Aires

Retiro, ein weiteres nobles Viertel von Buenos Aires

Teatro Colón

Teatro Colón

Puerto Madero, einst ein heruntergekommenes Hafenviertel, 
ist heute eines der schicksten Ausgehviertel der Stadt.

Puerto Madero, einst ein heruntergekommenes Hafenviertel,
ist heute eines der schicksten Ausgehviertel der Stadt.

Villa Kunterbunt

Viel besser als das schicke Puerto Madero hat uns ein anderes Hafengebiet in Buenos Aires gefallen, La Boca. Hier haben seinerzeit Einwanderer aus Genua kleine Häuschen aus dem Blech abgewrackter Schiffe gebaut und mit Schiffslack bunt bemalt. Wenngleich es sicherlich sehr einfache Behausungen sind, sehen sie mit ihren kunterbunten Farben sehr niedlich aus und sind ein Touristenmagnet.

Wir waren schon ein bisschen enttäuscht, da wir nach Buenos Aires kamen mit der Erwartung, dass die Menschen hier an jeder Ecke auf der Straße Tango tanzen würden. Das war vielleicht mal, ist heute aber nicht mehr so. In La Boca tanzen sie noch, wenn auch nur für die vielen Touristen. Uns hat es trotzdem gefreut, hier man diesem typisch argentinischen Tanz zusehen zu können.

La Boca ist auch heute noch eines der ärmeren Viertel der Stadt und nur rund um die kleinen bunten Häuschen scharen sich tagsüber die Touristenmengen. Abseits vom Schuss gerät man schnell in Viertel, in denen man besser nicht rumlaufen sollte.

Wir merkten dass bereits auf unserem Fußmarsch von San Telmo hierher. Nicht gerade die beste Wohngegend, aber alles noch OK und erinnerte doch fast ein bisschen an die Heimat in der Offenbacher Landstraße

Nach Besichtigung der Touri-Ecke machten wir uns dann zu Fuß weiter auf dem Weg zu einem typischen Steakrestaurant, das wir gerne besuchen wollten. Die Straßen wurden schlagartig leer und die Leute, die noch anzutreffen waren, machten teilweise einen nicht allzu vertrauenserweckenden Eindruck. Wir wurden dann von einem Autofahrer angesprochen, und wie man das so macht, wenn man auch noch in einem etwas seltsamen Viertel ist, man ignoriert erstmal alles. Letztenendes wollte uns der nette Mann nur zu verstehen geben, dass wir besser nicht weiter gehen sollen, sondern besser umkehren. Als wir dann 5 Meter weiter auf die Polizei trafen, die uns dann auch sehr klar zu verstehen gab, dass es hier für uns nicht weiter geht, haben wir uns dann auch gefügt

Statt dessen haben wir dann den Weg mit dem Taxi zurück gelegt und dabei festgestellt, dass die Gegend nicht besser geworden wäre, im Gegenteil. Das wäre wohl wirklich nicht der richtige Ort für einen Sonntagsspaziergang gewesen. Es hätte natürlich alles gut gehen können, schließlich wohnen hier in der Überzahl ganz ordentliche Menschen, die eben mit wenig Geld über die Runden kommen müssen. Wir wären aber selbst Schuld gewesen, wenn wir weiter gelaufen wären und danach ohne unsere Habseligkeiten wieder raus gekommen wären, da wir unterwegs auf die falschen Leute gestoßen wären. Am Ende wäre das auch noch für die Katz gewesen, da das Restaurant sowieso geschlossen war

Und endlich, der Tango

Und endlich, der Tango

Der Star von La Boca

Bei einem Besuch von La Boca darf natürlich auch ein Abstecher zum Stadion der Boca Juniors, der "Bombonera" (=Pralinenschachtel), nicht fehlen. Hier hat Diego Maradona in seinen jungen Jahren erfolgreich gekickt und an sämtlichen Häuserwänden rund um das Stadion findet er sich verewigt.

Don't cry for me Argentina

Wir kamen nach Buenos Aires, um mal ein paar Tage länger zu bleiben und nicht alle zwei Tage wieder eine neue Bleibe suchen zu müssen. Letztenendes sind da sogar 2,5 Wochen draus geworden, in denen uns die Stadt sehr ans Herz gewachsen ist. Und auch wenn es uns auf der einen Seite weiter zieht, da noch viele andere schöne Orte auf uns warten, so gehen wir doch zumindest mit einem weinenden Auge aus Buenos Aires fort. Aber wer weiß, vielleicht kommen wir ja eines Tages wieder

Neben den vielen schönen Erinnerungen und Fotos nehmen wir auf jeden Fall noch eine weitere Sache mit nach Hause: den ganz besonderen "Slang" von Buenos Aires. Hier wird ein, wie wir finden, sehr drolliges Spanisch gesprochen und unsere Spanischlehrer zu Hause werden wohl ihre Freude haben, uns den Dialekt wieder auszutreiben

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Einmal im Leben eine Weltreise machen. Dem Alltag entfliehen und einfach nur Reisen. Unser langjähriger Traum wird nun war :)) Einen festen Plan gibt es hierbei nicht, da wir uns treiben lassen und dort verweilen möchten, wo es uns gefällt. Eine grobe Idee von unserer Reise haben wir natürlich trotzdem und so werden Australien und Südamerika unsere Schwerpunkte sein. Wir freuen uns auf diese einmalige Erfahrung und sind gespannt, wo uns der Wind so hintragen wird...
Details:
Aufbruch: Dezember 2013
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: August 2014
Reiseziele: Thailand
Malaysia
Hongkong
Macau
Philippinen
Australien
Great Ocean Road
Chile
Argentinien
Brasilien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Vereinigte Staaten
Deutschland
Der Autor
 
Annika & Axel alias A Team berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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