Einmal um die Welt

Reisezeit: Dezember 2013 - August 2014  |  von Annika & Axel alias A Team

Peru: Machu Picchu 09.06. - 10.06.14

Machu Picchu

Von Cusco aus ist es fast nur noch ein Katzensprung bis zu DEM Touristenmagnet von Peru und vielleicht ganz Südamerika schlechthin: Machu Picchu.

Allein der Klang des Namens beschwört in uns Bilder herauf von steilen, grünen Bergklippen im Dschungel, auf deren Plateau in der Mitte sich die Ruinen einer alten, sagenumwobenen Stadt erheben. Nachdem man sich den Weg mit der Machete durch den dichten Urwald frei gekämpft, etwa tausend steile Stufen erklommen und die letzten Blätter des Dickichts beiseite geschoben hat, offenbart sich der atemberaubende Blick auf die mysteriöse Stätte, durch deren Gemäuer die tief hängenden Wolken wie Nebel ziehen. Es ist mucksmäuschen still, nur wir, und das Zirpen der Zikaden, nicht weit entfernt der Ruf eines Tukans.

So weit unsere romantische Vorstellung von Machu Picchu. Und so mag auch in etwa der Anblick für den amerikanischen Archäologen Hiram Bingham gewesen sein, als er die Inka-Stadt im Jahr 1911 zufällig entdeckte.

Dass wir Machu Picchu in der heutigen Zeit nicht mehr annähernd für uns alleine haben würden, war uns selbstverständlich klar, aber träumen kann man ja mal Unsere Sorge war ein wenig, dass dieser Touristenmagnet Nr. 1 so derart überlaufen sein könnte, dass man die besondere Atmosphäre überhaupt nicht mehr genießen kann.

Im Internet kursieren Berichte von sich auf die Füße tretenden Touristen, Müllbergen und Nackt-Selfies, die mit zunehmender Recherche schon sehr die Erwartungen drücken. Immerhin braucht man heutzutage nicht mehr den strapaziösen 4-tägigen Marsch über den berühmten Inka-Trail anzutreten, sondern kann sich bequem mit dem Bus vor der Inka-Haustür absetzen lassen. Und so dürfen pro Tag bis zu 4.500 Menschen die Anlage besuchen, das ist nicht ganz wenig.

Nichts desto trotz wollen wir nicht nach Peru gereist sein, ohne uns dieses UNESCO-Welterbe anzuschauen, und nehmen uns vor, die Horden anderer Touristen bestmöglichst auszublenden.

Eine Zugfahrt, die ist lustig...

...eine Zugfahrt, die ist schön!

Ja und auch wir müssen zugeben, dass wir uns die bequeme Variante der Anreise gegönnt haben. So sind wir nicht den Inka-Trail marschiert (für den die Genehmigungen ohnehin Monate im Voraus ausgebucht sind), sondern sind mit dem Zug von Cusco ins nur 75 Kilometer entfernte Aguas Calientes gefahren, welches sich zwischenzeitlich ganz selbstbewusst auch schon Machu Picchu nennt. Eine weitere Variante der Anreise gibt es nicht; es existiert keine Straßenverbindung dorthin.

Die Fahrt erfolgt nicht gerade mit dem ICE und so braucht man für die paar Kilometer sage und schreibe 5 Stunden. Das ist aber völlig in Ordnung so, da sich der Zug durch eine landschaftlich sehr reizvolle Strecke fortbewegt, durch enge Schluchten, an Flussbetten entlang, durch kleine Dörfer und Felder. Der sogenannte "Vistadome" hat so viel Fensterfläche wie nur möglich und so genießen wir das Schippern durchs peruanische Land. Zwischendrin gibt es noch eine kleine Mahlzeit mit allerlei Schnickschnack wie Platzdeckchen und Dekoblümchen und schon fühlen wir uns fast ein bisschen wir im legendären Orient Express.

Ausblick aus dem Vistadome und Einfahrt in Aguas Calientes

Ausblick aus dem Vistadome und Einfahrt in Aguas Calientes

Wir gehen es gemütlich an

Da wir uns nicht hetzen möchten, haben wir eine Übernachtung in Aguas Calientes eingeplant, und werden erst am nächsten Morgen zu Machu Picchu hochfahren. Allerdings ganz gelassen und nachdem wir gemütlich ausgeschlafen haben und nicht wie viele andere Touristen, die bereits um halb 4 morgens an der Bushaltestelle Schlange stehen, um bereits im ersten Bus um halb 5 zu sitzen. So haben wir heute noch ein bisschen Zeit, das "Städtchen" zu erkunden, was dann auch binnen 20 Minuten abgeschlossen ist So machen wir es uns in einer der - selbst an der Vielzahl der Touristen viel zu viel vorhandenen - Kneipen gemütlich und entdecken unser Faible für "Jenga".

Ohne Worte

Ohne Worte

Aguas Calientes - bei schummriger Abendbeleuchtung schon wieder ganz gemütlich

Aguas Calientes - bei schummriger Abendbeleuchtung schon wieder ganz gemütlich

Atemberaubend schön

Am darauf folgenden Tag ging es dann teils in freudiger Erwartung, teils mit gemischten Gefühlen, rauf auf den Berg. Die Busfahrt war bereits abenteuerlicher als gedacht, in engen Serpentinen windet sich die Straße nach oben und das ist für die nicht ganz so Schwindelfreien unter uns bereits eine Herausforderung. Auf der letzten Etappe lässt sich bereits ein Blick auf viele altertümliche Steine erhaschen. Dann noch schnell die Menschenschlange am Eingang hinter uns lassen und schon liegt Machu Picchu vor und unter uns.

Atemberaubend schön und friedlich, ein Blick, den man nicht mehr vergisst. Die anderen Menschen sind plötzlich egal. Es ist gigantisch, nun wahrhaftig hier zu stehen.

Bevor wir die Stadt selbst erkunden, wollen wir zunächst weiter hoch hinauf, auf den Berg Machu Picchu, was übrigens "Alter Gipfel" bedeutet. Von dort oben versprechen wir uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf die gesamte Stadt.

Zum Glück befinden wir uns hier "nur" noch auf 2.400 Metern und damit 1.000 Meter tiefer als in Cusco. Unsere "Pumpe" funktioniert dadurch deutlich besser und das hilft uns bei dem teilweise recht schweisstreibenden Aufstieg. Alle paar Höhenmeter eröffnet sich ein neuer, traumhafter Blick auf Machu Picchu, welches mit fortschreitendem Aufstieg zur kleinen Legostadt schmilzt.

Oben angekommen auf knapp 3.100 Metern dürfen wir einen letzten Blick ins Tal werfen, bevor die Wolken die Berghänge vollständig in Watte packen.

Steil geht's nuff

Steil geht's nuff

Machu Picchu selbst auf halber Höhe schon ganz mini im Hintergrund

Machu Picchu selbst auf halber Höhe schon ganz mini im Hintergrund

Der Bergsteiger-Trupp

Der Bergsteiger-Trupp

Unvergesslich!

Unvergesslich!

Im Himmel angekommen

Im Himmel angekommen

Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir uns gerne die Stadt selbst anschauen. Und damit das nicht nur hübsch angeordnete Steine für uns bleiben, sondern wir auch etwas über die Hintergründe lernen, haben wir uns hierfür einen Guide genommen.

So erfuhren wir, dass sich die Inka Allerlei beim Errichten der Stadt gedacht haben. Bereits die Auswahl des Standortes erfolgte sehr sorgfältig: er war so weit wie möglich erdbebensicher und gewährte Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Wasser und Felsen, die für die Steine zur Errichtung der Häuser geeignet waren.

Die Häuser selbst waren ebenfalls so stabil wie möglich erbaut worden und vielleicht ist das auch ein Grund, warum heute noch so viel von ihnen übrig ist. Die Mauern wurden trapezförmig hochgezogen, um ihnen Stabilität zu verleihen. Die riesigen Steinquader wurden in Präzisionsarbeit ganz fein und genau zugehauen, dass man sich fragt, wie das möglich war. Unter ihnen gibt es zudem "Männlein" und "Weiblein", d.h. die weiblichen Steine besitzen eine Aussparung, in die sich der männliche Stein einpasst und dem ganzen dann die ultimative Stabilität verleiht.

Die ganze Anlage ist terrassenförmig angelegt, da das - richtig! - schön stabil ist und Erdrutsche verhindert. Diese Terrassen wurden teilweise kultiviert und von den Inkas zur Züchtung des weltbesten Mais und der allerbesten Kartoffeln genutzt. Damit Regenwasser ablaufen und keinen Schaden anrichten konnte, wurden Ablauflöcher in die Terrassenwände integriert. Quellwasser wurde größtenteils unterhalb der Bauten durch die ganze Anlage geleitet und verteilt und kommt auch heute noch an kleinen Brunnen zur Benutzung ans Tageslicht.

Das Inka-Volk war mit seinen Göttern sehr verbunden und so waren die allerallerbesten Lebensmittel niemals zum Verzehr gedacht, sondern wurden den Göttern geopfert. Auch gab es einen großen Bezug zum Himmel und der Sonne, so betrieben die Inkas mit Hilfe von im Steinboden eingelassenen Wasserspiegeln astronomische Forschung und nutzen eine Sonnenuhr als Erntekalender.

Im Übrigen ist bis heute der eigentliche Zweck zur Errichtung von Mach Picchu Mitte des 15. Jahrhunderts noch nicht abschließend geklärt und es gibt hierzu verschiedene Theorien. Einig ist man sich jedoch scheinbar, dass es keine Festung und auch keine gewöhnliche Wohnstadt war, sondern es sich aufgrund der hohen Qualität der Bauwerke um eine wichtige religiöse und zeremonielle Stätte gehandelt haben muss.

Viiieeeele Terrassen

Viiieeeele Terrassen

Im Hintergrund der Huayna Picchu, der "Junge Gipfel", und vorne links ganz idyllisch ein Alpaca-Pärchen

Im Hintergrund der Huayna Picchu, der "Junge Gipfel", und vorne links ganz idyllisch ein Alpaca-Pärchen

Und weil sie so goldig sind, hier gleich noch ein paar mehr Fotos

Und weil sie so goldig sind, hier gleich noch ein paar mehr Fotos

Hier wird kein Mörtel benötigt.

Hier wird kein Mörtel benötigt.

Links: Wir bekommen das Kanalsystem erläutert.
Rechts: Mit Hilfe der (aufgefüllten) Wasserspiegel beobachteten die Inkas die Sterne.

Links: Wir bekommen das Kanalsystem erläutert.
Rechts: Mit Hilfe der (aufgefüllten) Wasserspiegel beobachteten die Inkas die Sterne.

Tempel des Kondors
Auf dem Boden ist der Körper und ganz vorne der Kopf mit der Halskrause erkennbar. Die Flügel werden durch die beiden Felsen hintendran verkörpert (ein bisschen Fantasie, bitte!   )

Tempel des Kondors
Auf dem Boden ist der Körper und ganz vorne der Kopf mit der Halskrause erkennbar. Die Flügel werden durch die beiden Felsen hintendran verkörpert (ein bisschen Fantasie, bitte! )

Hier wurde gemauert, was das Zeug hält!

Hier wurde gemauert, was das Zeug hält!

Fensterputzer

Fensterputzer

Im sanften Licht der Nachmittagssonne verlassen wir Machu Picchu, um uns wieder mit unserer Bimmelbahn nach Cusco zurück schaukeln zu lassen. Im Gepäck haben wir viele tolle Bilder, vor allem den Blick aus der Vogelperspektive auf die wunderschöne Inka-Stadt werden wir nicht vergessen. Und für einen Teil von uns ging mit dem Blick auf Machu Picchu mit den eigenen Augen sogar ein langersehnter Traum in Erfüllung.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Einmal im Leben eine Weltreise machen. Dem Alltag entfliehen und einfach nur Reisen. Unser langjähriger Traum wird nun war :)) Einen festen Plan gibt es hierbei nicht, da wir uns treiben lassen und dort verweilen möchten, wo es uns gefällt. Eine grobe Idee von unserer Reise haben wir natürlich trotzdem und so werden Australien und Südamerika unsere Schwerpunkte sein. Wir freuen uns auf diese einmalige Erfahrung und sind gespannt, wo uns der Wind so hintragen wird...
Details:
Aufbruch: Dezember 2013
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: August 2014
Reiseziele: Thailand
Malaysia
Hongkong
Macau
Philippinen
Australien
Great Ocean Road
Chile
Argentinien
Brasilien
Peru
Ecuador
Kolumbien
Vereinigte Staaten
Deutschland
Der Autor
 
Annika & Axel alias A Team berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
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