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Reisezeit: Oktober 2009 - April 2010  |  von Katja Grach

Costa Rica: La tortuga feliz - 2 Wochen unplugged

20.03. - 06.04.2010 San Jose, Bataan, Niemandsland

Bevor wir uns für 2 Wochen auf eine Insel der Seeligen begaben, folgte noch ein kleiner Zwischenstopp in San Jose im Costa Rica Backpackers - wohlgemerkt mit Swimming Pool und einem sauguten Carribean Style Chicken (gleich 2x zugeschlagen). Ansonsten hatte San Jose nicht wirklich viel zu bieten, außer Schaufensterpuppen mit überdimensional großen Brüsten - und das in normalen Bekleidungsgeschäften.

unser Pool im Hostel

unser Pool im Hostel

San Jose von seiner schönsten Seite - das wars auch schon damit

San Jose von seiner schönsten Seite - das wars auch schon damit

mp3-Player hat echt schon jede

mp3-Player hat echt schon jede

in Costa Rica schauen die Frauen halt ein bisserl anders aus

in Costa Rica schauen die Frauen halt ein bisserl anders aus

absolut ladylike

absolut ladylike

Am Vorabend der Anreise zum Voluntärsprojekt La Tortuga Feliz lernten wir dann schon mal Pete und Sara im Hostel kennen, die ebenfalls den gleichen Weg hatten. Und am nächsten Morgen waren wir dann noch um Liz, Elyse, Allison und Joe reicher (alle aus Conneticut wie auch Pete). Vor lauter Kennenlernen hätten wir fast den Bus nach Bataan verpasst, 10 min vor Abreise hat dann aber doch noch jemand auf die Uhr geschaut. Nach 3 Stunden Fahrt durch bergige Dschungellandschaft, die von dreckigen Flüssen (tatsächlich hat einer rio suzio geheißen) durchquert wurde, erreichten wir eine kleine staubige Stadt und gönnten uns die letzte Pizza für lange Zeit an einem umgebauten Bus. Robert, unser Projekt-Chief wartete schon auf die insgesamt 12 Neuankömmlinge und ließ uns noch etwas Zeit für letzte Hamsterkäufe. Mabel (Holland), Jané (Südafrika), Minnie (Schweiz) und Mary (USA) machten uns komplett. Den 2 Engländern vom Nachbarprojekt, die wir im Supermarkt trafen, wollten wir nicht so recht glauben, dass wir Cracker und Cola wirklich vermissen würden - unser Bedarf hielt sich auch sonst in Grenzen - naja, es kam dann doch anders. Auf jeden Fall gab uns Sam schon mal einen kleinen Vorgeschmack auf die Sandflohbisse...

Nach einer kurzen Minivan-Fahrt folgte etwa eine Stunde im Boot durch den Dschungel. Eigenartiges Vogelgezwitscher, Brüllaffen und Geckos begleiteten uns bis wir schließlich unsere neue Heimat auf einer Insel erreichten. Insel deshalb, weil sie auf einer Seite vom Meer begrenzt wird und an den anderen Seiten von Flüssen. Es gibt hier keinen Strom außer minimal etwas Licht aus der Solarzelle und angenehm kühles Wasser für die Dusche. Um ca. 6 Uhr abends wird es finster, dann sind nur mehr Menschen mit Stirnlampen unterwegs die versehentlich barfuß mal auf die ein oder andere Krabbe oder Kröte steigen (mir passiert).

wo alles begann...

wo alles begann...

Brüllafferl

Brüllafferl

unser Wohnzimmer

unser Wohnzimmer

Pete, Camille, Kayla, Elyse, ich, Jané, Andi, Erin, Lia, Joe, CJ (guide), Alex und Quinn

Pete, Camille, Kayla, Elyse, ich, Jané, Andi, Erin, Lia, Joe, CJ (guide), Alex und Quinn

Gut. 2 Wochen La tortuga feliz - das sind 2 Wochen Gallo Pinto (Reis mit Bohnen), Ananas und Eierspeis zum Frühstück, Nudeln zum Mittag- und zum Abendessen, kein Handy, kein Licht beim Abends duschen oder Geschirrabwaschen, keine Stereoanlage. Das sind 2 Wochen mit Sandfloh- und Hundeflohbissen auf den Beinen - die Moskitostiche fallen nicht wirklich ins Gewicht, und somit 14 Tage in denen sich Menschen unerlässlich kratzen.

Gleichzeitig waren es aber auch 2 Wochen mit zahlreichen neuen Bekanntschaften, interessanten Gesprächen, irrsinnig lustigen Abenden, Trauer wenn wieder jemand heimfahren musste, unbändiger Freude wenn um 4 Uhr nachmittags das Boot mit dem Abendessen kam, von dem Cola, Schoko und Müsliriegel gekauft werden konnten, 14 Tage in der Hängematte mit mehr oder weniger spannenden Büchern (die englisch, holländisch, deutsche Bibliothek war jedenfalls reich bestückt), Sonnenbränden, einheimischen Kurschatten und stürmischen Wellen. Wenn nicht gerade Ameisen über die aufgehängten Plastiksackerl mit dem Essen hergefallen sind oder uns auf die Füße gepinkelt haben (was extrem schmerzt), haben wir uns an den blauen großen Krabben erfreut, die sich schon mal unter einem Bett versteckt haben, oder des nachts hinterm Wellblech heimlich Bananen gefuttert haben. Ebenso die Geckos, blauen Kolibris, gelben Strandkrabben und die verirrte Flussschildkröte hatten tagsüber unsere volle Aufmerksamkeit. Nicht zu vergessen unsere 6 Hunde Stella, Toby, Chata, Linda, Rolf und Janson die sich gerne mal vor unseren Augen miteinander vergnügten... sowie 2 kleine Welpen.

unser Hausstrand

unser Hausstrand

master of desaster: der Kokosnuss -Man

master of desaster: der Kokosnuss -Man

so schön schauts aus (nach dem Raking)

so schön schauts aus (nach dem Raking)

Lesestunde mit Familienanhang hinter der Küche

Lesestunde mit Familienanhang hinter der Küche

erwartungsvoll vor der Essensausgabe

erwartungsvoll vor der Essensausgabe

Kaffeee! das wichtigste überhaupt

Kaffeee! das wichtigste überhaupt

volle Begeisterung...schon wieder Nudeln

volle Begeisterung...schon wieder Nudeln

die blaue Krabbe, also eine davon

die blaue Krabbe, also eine davon

die Strandkrabbe

die Strandkrabbe

Gecko oder so

Gecko oder so

verirrte Flußschildkröte

verirrte Flußschildkröte

unser Nachwuchs

unser Nachwuchs

Kolibri

Kolibri

nach intensiver Nutzung ist diese Hängematte halt auch nicht mehr das Gelbe vom Ei - bequem ist sie ja, nur das Rauskommen ist nicht so einfach

nach intensiver Nutzung ist diese Hängematte halt auch nicht mehr das Gelbe vom Ei - bequem ist sie ja, nur das Rauskommen ist nicht so einfach

Unser Tagesablauf war vom "schedule" bestimmt, der alle 4 Tage von den jeweils zuständigen VoluntärInnen eingeteilt wurde. Neben 3 Schichten "Patrol" abends am Strand die immer 4 Stunden dauerte und um 8, 10 oder um 12 Uhr abends begann, gab es auch noch Kitchen 1 (Frühstück machen und angeliefertes Essen aufwärmen), Kitchen 2 (abwaschen und Kompost vergraben), Bathroom cleaning, Raking (Blätter fegen), Gardening oder Hatchery. Da zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht die staatliche Erlaubnis erteilt war, eine Hatchery zu betreiben (da werden die Schildrköteneier gehütet), wurden diese Schichten mit anderen lustigen Arbeiten wie Sandsäcke füllen oder Beach Cleaning ersetzt. Als der Strand dann einigermaßen ok aussah (es ist echt irre wie viel Plastik angeschwemmt wird - Zahnbürsten, Kämme, geschmolzenes Plastik, Schraubverschlüsse aber auch Spritzen, Schuhe, Benzinkanister, Hustensaftfläschchen und Feuerzeuge sind unter den Top 10), wurde die ehemalige Library ausgegraben (was beinahe zum Einsturz führte) und die Schilder für die Hatchery aus dem übrigen Müll hergestellt. Normalerweise wird alles Plastik verbrannt, weil es keine Recyclingmöglichkeit gibt, Nichtbrennbares wird mit nach Bataan transportiert.

Alkohol und Drogen waren für unser Entertainment ausgeschlossen, was mir wenig Probleme bereitete, ein paar 18jährige waren nicht sooo glücklich darüber. So gabs abends halt nur Karten spielen, Lesen oder "Who am I"-Spielen, was gar nicht so einfach ist bei so vielen Nationen - aber auch Lia's Wecker mit der psychedelischen Musik und Lightshow hat uns schon mal länger unterhalten, oder Rimbert als er für 10 Dollar den restlichen Bohneneintopf aufgegessen hat..

Jané und Minnie beim Schilder bemalen für die Hatchery

Jané und Minnie beim Schilder bemalen für die Hatchery

Andi gräbt die alte Bibliothek aus

Andi gräbt die alte Bibliothek aus

kurzer Spinnencheck bevor drunter das Trinkwasser angelassen wird

kurzer Spinnencheck bevor drunter das Trinkwasser angelassen wird

Bereits am ersten Abend durften ich und Andi gleich das erste Mal mit auf Patrol gehen. Andi startete um 10, ich um 12. Und es folgte auch der erste heftige Regenschauer - der sich gottseidank bis zu meiner Schicht wieder gelegt hatte. Jané, ich, Rimbert (der von vielen Rainbow genannt wurde, weil sie seinen Namen nicht aussprechen konnten), jemand vom anderen Camp und unser Guide Carlos marschierten also los. Die Taschenlampe hatte mir Andi vorher mit roten Plastiksackerl-Schnipsel fürs Rotlich präpariert, allerdings stellte sich heraus, dass wir ohnehin immer im komplett dunklen tappen...und deshalb immer wiedermal ineinander laufen oder über etwas stolpern. Nach 1 Stunde hatten wir bereits die erste Lederschildkröte (das sind die größten überhaupt) gesehen, allerdings drehte die nur am Ufer ein paar Runden und verschwand wieder. Und kurz vor Ende stolperten wir dann nahezu (also ich hätte sie nicht gesehen) plötzlich direkt auf dem Strand über eine riesige Schildkröte, die gerade ihr Nest ausgrub - wir halfen sogar ein bisschen. Und dann legte sie sagenhafte 101 Eier! Carlos sammelte sie danach in eine Plastiktasche und grub sie an einer anderen Stelle wieder ein - damit die Poacher (sprich Wilderer) sie nicht finden). Vermessen konnten wir sie leider nicht, da sie ständig in Bewegung war, aber trotzdem: WOW!

Schildkrötenspuren am nächsten morgen

Schildkrötenspuren am nächsten morgen

das macht die VoluntärInnen glücklich

das macht die VoluntärInnen glücklich

Hier ein kleiner Exkurs zur Lederschildkröte von blog.sea-bees.com:

Die Lederschildkröte ist die größte lebende Schildkröte. Die Tiere erreichen eine Panzerlänge von bis zu 2,5 Metern und ein Gewicht von beinahe 700 kg (Rekord: knapp über 3 Meter und etwa 900 kg bei einem Fund an der Küste von Wales).
Anders als bei allen anderen Schildkröten besitzt die Lederschildkröte keinen typischen Rückenschild mit Hornschuppen, der lose zusammenhängende Knochenpanzer ist bei ihr vielmehr von einer derben lederartigen Haut umgeben. Ihre Extremitäten sind zu langen Paddeln umgestaltet, bis zu 270 cm lang bei grossen Tieren. Staff Zähnen hat sie zwei Reisszahn-ähnliche Verlängerungen, mit denen sie Beute (vor allem Quallen) festhalten kann.
Lederschildkröten bewohnen alle tropischen und subtropischen Meere, und besuchen im Sommer auch die gemäßigten Zonen. Damit haben sie unter allen Reptilien den weitesten Lebensraum.
Mit Tiefen von bis zu 1.200 m tauchen diese Tiere extrem tief (maximal festgestellte Tauchtiefe beim Pottwal: 1.140 m)!
Ausserdem sind sie auch die schnellsten Reptilien der Welt. Im Guinness Buch der Rekorde 1992 ist die Lederschildkröte eingetragen mit einer Schwimmgeschwindigkeit von 9.8 Metern pro Sekunde (35.28 Kilometer pro Stunde).
Ausser zur Eiablage, verlassen Lederschildkröten niemals das Wasser. Die Weibchen schwimmen in der Nacht an den Strand, an dem sie selbst geschlüpft sind oder in der Nähe davon. Sie graben dort eine Kuhle in den Sand, worin sie die 50-100 Eier ablegen. Nach dem Zuschieben der Kuhle kehren die Tiere ins Meer zurück, und überlassen das Ausbrüten der Eier der Sonnenwärme. Sie legen bis zu 9 dieser Nester während der Saison, meistens in einem Abstand von 9 Tagen.

dazu ein gegoogeltes Bild - ich habe keine Ahnung was die hier tagsüber am Strand macht

dazu ein gegoogeltes Bild - ich habe keine Ahnung was die hier tagsüber am Strand macht

Am nächsten Morgen bekamen wir dann eine ausführliche Einführung inkl. Film. An Schildkrötenstränden soll nicht Fußball gespielt werden und die Liegen sollen ganz hinten stehen um die Nester nicht zu beschädigen. Lichter in Hotels oder an Bars sollen nachts ausgeschaltet werden, Lagerfeuer oder sonstige Strandaktivitäten des Nachts vermieden. Sobald es nämlich am Strand hell ist oder ziemliches Getümmel, kommen die Schildkröten nicht zum Legen. Darum darf auch kein Weißlicht verwendet werden. Alles was Ablenken könnte, wird vermieden. So auch kein Deo, kein Moskitorepellent oder Rauchen am Strand auf der Patrouille. Fotoapparat natürlich auch nicht. Wenn wir mit den Guides unterwegs sind und wir eine Schildkröte entdecken, rüsten wir die Guides mit den Plastikhandschuhen und Turtlebags aus, damit sie die Eier einsammeln können. Mit Maßband und wasserfestem Papier helfen wir dann beim Vermessen und Notieren der Plaketten aus. Auch die Pfostennummer wird notiert oder Schildkröten, die wieder umdrehen, Poacher und gepoachte Nester.

(Quelle orf-Seite)

(Quelle orf-Seite)

Nicht überall auf der Welt gibt es Nesträuber, auch nicht überall in Costa Rica. Dort wo La Tortuga Feliz angesiedelt ist jedoch schon. Paul, der das Projekt vor 6 Jahren gegründet hat, kam als Aussteiger nach Costa Rica mit einem Rucksack voller Bücher, die er immer schon mal lesen wollte. Als Abwäscher in einem Restaurant lernte er schließlich jemanden kennen, der klagte, dass er eine verantwortungsvolle Person suche, die sein Telefon überwache. Dort wo er wohne, gäbe es nur dieses und fürs Benutzen müsse natürlich bezahlt werden. Die Kassiere waren bisher aber immer irgendwann mit der Kohle verschwunden. Paul willigte in den neuen Job ein und bewachte das Telefon für 2 Jahre und las seine Bücher nebenbei. Außerdem lernte er Spanisch und bekam einen Eindruck davon, welche Probleme es in der Region gibt. Das Niemandsland in dem er sich befand wurde hauptsächlich von Single-Männern bevölkert, die ihren Drogenkonsum durch den Diebstahl von Schildkröteneiern finanzierten, die sie an Restaurants verkauften bzw. von Männern, die sich vor dem Bezahlen ihrer Alimente versteckten. Paul hatte also die Idee ein Schildkrötenprojekt aufzuziehen, in dem er auch die lokale Bevölkerung mit einbinden wollte - Ex-Poacher als Guides sozusagen. Und dafür gabs sogars Unterstützung vom WWF. Das Poachen zahlt sich nämlich eigentlich nicht mehr wirklich aus, zudem gibt es ein regelmäßigeres Einkommen über das Projekt. Eigentlich ist das Stehlen der Eier und das Töten der Meeresschildkröten (green turtles) auch verboten, die Polizei schert sich aber nicht wirklich darum. Und da die meisten Poacher massive Drogenprobleme haben, hat sich La Tortuga Feliz derweil für eine nicht-konfrontative Lösung entschieden. Wer die Schildkröte zuerst sieht, dem gehört sie. Sicher suchen sie auch nach den relocateden Nestern, aber derweil die Hatchery-Permission noch nicht da ist, war sonst nicht viel zu machen.

Baby-Lederschildkröte (Quelle orf-Seite)

Baby-Lederschildkröte (Quelle orf-Seite)

In der semana santa, der Osterwoche war das Aufgebot an Poachern besonders groß. Viele Familien kamen ans Meer, aber auch Poacherfreunde. Lagerfeuer wurden am Strand entfacht, es wurde gezeltet, aber auch die Turtles waren teils in großer Zahl vorhanden - den Spuren nach zu urteilen. Leider haben wir in dieser Zeit nicht viele Nester verstecken können, weil wir oft in einer Schicht 10 - 12 Poacher angetroffen haben. Ich frage mich, wie es ist wenn die Green Turtle - Season anläuft. Momentan sind ja nur die Leatherbacks am Strand. Bei den - bei uns genannt - Meeresschildkröten geht's ja noch etwas harscher zu. Die werden zusätzlich wegen ihres Fleisches getötet. Teils werden sie in den Busch verschleppt und umgedreht liegen gelassen, damit auch 2 Tage später wenn das Boot kommt, das Fleisch noch frisch ist! Auch der Hogspit geht es nicht besser, sie wird zu Halsketten und Armbändern verarbeitet. Natürlich sind alle diese "Produkte" überall illegal.

solche Fotos soll man ja eigentlich nicht machen - aber damit ihr seht, wie groß die sind (Quelle http://carlsafina.files.wordpress.com)

solche Fotos soll man ja eigentlich nicht machen - aber damit ihr seht, wie groß die sind (Quelle http://carlsafina.files.wordpress.com)

Insgesamt habe ich glaub ich an die 10 Schildkröten gesehen, Andi ein paar mehr noch. Wir waren ca. alle 2 Tage auf Patrol und haben etliche Male den Strand von Treibholz und Plastik gesäubert. Die restliche Zeit haben wir in der Hängematte mit Stieg Larsson Krimis verbracht, Fußball- (gegen die Einheimischen) oder Volleyballmatches (gegen das andere Camp) mit intensiven und lustigen Gesprächen und mit Kratzen...Flöhe halt. Minnie hat mal gemeint, sie findet es sehr unterhaltsam, wie hier die Leute die Kontrolle über ihre Schlafgewohnheiten verlieren. Und tatsächlich sieht man immer wiedermal jemanden einfach am Tisch einschlafen, in der Hängematte ohnehin oder wahllos irgendwo am Strand Und dann sind auch die Essgelüste immer wieder Grund zur Heiterkeit. Besonders die Holländer, allesamt 18 und noch im Wachstum, zeichneten sich durch wahre Hamsterkäufe aus...5 Liter Milch, mehre Packungen Müsli und Cornflakes. Rimbert hat allein für sich an einem Einkaufstag in Bataan 3 Einkaufssackerl nur für sich mitgenommen... und fast alles aufgegessen, was wir übrig gelassen haben

Alison nach der ersten Nachtschicht

Alison nach der ersten Nachtschicht

Salami oder die letzten Stunden der Hängematte

Salami oder die letzten Stunden der Hängematte

merke: in Hängematten kann ich nicht lesen - zu bequem

merke: in Hängematten kann ich nicht lesen - zu bequem

Elyse und Alison, die Biologiestudentinnen aus Conneticut

Elyse und Alison, die Biologiestudentinnen aus Conneticut

auf unserer nächtlichen Kaimantour begegneten wir kleinen...

auf unserer nächtlichen Kaimantour begegneten wir kleinen...

..und großen

..und großen

Zu unseren Bekanntschaften der ganz besonderen Art gehörten Chaio, Old Miguelito, Judy und Gueleta, Culebra, sowie Alex aus Serbien. Chaio hat normalerweise die Schule bewacht, die ebenfalls zum Projekt gehörte und Extrabetten beherbergte. Wir versorgten ihn täglich mit Essen und sollten auch am Gründonnerstag seine Guarding-Shift übernehmen, da er nach Bataan wollte. Normalerweise redete er nicht und war absolut straight. Andi und ich saßen also bereits um 4 Uhr morgens (noch vor Sonnenaufgang) am Donnerstag bei der Schule, aber Chaio wachte nicht auf. Kurz bevor das Boot ablegte, rührte er sich dennoch, lärmte etwas und fiel dann offensichtlich in einen Busch. Nach langem hin und her versäumte er das Boot, umarmte Jané und drückte ihr einen Schmatz auf!
Old Miguelito glänzte indes durch seine überlauten "bien bien" - Rufe, mit denen er alles kommentierte, wenn er nicht seinen fürs Blätter fegen zu geteilten Helfern erklärte wie eine Palme gefällt wird oder welche Kräuter um einen herum wachsen.

Judy (ca. Mitte 50) kam eigentlich aus Canada, war auch mal Voluntärin und hatte sich in Gueleta - ehemals Poacher, jetzt Guide verguckt und lebte seither gleich nebenan. Mit ihrem grauen Ponyschnitt und dem Puma-Tattoo auf dem Bein war sie schon mal ein Hingucker für sich und musste auch noch jede Menge Toleranz mitbringen, wenn ihr Schatz seine neuesten Englischkenntnisse an Voluntärinnen ausprobierte ("I like you, you have a fa(s)t ass!"). Gueleta war zudem immer total aufgedreht und wiederholte auch zum 100sten Mal, dass bereits eine Schildkröte ...oder 2...oder 3 auf der Patrol gesehen worden sind - auch wenn man selbst grade dabei war.

Culebra war an den Voluntärinnen ebenfalls nicht uninteressiert und eröffnete gleich mal, dass er gracias a dios geschieden war und sich nur mehr für temporäre Freundinnen interessierte. Ohnehin waren die Mädls im Bikini am Strand das Fernsehen der Einheimischen, die sich auch mal gerne direkt davor hinplazierten und einfach glotzten.

Culebra, der 50jährige Womanizer

Culebra, der 50jährige Womanizer

Old Miguelito

Old Miguelito

Und Alex hat ganz besondere Berühmtheit erlangt. Am Montag der Osterwoche ankommen, am Karsamstag per Polizeieskorte wieder abgereist. Trotz mehrmaligen Hinweises, dass wir aufgrund der Rip Tides (ziemlich heimtückische Strömungen) und der Haie in nächster Nähe nur knietief ins Wasser gehen sollten, schwamm er einige Male so weit raus, dass wir ihn nur mehr als größeren Punkt wahrnehmen konnten. Auf die Frage, ob er nicht Angst habe draufzugehen, meinte er nur er habe keine Angst vorm Sterben. Robert, unser Chief war dementsprechend nicht gerade happy und auch wir machten uns Sorgen. Was passiert, wenn wirklich was passiert. Und es sind immerhin 2 Stunden in die Zivilisation. Ganz zu schweigen von der menschlichen Tragödie, was es für Folgen fürs Projekt hätte. Abgesehen davon, dass er sich vor den täglichen Meetings drückte und vor der Arbeit, war er dann am Samstag einfach mal den ganzen Tag nicht auffindbar. Nach langer Diskussion, dass er am Montag mit den anderen abfahren sollte (eigentlich wollte er 4 Wochen bleiben), Verweigerung usw., wurde dann die Polizei geholt, die ihn dann nach Paresmina brachte, wo er zumindest die Möglichkeit hatte bei einem anderen Projekt seinen Dienst abzuleisten, falls er das wollte. Tja, da schauten wir nicht schlecht. So viel Aufregung noch kurz vor Ende.
Unser eigentlich letzter Walk am Samstag verlief dann anders aufregend - eine vom andren Camp hatte ein Problem mit dem Fuß, weshalb wir schon nach einer Stunde umdrehen mussten. Darum keine Turtle und der Beschluss am letzten Abend nochmal zu gehen - auch wenn um 5 Uhr morgens schon das Boot abfuhr.

Robert und Alex (Hintergrund) mit den Cops

Robert und Alex (Hintergrund) mit den Cops

Dafür hatte es der Sonntagabend dann in sich - erstens wunderschönster Sonnenuntergang ever, und zweitens 5 Schildkröten auf dem Walk. Kurz vor Ende fing Carlos plötzlich zu rennen an, und da sahen wir schon eine riesige Leatherback im fahlen Mondlicht. Und dann rannte er noch ein Stück - und gleich ein paar Meter weiter kam die nächste raus! Gleichzeitig. Wir bewachten die 2 also bei ihrem recht zügigen weg auf den Strand für den Fall das Poacher kommen, als plötzlich der Mond ganz zum Vorschein kam. Da waren die Schildkröten nicht so begeistern. Eine drehte gleich um, die andere grub noch ein bisschen und entschied sich dann für den Rückweg, als plötzlich noch eine dritte (in der Mitte) an den Strand kam - die drehte aber auch bald um. Ganz egal. Was ich mir bis zum Schluss gewünscht hab, war einmal eine aus dem Wasser kommen zu sehen, und wieder reinzugehen. Denn Eierlegen hatte ich schon, und beim Vermessen durfte ich auch mal helfen. Happy End also.

Und so ging unser chilliger Aufenthalt zu Ende und wir machten uns wieder auf nach Bataan. Quinn und Sara blieben noch eine Nacht im selben Hostel mit uns und ein ausgiebiges Frühstück (ohne Gallo Pinto) folgte am nächsten Tag - herrlich.

Und jetzt gerade sitze ich im Flugzeug nach LA und kann kaum glauben, dass ich Schildkröten vermessen habe, deren Panzer 1,60 m lang war - genauso groß wie ich! Und sogar noch größere an meinem letzten Abend im Mondschein betrachtet hab.

Wahnsinn, oder?

Wahnsinn, oder?

© Katja Grach, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
...und genau darum werde ich ein halbes Jahr um die Welt reisen. Auch wenn man meinen könnte Toskana, Kroatien, Bali und Deutschland müssten für heuer doch reichen - Nein! Das war erst die Aufwärmrunde...
Details:
Aufbruch: 14.10.2009
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.04.2010
Reiseziele: Thailand
Laos
Kambodscha
Malaysia
Singapur
Neuseeland
Chile
Bolivien
Peru
Ecuador
Costa Rica
Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Katja Grach berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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