Frankreich - Spanien 2014

Reisezeit: August - Oktober 2014  |  von Uschi Agboka

Teil III - Baskenland - Streckenverlauf: Infos Baskenland (Frankreich/Spanien)

Baskenland (Frankreich/Spanien)

Das Baskenland ist eine Landschaft an der Atlantikküste in der Grenzregion der Staaten Spanien und Frankreich. Es umfasst in Spanien die drei Provinzen der Autonomen Gemeinschaft Baskenland sowie die Provinz Navarra und in Frankreich das nördliche Baskenland im Westen des Departements Pyrenees Atlantiques. Die Ausdehnung des Baskenlandes ist politisch und gesellschaftlich umstritten und steht im Spannungsfeld von baskischem, spanischem und französischem Nationalismus. Besondere Kontroversen gibt es um die Zugehörigkeit Navarras zum Baskenland, da im Süden dieser Provinz ebenso wie im Süden der Provinz Alava der Anteil der Baskisch-Sprecher an der Gesamtbevölkerung deutlich geringer ist. Das Baskenland ist benannt nach dem Volk der Basken, Eigenbezeichnung Euskaldunak, die mittlerweile auch wieder zu einem beträchtlichen Teil Sprecher der im spanischen Baskenland seit etwa 1980 wieder geförderten baskischen Sprache sind.
Das Baskenland wird auf der Seeseite durch das kantabrische Meer (Golf von Biskaya) begrenzt, im Süden durch den Fluss Ebro.
Landschaftlich besteht das Baskenland aus dem Übergang der Pyrenäen in das kantabrische Gebirge. Der höchste Gipfel des Baskenlandes ist die Tafel der drei Könige mit 2.444 m, am Dreiländereck von Navarra, Aragon und Bearn. Es folgen der 2.007 m hohe Orhi an der Grenze Navarras und der 1.551 m hohe Aitxuri in Gipuzkoa.
In den Tälern der Provinzen Biskaia und Gipuzkoa drängen sich zahlreiche Städte, außerhalb der verwinkelten Altstädte industriell geprägt.
Im Westen und Südwesten grenzt das Baskenland an Kantabrien und Kastilien-Leon, im Süden an La Rioja, im Südosten an Aragonien, im Norden an das französische Departement Landes und im Nordosten an die historische Provinz Bearn, mit der zusammen der französische Teil des Baskenlandes das Departement Pyrenees Atlantiques bildet.

Politisch besteht das Baskenland heute aus drei verschiedenen Gebieten:
1. Die spanisch autonome Gemeinschaft Baskenland mit den drei Provinzen Gipuzkoa, Biskaya und Alava. Hauptstadt Vitoria-Gasteiz, weitere bedeutende Städte sind Bilbao und Donostia-San-Sebastian.
2. Die spanisch autonome Region Navarra
3. Zum französischen Teil des Baskenlandes gehören die drei historischen Gebiete Lapurdi, Zuberoa und Behenafarroa.
Soweit man feststellen konnte, bewohnten die Sprecher der isolierten baskischen Sprache schon das heutige Baskenland, als die indogermanischen Sprachen sich über Europa ausbreiteten.
Die Basken gelten traditionell als eigenwillig. Ihr Selbstbewusstsein äußert sich u. a. in der soliden Bauweise der Bauernhäu-ser, die südlich der Pyrenäen nicht selten Ähnlichkeit teils zu alpinen Eindachhöfen, teils zu solchen des Jura aufweisen. In den Städten äußern sich die lebhaften politischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte in den weit verbreiteten politi-schen Wandmalereien.
Die Seefahrt hat bei den Basken eine Jahrhunderte alte Tradition. Schon im 15. Jj. unternahmen baskische Walfänger ausge-dehnte Expeditionen nach Neufundland. Baskische Fischer sind heute auf allen Weltmeeren unterwegs und fangen insbeson-dere jungen Thunfisch. Echter Bonito (Bonito del Norte genannt) zählt zu den bevorzugten Fangtieren.
Das älteste im Baskenland gefundene menschliche Skelett stammt aus der Zeit um 7000 v. Chr. Um 900 v. Chr. wanderten Kelten in das Land ein und ließen sich im mediterranen Baskenland nieder
Ab 178 v. Chr. begann die Romanisierung des Baskenlandes. 75/74 v. Chr. wurde die Stadt Pompaelo (heute Pamplona) von Pmpeius gegründet. Im 2. Jh. erfolgte in Aquitanien die Gründung der römischen Provinz Novempopulania. Während des 3.-5. Jh. kam es zu einer Krise in den römisch-baskischen Beziehungen und Aufständen der Landbevölkerung. In den Randge-bieten des Baskenlandes wurden römische befestigte Städte angelegt. Im 4./5. Jh. begann die Christianisierung des Basken-landes, die erst im Spätmittelalter abgeschlossen war.

Während der Völkerwanderung zogen seit 409 Sweben, Alanen und Westgoten durch das Baskenland; Ende des 5. Jh. stabili-sierten sich die Herrschaftsgebiete der Westgoten im Süden und der Franken im Norden, zweier Nationen, die nach der Herr-schaft über das Baskenland strebten. Die Westgoten versuchten diese seit dem 6. Jh. zu erringen, u. a. durch die Gründung von Victoriaco (581; heute Vitoria-Gasteiz) und die Anlage der Festung Olite (621). Die Bemühungen der Franken resultier-ten in der Gründung der Grafschaft Vasconia Gascogne) zu Beginn des 7. Jh. innerhalb Aquitaniens. Anfang des 8. Jh. dran-gen die Mauren in die Randgebiete des südlichen Baskenlandes vor. Die Basken ließen sich diese Politik der Aufteilung ihres Gebietes nicht so ohne weiteres gefallen, so überfielen sie 778 in der Schlacht von Roncesvalles ein vom Markgrafen Roland geführtes fränkisches Heer.
Von 816 bis 851 herrschte Inigo Arista über das christliche Pamplona, vom 9. bis 11. Jh. bildeten sich innerhalb des navarri-schen Einflussbereichs die Grafschaften Biskaia, Alava und Gipuzkoa und der Vizegrafschaften Labourd und Soule heraus. 905 begründete König Sancho I. Garces die erbliche Monarchie von Pamplona, die als Königreich Navarra bekannt wurde. Zwischen 1000 und 1035 erreichte das Königreich Pamplona unter König Sancho dem Großen (Sancho el Mayor), dem "Kö-nig aller Basken", den Höhepunkt seiner Macht, bevor es nach dem Tod des Königs unter seinen Söhnen geteilt wurde. 1076 löste sich das Königreich auf; Gipuzkoa, Alava und Biskaia fielen an Kastilien, das Kerngebiet Navarras an Aragonien.

Ab 1090 begann man am Jakobsweg, dem Pilgerweg nach Santiago de Compostela, Städte zu gründen, unter den ersten wa-ren Sanguesa und Estella. Im 12. Jh. begannen in Navarra und Alava weitere Stadtgründungen aus wirtschaftlichen und mili-tärischen Gründen. Im Jahre 1152 geriet Aquitanien unter englische Herrschaft. 1181 gründete der König von Navarra die Stadt San Sebastian, um den Seehandel im Königreich zu verstärken. Im 13. und 14. Jh. erfolgten an der baskischen Küste und an den wichtigsten Handelsstraßen weitere Stadtgründungen, im Jahr 1300 wurde Bilbao gegründet. Zwischen 1362 und 1379 verloren die Könige von Navarra sämtliche französischen Besitzungen.
Im 14. und 15. Jh. trat im Baskenland eine schwere Wirtschafts- und Sozialkrise auf. Infolgedessen wurden die Hermandades (Polizeitruppen zur Bekämpfung der Banden) eingerichtet und zahlreiche Städte zum Schutz vor den Banden gegründet. Nach dem Sieg der Hermandades wurden die feudalen und vorfeudalen Eliten im atlantischen Baskenland entmachtet. Doch bald rutschte das Land wieder in eine weitere Krise, nämlich den Bürgerkrieg um die Thronfolge des Königreichs Navarra von 1447 bis 1452.
Im 15. und 16. Jh. erholte sich das Baskenland wirtschaftlich, da die eisenschaffende Industrie einen Aufschwung erlebte. Ein weiterer Faktor war die Zunahme des Seehandels und des Schiffbaus. 1511 wurde das Konsulat und Handelshaus von Bilbao gegründet. Im 17. Jahrhundert traten wirtschaftliche und soziale Veränderungen ein: Die europäischen Nachfrage nach baski-schem Eisen ging zurück. Gleichzeitig trat im atlantischen Baskenland die Maisrevolution auf und die Fischfanggründe im Nordatlantik gingen verloren. Dafür wurde Bilbao zum wichtigsten Hafen für die kastilische Wollausfuhr, außerdem erlebte Bayonne Ende des 17. Jh. seine Blütezeit in Handel und Schiffbau.
Im 17. und 18. Jh. begannen die Zentralregierungen Frankreichs und Spaniens, die baskischen Freiheiten einzuschränken. Infolgedessen traten zahlreiche Matxinada genannte Volksaufstände auf. Nachdem 1789 in Frankreich die Französische Revolution erfolgreich gewesen war, wurden im nördlichen Baskenland die traditionellen Institutionen und Sonderrechte abge-schafft. Das frühe 20. Jj. im Baskenland war geprägt durch das großräumigere Erwachen des baskischen Nationalbewusst-seins. 1959 entstand die radikal-nationalistische Gruppe ETA (Euskadi ta Askatasuna = Das Baskenland und dessen Freiheit) mit dem Ziel der Befreiung, der Loslösung und Unabhängigkeit des Baskenlandes von Spanien durch den bewaffneten Kampf.

© Uschi Agboka, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Fahrt durch die Auvergne, Perigord, Limousin, Aquitanien, das Baskenland und Besuch der Picos de Europa.
Details:
Aufbruch: 29.08.2014
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 08.10.2014
Reiseziele: Frankreich
Spanien
Deutschland
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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