Frankreich - Spanien 2013

Reisezeit: August - Oktober 2013  |  von Uschi Agboka

Auvergne (Frankreich) - Streckenverlauf: Chignat - Billom - Issoire -

1.09.2013 - 3. Tag - Chignat - Billom - Issoire

1. September 2013 - Sonntag - 3. Tag
Campingplatz Les Ombrages, Platz Nr. 13 - Dallet, Auvergne (Frankreich) -
Dallet - Pont de Chateau - Chignat - Billom - Vic le Comte - AB 75 bis Issoire - Abteikirche Saint Austremoine - Uhrturm - Stadtpark - Sanxillanges - Sugeres - St. Didier d'Auvergne - Billom - Chignat - Pont de Chateau - Dallet
Fahrzeit: 5 1/2 Stunden, 91 Meilen - 170 km

Da wir keinen Wecker gestellt haben, werden wir erst um 7.45 Uhr wach. Das Rauschen des Flusses übt auf mich eine beruhigende Wirkung aus, für Rolf ist es schon fast zu laut. Die anderen Camper schlafen noch alle. Rolf fährt mit dem Fahrrad ins Dorf, Brot holen. Doch auch hier hat "unser" Bäcker Ferien, bis zum 5. September. Aber wir verhungern nicht. Von Gestern ist noch gutes Baguette übrig und so können wir unser Frühstück am Fluss genießen. Die Reiher sind auch schon da, 2 sehr große und ein kleinerer Vogel. Die Entenfamilien verlassen ihren geschützten Schlafplatz.

Gegen 9.30 Uhr starten wir zu unserer ersten Tour. Zunächst machen wir eine kleine Stadtrundfahrt in Pont de Chateau. Das Wetter ist schön, 21 Grad, ideal zum Motorrad fahren. Über Vic le Comte fahren wir nach Issoire. Unterwegs sehen wir kleine Dörfer und Kirchen, Türme oder Burgen auf den Hügeln. Gegen 11 Uhr sind wir in Issoire.

Rolf fährt zunächst mal verkehrt in eine Einbahnstraße, die Beschilderung ist aber auch nicht gerade gut. Auf einem Museumsdach entdecke ich prächtige Glocken. Wir wollen uns die Abteikirche Saint Austremoine anschauen, doch da dort gerade noch Messe gelesen wird, machen wir zunächst eine Besichtigung der Altstadt. Auch einem nahe gelegenen Park mit Springbrunnen und schönen Skulpturen statten wir einen Besuch ab. Ein Denkmal für die Gefallenen verschiedener Kriege (1939 - 1962) hat es mir angetan. Unterwegs gibt es einige interessante Schaufenster, die ich fotografieren kann. Und auch der interessante Uhrenturm Tour de l'Horloge mit Museum der Renaissance, darin das Atelier von Jean le Fier, der sich mit dem Problem der Zeitmessung beschäftigte, wird von außen angeschaut.

Dann geht es zurück zur Kirche. Vor der Kirche lagern einige Bettler, die Körbe für Essen aufstellt haben. Wie ich sehe, legen die Kirchenbesucher dort Wurst, Käse und andere Lebensmittel hinein. Armut ist überall. In der Kirche findet um 12 Uhr eine Taufe statt. Wir setzen uns still in einen Bank und schauen zu, denn der Priester gestaltet das sehr persönlich und schön. Danach können wir uns in Ruhe die Kirche ansehen.

Auf dem Rückweg zum Motorrad sehen wir uns noch das Centre Culturel Nicolas Pomel (ehemalige Benediktinerabtei) seit 1975 städtisches Kultur- und Ausstellungszentrum, 1702 bis 1724 an Stelle eines mittelalterlichen Klosters errichtet, ab 1792 Rathaus, ab 1802 Kaiserliches Kollegium und das Centre d'Art Roman Georges Duby, Museum der Kunst der Romanik mit Kapitelsaal des ehemaligen Klosters, an. Ich entdecke dort prächtige Wandmalereien, manche ziemlich furchteinflössend, schließlich sind wir in der Auvergne im Land der Hexen und Teufel ... Die Restaurant- und Hotel-Namen, die wir unterwegs sehen, sprechen für sich: Herberge zum Teufel, Restaurant zum Druiden, Hexengaststätte etc. Wie Ihr ja wisst, gefallen mir solche Geschichten sehr.

Nachdem wir noch einig Süßigkeiten und Brot eingekauft haben, geht es über Sanxillanges - Sugeres - St. Didier d'Auvergne - Billom - Chignat - Pont de Chateau - zurück nach Dallet.

Unterwegs sehen wir gut bestellte Felder, hier liegt kein Land brach, es gibt keine Landflucht. In den Dörfern sind schöne gepflegte Häuser mit kleinen blumengeschmückten Gärten zu sehen, hier scheint keine Armut zu herrschen. Und auf den Weiden die prächtigen Salersrinder, mit ihrem prächtigen mahagonibraun bis cremefarbenen Fell, großen Hörnern, einfach herrlich anzuschauen. Gegen 15 Uhr sind wir zurück auf dem Campingplatz, nach 5 ½ Stunden und 91 Meilen (147 km).

Am Allier erwarten uns schon die Reiher, zwei Purpurreiher und ein Fischreiher und auch die Enten sind im Anmarsch. Es ist herrlicher Sonnenschein und unser Platz ist ideal, direkt am Fluss. Rolf will die Enten füttern, doch die haben Angst und schwimmen weg - das ist sehr merkwürdig. Wir beobachten eine "Anglerin", die permanent den Standort wechselt, keine Geduld hat und somit auch nichts fängt. Rolf hört Musik und ich schreibe an meinen Aufzeichnungen.

Zum Abendessen gibt es frisch gepulte Krabben, Zucchini, Frisee-Salat, Käse, Baguette und Rotwein. Wir sitzen lange am Fluss und genießen den schönen Abend.

Issoire - Die Stadt liegt am Fluss Allier, 37 km südlich von Clermont-Ferrand nahe der Autobahn A 75. Der Ortsname ist keltischen Ursprungs. Eine römische Siedlung ist durch Funde zu vermuten. Austremoine, Missionar und erster Bischof der Auvergne, gründete hier ein Kloster, die Keimzelle der heutigen Stadt. Diese wurde seit dem 19. Jahrhundert zum wirtschaftlichen und industriellen Zentrum im Allier-Tal, dominiert von der Aluminium-Herstellung und der Luftfahrtindustrie. Der Luftfahrtkonzern Pechiney-Rhénalu ist für Issoire und die Region der größte Arbeitgeber.

Der Stadtkern um die romanische Kirche Saint-Austremoine hat sich sein historisches Flair erhalten.

Das gallo-römische Iciodurum geht auf eine Gründung des Keltenstamms der Arverner zurück. Es wurde auch Isiodorens genannt und später lange Zeit - bis zur Revolution - Yssoire geschrieben. Der heilige Stremonius oder Stramonius (Saint Austremoine) war einer von sieben Bischöfen, die von Papst Fabian in der Mitte des 3. Jahrhunderts von Rom nach Gallien gesandt worden sein sol-len, um das Evangelium zu predigen. Nach Gregor von Tours soll das nach 250 gewesen sein. Heutigen Forschungen zufolge wurde die Gegend aber erst im 4. Jahrhundert christianisiert.

Saint Austremoine war der erste Apostel der Auvergne und der erste Bischof von Clermont. Zu Lebzeiten von Gregor von Tours (538/39 bis 594) befand sich seine Grabstätte in Issoire. Gregor berichtete, dass der Diakon Cautin, den er persönlich kannte und der später Bischof von Clermont war, die Verehrung des in Vergessenheit geratenen Heiligen wieder aufleben und seine Grabstätte dekorieren ließ. Die Reliquien des Saint Austremoine wurden um 675 bis 690 von Avis II., Bischof von Clermont, nach Volvic überführt und neben der Grabstätte des Saint-Praejectus, der sein Vorgänger war, erneut bestattet.

Um 848 erfolgte eine weitere Überführung von Volvic nach Mozac in Anwesenheit eines Königs Pippin, vermutlich Pippin II. von Aquitanien. Das Kloster von Issoire ist sehr alt. In einem Text aus dem 9. Jahrhundert heißt es, dass seine Gründung auf Saint Austremoine selbst zurückgehe. Diese Behauptung ist allerdings unwahrscheinlich, kann aber als Hinweis für das hohe Alter angesehen werden.

Im 10. Jahrhundert stellten die Mönche der Benediktinerabtei Charroux im Poitou, die mit ihren Reliquien vor den Normannen nach Pierre-Encize (Saint-Yvoine) in der Auvergne geflohen waren, das Kloster von Issoire wieder her. Sie brachten das Schädelreliquiar des Saint Austremoine mit, dass ihnen angeblich von Roger von Aquitanien übergeben worden war. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts setzten die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela in Nordspanien ein.

Ihre große Blütezeit war die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts, als die Pilger jährlich zu Hunderttausenden nach Süden zogen. So bildete sich der Jakobsweg in Frankreich aus vier Hauptrouten und einem Netz zahlreicher Nebenrouten. An diesen Wegen entstanden zahlreiche neue Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und Friedhöfe; vorhandene Einrichtungen wurden den neuen Anforderungen entsprechend erweitert.

Man brauchte für eine Pilgerkirche vor allem große Bewegungsflächen für die zahlreichen Pilger, wie Chorumgänge und Seitenschiffe, Emporen sowie möglichst viele Kapellen zur Präsentation von Reliquien und deren Verehrung. Wie auch bei den anderen Hauptkirchen der basse Auvergne (nördliche Auvergne) war die starke Entwicklung der Pilgerfahrten nach Spanien und die dabei erhofften Einkünfte die Ursache für die Erbauung einer solchen Pilgerkirche auch in Issoire, das an einer wichtigen Nebenroute, zwischen den Hauptrouten Via Lemovicensis und der Via Podiensis lag, die von Nevers ausgehend die ganze Auvergne erschloss und weiter nach Süden führte.

Ihre Erbauung fiel genau in die Blütezeit dieser Pilgerfahrten. Das Kloster von Issoire muss auch schon vor den Pilgerfahrten recht wohlhabend gewesen sein, denn die große Ausdehnung des Bauvorhabens mit einer äußeren Länge von immerhin knapp 70 Metern ließe sich kaum anders erklären.

Abteikirche Saint Austremoine Die Kirche Saint-Austremoine wurde um 1130 bis 1150 errichtet und ist der größte Bau der auvergnatischen Romanik. In den Religionskriegen 1575 stark beschädigt, wurde die Kirche im 19. Jahrhundert restauriert und besitzt wieder die beiden sich gegenüberstehenden Ost- und Westriegel mit dem dazwischen eingespannten 65 Meter langen Langhaus und dem Ostbau mit Chorumgang und davon ausstrahlenden Kapellen.

Wiederaufgebaut wurden auch die beiden Türme. Beachtenswert sind die Verzierungen - Mosaiken wie Skulpturen - außen am Chorhaupt und die Kapitelle in Chor und Querhaus. Die Restaurierung des 19. Jahrhunderts hat sich durch Anatole Dauvergne bemüht, im Innenraum die Farbe wieder zu ihrem Recht kommen zu lassen. Diese Ausmalung mit Ornamenten in kräftigen Farben wurde jedoch ohne Rücksicht auf romanische Stilprinzipien durchgeführt und verleiht dem Raum ein orientalisches Aussehen.

Das Chorhaupt, welches sich auf der weiträumigen Esplanade erhebt, ist der gelungenste Teil des Bauwerkes, ein vollkommenes Beispiel der auvergnatischen Romanik. Zarte Skulpturen der Tierkreiszeichen und Inkrustationen schmücken die harmonischen und klaren Bauformen. Die schlichte Krypta der Kirche gehört zu den schönsten in der ganzen Auvergne. Die gedrungenen Säulen strahlen Kraft aus, dieser Eindruck wird durch das Fehlen jeglicher Verzierung noch verstärkt. In der Mitte findet sich eine zarte Marienstatue. Der Kirchenpatron, dessen Reliquien sich dort befinden, ist eben-falls mit einer Statue gewürdigt.

Als nach der Mitte des 12. Jahrhunderts die Streitereien zwischen Frankreich und England um Aquitanien begannen, gingen die Pilgerbewegungen zurück. Die späteren Kriege des 13./15. Jahrhunderts, wie etwa der Hundertjährige Krieg (1339-1453), brachten einen dramatischen Einbruch und führten nahezu zum völligen Erliegen der Pilgerströme nach Spanien. Dementsprechend konnte das Kapitel von Saint-Austremoine nach Fertigstellung seiner Pilgerkirche nicht mehr lange an den Spendeneinnahmen der Jakobspilger teilhaben.

Es verblieben ihm lediglich die Einnahmen aus regionalen Wallfahrten. Die Kirche wurde in Dokumenten erst zu einer Zeit erwähnt, als sie beinahe für immer verloren ging. Kurz vor Beginn der Religionskriege (1562-1598), im Jahr 1540, konvertierte ein Teil der Bevölkerung Issoirs zum protestantischen Glauben und die Stadt wurde in den Strudel der Religionskriege hineingezogen.

Im Jahr 1574 bemächtigte sich der im Dienst der Hugenotten stehende Kapitän Merle der Stadt und ihres Klosters. Die Mönche wurden niedergemetzelt und das Kloster geplündert. Um das Kirchenbauwerk, dessen Pracht die Protestanten störte, zum Einsturz zu bringen und in Brand zu setzen, wurde ein Pfeiler am Kapitell mit Holzpfählen unterstützt und die Pfeilerbasis herausgeschlagen. Die Pfähle wurden anschließend angezündet. Aber dieses Unterfangen hatte keinen Erfolg. Die beiden Türme der Kirche wurden dann so stark abgerissen, dass sie schließlich in sich zusammenbrachen.

Auch die Kapitelle im Innern der Kirche hatten unter der Besetzung Merles' und seinen Männern gelitten. Sie wurden teils erheblich beschädigt. Sie sollen im 17. Jahrhundert mit Gips repariert worden sein. Ironischerweise wurde die Stadt und das Kloster zwei Jahre später bei der Rückeroberung durch katholische Truppen zerstört. Allerdings blieb dabei Saint-Austremoine weitgehend verschont.

© Uschi Agboka, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Niederbayern nach Frankreich, 50 Tage mit dem Campingbus und dem Motorrad durch die Auvergne, die Midi-Pyrenees, durch Spanien mit Stützpunkt in Boltana bzw. Mendigorria.
Details:
Aufbruch: 30.08.2013
Dauer: 7 Wochen
Heimkehr: 19.10.2013
Reiseziele: Frankreich
Spanien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
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