Ich bin dann mal weg...

Reisezeit: Juli 2014 - Juli 2015  |  von Claudia J.

Guatemala II: San Pedro la Laguna

Fahrt von Quetzaltenango nach San Pedro la Laguna

18.10.2014: Habe dann noch eine Nacht in Panajachel verbracht (Hotel Mario's Rooms, 8 Euro 1 Nacht im EZ mit eigenem Bad). Am naechsten Morgen gab es dann noch ein gutes Fruestueck, danach ein bisschen durch Pana flanieren, aber da gibt es eigentlich nur einen Handwerksmarkt neben dem anderen. Ja und dann ging es mal wieder im Boot (Fahrt 2,50 Euro ca. 1/2 Stunde Fahrt) weiter, ueber den See nach San Pedro la Laguna.

Mit diesen Booten geht es uebern See

Mit diesen Booten geht es uebern See

Die Landschaft rund um den See

Die Landschaft rund um den See

San Pedro la Laguna/Lago Atitlan

San Pedro la Laguna/Lago Atitlan

San Pedro Bootsanlegestelle

San Pedro Bootsanlegestelle

San Pedro ist eine kleine Stadt mit ca. 13.000 Einwohnern, wovon der groesste Teil davon zur indigenen Bevoelkerung zaehlt und zwar zu den Tz' utujil. Hier laufen auch die meisten Frauen noch in ihren traditionellen Trachten herum. In San Pedro gibt es einen Teil des Ortes in der Naehe der Bootsanlegestelle, den die Einheimischen "Gringolandia" nennen. Das ist die Partyzone in San Pedro. Viele Leute kommen nur hierher um richtig abzufeiern und deshalb hat San Pedro auch ein nicht zu unterschaetzendes Drogenproblem. Hier gibt es wohl alles zu kaufen, was man sich an bewusstseinserweiternden Substanzen so vorstellen kann. (In San Pedro schneit es wohl das ganze Jahr.) Da das Leben rund um den Atitlansee auch noch extrem billig ist, sieht man natuerlich auch ziemlich viele gestrandete Existenzen aus den US oder Europa. Wenn ich mir z.B. die anderen Studenten in meiner Schule anschaue, dann denke ich mir, die Einheimischen muessen sich denken, alle Auslaender sind durchgeknallte, zugekiffte Spinner. Meine Nachbarn: Da waere zum einen der Scott aus US, der wohl in Amerika in irgendwelchen Mienen gearbeitet hat und sich wegen Liebeskummer jetzt in San Pedro haeuslich niederlassen will und eine nette Mayafrau sucht, die ihm die Fuesse kuesst. Morgens hat er hier Spanischunterricht, mittags haut er ab nach Gringolandia und nachts kommt er dann zugedroehnt wieder nach Hause. Der andere, Don, auch aus US ein Alt-Hippie aus Tennessee, der hier alles ein bisschen durch die rosarote Brille (hat auf seinem Fensterbankl natuerlich auch sein Marihuanapfeifchen liegen und nicht nur zum Anschauen) sieht, wie superzufrieden und harmonisch die Leute hier doch leben. Ich wuerde mal sagen, wenn die Leute hier eine Moeglichkeit haetten nicht in irgendeinem Loch zu hausen und siebenmal die Woche Bohnen essen muessten, wuerden sie diese auch ergreifen. Der Don ist, wie er selbst sagt, in Amerika eine arme Sau, aber hier ein reicher Mann. Und dann gibt es da noch einen aelteren Typen aus Frankreich (mit dem habe ich nicht gesprochen, da die Magdalena meinte, der hoert nicht mehr auf zu reden), der wohl seit Ewigkeiten in Guatemala lebt und vorher bei einem Typen in San Pedro gelebt hat. Eines Tages ging es dem alten Knaben wohl so schlecht, dass er meinte, er muesste sterben und da hat er dem Typen aus San Pedro eine Karte fuer sein Konto gegeben. Ja, und der hat dann wohl seine Ersparnisse gepluendert und der alte Mann kam dann wieder zu Kraeften, aber das Geld war halt futsch. Jetzt wohnt er auf dem Gelaende der Schule. Ja, das sind meine Nachbarn. Habe mir auch einen Vorrat an Vino Tinto angelegt, ohne Alkohol geht es hier einfach nicht. Die letzten 2 Tage habe ich dann noch einen neuen Nachbarn bekommen, Tony ein Arzt aus US, der hier fuer 2 Tage Sprachkurs macht und der dann weiter nach Rio Dulce faehrt um dort Freiwilligenarbeit in entlegenen Doerfern zu leisten. Mit dem habe ich meinen VinoTinto-Vorrat geteilt.

Die Schule (CorazonMaya) ist aber sonst echt ein Gluecksgriff, gefuehrt von einer Mayafamilie, die auch Maedchen aus besonders armen Mayafamilien unterstuetzt. Die Schule liegt etwas ausserhalb des Zentrums inmitten eines wunderschoen angelegten Gartens direkt am See. Im Garten befindet sich das Haus der Familie, kleine Haeuser die von den Studenten bewohnt werden und noch kleinere Haeuschen, die als Klassenzimmer dienen. Im Garten gibt es so ziemlich alles an Fruechten, was man sich so vorstellen kann.

Die Sprachschule Corazon Maya

Die Sprachschule Corazon Maya

Mein Haeuslein

Mein Haeuslein

Wohnzimmer und Kueche

Wohnzimmer und Kueche

Mein Schlafzimmer

Mein Schlafzimmer

Gemeinschaftsdusche von aussen...

Gemeinschaftsdusche von aussen...

... und von innen

... und von innen

Vulkan San Pedro

Vulkan San Pedro

Avocadobaum neben meinem Haus

Avocadobaum neben meinem Haus

Waechst hier vor meiner Tuer

Waechst hier vor meiner Tuer

Der Weg in den Garten

Der Weg in den Garten

Im Garten

Im Garten

Papaya

Papaya

Die Klassenraeume

Die Klassenraeume

Zeremonienplatz im Garten

Zeremonienplatz im Garten

Orangen vor der Tuer

Orangen vor der Tuer

Eukalyptusbaum

Eukalyptusbaum

Kaffee...

Kaffee...

...und noch eine Sorte

...und noch eine Sorte

Hinterm Garten ist der See

Hinterm Garten ist der See

Der zweite Gluecksgriff ist dann meine Lehrerin, die Magdalena, die wohl noch sehr die alten Mayariten praktiziert und mir alles darueber erzaehlen kann. Ein grosser Teil der Bevoelkerung ist hier katholisch, hat aber auch kein Problem damit, die alten Traditionen der Maya zu praktizieren. In den 80er Jahren wurden im sogenannten Buergerkrieg ca. 200.000 Menschen hingemetzelt, ca. 80% davon Menschen aus der indigenen Bevoelkerung. Da sich viele der katholischen Pfarrer auf die Seite der armen Bevoelkerung stellten, wurden die auch gleich mitumgebracht. Dies hatte zur Folge, dass sich hier viele evangelikale Gruppen extrem vermehrten. Die Evangelikalen nehmen die Bibel beim Wort und haben sehr strenge Gebote. Alkohol, Tabak und nichtchristliche Musik sind z.B. verboten. Die Evangelikalen reagieren sehr schnell auf Unstimmigkeiten unter den Glaeubigen, ist man sich z.B. nicht einig, spaltet sich ein Teil der Gruppe ab und gruendet einfach eine neue Gruppe. Das bedeutet, dass es hier unzaehlige Gruppen von Evangelikalen gibt. Jede 2. Hausmauer hat auch einen religioesen Spruch. (und auch fast jedes Tuktuk)

Mit der Magdalena meiner Lehrerin in der Tracht von San Pedro

Mit der Magdalena meiner Lehrerin in der Tracht von San Pedro

Die Sprueche an den Hausmauern

Die Sprueche an den Hausmauern

Der Don geht hier zum Essen zu einer einheimischen Familie und hat mich gefragt, ob ich mitgehen will, damit wuerde ich diese Familie etwas unterstuetzen, da die Frau, Vicky nur noch einen Arm hat. Ich also mit und da zu Abend gegessen. Da fragte mich die Vicky, wie es denn aussieht mit Fruestueck, das macht sie auch. Und ich meinte nur, ich stehe morgens nicht so gern auf, also kein Fruestueck fuer mich, danke. Das wollte die gute Vicky nicht gelten lassen und meinte, ALLE in San Pedro stehen morgens frueh auf! Manchmal ist es einfach besser zu laecheln und nichts zu sagen. (Ich stehe doch morgens nicht eine Stunde frueher auf, wegen Fruestueck!!!) Auf jeden Fall war sie dann auch zufrieden mit dem Abendessen.

Ich habe dann meiner Lehrerin Magdalena erzaehlt, dass ich bei der Vicky zu Abend esse (und von wegen die ist arm, hat nur einen Arm) und die hat mir dann wieder ein Geschichtlein rund um den Mayaglauben erzaehlt. So sagte doch die Magdalena, dass die Maya glauben, wenn z.B. deine Eltern oder du selbst etwas Boeses im Leben machen, dass dann irgendwann auf dich zurueckfaellt. In Vickys Fall sieht das Ganze wohl so aus, das die Gute sich den Mann einer anderen Frau geschnappt hat und dann kam der entsprechende Mayagott und hat ihr mit Hilfe eines Busses eins uebergebraten (Unfall) und dann musste der Arm amputiert werden. Die Magdalena konnte sich grade noch verkneifen zu sagen: "Das hat sie verdient, die Sch....!" Jaja, bei Ehebruch verstehen die Maedls hier keinen Spass!

Ich musste mich jetzt mal auf die Suche nach einer Lavanderia machen, da es in meiner Naehe keine gibt. Hier wohnen nur die Einheimischen und die schnappen sich ihren Waeschekorb, stellen sich in den See und waschen dort ihre Waesche. Ich natuerlich verwoehnt,mache das nicht. Also auf nach Gringolandia und Waescherei gesucht. In der Schule ist auch noch ein Paeaerchen Sarah und Ian aus England/Schottland, sie hat mir erzaehlt, sie hat hier auch ihre Waesche zur Lavanderia gebracht und ihre 3 Unterflatten von Victoria Secret nicht mehr zurueckbekommen. Sie war total sauer, konnte sich aber nicht beschweren, da ihr Spanisch so schlecht ist. In Guatemala gibt es ja einen Riesenmarkt fuer SecondHand-Klamotten aus den US und so meinte ich, sie solle doch auf den Markt gehen, vielleicht findet sie da ihre Unterbuxen wieder und kann sie wieder zurueckkaufen. Da konnte sie dann wieder lachen. Markenklamotten sind hier heiss begehrt. Ich habe alle meine Klamotten wiederbekommen und 2 Euro bezahlt.

Am Wochenende habe ich 2 Ausfluege unternommen. Am Samstag bin ich mit dem Boot nach San Marcos (ein kleiner Nachbarort gefahren), da in meinem Reisefuehrer stand, es waere wohl wert dahinzufahren. Nun ja, San Marcos ist ein beschauliches Doerflein, aber wenn man nicht unbedingt auf einem spirituellen Selbstfindungstrip oder Zeit zum Meditieren braucht, dann kann man sich das auch schenken.

Am Sonntag ging es dann mit dem Bus ueber Holperstrassen auf den Markt von Chichicastenango, welches auf ca. 2000m liegt. Der an jedem Donnerstag und Sonntag stattfindende Markt vor den Treppen der Kirche Santo Tomás, der größte in Mittelamerika, zieht neben Händlern und Käufern aus Guatemala - einheimische Quiché wie auch Mam, Ixil, Cakchiquel und andere - sehr viele Touristen an. Bis heute wird der Ort vor der Kirche jedoch noch von Maya-Schamanen genutzt, die Weihrauch und Kerzen auf ihm anzünden und manchmal Tieropfer (Hühner) darbringen. Die 18 Stufen der noch vom alten Maya-Tempel stammenden Treppe entsprechen den Monaten des Maya-Kalenders.

So schauen die Strassen mitunter aus.

So schauen die Strassen mitunter aus.

Vor der Kirche

Vor der Kirche

In der Kirche

In der Kirche

Ein winziger Teil des Marktes

Ein winziger Teil des Marktes

Kleine Krippen

Kleine Krippen

Trachten

Trachten

Hier wird alles auf der Strasse verkauft

Hier wird alles auf der Strasse verkauft

Lebend oder tot

Lebend oder tot

Die Maedls haben mir ein gutes Gulasch serviert

Die Maedls haben mir ein gutes Gulasch serviert

Die Umweltverschmutzung rund um den See ist hier auch noch so ein Kapitel. Also wenn die Leute etwas auf der Strasse essen, wird der Muell einfach fallengelassen. Zum einen fehlt es an Muellbehaeltern und zum anderen am Bewusstsein nicht alles auf die Strasse zu werfen. Und dann kommen noch die unzaehligen Hunde hinzu, die auf den Strassen herumstreunen und im Muell nach Futter suchen. Dementsprechend sieht es hier aus und auch im See schwimmt alles, was man sich nur vorstellen kann. Also ich wuerde hier nicht schwimmen, nachdem mir die Magdalena auch noch erzaehlt hat, dass die Klinik in Solala alle medizinischen Abfaelle direkt in den See leitet.

So sieht es hier ueberall aus

So sieht es hier ueberall aus

Am Freitag sind wir dann noch mit einigen Schuelern und Lehrerinnen mit dem Boot nach Santiago Atitlan gefahren um dort den Markt und den Maximon (einen Heiligen der Maya) zu besuchen. Maximon ist eine Holzfigur mit allerlei Seidenkrawatten, der man dann Geschenke mitbringt (z.B. Schnaps, Zigaretten und Geld) und dann kann man sich was wuenschen.

Mildred (Lehrerin), Sarah, Ian, meine Wenigkeit, Magdalena und Josefina (Frau vom Eigentuemer der Schule) vorne: Pablo (Sohn von der Magdalena), Ich-Xa (Tochter von der Josefina)

Mildred (Lehrerin), Sarah, Ian, meine Wenigkeit, Magdalena und Josefina (Frau vom Eigentuemer der Schule) vorne: Pablo (Sohn von der Magdalena), Ich-Xa (Tochter von der Josefina)

Ian und Sarah auf Avocadosuche

Ian und Sarah auf Avocadosuche

Noch mehr Avocados

Noch mehr Avocados

Mildred im Klamottenladen

Mildred im Klamottenladen

Mais

Mais

Bei Maximon

Bei Maximon

Vor der Kirche in Santiago

Vor der Kirche in Santiago

In der Kirche

In der Kirche

So schauen hier die Heiligen in der Kirche aus

So schauen hier die Heiligen in der Kirche aus

Bob Marley in der Kirche????

Bob Marley in der Kirche????

Zum Schluss gab es noch ein Eis

Zum Schluss gab es noch ein Eis

Am Abend gab es dann noch ein gemeinsames, landestypisches Essen mit der Familie mit Bier und Wein. Und am Samstagfrueh ging es fuer mich dann weiter nach Antigua/Guatemala.

© Claudia J., 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr durch Mittel- und Südamerika und die Karibik.
Details:
Aufbruch: 24.07.2014
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juli 2015
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Peru
Kuba
Der Autor
 
Claudia J. berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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