Einmal um die Welt - Andrea on tour

Reisezeit: Februar - Juli 2008  |  von Andrea S.

Die Bahamas - Cat Island: Praktikum - moderne Form der Sklaverei ;-)

So, bekanntlich sollte man ja von manchen situationen ein wenig abstand gewinnen, bevor man diese etwas emotionsloser beurteilen kann.
Aus diesem grunde, aber auch deswegen, weil ich echt wenig zeit hatte, kommt erst jetzt noch ein kleiner bericht von den bahamas und meinem leben dort fuer 2 monate. Ach ja, an dieser stelle sei auch angemerkt, dass ich mich gerade ueber den wolken auf dem flug nach las vegas befinde. Das heisst, ich habe die bahamas vor 3 tagen verlassen, sowohl mit einem weinenden auge, als auch mit einem lachenden. Wie das eben so ist im leben.
Und warum kann ich ueber den wolken schreiben, jaaaaa, ich hab mir ein macbook gekauft. Jupiduuu, fuehl mich wie im himmel, na ja, da bin ich ja auch fast

mein Praktikum auf Cat Island: 12 -14 stunden/tag arbeiten, keinen tag frei!

Die heutigen einheimischen auf cat island sind ja die nachkommen der damaligen sklaven, also farbige, wie man heute so schoen sagt. (mal abgesehen von den neu angesiedelten weissen, die sich hier nette haeuschen bauen...).
Um heutzutage zu billigen arbeitskraeften zu kommen, hat man einen anderen weg entdeckt. Da ja die sklavenhaltung nun doch schon einige zeit verpoent ist, haelt man sich nun praktikanten gegen kost & logis. Diese zu bekommen, ist nicht allzu schwer. Denn wer moechte nicht gerne ein paar wochen oder monate auf den bahamas verbringen, ein wenig im hotel mithelfen und die restliche zeit faul am strand liegen, schnorcheln oder vielleicht sogar tauchen gehen. Klingt ja sehr verlockend

So ganz bewahrheitet hat sich das dann mit dem genug zeit haben fuer faulenzen und schnorcheln gehen dann erstmal gar nicht.

Die erste woche war ja noch relativ angenehm, da wir zu dritt waren, Vicky, Uli und ich. Leider hat uns Vicky dann verlassen, da ich ja ihre abloese war. Ab diesem zeitpunkt war ich nun kuechenhilfe nr.1.
Tagwache war zum fruehstueckmachen gegen halb 7 uhr morgens. Da hiess es mal kaffee machen, buffet aufbauen, tische decken. Ab halb 8 kamen dann die gaeste. Wenn wir keine kuechenhilfe hatten, hiess es fuer mich dann neben servieren und abraeumen auch diverse fruehstuecksspeisen zubereiten. Das heisst, ich bin jetzt perfekt im pancakes, omelette, porched eggs, french toast oder fried eggs over easy machen. Was man nicht alles lernt in so einem hotel . Wirkliche perfektion habe ich allerdings im abspuelen und abtrocknen erreicht, denn geschirrspueler gab es dort natuerlich keinen. Gegen 11 uhr war dann das fruehstueck beendet, alles gespuelt weggeraeumt. Also endlich zeit, sich anderen putzangelegenheiten zu widmen. Moeglichkeiten gab es dazu genug: von fenstern, boeden, toiletten, diverse spinnweben-ecken bis zu zimmern durfte ich alles mal putzen. (Anmerkung fuer Regina: die Bahamas waeren echt kein ort fuer dich. So viele spinnweben und spinnen hab ich in meinem leben noch nie gesehen )
Ab 12 uhr gab es dann offiziell lunch. Der wurde ausschliesslich von mir bzw. meiner chefin bestritten. Das heisst, ich kann nun auch diverse speisen wie swiss toast oder grilled cheese zubereiten
Danach wieder mal ne runde abspuelen und abtrocknen. Waer ja sonst fad.
Wenn ich glueck hatte, war ich zw. 2 und 3 uhr fertig (konnte aber auch mal halb 4 werden) und konnte ein wenig relaxen. Ab halb 6 musste ich mich aber dann schon wieder fuers abendessen fertig machen, alles vorbereiten, tische decken und dann service machen. Koeche hatten wir allerdings am abend immer . Gegen zehn/halb elf war ich dann meist endlich fertig.
So, das war so im groben mein tagesablauf. Ich muss gestehen, dass ich gerade in den ersten wochen oft am nachmittags auch 1-2 stuendchen geschlafen habe, weil ich sonst den abend nicht mehr ueberlebt haette.

Betten machen

Betten machen

Klo putzen gehoert natuerlich auch dazu - haha

Klo putzen gehoert natuerlich auch dazu - haha

Wie bei sklaven eben auch, wurden wir vorzugsweise mit resten gefuettert. War ja meistens ganz okay, bloed wars nur, wenn die gaeste einfach nix uebrig lassen wollte...Das kam leider meist dann vor, wenn wir bei unter 10 gaesten serviert haben und es kein buffet gab, denn dabei wurde immer so knapp kalkuliert, dass fuer uns einfach nichts uebrig blieb...
Also habe ich mir angewoehnt zum fruehstueck moeglichst viel zu essen. Mittags gab es ja offiziell gar nix fuer uns und abends wie gesagt nicht immer. Und irgendwann hat man es dann schon satt, sich von mehr oder weniger heimlich gemachten sandwiches zu ernaehren. Aber wir waren ja schliesslich auf einer insel Da gibts ja nix und alles ist so teuer... Na ja, welche frau moechte denn nicht ein wenig abnehmen...
Aber wirklich wirklich geaergert hab ich mich dann, als unsere nette chefin meinte, wir duerften keine saefte mehr trinken, da wir ja wie gesagt auf einer insel sind und alles so teuer ist. Und wir sollten doch wasser trinken. Sie trinkt das schliesslich auch. Das fand ich dann nun doch zu viel des guten. Also wurden fortan nicht nur die sandwiches lieber unbemerkt gemacht, sondern auch die getraenke.
Als einmal die koechin abends unsere chefin gefragt hat, was wir (also die praktikanten) denn zum essen bekommen sollen, meinte diese, wir brauchen nix, wir haetten eh schon den ganzen tag genug gegessen. Als uns das dann Ena erzaehlt hat, hab ich das gar nicht fassen koennen. Na ja, jetzt kann ich drueber lachen

Zwischendurch haben mich aber netterweise mal ein paar piloten entfuehrt und ich bin mit ihnen quer ueber die insel gefahren und durfte auch ihr flugzeug bewundern, mit dem die super-reichen herumkutschiert werden. Sehr nett, sag ich da nur..

ja, da laesst es sich schon ein paar flugstunden verbringen

ja, da laesst es sich schon ein paar flugstunden verbringen

Uli jedenfalls hat es dann irgendwie gereicht, denn er fand das eigentlich gar nicht so witzig und wollte auch nicht drueber lachen, dass er nix zum essen bekommen hat. Als es dann noch ein paar auseinandersetzungen mit unserem boss gab, ist er kurzerhand abgereist. Sehr zum leidwesen meiner wenigkeit, denn ab diesem zeitpunkt war ich dann die naechsten 10 tage ganz allein. Das hiess, alles allein machen (mit jeder menge gaeste im haus) und vor allem auch niemanden mehr zum reden und somit auch leider niemanden zum frust ablassen, wenn unsere liebe chefin mal wieder ihre phasen hatte. Mit phasen meine ich eigentlich schlechte laune, staendiges gemecker und ein furchtbar angefressenes gesicht... na ja, eine geschichte fuer sich... aber im nachhinein wieder sehr zum lachen.
Jedenfalls waren diese 10 tage nicht ganz so toll. Ausser arbeiten gabs nur noch schlafen, sonst haette ich die tage nicht geschafft. Dafuer waren aber die gaeste umso netter in dieser zeit. Das hat das ganze ein wenig ausgeglichen.
Als ich aber dann schon unter ziemlichen rueckenschmerzen litt und eine aerztin, die gerade bei uns gastierte, meinte, ich haette eine ueberlastete wirbelsaeule, ist mir dann doch langsam das lachen vergangen. Den hoehepunkt erreichte das ganze dann, als ich morgens meine finger nicht mehr ausstrecken konnte, sondern nur eine geballte faust machen konnte. Nur unter schmerzen konnte ich diese wieder bewegen. Dies hat sich dann auch in meinen zehen ausgebreitet. Da wurde mir dann doch etwas mulmig. Mittlerweile bin ich froh, dass sie mir NUR NOCH jede nacht einschlafen.

Aber lange rede kurzer sinn, die gaeste wurden wieder weniger und endlich kam auch Enno, meine erloesung. Endlich wieder zu zweit und mit Enno als hilfe an meiner seite, kam dann auch wieder mein lachen zurueck und alles wurde wieder leichter hier.
Enno ist sicher einer der tollsten menschen, die ich je kennen gelernt habe und der zweitliebste schwule, den ich kenne ) Tja, so ist das!
Und im nachhinein gesehen verschwinden die negativen erfahrungen zum glueck immer mehr oder es bleiben die schoenen in der erinnerung!

Enno durfte zwischendurch mal Barhocker neu beziehen

Enno durfte zwischendurch mal Barhocker neu beziehen

den Fisch haben ein paar gaeste gefangen. Den gabs dann zum abendessen gegrillt

den Fisch haben ein paar gaeste gefangen. Den gabs dann zum abendessen gegrillt

© Andrea S., 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nun ist es bald soweit und ich kann mir endlich meinen Traum erfüllen und einige Monate zwar nur einen kleinen, aber wie ich glaube sehr schönen Teil der Welt bereisen. Am 18.Februar geht es los mit meinem ersten Stopp in Japan, dann geht es weiter nach Neuseeland, Australien, Samoa, USA, längere Zeit auf die Bahamas und schlußendlich wieder nachhause! ..und alles ganz allein! Angst vor der eigenen Courage? ... ein wenig, aber ich hab Vertrauen :-) Große weite Welt ich komme...
Details:
Aufbruch: 18.02.2008
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 07.07.2008
Reiseziele: Japan
Neuseeland
Australien
12 Apostel
Samoa
Vereinigte Staaten
Bahamas
Der Autor
 
Andrea S. berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
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