TimeOut in Südamerika

Reisezeit: April - August 2008  |  von Beatrice Feldbauer

Woche 2 19.-25. April 2008: Siesta

Der morgendliche Ausritt gehört bereits zur Routine. Noch immer führt Stella mein Pferd an der lockeren Leine und das gibt mir die Sicherheit, entspannt hinter ihr her zu reiten. Noch immer ist mir nicht ganz klar, wie ich Frika dazu bringen kann, schneller zu gehen, oder anzuhalten, aber das Lenken gelingt immer besser. Jedenfalls geniesse ich die Ausflüge. Heute ritten wir auf einen kleinen Hügel und genossen da die Aussicht über das weite Land. Auf diesen Ausflügen entdecken wir immer wieder neue Pflanzen und Früchte, die wir noch nie gesehen haben. Den Baum, bei dem Simon heute morgen anhielt, kannte ich allerdings bereits. Es war ein Mandarinenbaum und Simon pflückte uns ein paar reife Mandarinen, die wir uns auf dem Pferd sitzend, schmecken liessen. Wir fragten Simon, ob er sich vorstellen könne, was die Pferde von uns denken würden. Nein, meinte er, davon hätte er keine Ahnung, aber er wisse, was der Hahn denkt, wenn er mit einem Bein auf dem Zaun stehe. "Was denn?" wollten wir natürlich wissen. Schien uns eine existenziell wichtige Frage zu sein. "Er überlegt sich, wie er das zweite Bein auch noch aufheben könnte."

Was für ein paradiesisches Leben. Morgens durch die Prärie reiten, plaudern, lachen, philosophieren und dann nach Hause und die Siesta geniessen. Ausruhen, entspannen, etwas lesen, den Gedanken nachhängen, schlafen. Es wird heiss über Mittag. Dann nimmt diese langsame Müdigkeit von mir Besitz. Alles ist erfüllt von dieser Müdigkeit. Die Luft flimmert, die Kontraste werden stärker. Auf der Weide mit den grossen schattigen Bäumen grasen die Kühe und die Pferde, in den Pferdeboxen schlafen die Hunde. Im Futtervorrat für die Kühe scharren die Hühner und bewachen ihre jungen Hühnchen. Sogar der Hahn hat aufgehört zu krähen. Im alten Hühnerhaus schläft Hias und ich döse im Liegestuhl vor meinem Bungalow ein.

Irgendwann an diesem schwülen faulen Nachmittag brennt die Pampa. Die Männer haben sie angezündet. Kontrolliert, sagen sie. Sie haben Gräben gezogen, damit das Feuer nicht auf ein anderes Feld überspringen kann. Von Zeit zu Zeit ist das nötig. Tötet das Ungeziefer, die Zecken, tilgt das Unkraut. Und die Bäume? Werfe ich ein. Oh, die vertragen das. Es brennt nicht lange, es ist eher ein Schwelbrand. Ich werde morgen nachsehen, wie es den Bäumen geht. Stella übt derweil mit dem Traktor. Nur eine Viertelstunde war ich draussen auf dem Feld, schon bin ich komplett durchgeschwitzt. Und habe doch gar nicht mehr getan, als die paar Schritte zum abgebrannten Feld spaziert.

Stella ruft mich. Zeit etwas zu unternehmen. Wir gehen in den Supermarkt. Interessant, was es da zu kaufen gibt. Offenes Hundefutter wird gleich neben dem offenen Salz und Mehl angeboten. Und daneben gibt es offene Teigwaren und Reis. Ich habe noch nie Nudeln aus der Plastiktonne gekauft. Auch die Guetsli gibt es aus einem Plastikbehälter zum Kilopreis. Und in der Gemüseabteilung gibt's Maniok statt Kartoffeln.

Ich suche Entkalker, denn meine Dusche gibt zwar genügend warmes Wasser her, aber der Strahl trifft mich eher zufällig. Kann die Brause drehen und wenden wie ich will, das Badezimmer rundum wird fast nasser als ich. Leider habe ich es verpasst vorher nachzusehen, was Entkalker, oder Kalk heisst und so radebreche ich mit einem jungen Verkäufer. Er will mir zuerst eine neue Dusche verkaufen, als ich ihm sage, dass ich die Dusche nur reinigen will, führt er mich zu den Badreinigern und weil ich betone, dass ich etwas Stärkeres brauche, zeigt er mir die Kupferbürsten. Keine Chance also, meine Dusche so ihrer normalen Funktion zuzuführen. Ich gebe auf und kaufe eine Flasche Essig. Mein Duschkopf wird im Essig übernachten müssen.

Nach dem Supermarkt gehen wir zur Pedicure. Freitag-Abend. Zeit, sich was zu gönnen. Wir geniessen die Fussmassage und lassen uns Blümchen auf die Zehennägel malen. Nachtessen gibt es beim Brasilianer. Caipiriña und Fleisch vom Grill.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nicht Nichtstun steht im Mittelpunkt. Sondern etwas tun, wofür im normalen Alltag zu wenig Zeit bleibt. Meine beiden Leidenschaften Reisen und Schreiben möchte ich miteinander verbinden. Und wenn mich dabei jemand begleitet, umso schöner. Es sind vor allem Geschichten, die ich erzähle und erst in zweiter Linie Beschreibungen von Orten und Gebäuden. Ich möchte versuchen, Stimmungen herüberzubringen. Feelings, sentimientos. Wenn mir das manchmal gelingt, ist mein Ziel erreicht.
Details:
Aufbruch: 12.04.2008
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 03.08.2008
Reiseziele: Uruguay
Brasilien
Paraguay
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Guatemala
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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