TimeOut in Südamerika

Reisezeit: April - August 2008  |  von Beatrice Feldbauer

Woche 16 26.Juli-1.Aug. 2008: Letzter Tag

Heute Nachmittag fliege ich ab. Es ist alles bereit, der Schrank ist ausgeräumt, die Koffer gepackt. Gestern Abend habe ich mit Rene und Mariola den ersten August gefeiert. Mit einem echten kleinen Eidgenossen. Marco hat seinen 6-Monats-Geburtstag gefeiert.

Marco Meier

Marco Meier

Zur Feier des Tages und vielleicht auch, damit ich mich langsam wieder an die Schweiz gewöhne, gab es Rösti mit Spiegeleiern. Nein, die Nationalhymne haben wir nicht gesungen, wir haben den Text nicht auswendig gekannt, aber auf dem Rütli ist man gestern ja auch nicht mehr dazu gekommen. Vor lauter Regen.

Vor dem Nachtessen habe ich mit Rene die Guatemala-Reise vom nächsten Sommer besprochen. Sie wird vom 16. Juli bis 2. August 2009 dauern und wir haben eine spannende Route geplant. Mit allen Höhepunkten, die dieses farbige Land bieten kann. Vielleicht hat jemand aus dem Leserkreis dieses Reiseberichtes Lust bekommen, mit mir zu reisen.

Keine Angst, es wird nicht so stressig, wie das manchmal in meinen Berichten schien. Es sind tolle Hotels in denen wir übernachten und es bleibt immer mal wieder Zeit, sich von den neuen Erlebnissen zu erholen. Den genauen Reisebeschrieb werde ich im Laufe der nächsten beiden Wochen auf meiner Homepage ausschreiben. www.bison.ch

Auf dem Markt von Antigua

Auf dem Markt von Antigua

Heute morgen bleibt noch etwas Zeit, auf den Markt zu gehen. Wie meistens kaufe ich mit Rigoberto für das Lehrerinnenseminar Socorro hier in Antigua ein. Im Socorro studieren vor allem Mädchen aus einfachen Landfamilien. Viele können sich das Studium kaum leisten und darum unterstützt Probigua Schweiz einige dieser Mädchen bei ihrem 3-jährigen Studium. Ziel ist, dass die Mädchen am Schluss als ausgebildete Lehrerinnen in ihre Dörfer zurück gehen und so für die Ausbildung der nächsten Generation sorgen.

Beim Metzger hängen halbe Kühe

Beim Metzger hängen halbe Kühe

Mir macht es jedesmal riesigen Spass, auf dem Markt einzukaufen, denn wir kaufen richtig gross ein: ein Sack Frijoles, ein Sack Reis, 15 Kg Fleisch, Ananas, Papayas und Wassermelonen. Noch mehr Freude macht aber auch das Ausliefern der Lebensmittel. Die Mädchen helfen beim Ausladen und die Köchin freut sich über den willkommenen Zustupf zum einfachen Menuplan. Während Rigo nach Hause fährt, gehe ich noch einmal zum Markt.

Unser Früchteeinkauf

Unser Früchteeinkauf

Picup gefüllt: Ziel erreicht

Picup gefüllt: Ziel erreicht

Es gibt hier einfach zu viele Sujets. Man braucht sich nur irgendwo hinzustellen, die Sujets laufen nur so an mir vorbei. All die Verkäufer, die irgend etwas los werden wollen. Uhren, Gürtel, eine Fernsehantenne, Babysachen, Halsketten. Ja, da hält mir doch wahrhaftig einer einen mit Wasser gefüllten Plastiksack vor die Nase. Wie ich mir die Sache etwas genauer ansehe, entdecke ich, dass darin zwei winzige Fische schwimmen.

Fischlein gefällig?

Fischlein gefällig?

Es braucht etwas Überzeugungskraft, bis der Mann versteht, dass ich seine Fischlein unmöglich mit in die Schweiz bringen kann.

Da drüben warten die kleinen Schuhputzer auf Arbeit und auf der anderen Strassenseite tragen drei Frauen ihre Einkäufe auf dem Kopf nach Hause. Durch das ganze Gewühl zwängen sich die Busse, denn der Busbahnhof ist gleich hinter dem Markt. Und da, über dem Eingang zum Markt entdecke ich ein Schild und muss fast laut lachen: "Zutritt mit dem Fahrrad verboten." Hier ist einfach alles möglich. Wenn es nicht ausdrücklich verboten wird, würde es bestimmt ausprobiert. Obwohl schon zu Fuss kaum ein Durchkommen ist.

In den engen Gängen zwischen den Gemüseständen sitzt eine Frau und verkauft ein paar Kräuter. Eine andere drängt sich mit ihrem schweren Korb auf dem Kopf durch die Menge und bietet ihre Kartoffeln an. Jedesmal, wenn sie etwas verkauft hat, muss ihr jemand helfen, den Korb wieder auf den Kopf zu hieven.

Comodore

Comodore

Da kommt ein kleines Mädchen mit 5 Karotten, die es verkaufen möchte. Daneben gibt es Haarspangen und Aspirin, getrocknete Fische und frische Crevetten.

Selbstverständlich gibt es auch jede Menge Comodores, improvisierte Küchen, an denen vorbereitete Gerichte und frisch gekochte Menus verkauft werden.

Da liegen Poulets neben dem Schuhladen und sogar ein kleines Internet gibt es mitten im Marktgetümmel.

Ich sauge noch einmal alles ein. Versuche Augen, Kopf und Kamera ein letztes Mal mit all den Eindrücken zu füllen, bevor ich mich endgültig auf den Heimweg mache. Noch einmal die ganze Vielfalt, die ganze Farbenpracht und all die Gerüche aufnehmen und dann steige ich in den Bus.

Chickenbus, resp. Camionetas

Chickenbus, resp. Camionetas

In den Chickenbus wie wahrscheinlich Touristen die öffentlichen Busse genannt haben. Für die Einheimischen heissen sie Camionetas. Farbig kommen sie daher und sie tragen wunderschöne Namen wie Esmeralda, Carmelita, Roseanna.

Der Adjudante ruft das Ziel aus und wartet, bis genügend Leute eingestiegen sind. Erst wenn der Bus fast voll ist, fährt er los. Um gleich wieder stehen zu bleiben, weil da noch jemand mit will oder weil vor ihm ein anderen Bus die Strasse versperrt. Haltestellen gibt es nicht, der Bus bleibt da stehen, wo jemand steht oder wo jemand aussteigen will.

TucTuc

TucTuc

Und dann heisst es endgültig Abschied nehmen. Von Reyna und Rigoberto, von Cindy, Angelita und Julissa. Rene und Mariola holen mich ab und bringen mich zum Flughafen. Ja und da sitze ich jetzt, warte, bis mein Flug aufgerufen wird und werde in gut 20 Stunden am Sonntag-Abend in Kloten eintreffen.

Ob ich mich freue? Ich freue mich auf mein Bett, meine Küche, mein Bad, auf Nachbarn, Freunde und Familie und aufs Natel. Und auf andere Kleider! Doch die Farben und die Stimmungen vermisse ich schon jetzt. Und ich überlege bereits, wohin die nächste Reise wohl gehen könnte.

Doch bevor ich mich über solche Dinge Gedanken mache, möchte ich noch einmal allen danken, die mich auf meiner Reise virtuell begleitet haben. Es war ganz toll, zu wissen, dass da immer jemand ist, der mitreist, mitliest, mitleidet und sich mitfreut.

Ich habe mich gar nie allein gefühlt. Auch wenn ich nicht wusste, wer da alles dabei ist, habe ich manchmal beim Schreiben eines Satzes an jemanden bestimmten gedacht und gehofft, dass der oder die das auch bemerkt. Ich war also immer irgendwie von sehr vielen Menschen begleitet.

Hasta luego im Ennigen

Hasta luego im Ennigen

Einladung zur Fiesta de bienvenida am
Samstag, 9. August ab 16.00 Uhr im Schlosshubel Ennigen

Mir fehlt noch ein Fest in diesem Sommer und darum lade ich alle zu meiner FIESTA DE BIENVENIDA ein. Sie findet am nächsten Samstag ab 16.00 Uhr bei mir im Ennigen, Schachen statt. Eingeladen sind alle, die diese Berichte gelesen und bis hierher durchgehalten haben, ob ich sie kenne oder nicht. Einfach kurz hereinschauen, länger bleiben, oder gleich wieder gehen. Egal, ich freue mich auf alle, die den Weg ins Ennigen finden. Damit ich ungefähr weiss, wie viel Wein ich kühl stellen muss, bitte ich um ein kurzes Mail. Freue mich riesig, euch alle wieder zu sehen und grüsse euch mit einem letzten HASTA LUEGO.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nicht Nichtstun steht im Mittelpunkt. Sondern etwas tun, wofür im normalen Alltag zu wenig Zeit bleibt. Meine beiden Leidenschaften Reisen und Schreiben möchte ich miteinander verbinden. Und wenn mich dabei jemand begleitet, umso schöner. Es sind vor allem Geschichten, die ich erzähle und erst in zweiter Linie Beschreibungen von Orten und Gebäuden. Ich möchte versuchen, Stimmungen herüberzubringen. Feelings, sentimientos. Wenn mir das manchmal gelingt, ist mein Ziel erreicht.
Details:
Aufbruch: 12.04.2008
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 03.08.2008
Reiseziele: Uruguay
Brasilien
Paraguay
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Guatemala
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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