TimeOut in Südamerika

Reisezeit: April - August 2008  |  von Beatrice Feldbauer

Woche 11 21.-27. Juni 2008: Flamingos

Noch einmal ein Tag der in der Kälte begann. Zwar nicht mehr so früh, wie gestern, aber es waren trotzdem nur gerade neun Grad in meinem Zimmer, als ich um halb sieben aufstand. Keine Chance, in dieser Kälte zu duschen, abgesehen davon, dass ich noch kaum warmes Wasser hatte hier. Auch eine Heizung gibt es nicht. Ist eben ein Wüstendorf.

Ich fragte mich, warum ich am Abend nicht die Kleider mit unter die Decke genommen hatte, aber für solche Überlegungen war es am Morgen natürlich viel zu spät. Immerhin war es schon hell, als mich der Bus um sieben abholte. Zufällig war es wieder der gleiche Guia wie gestern, Christian.

Laguna de Chaxa

Laguna de Chaxa

Heute war es nur eine kurze Fahrt in der Ebene. Wir besuchten die Salzseen. Durch das Wasser, das hier aus der Erde aufsteigt und in der Tageshitze stark verdunstet, gibt es eine starke Mineralisierung, die sich vor allem als Salzablagerung zeigt. Früher wurde das Salz abgebaut, ja es galt sogar als weisses Gold, aber heute scheint das nicht mehr zu rentieren. Dafür wird aber das Lithium aus den Salzseen abgebaut. Es gibt Lithium-Minen und viele Männer kommen von allen Teilen Chiles, um hier zu arbeiten.

Der Boden besteht aus purem Salz

Der Boden besteht aus purem Salz

Doch wir waren nicht wegen den Minen hierher gekommen, abgesehen davon, dass die auch gar nicht hier waren, sondern wegen der Flamingos. Es ist hier das wichtigste Reservat für die Anden-Flamingos und die Chile-Flamingos. Bis vor ein paar Jahren hatten die Einwohner der umliegenden Dörfer die Eier noch zum Essen geholt, und es gab nur noch sehr wenige Exemplare, aber seit 1996 ist dieses Gebiet geschützt und es leben wieder tausende von Flamingos hier. Das heisst, sie werden hier grossgezogen, es ist sozusagen ihre Kinderstube.

Wir hatten Glück heute, wir waren die erste Gruppe hier und die Flamingos waren noch gemütlich am Futter suchen. Sie standen da in der stillen Lagune und bewegten sich elegant und graziös auf ihren schlanken Beinen. Die Anden-Flamingos haben ein schwarzes Hinterteil während die Chile-Flamingos ganz rosa sind.

Salz, soweit das Auge sieht

Salz, soweit das Auge sieht

Christian erzählte eine Menge über die Flamingos aber wir waren eigentlich vor allem am fotografieren interessiert. Übrigens war es auch hier wieder sehr kalt. Höchstens 5 Grad. Zurück beim Bus gab es auch hier wieder ein Frühstück, das der Chauffeur bereit gestellt hatte.

Diese Wege sind immer gesalzen

Diese Wege sind immer gesalzen

Und danach fuhren wir weiter. Wir besuchten ein kleines Andendorf, wo die Einwohner sehr einfach leben. Sie pflanzen Kartoffeln, Mais und Getreide auf kleinen Terassen an. Diese Methode wird hier schon seit den Inkas angewendet. Eine Quelle bringt das nötige Wasser, das durch Kanäle im Dorf verteilt wird.

Die alte Kirche ist neu renoviert

Die alte Kirche ist neu renoviert

Auch Strom wird mit dem Wasser seit ein paar Jahren gemacht, so dass man heute 24 Stunden Elektrisch hat. Das war nicht immer so. Früher gab es nur Petroleum.

Achtung: freilebende Tiere

Achtung: freilebende Tiere

Was für ein Ausblick

Was für ein Ausblick

Weiter ging die Fahrt in die Berge. Durch steinige Wüstenlandschaft. Immer höher und plötzlich öffnete sich ein wunderbarer Blick auf schneebedeckte Berge und eine tiefblaue Lagune. Wir waren wieder auf über 4000 Metern angekommen und hier stiegen wir aus. Damit wir einen noch besseren Blick auf die beiden Lagunen hätten, müssten wir einen einstündigen Spaziergang hinauf auf jenen Hügel machen, erklärte Christian.

Beim Aufstieg auf über 4000 m

Beim Aufstieg auf über 4000 m

Und da war ich also wieder. Mit meinen Problemen beim bergauf gehen, und das bei über 4000 Metern. Doch es war nicht ganz so schlimm. Immer wieder blieben wir stehen, mussten nochmal die Aussicht geniessen, noch eine Foto knipsen und so schaffte auch ich es, ohne aufzufallen.

Geschafft!
Laguna Miscanti

Geschafft!
Laguna Miscanti

Auch ein Guia muss einmal ausruhen: Christian

Auch ein Guia muss einmal ausruhen: Christian

Doch da oben musste ich erst mal richtig durchatmen und Herz und Lunge beruhigen und sie bitten, nicht gleich aus meinem Körper zu springen.

Was für eine herrliche Aussicht. Unter uns lagen die beiden tiefblauen Lagunen und rundum grüssten die 5- und 6-Tausender Gipfel der Anden.

Es blieb genügend Zeit, mich zu erholen bis Hugo, der Chauffeur von unten funkte, dass das Mittagessen bereit sei. Also machten wir uns auf den Abstieg auf der anderen Seite des Hügels.

Abstieg zur Lagune Miñiques

Abstieg zur Lagune Miñiques

Beim Picknick näherte sich uns ein kleiner Fuchs. Bestimmt weiss er, dass da manchmal etwas abfällt, wenn Menschen zu diesem Platz kommen. Allerdings ist das Füttern streng verboten und wir hielten uns notgedrungen daran. Wie gern hätte man dem Kleinen einen Bissen Brot hingeworfen, aber Christian passte genau auf.

Noch ein kurzer Verdauungsspaziergang zur Lagune, währendem der Guia und der Chauffeur unser Picknick wieder einpackten und dann ging die Fahrt weiter.

Der kleine Fuchs weiss genau, wann die Touris kommen

Der kleine Fuchs weiss genau, wann die Touris kommen

Nächster Halt war bei einem Canyon. Hier fliesst ein Fluss, der sauberes Wasser aus den Bergen bringt und in diesem kleinen Tal von knapp 8 km kultivieren die Bewohner des nahen Dorfes über 30 verschiedene Früchte, unter anderem: Birnen, Kirschen, Granatäpfel, Trauben, Feigen und Zitrusfrüchte.

Valle de Jere bei Tocanao

Valle de Jere bei Tocanao

Wir machten also einen letzten Spaziergang durch das Tal, vorbei an kleinen mit Mauern abgetrennten Gärten. Das Wasser wird hier in Kanäle geleitet und man kann ein Tor aufmachen, damit das Wasser in den eigenen Garten fliesst. Jetzt im Winter sahen die Gärten ziemlich trocken und braun aus, aber Christian versicherte uns, dass es im Sommer ein Schlaraffenland sei.

Die Temperatur war hier unterdessen auf 24 Grad gestiegen. Und soviel war es auch in San Pedro, als wir da um fünf Uhr nachmittags ankamen. San Pedro liegt auf 2400 Metern, wir hatten also auch heute wieder einen ziemlichen Höhenunterschied gemacht.

Natürlich bin ich wieder müde und werde heute nichts mehr unternehmen, ausser versuchen, die beiden Berichte von gestern und heute noch abzuschicken. Aber ich bin nicht mehr so kaputt wie gestern. Die beiden Tage gestern und heute haben mich allerdings körperlich und emotional ziemlich an meine Grenzen gebracht.

Im Moment sitze ich unter einer warmen Lamadecke auf meinem Bett und versuche den heutigen Tag in Worte zu fassen. Das ist gar nicht so einfach, denn ich habe in diesen zwei Tagen so viele neue Eindrücke aus einer mir völlig fremden Welt eingefangen. Vielleicht können die Fotos noch etwas dazu geben, wenn mein Text nicht reicht.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nicht Nichtstun steht im Mittelpunkt. Sondern etwas tun, wofür im normalen Alltag zu wenig Zeit bleibt. Meine beiden Leidenschaften Reisen und Schreiben möchte ich miteinander verbinden. Und wenn mich dabei jemand begleitet, umso schöner. Es sind vor allem Geschichten, die ich erzähle und erst in zweiter Linie Beschreibungen von Orten und Gebäuden. Ich möchte versuchen, Stimmungen herüberzubringen. Feelings, sentimientos. Wenn mir das manchmal gelingt, ist mein Ziel erreicht.
Details:
Aufbruch: 12.04.2008
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 03.08.2008
Reiseziele: Uruguay
Brasilien
Paraguay
Argentinien
Chile
Bolivien
Peru
Guatemala
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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