Wer braucht ein Ziel, um anzukommen?

Reisezeit: November 2021 - April 2022  |  von Katja Jäger

Los Angeles

Der letzte Sonnenuntergang vom Autohaus

Der letzte Sonnenuntergang vom Autohaus

Happy welcome in Los Angeles

Der letzte Sonnenuntergang im Autohaus war der schönste. Ob es daran lag, dass uns bewusst wurde, dass die schöne Zeit am nächsten Morgen vorbei sein würde oder weil es wiiiiirklich der aaaaaller schönste war?!?!?

Die letzte Nach im Autohaus  war leider etwas kürzer als geplant, da wir vor der Abgabe des Monstertrucks noch unbedingt die Versicherungskonditionen wissen wollten.
Über Weihanchten haben wir keine Infos bekommen und dann ist da ja noch das 9 stündige Zeitverschiebungsproblem.

Wenn wir aufgewacht sind, selbst wenn es früh war, war selten noch jemand in den Büros zu erreichen.
Glücklicherweise hat sich Katjas Schwester um die Klärung einiger Fragen gekümmert.
Ohne ihre Geduld in der Allinaz Warteschleife, wären wir wahrscheinlich zum Prepaid Telefonkarten Kunde  des Jahres oder Jahrzehntes gekrönt worden.
Ab 3 Uhr nachts waren wir mit der Allianz, der Autovermietung in Deutschland und Katjas Schwester per WhatsApp, Voicemails und Email in Verbindung.

Es ging einfach nur um die Beantwortung der simplen Frage, ob das Fahrzeug versichert ist, wenn wir Rückwärts gegen einen Stein rollt.

Eigentlich ist das doch eine Frage, die anhand von Standardversicherungspaketen ziemlich leicht zu beantworten sein müsste. 

NEIN, ist es nicht. Wir wissen es bis heute nicht.

Unverrichteter Dinge haben wir uns auf dem Weg zur Abgabe gemacht.
Katjas schlaue Uhr hat während der Fahrt schon ab und zu mal "Puls Warnung " gegeben, was sollte das erst bei der Diskussion um den Schaden geben?!

Der gut organisierte Vermieter hat bevor irgendjemand ein Teil des Autos angefasst hat, erst einmal alle Griffe desinfiziert. Dann kam eine kleiner Mexikaner mit der obligatorischen Mängelliste und fragte, wie unser Trip gewesen wäre, gefolgt von smalltalk, bis wir im Inneren des Autos angekommen waren.

Dort kamen wir zum ernsten Teil der offiziellen Übergabe..wir sollten die aufgetretenen Probleme melden.
Da wir ja bereits eine Liste für die erwartete Konfrontation  vorbereitet hatten, waren wir schnell durch.
Inklusiv Beschuldigungen seitens des kleinen Mexikaner, dass Elton wegen Thorstens Gitarrenspielen wieder abgehauen wäre! Sehr dünnes Eis, Speedy Gonzales!!

Als wir fertig waren standen 5 bis 6 Problemchen auf der Liste, incl. Wasser im Kleiderschrank und im Herd nach dem letzten Regen. Alles per Fotos und noch nassen Kleidungsstücken belegt.

Man kann wirklich nicht sagen, dass wir nicht gut vorbereitet waren.

Nach dem Check des Autohauses von innen, gingen wir gemeinsam raus und Speedy Gonzales fing an das Auto zu inspizieren. Auch die Frontscheibe, auf der immer noch  Fliegenhirn verschmiert war. Er kratze auf eine kleinen Steinschlag rum, sah dann aber, das wir 4 Steinschläge in dieser Ecke vermerkt hatten.   Gott sei Dank

Weiter ging es ohne Stopp bis zum Ende, DEM ENDE des Monstertrucks.
Speedy schaute sich den makierten Kratzer an, er schaute weiter bis zur makierten Stoßstange. Guckte kurz wieder auf den Übergabezettel und ging wortlos weiter. Gefolgt von uns, ebenfalls wortlos, die Uhr am Handgelenk wollte schon die 911 wählen, als Speedy deutete, dass wir jetzt rein gehen.

Im Büro angekommen kam er zu uns und bedauerte, dass der Computer nicht funktioniert. Er nahm zur Sicherheit nochmal die Email Adresse auf. Und verabschiedete sich.

Einfach so! Wir so " ähhhhh, alles ok? Bist du zufrieden?"
Er antwortete, dass er nicht zufrieden wäre, weil wir diese Wasser Probleme hatten, aber er würdest dem Chef sprechen.

Das Auto wäre vollgetankt  ( stimmt: durch die californischen Benzinpreise schwimmen 290 Euro im Tank) und die Wassertanks leer, des Weiteren hätte er keine Beschädigungen festgestellt.

Sobald das Internet wieder funktioniert bekämen wir die Kaution und eventuell eine kleine Aufwandsentschädigung überwiesen!!
Wir konnten, bzw. können es immernoch nicht glauben!
KEINE SCHÄDEN FESTGESTELLT

Bis das Geld nicht auf dem Konto zurück ist, wollen wir uns auch noch nicht freuen.
Als wir kurze Zeit später zur Bushaltestelle gelaufen sind, war unser altes Zuhause bereits im Wiederaufbereitungsprozess vom Hof verschwunden!

Dank Google waren wir perfekt für unseren  Bus und Metro Marathon von Thousand Oaks nach Long Beach vorbereitet.

Gewichtstechnisch sind wir völlig überladen, da wir immer noch fast alle Winterklamotten, zzgl. diverse neue Klamotten und Thorsten noch die Travelgitarre an Bord haben.

Der erste Busfahrer winkte uns einfach durch, wir bräuchten nichts zahlen. Warum auch immer, aber Danke!
Das war ein guter Anfang.

Nach ein paar gefahren Kilometern und der Szenerie außerhalb des Busses und -dann auch innerhalb des Busses- , war uns relativ klar, dass hier niemand die Busse kontrolliert, weil hier niemand ein Ticket kaufen würde.
Bereits an der 3 Haltestelle setzte sich ein in Decken und ziemlich unangenehme Gerüche gehüllter Fahrgast hinter uns.
Haltestelle 5 schenkte uns einen Sitznachbar mit elektronischer Fussfessel.

Nach einer Weile kamen wir am Umsteigepunkt an, peilten den nächsten Bus an, steuerten aber erst noch den Ticket Automaten an.

Als uns der Busfahrer vom ersten Bus hinterher schrie, dass wir nix bezahlen sollen, einfach einsteigen!
Na, wenn er das sagt!

Diese Teilstrecke war ereignislos, wir dachten, es könnte nicht schlimmer kommen, machten eine  2 K Pause (Kaffe+Klo) und uns auf den Weg zur Metro.

Und dann kam es schlimmer.
Jeder von uns hat ja etwas, was er/sie nicht mag.
Der eine mag kein Koriander, harte Möhren, Spinnen oder Brokkoli.
Bei uns ist war es schon immer - und ist es jetzt noch mehr- LOS ANGELES

Wir haben nur schlechte Erinnerungen bezüglich Obdachlosen und dem Gegensatz dazu:
Es gibt zum Beispiel in Venice eine Gegend, da sind die Gehwegbegrenzungen von jetzt auf gleich anders. Das ist eine Makierung, dass dort die Zone der Reichen anfängt, es werden keine Obdachlosen usw. geduldet.
Es gibt hier wahnsinnig viele Menschen die auf der Straße leben.
Sie putzen sich im Mc Donald die Zähne, schlafen in Zelten am Straßenrand, liegen total verdreckt mitten auf dem Gehweg.

Als wir vor ein paar Jahren morgens um 5 Uhr von einer Zugfahrt aus New Orleans in Los Angeles ankamen, wurden wir in eine "sicheren Bereich" gebracht, damit wir uns nicht im Dunklen am Bahn aufhalten.
.....Nur ein paar Beispiele von vielen.

Aber um nach Long Beach zu kommen, blieb uns nun mal nix anderes übrig, als unseren persönlichen Brokkoli zu durchfahren.
Oben, auf der Straße war die Welt soweit noch in Ordnung,  dann stiegen wir ab, in die wortwörtliche Unterwelt.

Erst lachten wir noch, weil Thorsten während des Ticketziehen von einem Obdachlosen darauf hingewiesen wurden, dass die Schranke des Behindertenzugangs immer auf wäre, da käme man kostenlos zu der Metro.

Dankbar für diesen Tipp zogen wir unsere Tagestickets und begaben uns zu unserer Plattform. Umringt von stehenden, liegenden, tanzenden und schlafenden Obdacblosen.
So schlimm, es konnte nicht schlimmer werden.
Dachten wir.
In der Metro das gleiche Bild.
Auf dem Boden total verdreckte Menschen, auf den Sitzbänken schlafende, besoffene, zugedröhnte Männer und Frauen. Einige waren optisch total aggressiv, völlig mit Drogen zugeknallt, mit riesigen Augen.... unvorstellbar.
Einmal haben wir das Abteil gewechselt, weil einer dieser Agro Freaks ständig F Worte gebrüllt hat und hektisch um sich schlug.
Wir fühlten uns sowas von Unwohl wie einst in Nicaragua  unter sich streitenden und besoffen Nicos und Amerikanern.
Wir hofften einfach auf keine weitere  Steigerung der Abartikeiten.
Die letzte Metro machte erst einen guten Eindruck und fuhr auch wieder überirdisch.
Bis ein riesen grosser und extrem pikmentierter Mann einstieg, dessen Vokabular bestand zumeist auch nur aus F Wörten, laut, aggressiv und dazu kommend noch mit Ticks.
Quasi Tourettsyndrome auf Meth.

Da er nur wenige Reihen hinter uns saß, waren wir sichtlich angespannt. Diese Anspannung schlug ungehend in Alarmbereitschaft um,  als er Schimpfende aufsprang und zu einem unauffälligen Fahrgast  2 Reihen vor Thorsten stürmte.

Ob wir in den folgenden Sekunden atmeten oder die Situation zu verstehen zu versuchten und aus der Reaktion des unauffälligen Mannes zu lernen, wissen wir nicht mehr.

Als der Agressor seine Schimpftirade abgeschlossen hatte und der andere Mann nicht reagierte, war nach ein paar Sekunden der Spuk vorbei und wir sondierten die Lage....aussteigen und somit an dem Fleisch gewordenen Horror vorbei gehen oder die 3 Stationen aussitzen?

Die Entscheidung wurde uns abgenommen, denn er stieg die nächste Station aus.
Ich glaube, man konnte den Stein hören, der von uns runter fiel. In genau diesem Moment entschieden wir, nie wieder Los Angels und nie wieder öffentliche Verkehrsmittel.
Nie wieder

Die erste Nacht in unserem Hotelzimmer war sehr ungewohnt, da es kleiner als unser Autohaus ist und wir uns an so einige Dinge gewöhnt haben.
Katja hat 4 mal das Klo benutzt, bis aus dem Kopf draussen war, dass die Spülung nicht mehr mit per Fusspedal betätigt wird. Thorsten brauchte ein paar Sekunden, bis er realisierte, dass er Wasser ohne Einschränkung nutzen kann.

Der heutige sonnige, aber kühle Tag bestand zu 50%  aus der Suche nach einem Testzentrum.
Fürs einschiffen benötigen wir einen PCR oder Antigentest, der nicht älter als 48 Stunden sei darf.
Sollte kein Problem sein, wenn es Tests gibt und man in den USA Krankenversichert ist.

Bingo....trifft beides nicht zu. Es gibt keine Tests, keine Termine, keine Masken....wir sind etwas verzweifelt von Testzentrum, zu Apotheke, zu Interent Hotspots gelaufen um weitere Testzentren zu suchen,  nichts zumachen.
PCR Testergebnis dauert momentan sinnvollerweise 3 bis 5 Tage.
Nach einem Besuch bei Starbucks und einem mexikanischem Stück Hefekuchen mit Butter und Zucker drauf, machten wir uns nochmals auf den Weg zu unserem ersten Testzentrum.

Dort wollten wir die extrem hilfsbereite Frau fragen, ob wir nicht irgendwie den Antigen dort machen können....ohne das Wort " Bestechnung " aussprechen  zu müssen!!!
Aus der extrem hilfsbereiten  Frau wurde eine Urlaubsretterin...sie hat für uns die Angaben in der Anmedlungsapp etwas manipuliert und wir haben somit am Donnerstag kostenlose Tests.
Keine Ahnung, was wir ohne diese Frau gemacht hätten.
Wenn die Tests dann noch negativ sind, wäre es echt super

Während ihr schon übers schlafen nachdenkt, werden wir uns jetzt Fahrräder leihen und den echt langen long Beach erkunden!

Abartig lecker!
Frische Waffeln mit Butter, Ahorn Sirup und knusprigen Hähnchen. Wenn es mal etwas im Hals stockt, dann hilft der leckere Cocktail ohne jegliche Farb und Konservierungsstoffe!
Thorsten mag es etwas weniger aufregend...Hähnchen mit Kartoffelsalat!

Abartig lecker!
Frische Waffeln mit Butter, Ahorn Sirup und knusprigen Hähnchen. Wenn es mal etwas im Hals stockt, dann hilft der leckere Cocktail ohne jegliche Farb und Konservierungsstoffe!

Thorsten mag es etwas weniger aufregend...Hähnchen mit Kartoffelsalat!

© Katja Jäger, 2021
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Die Reise
 
Worum geht's?:
USA wir kommen, aber nicht um zu bleiben! Am 8.11. 21 gehts los, die Heimkehr ist noch ungewiss, aaaaaber vor Ostern ( jaja: 2022)
Details:
Aufbruch: 08.11.2021
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 18.04.2022
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Katja Jäger berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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