Rezzo East of Bali - bei Drachen und Walfaengern! Indonesien 1994

Reisezeit: August - Oktober 1994  |  von Ralph Granzow

Flores: Ein schrecklicher Unfall

Gegen 5.30 Uhr...grrr...stehe ich auf, packe mein Zeug und warte vorm Zimmer . Gegen 7 Uhr kommt der Bus...allerdings macht er noch ne Runde durch Labuanbajo...die Karre muss ja mit Passagieren gefuellt werden!

Es zeigt sich gleich, warum fuer diese kurze Strecke (ca 135km) ueber 4 Std angesetzt sind: Die Strassen sind eng, kurvig, es geht rauf und runter und sie sind im schlechten Zustand!
In Ruteng tanken wir und machen noch ne 1stuendige Stadtrundfahrt...toll!

Die weitere Fahrt wird zur schlimmsten meines Lebens:

Wir kurven mit unserem Bus durch die Landschaft...wie gesagt sehr eng und sehr kurvig...ich schaue wie meistens aus dem Fenster und lasse die Landschaft an mir vorbei ziehen...und haenge meinen Gedanken nach...als es mal wieder um eine Kurve geht...ich sehe ein Motorrad um die Kurve kommen...dann geht alles ganz schnell:

Er ist etwas schnell und zu weit auf unserer Seite unterwegs....auch unser Bus faehrt ziemlich in der Mitte der Fahrbahn...wie gesagt es ist recht eng...der Motorradfahrer bremst...er verliert Kontrolle...sein Hinterrad rutscht weg...er faellt mit dem gesamten Motorrad hin und schlittert in unsere Richtung.
Problem: Waehrend er uns entgegen rutscht, dreht er sich um seine Achse und kracht Kopf voraus in unseren Bus (natuerlich ohne Helm).
Mir ist eines sofort klar: Der Typ ist zumindest schwer verletzt...Der Bus steht und die Leute steigen aus...ich will mir das aber gar nicht anschauen...zuerst versucht man den Bus hochzuheben und wahrscheinlich den Mann zu befreien, das gelingt aber irgendwie nicht...eine Travellerin geht naeher ran und macht auch noch Fotos...geht's noch?

Wie das nun mal in Asien der Fall ist, alle Indonesier muessen sich das genau anschauen...ich frage ein paar Indonesier und es scheint, dass der Arme wahrscheinlich sofort tot war, da er mit dem Kopf voraus unter den Bus geraten ist und von einem Metallstueck getroffen wurde.
Busse die an uns vorbei fahren halten, alle steigen aus und schauen sich das an...das ist auch fuer mich nur schwer zu verstehen...warum moechte ich so was sehen? Ich halte jedenfalls Abstand vom Opfer...er liegt immer noch unter dem Bus...nach einer halben Ewigkeit werden zumindest Palmblaetter gebracht und ueber den Koerper gelegt.

Wir warten und warten...das Maedel, das am Anfang noch Bilder gemacht hat, steht jetzt kurz vorm Zusammenbruch...sorry aber Du musstest ja auch unbedingt Bilder machen?!

Nach einiger Zeit faellt mir auf: Der Busfahrer ist wohl gleich am Anfang abgehauen, aber auch immer mehr Fahrgaeste packen ihr Zeug und versuchen mit einem vorbeikommenden Fahrzeug mit zu kommen. Also ueberzeuge ich die anderen, dass es keinen Sinn macht, auf die Polizei zu warten...nur um ihnen zu sagen, dass der Typ tot ist und ggf auf die Wache mit gehen zu muessen?!

Der erste Bus will von uns 150,000R, er sieht sich in einer besseren Verhandlungsposition (was ja auch stimmt), ich versuche mein Glueck bei nem anderen Bus und der nimmt uns fuer insgesamt 110,000R mit...insgesamt 8 Traveller (Heather und Kent aus S Francisco, Anke und Wolfgang aus Esslingen und wir 4). Bloss weg von der Unfallstelle.
Die Strasse kann man bald nicht mehr als solche bezeichnen, ausser das sie bisher eng und kurvig war, ist sie nun auch nicht mehr geteert, sondern nur aus Sand und Schlagloechern bestehend.
Nach einigen Std erreichen wir unser Ziel: Bajawa, ein kleiner Ort in den Bergen.

Im Sunflower gibt's ein Zimmer fuer 8,000R, nach nem Essen fallen wir alle muede ins Bett.
So ein Erlebnis zeigt einem eines deutlich auf: Wenn hier "in the middle of nowhere" etwas passiert, hast Du ganz schlechte Karten. Selbst nach mehr als 2 Std warten, war keine Polizei und auch kein Krankenwagen eingetroffen.

Kein guter Tag!!!

© Ralph Granzow, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Indonesien hat es mir einfach angetan. Ich will noch mehr von diesem aufregenden Land erkunden. Mein Ziel: Die Inseln oestlich von Bali, weit ab vom Touristenstrom... Einige Abenteuer sollten uns erwarten, u.a. eine Vulkanbesteigung auf Flores, im Angesicht von Drachen und auf der Jagd mit traditionellen Walfaengern...und noch vieles mehr... Unglaublich schoene Dinge waren zu bestaunen, aber auch schreckliches sollte uns widerfahren. Lest doch selbst:
Details:
Aufbruch: August 1994
Dauer: circa 9 Wochen
Heimkehr: Oktober 1994
Reiseziele: Indonesien
Thailand
Der Autor
 
Ralph Granzow berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
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