Zwei Schweizer in Mexiko

Reisezeit: Oktober 2007 - Juli 2009  |  von Reto Loretz

11. Bericht an die Sempacherwoche

Wasser

Im Moment ist es sehr heiss und trocken in Cuernavaca. Es gibt Tage, an denen wir kein fliessendes Wasser mehr haben; dann ist unser Tank auf dem Hausdach leer. So müssen wir warten, bis die Verwaltung einen Tankwagen mit Wasser bestellt, der den leeren Behälter auffüllt. Doch bis jetzt dauerte dies nicht länger als einen Tag. Die meisten Siedlungen sind an das Wassernetz angeschlossen, doch in den Leitungen hat es in dieser Zeit nicht immer genügend Wasser für alle. Aus diesem Grund sieht man momentan sehr viele Tanklastwagen in den Strassen, die Wasser in die Siedlungen liefern. Die Wasserknappheit ist hier in Mexiko ein akutes Problem. Denn aufgrund der Zunahme der Bevölkerung und der verstärkenden Verunreinigung des Wassers, verschärft sich die Lage.
Ich arbeite hier in Mexiko als Ingenieur bei einer Firma, die unter anderem Lösungen gegen die Wasserknappheit plant und realisiert. Ziel ist es, das Wasser mehrmals zu gebrauchen und den Wasserkreislauf mit sinnvollen Methoden zu schliessen. Bei einem Projekt entwickeln wir zum Beispiel Abwasserreinigungsanlagen für einzelne Haushalte. Das Wasser wird zuerst im Haushalt gebraucht, fliesst danach durch eine Kläranlage und kann später für das Giessen des Gartens gebraucht werden. Neben der Reduktion der Schadstoffe in die Umwelt kann somit auch Geld gespart werden und mit dem gezogenen Gemüse und den Früchten können sich die Leute teilweise selbst versorgen.
Natürlich müssen die Personen ein Interesse zeigen, sonst ist das Projekt längerfristig zum Scheitern verurteilt. Die Sensibilisierung der Bevölkerung ist eine der wichtigsten Aufgaben für eine bessere nachhaltige Entwicklung.
Aus diesem Grund werden in ganz Mexiko von der Regierung für die verschiedensten Bereiche "Aufklärungskampagnen" gestartet. So kann man Spots am Fernsehen "gegen die Umweltzerstörung", "für die Gesundheitsförderung" und "gegen die Korruption" sehen. Weiter wird in den Strassen mit Plakaten für "mehr Sicherheit im Verkehr" oder für "Schulbildung für alle" geworben.
Zurück zu den Abwasserreinigungsanlagen; bei der Realisierung dieser Massnahmen sollte immer wieder der finanzielle Aspekt im Auge behalten werden. Die meisten Leute haben nicht viel Geld. Aus diesem Grund müssen die Anlagen sehr günstig sein und einfach zu handhaben. Sie können nach einer Instruktion durch die Fachleute von den neuen Besitzern selber betrieben und unterhalten werden.
In meinen Augen ist das Arbeiten hier in Mexiko eine grosse Herausforderung, aber auch eine Bereicherung. Neben der spanischen Sprache gibt es in der täglichen Arbeit immer wieder Hürden zu bewältigen, die ich von der Schweiz her gar nicht kannte; z.B. der tägliche Stromausfall und die nicht durchgeführten Datensicherungen am Computer... Doch bei der Arbeit lernt man die Leute und das Land auch von einer anderen Seite kennen und man kann einen tiefen Blick in die mexikanische Seele werfen.

© Reto Loretz, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Leben in Cuernavaca, Mexiko.
Details:
Aufbruch: Oktober 2007
Dauer: 21 Monate
Heimkehr: Juli 2009
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
Der Autor
 
Reto Loretz berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.