Zwei Schweizer in Mexiko

Reisezeit: Oktober 2007 - Juli 2009  |  von Reto Loretz

15. Bericht an die Sempacherwoche

Bananen und Öl

Sommerferien; nun hatten wir die Möglichkeit einfach von zu Hause aus mit dem Auto an die Karibik zu reisen. Der erste Teil unserer Fahrt führte durch die Hochebene von Zentralmexiko. Wir umfuhren die beiden grossen Vulkane Popocatepetl und Iztacciuhatl. Die beiden Berge trennen die Städte Mexiko City und Puebla. Aufgrund der Temperaturen und der Berge ist der Sommer hier vor allem die Jahreszeit des Regens. Sintflutartig fing es an zu regnen und die Strassen ähnelten dann plötzlich eher einem reissenden Fluss. Je nach Wettersituation haben wir dann andere Stationen angefahren. Auf dem Weg an den Golf von Mexiko bestaunten wir den höchsten Berg von Mexiko, den Pico de Orizaba. Dieser Vulkan ragt 5610m in den Himmel und wird von den Einheimischen "Berg des Sterns" genannt. Unsere Reise führte uns zu alten Kolonialstädten und landschaftlich sehr abwechslungsreichen Gebieten. Die Städte wurden von den Spaniern gegründet, um den Reichtum von Mexiko sicher an den Hafen von Veracruz zu bringen. Von dort gingen die Güter, vor allem Silber, weiter mit den Schiffen nach Spanien.
Durch die klimatisch gute Lage und dem Wasserreichtum gedeihen hier die verschiedensten Pflanzen. Wir sind stundenlang an Bananen-, Ananas- und Kaffeeplantagen entlang gefahren. Die Topografie dieser Gegend ist sehr eindrücklich: ca. 50 - 100 km vor der Küste geht es von 1500 m über Meer auf Meereshöhe. Der Blick vom Hochland aufs Meer war atemberaubend. Je näher wir an die Küsten kamen, umso schwüler und heisser wurde es. Unsere Route führte uns weiter in den Osten entlang der Golfküsten. Die Landschaft ist geprägt von vielen Wasserläufen, die sich durch die Ebene ihren Lauf ins Meer suchen. In diesem Gebiet können in der Regenzeit Krankheiten wie Denguefieber und Malaria auftreten. Das bedeutete für uns am Abend, Arme und Beine bekleiden, viel Mückenmittel auftragen und unter dem Moskitonetz schlafen.
Im Golf von Mexiko befindet sich auch einer der wichtigsten Bodenschätze Mexikos: Erdöl. Die Gegend ist zwar immer noch sehr von der Landwirtschaft geprägt. Jedoch ragen zwischendurch Bohrtürme in den Himmel und an den Hauptverkehrsachse reihen sich riesige Raffinerien auf. Das mexikanische Erdöl wird vom Staatskonzern Pemex kontrolliert. Im ganzen Land gibt es nur Pemex - Tankstellen und die Preise für die Treibstoffe sind überall die gleichen. Eindrücklich ist auch der Kontrast in dieser Gegend; auf der einen Seite die riesigen Raffinerien, eine der wichtigsten Stütze der mexikanischen Wirtschaft und daneben der einfache Bauer, der mit seinem Esel aufs Feld reitet.
Vom Golf von Mexiko war es nicht mehr weit bis an die Karibik; wir mussten noch die Halbinsel Yucatan durchqueren, die etwa fünf Mal so gross ist wie die Schweiz. Wir fuhren Stunden durch den Busch und an Agavenfeldern vorbei. Und dann erschien das türkisblaue Meer; wir waren am Ziel unserer Reise. Nun hatten wir die Chance, die Küste und ein für uns anderes Mexiko zu entdecken.

© Reto Loretz, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Unsere Leben in Cuernavaca, Mexiko.
Details:
Aufbruch: Oktober 2007
Dauer: 21 Monate
Heimkehr: Juli 2009
Reiseziele: Mexiko
Guatemala
Der Autor
 
Reto Loretz berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.