Wenn nicht jetzt wann dann

Reisezeit: April 2008 - September 2009  |  von Sabine Salcher

Australien: 1. Darwin

Tag 95 bis 97 Donnerstag bis Samstag 31. Juli bis 02. August 2008
Tag 1 bis 3 Australien

Bereits der Flug verwirrt und stellt mich auf eine neue Probe. Wo ist mein Englisch hin? Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass es nach 3 Monaten den Anforderungen von native Speakern gewachsen ist. Aber ich scheiter bereits an der Stewardess. Das faengt ja gut an. Frustration auf der ganzen Linie. Schliesslich lande ich dann uebermuedet und nervoes auf australischem Boden. Hoffentlich klappt alles mit meinem Visum. Und die ganzen Fragen die man beantworten muss, von wegen Medikamente, Pflanzen, Lebensmittel. Aber ich muesste ganz gut vorbereitet sein, nachdem ich in Bali mein Trekkingschuhe noch brav mit der Zahnbuerste gereinigt hab. Ja kein Scherz. Letztendlich geht dann aber alles viel relaxter und schneller als befuerchtet. Da ich mal wieder hundertprozentig ehrlich war schaut sich einer der Beamten meine nicht allzu kleine Medikamententuete und meine blitz blanken Trekkingschuhe an, aber das ist es dann auch schon. So kommt es, dass ich nicht wie geplant erst gegen 4:00 Uhr morgens das Flughafengebaeude verlassen koennte, sondern bereits gegen 2:15. Ich habe aber weder ein Hostel fuer die Nacht gebucht habe, noch bin ich bereit 30$ fuer eine viertel Nacht in einem Dorm zu bezahlen.

Nachdem ich eine Oesterreicherin kennengelernt habe entschliessen wir uns gemeinsam die Nacht am Flughafen zu verbringen und erst bei Sonnenaufgang loszuziehen. Mit einer anderen Backpackerin, die bereits ihr zweites Work and Travel Jahr hier verbringt, schlagen wir die Zeit tot und koennen sogar ein wenig doesen. Irgendwann geht es dann aber mit dem, in unseren Augen voellig ueberteuerten, Shuttlebus richtung Darwin Town. Und was ich so im halbdunkeln sehe gefaellt mir irgendwie gar nicht. Alles so leer und verlassen, aufgeraeumt und geordnet, ohne Seele und Flair. Ja das ist mein erster Eindruck von Australien!!! Vielleicht koennt ihr euch vorstellen wie ich mich fuehle? So richtig einsam und verlassen und total fehl am Platz. Sollte ich wirklich hier sein??? Zum Glueck ist die Oesterreicherin (Name leider vergessen) und als wir aus dem Bus steigen auch noch ein Sueddeutscher (Ich glaube Marco war's) da, so dass ich wenigstens nicht alleine bin. Zu dritt machen wir uns dann total planlos auf die Suche nach einem Hostel, was jedoch nur noch frustrierender ist. Alles so verdammt teuer hier. Und der erste Eindruck von den Australiern ist "ungeduldig und unfreundlich". Nachdem wir vergeblich eine guenstigere Variante gesucht haben checken wir im Youth Shack ein, deponieren erstmal unsere Backpacks und gehen in den Supermarkt. Coles heisst der hier. Oder Woolworths. Den entdecke ich aber erst spaeter. Und auch da blutet meine Geldboerse. Und nicht nur das. Hallo, einkaufen und essen selber machen??? Entscheiden was man essen moechte und dann Zeit zum vor- und zubereiten investieren. Abspuelen??? Drei Monate nicht gemacht!!! Ins Restaurant gesetzt, was leckeres ausgewaehlt und dann den Tag genossen! Wir sind alles drei etwas desillusioniert. Marco geht es da vielleicht noch am besten. Der ist quasi der Gruenschnabel. Gerade erst aus Deutschland eingeflogen. Also nur muede aber nicht geschockt. Aber wir zwei Maedels, gerade aus dem Paradies gekickt.

Nach dem ersten Fruehstueck erkunden wir dann Darwin ein wenig zu Fuss. Auch nicht gerade der Renner. Aber wenigstens scheint die Sonne. Allerdings ist es fuer mein empfinden kalt. Und das am heissesten Ort von Australien. Oh man. Wie soll ich hier ueberleben? In diesem Stil geht unser Tag weiter. Unser 4er Zimmer ist ganz ok, allerdings fuehlt man sich in dem Hostel eher wie in einer Kaserne. Sehr unpersoenlich und ueberlaufen. Im Visitorcenter erfahren wir dann, dass die Eintagestouren zum Kakadu NP, Litchfield NP oder Katherine Gorge um die 150$ kosten, wobei ich aber ja erstmal das Problem habe nur einen Tag Zeit zu haben und mich entsprechend entscheiden muss was ich mir denn anschauen will. Dafuer muesste man aber wissen, was es wo gibt. Vorbereitung ist alles, Sabine. Nach langem hin und her entscheide ich mich fuer den Katherine Gorge. Grund? Die Fotos sehen am besten aus, Kakadu ist zu gross fuer einen Tag und Litchfield scheint Party im Wasser zu sein. Also buche ich mit Bauchschmerzen (aufgrund der hohen Kosten) meine Tour. Der Tag geht allerdings teuer weiter. Es muss nicht nur ein neuer Handyakku her (mein Handy funktioniert seit Wochen nicht mehr) sondern auch eine gute Kameratasche fuer mein neues Baby. Die andere war einfach zu gross, so dass ich sie von Bali aus nach Hause geschickt habe. Aber ohne ist auch nicht gut. Dafuer war sie zu teuer. Insgesamt also ein sauteurer Tag. Danach bin ich erstmal platt und ruhe mich ein wenig aus. Langer und ereignisreicher Tag kann ich nur sagen. Nachmittags machen wir uns dann auf den Weg zum Sunset Market. Angeblich das Highlight von Darwin. Und da er nur Donnerstags und Sonntags stattfindet kann ich nur sagen "Perfektes Timing".

Mein erster Eindruck von Didgeridoo"s - das rockt...

Mein erster Eindruck von Didgeridoo"s - das rockt...

Tja und der aendert dann auch wirklich alles. Auf einmal ist Australien nicht mehr seelenlos, die Menschen nicht mehr unfreundlich und ich fuehle mich nicht mehr fehl am Platz. Sondern zur richtigen Zeit am richtigen Ort und endlich angekommen in der westlichen Welt. Die Didgeridoo Musik ist genial, das Essen lecker und bezahlbar und alle sind relaxt, offen und an einem interessiert. Was fuer ein Wandel. Zum Sonnenuntergang sitzen alle entspannt am Strand und beobachten die am Horizont treibenden Segelboote.

Sunset am Mindill Beach - Ist das hier immer so?

Sunset am Mindill Beach - Ist das hier immer so?

Kaum im englischsprachigen Land und schon mit Deutschen unterwegs...

Kaum im englischsprachigen Land und schon mit Deutschen unterwegs...

Am Anfang sieht alles nach einem schoenen aber normalen Sonnenuntergang aus und ich packe schon meine Kamera weg. Dann kommt jedoch der Supergau. Da ueberall Wolken sind, verfaerbt sich der Himmel in eine atemberaubende rosa rote Hoelle. Und es wird mit jeder Sekunde besser und unvergesslicher. Die Fotos sind bereits aussergewoehnlich, aber wie immer koennen sie nicht alles einfangen. Aber da oben, in meiner Erinnerung, das kann mir keiner nehmen. Unvergessliche Minuten.

Ja so fing's an...

Ja so fing's an...

Nachdem wir jede Sekunde ausgekostet haben machen wir uns langsam auf den Rueckweg zum Hostel. Die beiden kaufen sich noch schnell ein Bier (auf dem Sunset Market gab es keinen Alkohol: ueberhaupt scheint Alkohol hier anders gehandhabt zu werden: auf der Strasse trinken ist verboten und auch im Supermarkt wird keiner verkauft, sondern in speziellen Bottleshops, alles etwas strange) und dann geht es auch ab ins Bett. War ja doch ein etwas laengerer Tag

... und so ging es weiter. Der geilste Sonnenuntergang meines Lebens. Jedenfalls bisher...

... und so ging es weiter. Der geilste Sonnenuntergang meines Lebens. Jedenfalls bisher...

Ein weiteres mal geht es frueh raus. Unsere Tour zum Katherine Gorge startet bereits vor Sonnenaufgang und da ich noch fruehstuecken und Sandwitchs machen will muss ich vorher noch zum Coles. Gestern war da keine Zeit mehr fuer. Leider hat der aber noch zu als ich aufschlage, so dass alles etwas knapp wird. Nachdem ich endlich mein Brot bekommen habe steht die naechste Ueberraschung vor der Tuer. Die Kueche mit den restlichen Sachen ist geschlossen. Nach ewig langem hin und her finde ich endlich jemanden der mir weiterhilft, so dass ich doch noch einigermassen puenktlich beim Pick up Punkt ankomme. Die naechsten Stunden im Bus schlafe ich dann erstmal. Bin einfach noch zu erschossen. Auch der Sonnenaufgang im Desert kann mich nicht wirklich dazu bewegen meine Augen mehr als eine Millisekunde und auch nur einen Schlitz zu oeffnen. Den ganzen Vormittag verbringen wir dann mit der Anfahrt. Beim Fruehstuecksstop komme ich mit einer Frau aus Sydney ins Gespraech. Alle nicht ganz mein Alter in der Gruppe aber trotzdem sehr nett und vorallem keine deutschen Backpacker sondern Australier. So lerne ich also in meinen ersten Stunden schon so einiges ueber das Land kennen wo ich die naechsten Monate leben werde.

Beim Katherine Gorge angekommen starten wir mit unserer Bootstour.

Der Eingang zum Katherine Gorge

Der Eingang zum Katherine Gorge

Do not enter - Crocodile Area

Do not enter - Crocodile Area

Die Landschaft ist schon sehr beeindruckend aber mein Highlight sind die in den Baeumen haengenden Batmans beim Anlegeplatz und die Sweetwater Crocs. Mein erstes Krokodil in der freien Wildbahn. Leider koennen wir den Gorge nur mit dem grossen Boot erkunden und nicht wie einige, die ein paar Tage hier sind, mit Kajaks. Das waer's, aber man kann nicht alles machen. Unsere naechste Station ist ein wunderschoener Wasserfall mit einem riesigen Pool wo man herrlich schwimmen kann. Leider weiss ich weder den Namen noch habe ich vor lauter quatschen und Aufregung Fotos gemacht. Ich kann nur sgaen es war schoen und das Wasser war eine echte Erfrischung. Danach komme ich dann auch das erste mal mit der australischen "gefaehrlichen" Tierwelt in Kontakt. Am See sagen uns alle welchen Weg wir nicht zurueck zum Bus gehen sollen, da dort eine riesige Schlange liegen soll. Aber alle erzaehlen das wie eine Nebensache. Etwas alltaegliches. Jaaaa, daran muss ich mich dann doch erst gewoehnen.

Und da sind sie ja auch schon. Aber keine Angst, die sind lieb...

Und da sind sie ja auch schon. Aber keine Angst, die sind lieb...

Batmaaaaaaaaaaaaaaaaaaan

Batmaaaaaaaaaaaaaaaaaaan

Nachmittags machen wir uns dann wieder auf Richtung Heimat, besuchen noch ein Kriegsdenkmal und eine Mining Stadt und kommen dann gegen 21:00 in Darwin an, wo die beiden schon mit einem leckeren Abendessen auf mich warten. Das hat doch was Im Anschluss gehen wir noch ein wenig zur Esplanade, wo wir eine Stunde mit einem Australier quatschen und dann falle ich auch schon hundemuede ins Bett.

Auch rostige Maschienen koennen schoen sein.

Auch rostige Maschienen koennen schoen sein.

Eigentlich hatte ich gestern geplant mir noch alles moegliche in Darwin anzuschauen. Museum, Botanischer Garten etc. Beim ersten wachwerden entscheide ich dann aber, dass es viel besser ist noch ein Weilchen liegen zu bleiben. Museen gibt es auch noch woanders. So fruehstuecke ich also ganz entspannt, checke um 10 Uhr aus und bummel noch ein wenig die Esplanade rauf und runter. Und dann heisst es auch schon Abschied nehmen und ab zum Flughafen. Das naechste Abendteuer wartet schon.

© Sabine Salcher, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wieviele Chancen braucht der Mensch um sich seinen Traum zu erfüllen? Bei mir sind aller guten Dinge drei. Ende April geht es los. In 9 Monaten allein um die Welt. Im Gepäck die eigene Courage und die ungestillte Lust mittendrin statt nur dabei zu sein
Details:
Aufbruch: 28.04.2008
Dauer: 17 Monate
Heimkehr: 18.09.2009
Reiseziele: Vietnam
Thailand
Laos
Kambodscha
Malaysia
Indonesien
Australien
Der Autor
 
Sabine Salcher berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.