Reise durch Indien

Reisezeit: Juni 2022 - Januar 2023  |  von Beatrice Feldbauer

Strand Goa

Mir war selber nicht ganz klar, was ich in Goa suchte. Ruhige Strandspaziergänge, ein paar Restaurants, in denen man den Nachmittag verbringen oder wenigstens bei einer Tasse Kaffee aufs Meer sehen könnte vielleicht.

Dass es gleich so ruhig sein würde, war mir nicht bewusst. Tatsächlich fand ich bei einem meiner Spaziergänge durchs Dörfchen zwar das eine oder andere kleine Restaurant offen, aber da die Sonne komplett fehlte, fehlte mir die Lust, mich hinein zu setzen. Wäre wohl eh der einzige Gast gewesen.

Zur Zeit ist Monsunzeit, das ist nicht einmal Nebensaison, das ist keine Saison. Das heisst, es ist alles geschlossen. Zwar sahen ein paar Hotels auf der Booking-Seite sehr ansprechend aus, aber jetzt vor Ort bin ich sehr froh, dass ich Maria und Paolo gewählt hatte. Ein kleines Familienunternehmen mit ein paar wenigen Zimmern. Ich bin der einzige Gast. Und auch die einzige, die Abends hier isst. Und trotzdem hat es alles vorrätig.

"Aus dem Tiefkühler", gibt Hendrick, der Wirt zu. Denn im Moment können die Fischer nicht hinaus fahren, das Meer ist zu stürmisch. Es gibt keine frische Fische.

Aber es gibt jeden Abend ein feines Essen. Red Snapper, und zwar der ganze Fisch auf dem Teller, so wie ich das mag. Oder Scampi mit viel Knoblauch oder Masala, das heisst gut gewürzt.

Was ich auch sehr schätze ist das Frühstück mit dem Müesl und dem schwarzen Kaffee. Nach all den Gemüsecurrys bestelle ich mir das jetzt jeden Morgen.

Ich bin sehr froh, dass ich hier gestrandet bin und nicht auf ein anderes Restaurant angewiesen bin. Die guten Referenzen für das Essen waren letztlich tatsächlich der Grund, denn ich hatte schon vermutet, dass es im Moment mit den Strandbeizlein nicht so gut bestellt ist.

Ein willkommene Abwechslung nach all dem Reis: Pommes

Ein willkommene Abwechslung nach all dem Reis: Pommes

Fred frie - ein einheimischer Fisch

Fred frie - ein einheimischer Fisch

Strandbeizlein und die vielen Bungalows direkt am Meer, von denen ich bei der Suche nach einer Unterkunft so viel gelesen habe, sind überhaupt nicht mehr vorhanden. Das heisst, sie sind gut eingepackt in dicke blaue und gelbe Plastikfolien. So wie auch mein Balkon, der komplett vermacht ist. Nur aus dem Fenster kann ich zum Stand sehen. Das hat absolut seinen Sinn, denn vor allem Nachts rüttelt der Wind ganz gewaltig an allem und würde so ungeschützte Hütten gleich durch die Luft wegtragen. Darum kann man im Moment vom ganzen Strandzauber überhaupt nichts sehen.

Ich verbringe meine Tage daher viel mit Lesen - hab inzwischen wieder einen 1000-Seiten-Indien-Schmöker geschafft oder gegen Ende der Woche mit Schreiben auf der gedeckten Terasse, die allerdings nicht zum Stand, sondern zur Strasse gebaut ist.

Manchmal gehe ich hinunter an den einsamen Strand. Da sind höchstens ein paar Jungs beim spielen oder plaudern. Die Wellen gehen hoch, die roten Flaggen hängen überall. Baden verboten. Oft werde ich dann von einem plötzlichen Regenschauer überrascht. Denn wenn die ersten Tropfen fallen, bleibt nicht viel Zeit und einen Unterstand gibt es nicht, es ist alles weggeräumt.

Zum Glück hatte ich eine Schnur im Rucksack. Damit konnte ich meinen Stecker in der Steckdose fixieren. Ohne lag er immer schräg drin und hatte keinen Kontakt.

Zum Glück hatte ich eine Schnur im Rucksack. Damit konnte ich meinen Stecker in der Steckdose fixieren. Ohne lag er immer schräg drin und hatte keinen Kontakt.

Die Gartenhage sind sehr kreativ gestaltet... jeder anders und in anderen Farben

Die Gartenhage sind sehr kreativ gestaltet... jeder anders und in anderen Farben

Alle Bungalows am Strand sind gut verpackt, damit sie nicht weggeblasen werden.

Alle Bungalows am Strand sind gut verpackt, damit sie nicht weggeblasen werden.

Der Spaziergang durchs Dorf ist auch nicht viel ergiebiger. Einmal frage ich einen jungen Mann, der vor einem der Resorts steht, wem denn die vielen Hunde gehören würden. Er meint, die meisten hätten einen Besitzer, so wie er seinen Blacky habe, der ihm zu Füssen liegt. Viele Hunde kämen aber auch immer wieder mit den Touristen her. Sie würden sie von irgendwoher bringen, zu ihnen schauen, während sie hier am Strand sind und dann reisen sie ohne die Hunde wieder ab.

Princess - die Hündin meines Hotels bewacht mich immer, wenn ich am Essen bin.

Princess - die Hündin meines Hotels bewacht mich immer, wenn ich am Essen bin.

Die frei laufenden schwarzen Schweine waren mir schon am ersten Tag aufgefallen. Ausserdem ist auch noch eine Herde Kühe unterwegs. Auch sie scheinen niemandem zu gehören. Allerdings erzählt Sam, auch er hütet ein Resort während dieser Zeit, dass es Leute gibt, die offiziell zu den Tieren schauen. Sie würden dafür sogar Geld vom Staat bekommen.

Doch während der Pandemie wurde das Geld wahrscheinlich für den eigenen Lebensunterhalt gebraucht, so dass die Kühe jetzt mehr auf sich selber angewiesen sind. Auch Sam hat übrigens einen Hund, seine weisse Lucy, für die er, wie er mir versichert, gut sorgt.

Das Resort vor dem ich ihn angetroffen habe, sei übrigens gar nicht geschlossen, ein Zimmer sei besetzt. Also genau wie in meinem kleinen Hotel.

Und die verwarloste Bruchbude, vor der er seinen kaputten Plastikstuhl aufgestellt hat, ist in der Saison ein Früchtestand.

Sam, der Hüter eines geschlossenen Hotels

Sam, der Hüter eines geschlossenen Hotels

Der Schulbus kommt

Der Schulbus kommt

Dieses Restaurant wäre eine Alternative

Dieses Restaurant wäre eine Alternative

Hier werden Ayurveda-Massagen angeboten.

Hier werden Ayurveda-Massagen angeboten.

Der Bancomat mit Klimaanlage

Der Bancomat mit Klimaanlage

Ich muss schmunzeln, wenn ich aus den Kommentaren oder aus den Chats mit meinen Freundinnen merke, was für Vorstellungen der Name Goa auslöst. Nach
Partymeile und Sündenpfuhl werde ich gefragt. Ja, Goa war vor 50 Jahren das Mekka der Hippiekultur. Geblieben sind davon günstigere Alkoholpreise wegen tiefen Steuern im ganzen Bundesstaat. Im Norden sei auch in der Nichtsaison noch das eine oder andere Lokal offen, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass ich dort viel verpasst habe.

So verbringe ich also eine äusserst ruhige Woche hier am Agonda Strand. Vielleicht hätte ich mit einem Tuktuk irgendwohin fahren können, die Fahren fragen jedes mal, wenn ich an ihnen vorbei komme, doch die Aussicht auf den nächsten Regenschauer schreckt mich ab.

Nur am letzten Freitag, bevor ich am Samstag den Ort wieder verlasse, fällt mir auf, dass mehr Leute hier sind. Es fahren mehr Motorräder, es ist mehr Leben im Dorf.

Das kommt daher, dass es ein langes Wochenende ist, am Montag ist Nationalfeiertag und ausserdem finden Wahlen statt. Grad für die Gemeinden in Goa scheint es eine wichtige Wahl zu sein, denn viele sind von ihren Arbeitsplätzen ausserhalb des Landes zurück gekehrt, erzählt mir Sam, mit dem ich den Freitag-Nachmittag verplaudere und der mir einige Informationen zu seinem Dorf gegeben hat.

Die Bar wird nachts zum Nightclub

Die Bar wird nachts zum Nightclub

Abends machen sich auch die Kühe wieder auf den Heimweg

Abends machen sich auch die Kühe wieder auf den Heimweg

Nach einem letzten Bummel durchs Dorf packe ich meinen Koffer und geniesse ein letztes mal die feinen Scampi mit Pommes. Und dazu ein Heineken. Das muss sein.

Der Nachtclub...

Der Nachtclub...

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es geht wieder los. Vier Monate ist es her, seit ich von meiner Südamerikareise zurück gekommen bin. Sieben Monate war ich unterwegs. Und jetzt stehe ich vor einem neuen Start. Mein Traum ist das Taj Mahal. Mein Ziel heisst Indien.
Details:
Aufbruch: 01.06.2022
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 30.01.2023
Reiseziele: Vereinigte Arabische Emirate
Indien
Indonesien
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 20 Jahren auf umdiewelt.
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