Reise durch Indien

Reisezeit: Juni 2022 - Januar 2023  |  von Beatrice Feldbauer

Ayurveda - 1. Woche

Heute vor einer Woche bin ich hier angekommen. Im Ayurveda-Hospital Somatheeram in Chowara, südlich von Trivandrum. Einem von vielen, die es hier gibt, das ist mir schnell klar geworden, als ich mich im Internet umgesehen hatte. Warum ich mich für dieses entschieden hatte, war weil mir die HP einen guten Eindruck machte - sie ist sogar in deutsch - weil ich alles verstand und weil der Preis publiziert war. Ich holte eine Offerte für drei Wochen ein und bekam sogar noch eine Reduktion, weil das Resort im Moment Renovationen durchführt. Ich hoffte, dass diese Renovationen nicht allzuviel Lärm verursachen würden, aber da ich nicht annahm, dass man hier mit schweren Maschinen arbeitet, buchte ich kurzfristig in Kochi, suchte einen Flug für die 200 km und wurde am Samstag-Mittag am Flughafen Trivandrum vom Chauffeur des Resorts abgeholt.

Empfangen wurde ich sehr freundlich von den beiden jungen Frauen der Rezeption. Bevor man mir meine Unterkunft zeigte, musste ich allerdings trotz meinem bereits gemailten Covid-Test noch einen Schnelltest machen. Dann bekam ich ein kleines Häuschen mit breitem Bett und einem Bad mit Dusche. Alles sehr sauber und freundlich. Das Bett wird gemacht, es wird täglich frisches Wasser ins Zimmer gestellt, es gibt einen Wasserkocher, Wöscheservice, einen Safe., einen grossen Ventilator an der Decke. Ich hatte die einfachste Unterkunft gebucht, ohne Klimaanlage, aber es ist Regenzeit, abends kühlt es öfters etwas ab, ich denke, das wird so passen.

Mein Heim bis Ende Monat

Mein Heim bis Ende Monat

Eigentlich habe ich mich noch nie näher mit Ayurveda befasst, weiss, dass es vegetarisches Essen einschliesst, dass Yoga dazu gehört und Massagen und Behandlungen. Ob das für mich passen würde, war mir noch nicht ganz klar, aber ich war bereit, mich darauf einzulassen. Und weil ich genügend Zeit habe, habe ich mich für drei ganze Wochen entschieden.

Mein erster Termin mit einer Ärztin war bereits kurz nach meiner Ankunft. Im Hospital mit der offenen Halle und den kleinen Besprechungszimmern wurde ich von einem jungen Arzt und einer älteren Ärztin empfangen und musste erst einen umfassenden Fragebogen ausfüllen. In deutsch/englisch, damit die Fragen auch ganz sicher richtig verstanden werden. Danach gab es ein Gespräch, man wollte wissen, wie es mir geht, die Gründe für mein Hiersein und welche Beschwerden ich hätte.

Mein einziger Grund, dass ich gekommen bin, dass ich glaube, eine Ayurveda-Kur könnte ein guter Einstieg für Indien sein. Sich mit einem Teil der Kultur vertraut zu machen. Ayurveda ist eine traditionelle ganzheitliche Medizin, die sich mit der Gesundheit befasst. Mein Blutdruck wurde gemessen, dieser war noch vor einem Jahr beängstigend hoch gewesen, jetzt ist er fast normal. Auch mein Puls wurde gemessen und notiert. Danach klopfte die Ärztin meinen Körper ab, wollte wissen, ob ich irgendwo Schmerzen hätte, ob es Unverträglichkeiten beim Essen gäbe, irgndwelche Dinge, auf die man achten müsste.

Im Laufe des Gespräches erwähnte ich, dass es sicher kein Luxus wäre, wenn ich während meines Aufenthaltes ein paar Kilos verlieren würde, dass das aber nicht der wichtigste Grund für mich wäre, hier zu sein. Auf eine eigentliche Abnehmdiät wollte ich dann allerdings doch nicht eingehen, wir entschieden uns für eine Reinigungs- und Entschlackungskur.

Der Hotelpool am Abend

Der Hotelpool am Abend

Im Garten blühen viele exotische Blumen

Im Garten blühen viele exotische Blumen

Die Wasserbecken vor dem Speisesaal werden immer wieder mit frischen Blumen bestückt.

Die Wasserbecken vor dem Speisesaal werden immer wieder mit frischen Blumen bestückt.

Inzwischen bin ich seit einer Woche hier, habe mich an den Rhythmus von Essen und Behandlung und Ruhezeiten gewöhnt, lasse mich verwöhnen und merke, dass ich im Moment keinen Drang versprüre, zu täglichen Erkundigungen. Es ist die Ruhe, die jetzt wichtig ist. Ich schlafe viel und lange, gehe am Morgen gegen neun Uhr zum Frühstück, um halb elf zum Arzttermin und habe ab elf Uhr eine zweistündige Therapiesitzung mit Thanky, meiner Therapeutin. Meistens ist für die zweite Stunde eine zweite Frau dabei, denn die Massage mit den Kräuterstempeln oder die Wassergüsse werden zu zweit gemacht. Das ist ungemein aufwändig und sehr schön zu erleben.

Die tägliche Ganzkörpermassage fängt mit einer Kopfmassage an, geht mit den Schultern und den Armen weiter und danach liege ich auf der Massageliege und Thanky knetet meinen ganzen Körper. Beine, Füsse, Rücken, Brust. Ganz am Schluss folgt noch das Gesicht. Alles in einem Raum mit offenen Fenster in dem ein Räucherstäbchen mit Sandelholz langsam niederbrennt. Manchmal läuft über uns ein kleiner Ventilator.

Die Kräuterstempel - Kräuter, die in ein Tuch gewickelt und über Dampf erhitzt werden - werden auf dem ganzen Körper während 30 Minuten mit ziemiich viel Druck angewendet. Am Schluss wird der Körper mit warmem Kräuterwasser aus zwei gehämmerten Kupferkannen überspült. Diese Wärme soll bis in die Knochen ihre Wirkung haben.

Die beiden letzten Anwendungen werden durch zwei Therapeutinnen ausgeführt, das erhöht die Intensität.

Danach bekomme ich ein einfaches sackartiges Kleid in dem ich zurück zu meinem Häuschen gehe, wo ich noch eine Weile entspanne, bevor ich dusche und mir die Haare wasche und dann zum Mittagessen gehe.

eine meiner beiden Therapeutinnen

eine meiner beiden Therapeutinnen

Das Gelände um das Resort ist fast wie ein botanischer Garten

Das Gelände um das Resort ist fast wie ein botanischer Garten

Jack-Frucht.

Jack-Frucht.

Am Buffet wird bedient

Am Buffet wird bedient

Speisesaal

Speisesaal

Frühstück

Frühstück

Mittagessen - Vorspeise

Mittagessen - Vorspeise

Mittag- oder Nachtessen

Mittag- oder Nachtessen

Gegessen wird im offenen Speisesaal wo wie auf dem ganzen Gelände immer die hohen Wellen des indischen Ozeans 40 Meter weiter unten zu hören sind. Das Resort liegt direkt am Stand, hat sogar einen eigenen Rettungsschwimmer, der am Strand die Strandliegen bereit hält und einen Sonnenschirm aufstellt, wenn man es wünscht. Ich war allerdings bisher erst zweimal am Strand, die restlichen Tage habe ich am Pool verbracht oder auf dem Liegestuhl vor meinem Zimmer.

Das Thermometer steigt am Tag bis gegen 30 Grad, kühlt aber nachts meistens bis auf 26 Grad runter, da es oft über Nacht und manchmal schon am Nachmittag regnet. Ich finde das eine wunderbare Atmospähre für meinen Aufenthalt hier.

Ausserdem fühle ich mich müde und etwas schlaff, das kommt bestimmt von den intensiven Behandlungen und der Umstellung der Essgewohnheiten.

gut durchlüftet...

gut durchlüftet...

Unterhaltung am Sonntagabend

Unterhaltung am Sonntagabend

Gestern gab der Küchenchef eine kleine Kochvorführung. Er zeigte drei verschiedene Gerichte. Eigentlich ganz einfach nahzukochen, wenn man alle Zutaten so schön bereit hat. Die ayurvedische Küche ist vegetarisch, bis vegan. Eier gehören jedenfalls nicht dazu und Milch auch nur sehr beschränkt in Form von Yoghurt. Dafür gibt es jede Menge verschiedene Gemüse und Hülsenfrüchte wie Linsen und Kichererbsen. Bohnen, Kartoffeln und Süsskartoffeln, Tomaten, Karotten, Okra - die mag ich besonders - Blumenkohl und andere Kohlarten, Randen (rote Beete), und noch viele andere Gemüse. Als Ergänzung wird auch mit Nüssen, Rosinen, Kokosraspeln, Sprossen oder Datteln gekocht. Dazu kommen frische Früchte wie Mangos, Trauben, Papayas, Granatapfel, Drachenfrucht und viele mehr.

Alles in allem eine äusserst abwechslungsreiche Küche mit vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen. Natürlich gehören viele Gemüsecurrys dazu, doch auch hier gibt es verschiedene Abstufungen. Und immer Reis dazu. Auch dieser wird vielfältig variiert. An der Vorführung gab es zum Beispiel Reis mit Randen und Erdnüssen.

Bei so viel Varietät vergisst man, dass es auch noch Fleisch geben würde. Jedenfalls ist das Essen kein Verzicht von Fleisch sondern ein Gewinn an Geschmack und Vielfalt.

Salz - Chili - Koffirlimette - Knoblauch
Koriander - Kümmel - Linsen - Senfsamen
Oel - gemahlener Kreuzkümmel - Kurkuma - Erdnüsse

Salz - Chili - Koffirlimette - Knoblauch
Koriander - Kümmel - Linsen - Senfsamen
Oel - gemahlener Kreuzkümmel - Kurkuma - Erdnüsse

Rote Beete werden gkocht, später wird der Reis dazu gemischt.

Rote Beete werden gkocht, später wird der Reis dazu gemischt.

Karottenthoran (typische lokales Gericht), Dal mit Spinat - Reis mit Rote Beete

Karottenthoran (typische lokales Gericht), Dal mit Spinat - Reis mit Rote Beete

Innere Welten - was einem so in denn Sinn kommt während der Massage

Es herrscht Aufruhr. Noch nie in ihrem ganzen Dasein ist meinen Fettzellen so etwas passiert. Sie werden durchgeknetet, verdreht, gedrückt, verschoben, gewalzt. Seit Tagen schon und es scheint überhaupt kein Ende zu geben. Ein Aufschrei geht durch ihre Reihen. Wie sollen sie sich behaupten, was können sie tun, um diesen ständigen Angriffen zu entgehen.
Vom Kontrollzentrum ganz oben kommen keine guten Nachrichten: „Ihr habt euch jetzt jahrelang verbreitet, seid zu einer richtigen Plage geworden. Ihr werdet immer dicker, vermehrt euch ständig, es ist Zeit, dass man euch Einhalt gebietet.“
„Aber doch nicht so, so bekommen wir keinen Atem mehr, so können wir uns nicht mehr festhalten, wir kommen überhaupt nicht mehr zu Ruhe.“
„Das soll auch so sein, ihr habt Eure beste Zeit hinter euch, macht euch auf euren Abgang bereit.“
„Da!“ ein weiterer Aufschrei. „Hammer! Das ist ein Hammer, wir werden geschlagen. Mit heissen Hämmern, von zwei Seiten. So eine Behandlung müssen wir uns nicht gefallen lassen!“
„Von wegen Hammer“, meinen die Augen beschwichtigend, „das sind nur ein paar getrocknete Kräuter, die in ein Gasetuch eingewickelt und auf dem Dampf erhitzt wurden.“
„Ja eben, Dampf, das sind Dampfhämmer“, tönt es von den Hüften. „Das könnt ihr doch nicht zulassen, das ist eine Tortur, das muss verboten werden.“
„Aber es riecht doch so fein“, mischt sich da die Nase ein, „ich jedenfalls finde davon könnte ich noch mehr vertragen.“
„Noch mehr!“ Das Stöhnen wird unerträglich und erst als die Stempel an der Haut aufhören, atmen die Zellen auf. Doch nicht lange, jetzt kommt noch einmal Hitze. Zwar ist es nur heisses Wasser, das über die Haut geleert wird, doch es fliesst dauernd und die Wärme dringt bis zu den Knochen, durchdringt alle Zellen. „Wohin sollen wir denn, wenn man uns hier an den Hüften nicht mehr leiden mag. Vielleicht gibt es bei den Oberarmen noch ein Plätzchen?“

„Bei uns ist es auch nicht besser“, meldet ein kleines Grüppchen, das schon geraume Zeit an dieser Stelle haust. „Auch wir werden täglich durchgeschüttelt, und bekommen alle Schläge und Wasserbehandlungen mit.“
„Wenn wenigstens wieder einmal etwas rechtes in den Magen käme“, reklamieren die Zellen, die sich um Bauch angesiedelt haben. „Mit diesen weichgekochten Gemüsen und den Früchten lässt sich nichts anfangen. He Zunge und Gaumen, ihr braucht doch bestimmt auch wieder einmal etwas richtig Deftiges. Einen Teller Spaghetti zum Beispiel, ein paar Scheiben Salami oder einen Braten mit Kartoffelstock und Sosse.“
Doch die Zunge will nichts wissen, sie meint, mit den momentanen Genüssen sei sie bestens versorgt Alle Stellen hätten jeden Tag reichlich zu tun um all die Geschmäcker zu sortieren. Heiss und kalt, salzig, scharf und gut gewürzt seien bestens vertreten. Auch für die saure und die süsse Zungenseite sei gesorgt, Spaghetti könnten das nicht aufwiegen. Auch der Magen und der Darm sind höchst zufrieden. Sie sind zwar fast die ganze Zeit beschäftigt, denn früher bekamen sie nicht so regelmässig Nachschub, aber sie können die anfallenden Arbeiten immer zur Zeit erledigen. Ihr Abfuhrsystem funktioniert reibungslos.
„Ohne Spaghetti überleben wir das nicht“, jammern die Fettzellen und ziehen sich in ihre Winkel zurück. Derweil sich die Haut wohlig spannt und ihre Falten glättet. Und das Blut, das wieder ungehindert durch die nicht mehr verstopften Venen fliesst, nimmt mit, was bei den Angriffen liegen geblieben ist.
Es wird noch eine Weile dauern, bis alle wieder ihre Ruhe gefunden haben. Die Fettzellen haben beschlossen, jetzt erst recht zusammenzuhalten und sich von äusseren Einflüssen nicht vertreiben zu lassen und das Kontrollzentrum signalisiert inzwischen, dass man sie nicht komplett vertreiben wolle, sie hätten durchaus auch ihren Platz hier.
Wir werden sehen, wie die Sache ausgeht, jedenfalls sind die Fettzellen geschlossen der Meinung, dass die nächste Reise nach Italien gehen muss und bestimmt nie mehr nach Indien.

Diese Meinung teilt sich übrigens nicht mit meiner.. [/k]

der Pfau in meinem Bett

der Pfau in meinem Bett

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es geht wieder los. Vier Monate ist es her, seit ich von meiner Südamerikareise zurück gekommen bin. Sieben Monate war ich unterwegs. Und jetzt stehe ich vor einem neuen Start. Mein Traum ist das Taj Mahal. Mein Ziel heisst Indien.
Details:
Aufbruch: 01.06.2022
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 30.01.2023
Reiseziele: Vereinigte Arabische Emirate
Indien
Indonesien
Live-Reisebericht:
Beatrice schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/23):
Sylvia 1669559187000
Die Fotos von der Zere­mo­nie sind wun­derschön. Du nimmst uns schon während Deiner gesam­ten Reise mit in eine Land voller Wunder, inte­res­santer Be­geg­nun­gen und immer wieder neuer Er­fah­run­gen. Dafür ein ganz herz­liches Dan­keschön. Ich freue mich über jeden neuen Bericht von Dir, liebe Beat­ri­ce. Ich bin auch in Deinem Alter, auch ein kleiner Glo­bet­rot­ter- aber Hut ab vor Deinem Mut und Deiner To­leranz. Ich be­wun­de­re Dich da schon ein bis­schen! Verräts Du mir mal, welche Kamera Du nut­zt?
Bis demnächst hier auf dieser Seite!
Alles Gute für Dich von Sylvia
Antwort des Autors: Liebe Sylvia
Danke für deine nette Rückmeldung. Ich bin schon seit ein paar Jahren nur noch mit dem Iphone unterwegs. Mochte den Ballast der grossen Kamera nicht mehr mitschleppen. Ausser bei Vogelbeobachtungen und ähnlichem, dient mir das Handy bestens..
LG Beatrice
anonym 1669087452000
Ganz Toller Blog super gesch­rie­ben und sehr span­nend und die vielen Bilder
anonym 1668458621000
Auch wenn es ein berü­hmter Ar­chi­tekt is­t,fand?s ich scheuß­lich alles zu­be­to­niert­.im Ge­gen­satz zum wah­nsin­ni­gen tollen Nek Phanta­sie­gar­ten­.Gesch­mäcker sind Gott sei Dank verschi­e­den.­wie immer tolle Blumen und Tier­auf­nah­men.