Reise durch Indien

Reisezeit: Juni 2022 - Januar 2023  |  von Beatrice Feldbauer

Delhi - Lodi Garden

Als ich am Morgen aufstand, gab es keinen Strom im Zimmer. Kein Licht und auch kein Strom in den Steckdosen. Ich versuchte alle Schalter - und es waren viele - aber es half nichts. Kein Ventilator funktionierte, kein Licht, weder im Bad noch im Zimmer. Also anziehen und hinunter zur Rezeption, wo man mir einen der Jungs mitschickte, der sich das Problem ansehen sollte.

Und dann war das ganz einfach zu lösen. Vor meiner Zimmertüre gibt es einerseits eine Glocke zum Läuten und einen Schalter für den Strom im Zimmer. Vielleicht hat ein Gast den in der Nacht versehentlich gedrückt, jedenfalls hatte ich sofort wieder Strom im Zimmer. Schon etwas ungewöhnlich, wenn einem von aussen den Strom ausschalten werden kann.

Nachdem das also geklärt ist, gehe ich hinauf zum Rooftop-Restaurant zum Frühstück. Und sehe mich eingehend um. Schaue hinunter auf die Strasse und über die Dächer der umgebenden Häuser. Dabei entdecke ich auf halber Höhe bei einem Nachbar-Hotel eine Terrasse, auf der ein paar Leute schlafen oder sich bereit machen. Es gibt ein Lavabo, einen Wasserschlauch, ein paar Matratzen, man kann sich waschen, schlafen, die Wäsche aufhängen. Man wohnt hier. Wahrscheinlich sind es die Angestellten des Hotels, die keine andere Unterkunft haben. Ich habe auch in anderen Hotels schon Angestellte in den oberen Stockwerken angetroffen, die dort im Treppenhaus geschlafen haben. Das ist Realität in Indien. Menschen leben, überleben, arbeiten, schlafen, vegetieren. Und sind gegenüber uns Touristen meist freundich und zuvorkommend, putzen die Zimmer, bringen das Essen, schalten den Strom ein und haben immer ein feines Lächeln im Gesicht. Und dabei könnte ihre und unsere Realität gar nicht weiter auseinander sein

Die Dachterrasse ist mit ihren vielen Blumentöpfen mit den verschiedenesten Pflanzen und Blumen ist eine kleine grüne Oase in der öden Dachlandschaft. Ich steige über die eiserne Wendeltreppe bis ganz hinauf. Da wo ich über die Flachdächer sehe und hinunter in die obersten Wohnungen. Hier überall wohnen Menschen. Ziehen ihre Kinder gross,

Nach dem Frühstück bleibe ich mit meinem Laptop noch eine Weile sitzen. Ich beende nun endlich meinen Reisebericht von Bali, damit ich mich in der Gegenwart auf neue Erlebnisse einlassen kann.

Später, als ich Bali abgeschlossen habe, gehe ich hinunter vors Hotel. Ashish, mein Tuctuc-Driver steht immer noch da und freut sich, dass er mich wieder fahren darf. Diesmal will ich in den Lodi-Garten. Irgendwo habe ich davon gelesen und bin jetzt gespannt, was sich hinter diesem Begriff versteckt. Es soll sich um einen grossen Park mit mehreren Mausoleen und gepflegten Wegen handeln.

Als erstes fallen mir die vielen Eichhörnchen auf. Man findet sie ja in ganz Indien, jedenfalls begleiten sie mich seit Kerala überall, aber hier laufen sie über die Wege, jagen auf den Bäumen, sind allgegenwärtig. Genauso wie die schwarzen Vögel, die in den Bäumen einen ziemlichen Krach veranstalten. Stare seien das, meint mein neu installiertes Vogelprogramm, mit dem ich allerdings noch nicht viel Erfahrung habe. Jedenfalls sind sie hier überall anzutreffen. Es ist ein grüner Garten mit Rasen und Wiesen. Mit alten hohen Bäumen, aber wenig Blumen.

Und trotzdem, wer sucht der findet, ich entdecke ein paar Bäume mit gelben grossen Blüten, die mich an den rosa Orchideenbaum in Bali erinnert. Tatsächlich, es ist ein gelber Orchideenbaum.

Gärtner und Helfer sind dabei, die Rabatten neu zu bepflanzen. Vielleicht sind da auch Blumen dabei

Gärtner und Helfer sind dabei, die Rabatten neu zu bepflanzen. Vielleicht sind da auch Blumen dabei

Ich schlendere durch den Garten, Blumen sind tatsächlich sehr rar, ein riesiger Unterschied zu Bali. Aber ich versuche mir den Globus vorzustellen. Bali war 10 Grad südlich des Äquatos, während wir hier in Delhi schon nahe dem 30. nördlichen Breitenrad sind und ausserdem auf gut 200 m, also komplett andere klimatische Verhältnisse. In Delhi kommt der Herbst.

Irgendwo höre ich in der Ferne ein paar Gänse schnattern. Sie weiden auf einer Wiese, picken die Körner auf, die ihnen die Angestellten des Parkes ausgestreut haben. Dabei helfen ihnen die Streifenhörnchen, die emsig zwsichen den Gänsen herumschwirren. Auch die Tauben kommen her und laut schäkernde grüne Papageien, die wild flatternd sofort wieder auffliegen.

Der Baumbestand ist alt, es gibt Fikusse mit langen hängenden Wurzeln, Mangos, alte Akazien mit grauer grober Rinde, grosse runde Palmwedel, Palmalleen, grosse Agaven mit vorbereiteten Blütenständen, ein paar letzte duftende Jasminblüten und andere rote Blüten in den Büschen. Ich muss sie etwas suchen, aber ein paar Blumen kann ich einsammeln

Ein schwarzer Ibis stolziert über die Wiese und schwingt sich elegant in die Lüfte, landet oben auf einem abgestorbenen Baum, wo er einen wunderbaren Ausblick über das Gelände hat.

Agave - Sisal

Agave - Sisal

Ibis

Ibis

Jasmin

Jasmin

In einer ruhigen Ecke treffe ich auf eine weiss gekleidete Braut. Anscheinend hat hier soeben eine Fotosession statt gefunden, denn zwei junge Frauen helfen der Braut, aus dem Kleid zu schlüpfen. Anstelle dessen wird ihr ein kurzes enges Oberteil übergezogen und ein langer Jupe mit schweren Perlenapplikationen. Bunte Steine sind auf lange Fäden aufgezogen und erzeugen ein traditionelles Muster. Darunter tragt sie einen schmalen Jupe. Dazu kommt ein passender beigefarbener Schal. Die beiden Helferinnen sind dabei, die vielen Perlenschnüre um die Taille und Hüfte zu richten, das Makeup zu erneuern und natürlich müssen auch die Haare noch einmal neu aufgesteckt und zurecht gezupft werden.

Dann kümmern sie sich um den Bräutigam. Er überprüft seine Frisur intensiv im Spiegel, wird geschminkt, bekommt ein weisses Tuch über die Schulter gebunden und schlüpft in die guten Schuhe. Dann kann die nächste Fotosession starten. Der Fotograf und sein Beleuchter waren während den Vorbereitungen diskret etwas abseits, kommen jetzt aber wieder dazu, um Anweisungen zu Haltung und Standort zu geben. Dass ich dabei auch ein paar Bilder schiesse, stört niemanden. Leider habe ich nicht verstanden, woher das typische schmale Kleid der Braut stammt.

Ich schlendere weiter, komme zum grossen Mausoleum, das von vergangenen Zeiten erzählt. Von den Zeiten, als in Indien noch Mogule das Szepter in der Hand hatten, als Grabmale noch gross wie kleine Paläste mit allem Prunk ausgestattet gebaut wurden. Die alten Sakrophage sind noch da, die Inschriften über den Toren ebenfalls, aber der alte Glanz blättert etwas.

In der grossen Halle mit den dicken Söulen treffe ich noch einmal auf ein Brautpaar, das seine Pre-Wedding-Fotos macht. Der Fotograf gibt genaue Anweisungen, wohin die beiden sehen sollen, als mich der Bräutigam mit der gezückten Kamera entdeckt.

Schau dorthin, scheint er seiner Freundin zu sagen und zeigt auf mich. Sie schenken mir ein kurzes Lächeln,bevor sie sich wieder den Anweisungen des Fotografen zuwenden . Es muss schöne Bilder geben, auch wenn die beiden darauf sehr ernsthaft aussehen. Doch das gehört sich wohl, Inder lächeln auf Fotos eher selten, wenn sie sich in Position stellen, ist das meist eine ernsthafte Angelegenheit.

Beim Weitergehen entdecke ich ein Schild: Schmetterlingsgarten. Leider ist das Tor verschlossen, dahinter ist jemand dabei, den Rasen zu mähen. Ich gehe dem Gitter entlang und komme tatsächlich zu einem offenen Tor. Der Mann, der den Gehweg mit dem Besen reinigt, kümmert sich nicht um mich, so dass ich ohne Probleme weiter gehen kann. Ich komme zum Schmetterlingspavillion, doch er ist leer. Die Schmetterlinge sind ausgeflogen, das ganze muss erst neu eingerichtet werden. Auch draussen flattert nichts. Nur über den Seerosen im kleinen Weiher sirren ein paar Libellen, aber sie sind zu weit weg, als dass ich sie mit der Kamera einfangen könnte

Und in den Büschen entdecke ich noch ein paar Blüten, während aber die meisten bereits verblüht sind.

Bei der Palmenallee, die noch einmal zu einem Mausoleum führt, begegne ich noch einmal einem Paar, das mit einem Fotografen unterwegs ist. Auch sie machen ihre Pre-Wedding-Fotos, aber sie scheinen etwas einfacher unterwegs zu sein. Ihr Fotograf ist wahrscheinlich einfach ein Freund und kein professioneller Fotograf. Auch fehlen hier die begleitenden Freundinnen oder Visagistinnen.

Kurz vor dem Tor 1, wo mein Tuctuc auf mich wartet, entdecke ich noch einen kleinen Bonsaigarten. Ich mache auch hier einen kurzen Rundgang. Ein paar der kleinen Bäume sind fantastisch, sehen aus wie ihre grossen, hochgewachsenen Brüder, aber mit viel kleineren Blättern, einfach als Miniausgabe.

Ashish hat inzwischen geschlafen und ist bald wieder fit, als ich ihn aufwecke.

Bei einem Lichtsignal, von denen es in der Stadt nur sehr wenige gibt, und die es tatsächlich schaffen, den Verkehr kurz zum Erliegen zu bringen, steht ein kleines Mädchen mit geschminkten Augen. Sie macht eine kleine Aufführung, indem sie mit ein paar tanzenden Schritten durch einen dünnen Ring schlüpft und dann steht sie mit fragenden Augen vor mir. Das sind dann die Situationen, die schwierig sind, denen man kaum ausweichen kann. Also zücke ich mein Portemonaie und gebe ihr eine kleine Note. Natürlich weiss ich, dass man Kinder eigentlich nicht unterstütze sollte, denn Kinder müssten unbedingt in der Schule sein, aber die Zeit an der Kreuzung reicht nicht für Gespräche, wie ich es sonst in solchen Situationen oft versuche.

Sie sind immer schwierig, diese Situationen, in denen man nie weiss, was man machen, wie man sich verhalten soll.

Bei der Herfahrt hatte ich gesehen, dass der Park beim Gate of India, bei dem wir vorbei gekommen sind, jetzt offen ist. Also machen wir noch einen Halt da und ich kann den grossen Triumphbogen, der dem Original in Paris nach empfunden ist, von nahem betrachten.

Vor dem Bogen entdecke ich eine kleine Gruppe, die einen kurzen Tanz aufführt. Die Frau, die das Ganze mit der Kamera aufnimmt, steht unter einem Sonnenschirm. Das ist auch gut, denn in der prallen Sonne, die heute vom fast wolkenlosen Himmel brennt, kann man den Handy-Bildschirm kaum sehen. Natürlich habe ich sofort ein Auge auf den Schirm geworfen und als sie ihre Sachen zusammenpacken, frage ich die Frau, ob ich den Schirm kurz für ein Selfie ausleihen dürfe. Das ist selbstverständlich überhaupt kein Problem. Ich erkläre, dass ich ein Spiel laufen habe, bei dem ich überall verschiedene Schirme fotografieren sollte.

Sie lachen und verabschieden sich dann. Ich aber werde den Schirm schon morgen brauchen, denn morgen geht es nach Agra.

Ich bin früh zurück im Hotel und gehe früh zum Nachtessen auf die Dachterrasse. Danach muss ich packen. Morgen früh geht es mit dem Zug weiter.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es geht wieder los. Vier Monate ist es her, seit ich von meiner Südamerikareise zurück gekommen bin. Sieben Monate war ich unterwegs. Und jetzt stehe ich vor einem neuen Start. Mein Traum ist das Taj Mahal. Mein Ziel heisst Indien.
Details:
Aufbruch: 01.06.2022
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 30.01.2023
Reiseziele: Vereinigte Arabische Emirate
Indien
Indonesien
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 18 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/29):
Sylvia Michel 1674769136000
Oh, es geht noch wei­ter!!! Freude pur! Ich dachte schon, mit dem Weih­nach­tsbe­richt und dem Vo­raus­blick auf zu Hause ist Deine Rei­se­besch­rei­bung zu Ende. Aber es gibt noch eine For­tset­zung. Ganz grpße Klasse und noch­mals ein großes "DANKE" fürs Mit­neh­men nach Indien. Und nun bin ich schon auf Dein nächstes Rei­se­ziel ges­pannt, Alles Liebe und Gute Dir, liebe Beat­ri­ce!
Esther 1674733275000
Hallo Beat­ri­ce, das war wir­klich eine sehr inte­res­sante Reise, habe bis auf wenige Aus­nah­men (Zeit­man­gel, da selber on tour) alle Kapitel gelesen und die schönen Fotos be­wun­dert. Wünsche Dir auch alles gute für das Jahr 2023, vor allen Dingen Frie­den, Gesun­dheit und noch viele er­leb­nis­reiche Rei­sen.­
Lie­be Grüsse Esther
anonym 1673269765000
Liebe Beat­ri­ce.­
Scha­de, dass die Reise nun zu Ende geht. Ich habe sie sehr gern ver­folgt umd werde bei der nächsten Reise wieder gern dabei sein­
Lie­be Grüsse aus Thürin­gen von Chris­ti­ne