2022 Mit einem Geländewagen durch Tunesien

Reisezeit: April - Juni 2022  |  von Michael Bünte

Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Neapel nach Tunesien. Dieses ist der Bericht unserer zehnwöchigen Reise.

Zu den Berg-Oasen nach Tamerza

TAG 8 - Nabeul

Ich wache auf in dem blumigen Duft von Orangenbaumblüten. Der ganze Platz, der für Durchfahrende hergerichtet ist, duftet lieblich nach dem angenehm riechenden Parfum, mit dem Orangen- und Zitronenbäume bestäubende Insekten heranlocken. Ein friedlicher Ort. Ein Ort, um sich zu erden und um sich klar zu werden, wo man sich jetzt tatsächlich befindet.
Der Platz gehört zu dem Hotel “Les Jasmins“ in Nabeul, dessen deutschsprachige Besitzer, er hat einige Jahre in Dortmund Hotelwirtschaft studiert, uns die freundliche Reservierung für unsere ersten 3 Tage in Tunesien geschickt hatte. Auch das Restaurant “Slovenia“ gehört dem netten Herren mit Schiebermütze. Gestern Abend haben wir es uns nach der langen Anfahrt zu dritt gut gehen lassen.

Meine Suche nach einem Frühstücksbrot scheitert daran, dass um halb 9 noch alle Rollläden der Kioske und Lebensmittelläden verschlossen sind. Nur ein paar Geschäfte mit Tontöpfen haben bereits ihre Waren auf der Straße stehen. In einem kleinen “Express Market“, den ich dann doch entdeckt hatte, erfahre ich, dass ich Brot erst um halb 12 bekommen könnte.
Es ist gerade Ramadan. Das ist auch der Grund, warum es heute Morgen kaum Lebensmittel zu kaufen gibt, warum fast alle Restaurants und alle Cafés geschlossen haben. Na, das kann ja heiter werden. Der Ramadan geht noch bis zum 2. Mai.
Ich packe mir drei Bananen unter der Arm und wundere mich über den Preis, der mit drei Stellen hinter dem Komma angegeben ist. Die freundliche Verkäuferin erklärt mir ganz geduldig: „Es gibt tunesische Dinare und es gibt Millimi, die ein tausendstel eines Dinars zählen. Also werden hier drei Stellen hinter dem Komma angegeben. Ein Dinar ist zur Zeit ein drittel eines Euros wert.“

Ich rechne kurz: Gestern hat ein Liter Diesel 1,705 Dinare gekostet. Das sind dann umgerechnet . . . 56,8 Eurocent. Nein, das kann doch nicht sein.
Aber es ist tatsächlich so. Mit einer Tankfüllung unserer Fahrzeuge, also 180 Liter, haben wir im Vergleich zu den Dieselkosten in Deutschland, den Preis für die Fährfahrt gut wieder eingespart. Tunesien hat in seinen südlichen Gebieten eigene Ölquellen und ist nicht so sehr auf Ölimporte angewiesen.

Wir frühstücken im Orangenhain. Die von überall herkommenden Katzen sind ja recht niedlich und anhänglich, wenn die meisten wegen ihrer ihnen noch gebliebenen Schwanzstummel auf mich keinen so attraktiven Eindruck machen, aber vom Frühstück bekommen sie von uns aus Prinzip nichts ab.
Auch haben wir schon schlechte Erfahrungen mit Katzenflöhen gemacht. Streicheln und schmusen ist deshalb bei fremden, halbwild lebenden Katzen für uns leider tabu. Schade, die Katzen sind so zutraulich und es sind richtig niedliche Tiere dabei, die uns mit bittenden, großen Augen angucken. Es ist schon sehr schwer zu widerstehen.

Seit sieben Tagen sind wir unterwegs. Heute ist Fahrpause. Wir wollen uns in dem kleinen Städtchen Nabeul umsehen. Auch brauchen wir tunesische SIM-Karten für unsere Handys, Batterien für die Funkgeräte und, da die meisten Restaurants geschlossen haben, Vorräte zum Kochen. Unser Weg, der uns schnurstracks durch die Hauptstraße führt gibt uns einen ersten Eindruck einer tunesischen Kleinstadt, auch wenn viele der Läden geschlossen bleiben.
Die meist zweistöckigen Häuser am Straßenrand sind farbig gestrichen, wenige in gutem Zustand, die meisten von einem maroden Charme heimgesucht. Durch das gleißende Licht und der diesigen Luft treten die Farben mehr in den Hintergrund. Alles ist in eine befremdliche Blässe getaucht.
Der Verkehr rauscht an uns vorbei, wie wir es von südländischen Städten aus Frankreich und Italien kennen. Aber es ist nicht hektisch, es gibt kein Gehupe und Geschimpfe. Man ist behutsam miteinander. Und wir werden immer mit Handzeichen über die Straße geben, wenn wir den Fuß auf die Straße gesetzt haben.

Auf unserem Weg werden wir natürlich von vielen Händlern angesprochen, auch oft auf deutsch, denn viele hier haben Zeiten in Deutschland verbracht. Sie erkennen schnell, dass wir Deutsche sind, oder es hat sich bereits herumgesprochen, dass wir hier herumlaufen. Auch der Koch vom Restaurant Slovenia hat sich uns zu erkennen gegeben und wollte uns in die nationale Handwerksausstellung hineinbitten - „nur fünf Minuten“.
„Danke nein“. Wir sind noch sehr vorsichtig in diesem für uns unbekannten Land.

Nach dem Gang durch das Städtchen, vorbei an den Minaretten der Moscheen, durch die Gänge der Souks, entlang staubiger Straßen, in denen viel Plastikmüll herumfliegt, kommen wir müde wieder zu unserer kleinen Oase zurück. Gut für uns, dass ein Carrefour, eine Filiale der französischen Lebensmittelkette, auf unserem Weg liegt, in dem wir auch im Ramadan für unsere abendliche Kochaktion einkaufen können.

Restaurant im Camping von Nabeul

Restaurant im Camping von Nabeul

Unsere Wagenburg auf dem Camp in Nabeul.

Unsere Wagenburg auf dem Camp in Nabeul.

Katzenbett

Katzenbett

Moschee in Nabeul

Moschee in Nabeul

Kunsthandwerker vor seinem Geschäft.

Kunsthandwerker vor seinem Geschäft.

TAG 9 - von Nabeul nach Kairouan

Heute morgen stellt Gerhard fest, dass sein Kühlschrank nicht mehr läuft. Seine Versorgerbatterie zeigt nur noch 8 Volt an, und es ist zu befürchten, dass zwei Zellen der Batterie defekt sind. So sind wir gut beschäftigt, nach dem Fehler zu suchen und unser Auto, da wir ja denselben Autotyp haben, besser kennenzulernen.
Zum Glück für uns sind mittlerweile auch einige andere Durchreisende hier angekommen, die uns mit einem Voltmessgerät und mit guten Ratschlägen aushelfen können. Wir messen die Batterie und die Durchgängigkeit der Kabel durch.
Der Fehler liegt schließlich bei einer durchgebrannten Hauptsicherung im Versorgungskreis. Wir sind schon bereit dafür, uns zur nächsten Werkstatt auf den Weg zu machen, da kommt Gerhard in Kontakt mit drei Jungs in einem Jeep Cherokee, die einen gut bestückten Ersatzteilkasten im Gepäck haben. In dem finden sich passende Ersatzsicherungen verschiedener Ampèrestärken. Großzügig wird uns ausgeholfen und über die Fahrzeuge gefachsimpelt. So eine Off-Road Community hat schon etwas für sich.

Gegen 2 Uhr mittags starten wir die Motoren um uns auf den Weg nach Kairouan, einer Stadt etwa 100 km in Richtung Südwesten zu machen.
Aus unserem Reiseführer von 2011, das ist die aktuellste Ausgabe, die heute zu haben ist, lernen wir, dass Kairouan nach Mekka, Medina und Jerusalem die viertheiligste Stadt für die Moslems ist. Da stellen sich schon Erwartungen ein.

Nachdem wir uns durch die Vororte von Nabeul gequält, unzählige Kreisverkehre und Fahrbahnschikanen passiert haben und hunderten Fußgängern, Motorrollern und auch Eselswagen ausgewichen sind, erreichen wir eine der gebührenpflichtigen Autobahnen von Tunesien. Bei einem freundlichen jungen Mann geben wir den geforderten Obolus von einem Dinar, also 33 Eurocent, ab und rollen auf glattem Asphalt, vorbei an den Ärmsten der Gesellschaft, die am Seitenstreifen versuchen noch ihre Waren an Mann oder Frau zu bringen zügig durch eine riesige komplett ebene tunesische Landschaft. Rötliche Erde, große bebaute Ackerflächen, Plantagen mit schnurgeraden Baumreihen, deren Früchte sich uns nicht erschließen, Ödland und hin und wieder eine kleine Schafherde, die von einem Schäfer behütet, durch karges Land zieht.
Viel Unrat hat sich in den Bäumen und in den übermannshohen Hecken aus Ohrenkakteen verfangen. Die Landschaft entlang der Autobahn ist “dekoriert“ mit weißen, blauen oder schwarzen Plastiktüten, die niemand jemals wieder aus dem Gestrüpp entfernen wird.
„Oh Mensch, warum bist Du so sorglos mit Deiner Umwelt ?“

Am Straßenrand die Reste unserer Zivilisation.

Am Straßenrand die Reste unserer Zivilisation.

Der Wind schmückt die Bäume mit allem, was er so findet.

Der Wind schmückt die Bäume mit allem, was er so findet.

Auch die Kakteen sind gute Müllfänger.
Niemand wir das Zeugs jemals hier wieder raus holen.

Auch die Kakteen sind gute Müllfänger.
Niemand wir das Zeugs jemals hier wieder raus holen.

Die Autobahn ist zu Ende und wir nähern uns auf der Landstraße Kairouan.
Die Nähe der Stadt erkennen wir an den zunehmenden Verschlägen einiger Händler am Straßenrand. Die ersten Gebäude stehen am Rand. Dort vor einem Gebäude steht ein junges Kamel. Eigentlich ist es ein Dromedar, da es nur einen Höcker hat, aber hier ist alles ein Kamel. Das Tier steht vor einer Metzgerei, vor dem große Fleischstücke an Gestellen aufgehängt sind. Später wird uns klar, dass es sich um eine Metzgerei mit Kamelfleisch handeln musste und dass das junge Tier davor wahrscheinlich der nächste Kandidat war, geschlachtet zu werden.
Vor einem anderen Ständen wird einem kopfüber hängendem, allerdings totem Schaf, das Fell über den rosa Leib gezogen, während seine Herde darunter steht und zusehen muss, wie ihr Angehöriger getötet und enthäutet wird. Keiner weiß, wieviel die Tiere die Zusammenhänge begreifen. Wir hoffen, dass sie nicht mitbekommen, dass sie die nächsten sein werden, die dort hängen.

Wir erreichen unseren geplanten Übernachtungsort. Wir fahren auf den Parkplatz einer Jugendherberge die auch dem großen angegliederten Station Wasch- und Umkleidemöglichkeiten bietet. Wir melden und an, errichten unsere Übernachtungsgebühr von sieben Dinar pro Person und können hier unsere Fahrzeuge bedenkenlos unter Palmen, hinter einen weiß getünchten Mauer stehen lassen. Es gibt ein WC mit Waschbecken, dass wir benutzen dürfen. Das Wasser aus dem Hahn riecht nicht nach Chlor und schmeckt nicht brackig, ist also zumindest zum Kochen gut zu verwenden.

Hier gut behütet installiert, geht es auf Schusters Rappen in die große, heilige Stadt Kairouan. Die Altstadt ist umfasst von einer gewaltigen, binnenbestückten Stadtmauer. Nur durch die Tore kommt man herein. In den Maueren erwartet uns nicht das übliche Treiben einer nordafrikanischen Stadt. Wie schon gesagt: es ist Ramadan. Keines des vielen Cafés und Restaurants ist geöffnet. Nur an wenigen Ständen werden die hier bekannten süßen Gebäcke angeboten. Und jetzt gegen 5 Uhr abends haben die meisten Händler in der Hauptstraße und in den Souks ihre Waren schon wieder eingepackt. Nur hunderte von herabhängenden Strippen zeigen davon, dass üblicherweise alles voller Waren hängt.
Wir beschließen, zu den Fahrzeugen zurückzukehren und uns morgen früh noch einmal auf den Weg in die Stadt zu machen. Leider lag unser erster Eindruck dieser Stadt weit hinter unseren Erwartungen zurück.

Ein kleines Kochgelage bei unseren Fahrzeugen unter den Palmen, geschützt von der weißen Wand vor dem Sturm, der über uns hinweg pfeift, beenden wir den Tag bei Spaghetti und Mergues. Es fängt an, leicht aus dem Himmel zu spritzen. Solle es regnen ? Na, die Erde hier kann es gebrauchen.

Auf dem Parkplatz vor der Jugendherberge.

Auf dem Parkplatz vor der Jugendherberge.

Freiluftküche.

Freiluftküche.

Mahlzeit im Schutz einer weiß getünchten Mauer.

Mahlzeit im Schutz einer weiß getünchten Mauer.

Teppichgeschäft in Kairouan.

Teppichgeschäft in Kairouan.

Häuserzeile in Kairouan.

Häuserzeile in Kairouan.

Kairouan, Winkelgassen.

Kairouan, Winkelgassen.

Maroder Charme oder Verfall ?

Maroder Charme oder Verfall ?

TAG 10 - von Kairouan nach Sbeitla (Sufetula)

Es ist richtig kalt heute morgen. Das Thermometer zeigt gerade mal 14 Grad an, der Sturm pfeift durch die Palmen und rüttelt an unseren Zeltdächern und der Himmel ist so diesig, als transportiert er gerade große Mengen von Saharasand in Richtung Europa. Wir frühstücken in Daunenjacken im Schutz der weißen Mauer und machen uns bald ein weiteres Mal Weg in die heilige Stadt Kairouan.

Oh, wieviel Leben ist da jetzt zu sehen. All die gestern noch verschlossenen Verschläge sind geöffnet, bis auf die der Cafés und Restaurants natürlich.
Aber es gibt Obst- und Gemüsewägelchen, die gestern noch trostlos von den Gestellen hängenden Bänder sind voll mit Kleidern, Tüchern, Hüten und Spielzeug. Es herrscht das emsige Treiben einer südländischen Gesellschaft.
Es riecht teilweise streng nach Abfällen und, das willst Du gar nicht wissen wonach, und dann duftet es gut nach Parfum, Gewürzen und nach frisch gebackenem Brot, das in glühend heißen Fässern fertig gegart und direkt an die Käufer gebracht wird. Wegen Ramadan wird es nicht hier gegessen, aber es wird immerhin verkauft.
Wir versorgen uns mit frischen, vollkörnigen fladenartigen Broten, in die wir, wir können uns nicht beherrschen, doch schon einmal hineinbeißen müssen.

Dann wandern wir durch enge, weiß oder in ein helles Blau getünchten Gassen, in denen Kinder nach uns gucken und uns ein scheues „bonjour“ hinterherrufen. Ja, wir fallen schon auf und werden beguckt. Doch die Menschen sind freundlich uns gegenüber. Einige Male sollen wir uns unbedingt, nur für fünf Minuten, in einem Geschäft umsehen. Nein danke. Wir wissen, dass das nur zu Frust führt. Auf der einen Seite, weil wir keinen Teppich gekauft haben, auf der anderen Seite, weil wir dem Händler erklären müssen, dass wir sowieso keinen Teppich kaufen wollen. Also gehen wir nicht mit - noch nicht, hier am ersten Tag in dieser Stadt. Vielleicht begeben wir uns später mal in so ein Abenteuer, wenn wir Land und Leute besser kennengelernt haben.

Morgens im Park.

Morgens im Park.

Töpferware.

Töpferware.

Auf dem Markt.

Auf dem Markt.

Der Korbhändler.

Der Korbhändler.

Schuhe und sonstiger Bedarf.

Schuhe und sonstiger Bedarf.

Makroudh. Eine süße Spezialität aus Kairouan.

Makroudh. Eine süße Spezialität aus Kairouan.

Der Alte.

Der Alte.

Garagenparkplatz.

Garagenparkplatz.

Wir sind wieder bei den Fahrzeugen, essen eine Kleinigkeit und starten die Motoren, um weiter in Richtung Tozeur zu fahren. Auf dem Weg dorthin wollen wir noch einen Abstecher nach Speitla, wo man Reste einer römischen Stadt besichtigen kann. Und dann steht auch noch Tamerza, die Bergoase auf unserem Programm.

Hier gibt es keine Autobahn mehr. Wir fahren die 80 km nach Sbeitla über teilweise gut ausgebauten Landstraßen und durch viele Dörfer und kleine Städte, die sich jeweils mit mehreren Bodenwellen ankündigen, und von denen man die Geschwindigkeit auf 30 km/h herunterprasseln soll, was man besser auch macht. Da gibt es schon einige Kracher von Bodenwellen darunter. Überall ähnliche Bilder von dem Leben vor den Geschäften und den Werkstätten, und überall fliegen bunte Plastiktüten herum. Vor vielen Werkstätten stehen halbe Autos, ausgebaute Einfahrtstore und andere Metallgegenstände. Es wird an Motorrädern geschraubt, Gewürze werden drapiert und Schafe enthäutet.. Einige Katzen preschen über die Straße. Immer wieder der Schock und die Hoffnung, dass sie den heranrollenden Rädern entkommt.

In Sbeitla können wir gegen eine Gebühr von 35 Dinaren auf dem Parkplatz des Hotels "Sufetula" übernachten. Sufetula ist die Stadt aus der römischen Kaiserzeit, deren Überreste man hier in Sbeitla besichtigen kann. Die Hotelanlage ist luxuriös, doch es sieht hier irgendwie verlassen aus. Es ist eben noch nicht die Saison, und außerdem ist Ramadan.
Wir nutzen das freie WLAN-Netz des Hotels und wir haben die Möglichkeit unsere Akkus und Laptops über den 220 Volt Außenanschluss zu laden, den wir an die Steckdose auf dem Parkplatz zu hängen dürfen. Das ist alles in dem Übernachtungspreis enthalten.
Es wird uns angeboten, dass wir am Abend im Restaurant des Hotel essen könnten. Es gibt, wegen Ramadan, jedoch kein Buffet, wie sonst, sondern nur ein Menü. Wir beschließen, es uns gut gehen zu lassen und ordern drei Menüs für 20:00 Uhr.

Gemeinsam mit den einzigen Gästen des Hotels sind wir pünktlich im riesigen Speiseraum des Hotelrestaurants. Es ist ein wenig gespenstig.
Doch der Koch kann seine Kunst sehen lassen. Die Nudelvorsuppe, die Brik, in Fettteig eingeschlagene pochierte Eier, das Huhn und die Doraden schmecken vorzüglich. Sogar Bier bekommen wir hier in der muslimischen Fastenzeit. Und zum Nachtisch gibt es eine große Schale frischer Erdbeeren. Für 10 Euro pro Person haben wir fürstlich gespeist.
Der Koch wird uns vorgestellt. Wir sind voll des Lobes und unsere Gastgeber sind hoch erfreut. Als “Geschenk“ des Hauses bekommen wir eine Dusche für den kommenden Morgen. Man wird uns ein Zimmer aufschließen.
Jetzt fragen wir uns natürlich, warum der Hotelchef so etwas macht?
War es einfach eine freundliche Geste von ihm, fand er es nett, mit uns auf deutsch zu plaudern oder waren es unsere Ausdünstungen, die ihn dazu bewegt haben, uns kostenlos duschen zu lassen? Wir beschließen ersteres uns machen uns keinen weiteren Kopf darüber. Mit vollen Bäuchen kehren wir zu unseren Fahrzeugen zurück, nachdem wir uns in vornehmen Bädern gewaschen und für die Nacht fertig gemacht haben.

Vor dem Hotel "Sufetula"

Vor dem Hotel "Sufetula"

TAG 11 - von Sbeitla nach Gafsa

Als ich aufwache höre ich es schon. Es regnet kräftig auf unser Zeltdach.
Es weht ein starker Wind und es ist immer noch kalt. „So habe ich mir das Wetter in Tunesien immer vorgestellt“, denke ich mir ironisch. Na, es wird schon werden. Ich verkrieche mich für die nächste Stunde in Pullover und Daunenjacke zum Schreiben auf den Beifahrersitz, während Gabi noch weiter im warmen Schlafsack vor sich hin schnorchelt. Zum Trost gibt es ja heute die warme Dusche im Hotel, und außerdem soll es in den kommenden Tagen trocken und warm werden, sagt die Wettervorhersage. Also alles halb so schlimm. Das wird schon.

Die Dusche im Hotelzimmer war super, das Frühstück haben wir zu dritt in unserem Toyota eingenommen. Durch Verschieben und Klappen von verschiedenen Brettern kann man im Innenraum drei bequeme Sitzplätze an einem Ausziehtisch herstellen, so dass wir hier bei Kaffee und Fladenbrot den Regen abwarten kann.
Und dann können wir auch schon los. Der Regen hat nachgelassen. Die Ruinen einer römischen Stadt, ein riesiges Areal alter Steine, ist schon in der Ferne zu sehen. Wir lassen die Fahrzeuge auf dem Parkplatz, denn hier stehen sie sicher, und machen uns zu Fuß auf den Weg.

Nach etwa zwei Kilometern erreichen wir den Eingang, werden von einem freundlichen Herren abgefangen und zu einem Polizisten gebracht, der wissen will, woher wir kommen und wohin wir fahren wollen. Da wir alles glaubhaft beantworten konnten, vielleicht hat sich der Polizist in seinem Auto auch nur gelangweilt, dürfen wir in das neu gebaute Museum gehen, um uns dort die Eintrittskarten für die Besichtigung der römischen, punischen und byzantinischen Steinmauern zu kaufen.
Auf dem Weg dorthin bieten sich sofort einige Führer an, die uns natürlich die schönsten Mosaike zeigen wollen. Da wir jedoch Gerhard als unseren Professor deklarieren, der mit seinem Reiseführer einen gut informierten Eindruck macht, werden wir schnell in Ruhe gelassen.

Schön ist der Anblick auf gelbe Blütenmeere, zwischen denen die alten Mauern von Häusern, Märkten Kirchen und Tempels zu erkennen sind. Nur wenigen Mauerreste sind höher als 2 Meter. Doch einer der Tempelkomplexe ist noch bis zum Dach teilweise erhalten - oder nachträglich wieder hergestellt worden. Das wissen wir nicht.
Immer wieder werden wir von älteren Herren mit Kaputzenumhang angesprochen, die uns antike Öllampen oder Münzen verkaufen wollen, die wir, wenn sie tatsächlich antik sein sollten, gar nicht aus dem Land ausführen dürften. Also bleiben wir stark, lehnen ab und bleiben freundlich.
Und dann findet Gerhard das, wonach er die ganze Zeit gesucht hat. Es gibt ein Foto, auf dem seine Frau, Martina, als Neunzehnjährige in einer mit Mosaiken ausgelegten “Badewanne“ sitzt. Er wusste nicht mehr, in welchem der tausend Gebäude die Wanne zu finden ist. Jetzt steht er ergriffen in den Resten einer Kirche vor “seiner Badewanne“. 45 Jahre ist das jetzt her.
Es handelt sich allerdings um ein antikes, in den Boden eingelassenes Taufbecken. Alles ist noch genauso erhalten, wie er es in Erinnerung hatte. Nur dass heute eine Absperrung verhindert, dass sich neunzehnjährige Jungendliche hineinsetzen und fotografieren lassen.

Transport mit biodynamischem Antrieb.

Transport mit biodynamischem Antrieb.

Ruinenstadt aus der Römerzeit..

Ruinenstadt aus der Römerzeit..

Ruinen im Blütenmeer.

Ruinen im Blütenmeer.

Die letzen Tempelanlagen.

Die letzen Tempelanlagen.

Ringplatz der großen Thermen.

Ringplatz der großen Thermen.

Mosaike des Taufbeckens.

Mosaike des Taufbeckens.

Wir sind wieder bei den Fahrzeugen. Die Sonne scheint jetzt hell und heiß vom Himmel. Alles ist wieder verstaut und wir machen uns auf den Weg nach Tamerza, den Bergoasen.
Wieder geht es über flaches Land. An den Horizonten geben sich jedoch bald die Konturen gewaltiger Bergmassive im Dunst zu erkennen. Wieder der Müll an den Straßenrändern, wieder die Schafe, das Leben in den Dörfern, die Bodenwellen, der Verkehr. Doch eines ist neu hier auf dem Weg in Richtung der algerischen Grenze. Es gibt hier sehr viele “Tankstellen“, also Reihen von Plastikbehältern mit Benzin oder Diesel. Diese Kraftstoffe werden zu besonders günstigem Preis vom Nachbarland herbeigeschafft und hier auf offener Straße verkauft. Zunächst dachten wir an Zitronenlimonade, die leicht gelblich in den durchsichtigen Behältern zu sehen sei. Aber die Gerätschaften zum Betanken der Fahrzeuge und die Autos, die daran betankt werden, zeigen bald die wirklichen Geschäfte, die hier vor sich gehen.

Tankstelle auf dem Land.

Tankstelle auf dem Land.

Tankstelle in der Stadt.

Tankstelle in der Stadt.

Dann, auf einer Hochebene, sehe ich da plötzlich ein Licht an unserem Armaturenbrett gelb leuchtend. TBELT steht da unmissverständlich. Ach du je: Unser Zahnriemen macht Probleme. Wir hatten schon einmal einen Motorschaden wegen eines gebrochenen Zahnriemens an einem anderen Auto und halten sofort an. Im Betriebshandbuch steht: „Sofort eine Toyotawerkstatt aufsuchen“. Wir sind ratlos. Da kommt schon eine Gestalt auf uns zu. Ein grüner VW-Bus hatte gehalten. Ein hochgewachsener junger Mann mit Pudelmütze und Dreitagebart spricht uns auf Deutsch an. Er sagt, dass er eine gute Werkstatt in Kasserine, dem Dorf, das wir vor 5 km hinter uns gelassen hätten, kenne. Er kann uns dorthin bringen, müsste aber erst noch seine Oma wegbringen, die er im Auto sitzen hat. Als er weg ist machen uns unsere Gedanken. Der Zahnriemen wurde vor 5000 km gewechselt. Wir haben jetzt einen Kilometerstand von 150.011 km. Wahrscheinlich ist bei unserem elektroniklosem Auto nur beim Einbau des Riemens der Zähler der Anzeige nicht zurückgestellt worden.
Dennoch warten wir auf unseren tunesischen Helfer, der schon fünf Jahre in Hamburg gelebt hat und jetzt in Kiel Zahnmedizin studiert. Wegen unseres Hamburger Kennzeichens hat er angehalten und uns helfen wollen.
Die Werkstatt, zu der er uns bringt ist geschlossen. Es ist Freitagnachmittag im Ramadan. Doch der Werkstattmeister kommt heran und bestätigt uns unsere Vermutung, dass es nur die nicht zurückgestellt Anzeige sei. „Macht Euch keine Gedanken. In YouTube kann man lesen, wie die Anzeige manuell zurückzustellen ist.“

Jetzt ist es spät geworden. Wir werden es nicht mehr schaffen vor dem Dunkelwerden die Bergoasen bei Tamerza zu erreichen. Park4Night zeigt an, dass es in Gafsa, das auf unserem Weg liegt, zwei Campinplätze und einen Parkplatz gibt.
Der erste Campingplatz, den wir im Dämmerlicht erreichen ist geschlossen. Ein recht unfreundlicher Mann, der stolz darauf ist nur arabisch zu sprechen und mit uns nichts zu tun haben will, gibt uns das unmissverständlich zu erkennen. Auch vor dem Tor des zweiten Platzes hängt ein dickes Schloss. Auf dem Gelände brennt Licht. Ein Auto ist durch den Zaun zu erkennen. Wir rufen die Telefonnummer dieses Platzes an, die wir auf unserer Liste der tunesischen Campingplätze gefunden haben, doch es meldet sich niemand.
Gut, dann stellen wir die Fahrzeuge dicht an die Mauer neben dem Tor und installieren uns dort. Wir brutzeln uns unsere frisch erstandenen Mergues und schauen zufrieden im Mondlicht unter Palmwedeln.
Gerade sollte es ans Wegräumen gehen als unsere Gaskocher auf dem Sand vor dem Tor im Licht steht. Der Bruder des Besitzers dieses Anwesens will gerade vom Hof fahren, sieht uns, und macht sich umgehend daran, seinen Platz für uns Gestrandete zu kurzzeitig öffnen. Er lässt uns hier nicht auf der Straße stehen. Und so rollen wir auf den einsamsten Campingplatz, den wir je besucht haben, Installieren uns im Palmenhain, geschützt von zinnunbewehrten Mauern im Lehmbautenlook. Den Preis für’s Übernachten, den wir erst am nächsten Tag begleichen sollen, handeln wir vorsichtshalber heute schon aus.

TAG 12 - von Gafsa nach Tamerza

Endlich ist es warm geworden. Die Morgensonne lässt Palmwedel im rötlichen Licht leuchten. Es sieht aus wie im Bilderbuch, wie die beiden Geländewagen inmitten der Mauern unter den Palmen stehen. Reich geschmückte Gebäude, in denen sich plüschige Sofas mit dicken Kissen und schweren Teppichen befinden, stehen auf dem Gelände. Das Wrack eines Renaults von 1938 dort ist der Stolz des Besitzers. Doch die gesamte Anlage hat viele Reparaturen nötig bevor die Saison hier beginnt. Oder ist das alles dem Verfall freigegeben, weil hier wegen der Corona-Pandemie seit zwei Jahren kaum noch Touristen absteigen? Wir werden es nicht herausfinden, hoffen nur, dass diese schöne Anlage des “Camping El Hassen“ erhalten werden kann. Es ist so ein friedlicher Ort.

Im leeren Campingplatz El Hassen in Gafsa.

Im leeren Campingplatz El Hassen in Gafsa.

Aufenthaltsraum des Camping El Hassen in Gafsa

Aufenthaltsraum des Camping El Hassen in Gafsa

Der Innenraum des Aufenthaltsraumes.

Der Innenraum des Aufenthaltsraumes.

Elektrische Verdrahtungen.

Elektrische Verdrahtungen.

Ein Renault von 1939.

Ein Renault von 1939.

Um kurz nach 11 brechen wir auf. Der rundliche Mann im Kaftan, dem wir das Geld gegeben hatten, wartet schon mit seiner Ziegenherde darauf, uns das schwere Holztor aufschließen zu können. Dann rollen wir hinaus.

Wieder schnurren die Motoren, als wir über die Landstraßen fahren. Es geht durch eine karge Landschaft, grüne halbmeterhohe Büsche auf dem rötlich schimmernden Sand, viel Staub und hohe Felsformationen, an denen wir jetzt direkt vorbei fahren und auf die sich unsere Fahrzeuge heraufarbeiten.
STOPP. Wir signalisieren Gerhard über unser Walki Talki, dass wir einen Laden mit frischem Brot gesehen haben. Ein sehr freundlicher Mann überreicht und zwei der frisch gebackenen Weißbrote zu umgerechnet dreißig Eurocent pro Stück und wünscht mit einem Lächeln, mit dem er uns seine die Reste seinen schwarze Zahnstumpfen zeigt, uns eine gute Fahrt und einen schönen Tag. Der viele Zucker, der hier verbraucht wird, fordert seinen Tribut.

Jetzt können wir in den Gesteinswüsten immer wieder Palmenflecken in den Senken erkennen. Es muss sich Wasser unter der Erde angesammelt haben. Wir nähern uns unserem Ziel, den Bergoasen.
Leider hat das Palasthotel im Lehmbautenstil, auf dessen Terrasse Gerhard vor 10 Jahren einen Kaffee mit Blick auf die Ruinen des alten Tamerza getrunken hatte, geschlossen. Die ausgetrockneten Pflanzenkübel, die vernachlässigten Kakteengärten, das dicke Vorhängeschloss am Eingang, machen nicht den Eindruck, dass hier in den letzten Jahren irgendwie Tourismus betrieben wurde. Außerdem ist ja immer noch Ramadan. Was können wir da schon erwarten.

Im Ort erwischt uns die Guardia Civil, also die Ortspolizei, fragt uns woher, wohin, und bedeutet uns, dass es nur eine Übernachtungsmöglichkeit im Ort gäbe. Es ist das Restaurant Cascade, das einen Parkplatz hätte und auf dem man im Einverständnis mit dem Restaurantbetreiben übernachten könnte. Es wäre aber auch mit einem OffRoad Fahrzeug möglich, drei Kilometer in einem Flusslauf bergan zu fahren. Dann käme man direkt auf den Sandplatz unterhalb des Restaurants und hätte eine ruhige Nacht. Na immerhin, die richtigen Fahrzeuge dafür haben wir mitgebracht.

Wir trinken einen gesüßten Pfefferminztee auf der Terrasse des Restaurant Cascade mit Blick auf den Wasserfall - ja, es sprudelt hier tatsächlich ein kleiner Fluß über die Felsen und fällt dann 8 Meter in die Tiefe. Dann wollen wir erst einmal den Flusslauf zu Fuss erkunden, bevor wir uns mit unseren Fahrzeugen dort hineinwagen.
Ein sehr eifriger Führer, Farouk, spricht uns auf deutsch an und gibt uns zu verstehen, dass wir den Weg durch den Fluss auf keinen Fall alleine finden könnten. Es gäbe Untiefen und Sandlöcher, die nur er kenne würde. „Ihr werdet stecken bleiben!“
Er zeigt uns Filmchen auf seinem Handy, auf denen er andere Touristen durch den Fluß geführt hat. „Was wollen Sie denn dafür haben?“, ist unsere berechtigte Frage. „Was wollt Ihr geben?“, seine Antwort.
„Wir versuchen es erst einmal alleine“.
„Ihr werdet es nicht schaffen.“
„Und wenn wir es doch schaffen?“
„Dann bezahle ich Euch Euer Abendessen, ein Mann, ein Wort. Vertraut mir“
„Ok, wir werden es versuchen. Wir gehen jetzt den Fluß ab“
„Aber das ist viel zu weit. Das sind drei Kilometer !“
„Wir werden es trotzdem versuchen. Und denken Sie an Ihr Wort.“
„Ihr könnt das nicht alleine!“

Es ist erst 4 Uhr Nachmittag. Wir haben noch viel Zeit. Wir machen uns auf den Weg das Flussbett entlang. Gerhard hat zum Glück schon 30 Jahre Erfahrung im OffRoad-Fahren in Afrika. Wir beiden Anfänger vertrauen auf seine Kenntnisse. Ich gucke mir die kritischen Stellen gut an und präge mir die verschiedenen Stellen ein, an denen man im Wasser fährt und wo man sich nicht im Sand festfahren darf. Es gibt einige andere Wagenspuren hier im Fluss, so dass es uns machbar erscheint, auch ohne Farouk, der in den Kommentaren von Park4Nights so sehr über allen Klee gelobt wird. Wir gehen durch den Palmenhain zurück um unsere beiden Geländewagen zu holen.

Gerhards weißer Toyota schimmert durch die Palmen hindurch, der Wagen steht stark nach vorne übergeneigt auf der Böschung, über die man das Flussbett erreichen kann. Dann kommen wir heran. Wir schalten die Achsverriegelungen ein, das Allrad- und das Untersetzungsgetriebe schalten wir zu und schon senkt der schwere Wagen seine große Schnauze in die Tiefe. Wir erreichen das Wasser, das uns mit einem weiten Spritzer begrüßt.
Durch das Untersetzungsgetriebe dreht der Motor doppelt so hoch wie normalerweise. Jetzt spüre ich die Kraft, die in diesem Fahrzeug steckt, das ohne sich ohne zu zucken oder zu rutschen durch den Sand des Flussbettes schiebt. Es geht über Felsvorsprünge, wir nehmen Geröllwälle zwischen unsere Räder, teilweise fahren wir eine Strecke mitten durch den Fluss.
Über uns die Palmen, rechts die steilen rötlich schimmernden Felsen, vor uns der Fluss. Wir sind mitten drin im Abendteuer.
Jetzt wird es schwierig. Die rechte Spur ist etwa einen halben Meter tiefer, als die linke. Der Wagen neigt sich stark auf die eine Seite. Gabi hat die Kamera vor der Nase und schwitzt Blut und Wasser. Nein, wir kippen nicht um. Für solche Situationen ist dieser Toyota gebaut. Dafür hat er das OME-Fahrwerk, das den gleichzeitigen Kontakt aller 4 Räder mit dem Untergrund gewährleistet. Dafür haben wir dieses Fahrzeug mitgenommen.
Nach 15 Minuten durch dann Fluss erreichen wir den Wasserfall und den Sandplatz unterhalb des Restaurants. Mit einem bisschen Stolz, nicht stecken geblieben zu sein, sitzen wir dann im Restaurant und feiern den Tag - bei einem mittelguten Tagesmenü - und einem Glas Wasser. Das herbeigesehnte Glas kühlen Bieres fällt wegen Ramadan heute und in den kommenden zwei Wochen aus. Das Essen haben wir selbst bezahlt. Farouk haben wir nicht wieder gesehen.
Ja ja: „Ein Mann, ein Wort“, klingt es in unseren Gedanken nach.

Sie haben Ihr Ziel . . . erreicht

Sie haben Ihr Ziel . . . erreicht

Der Wasserfalll von Tamerza.

Der Wasserfalll von Tamerza.

Beim Wasserfall in Tamerza.

Beim Wasserfall in Tamerza.

Restaurant "Les Cascade"

Restaurant "Les Cascade"

Blick auf das Flussbett unterhalb des Wasserfalls.

Blick auf das Flussbett unterhalb des Wasserfalls.

TAG 13 - von den Berg-Oasen nach Tozeur

Ein warmer, sonniger Tag kündigt sich heute an. Der Fluss rauscht in unserer Nähe. Noch sind wir allein hier unter den Palmen der Oase. Wir springen in den Sand und beginnen den Tag mit einem guten Frühstück. Heute gibt es für jeden ein gekochtes Ei zu dem weißen Pappebrot. Es ist immerhin Ostermontag.

Nach einem kurzen Gang zu der in der Nähe liegenden Schlucht starten wir, in Vorfreude auf eine weitere OffRoad-Fahrt durch den Fluss, in Richtung Süden. Ein bisschen Fotoshooting muss jetzt im Sonnenlicht auch sein. Ich probiere aus, wir sich der Geländewagen in verschiedenen Situation verhält. Wohlbehalten erreichen wir wieder die Straße. Die Zusatzgetriebe werden wieder weggeschaltet. Wir fahren in die Berge hinein.

Die öde Steinwüste, die wir in vielen Serpentinen durchfahren, hat doch ihre Reize, denn man kann sehr gut die Faltungen der Gesteinsschichten erkennen. Es gibt riesige Muster auf den Felsen in wellen- oder in dramatischen Zackenformen. Tiefe Schluchten müssen wir umfahren und hin und wieder schimmert ein Dunkelgrün aus den Senken zu uns herauf - Palmen. Irgendwo in den Felsen gibt es dort Wasser. Wir hoffen, dass so karg nicht die Welt unserer zukünftigen Generationen aussehen möge.

Nachdem wir den Pass erklommen haben, ein LKW, beladen mit lachenden und winkenden Kinder, die gerade aus der Schule nach Hause gebracht werden, fährt an uns vorbei, sehen wir vor uns die weite Ebene der Salzseen.
Bis zum Horizont ist dort auch von unserer erhöhten Postion keine Landerhebung mehr zu erkennen. Keine Stadt, keine Wälder, keine Hügel, einfach nur flaches Land.

Ein großes Hallo und freundliches Winken.

Ein großes Hallo und freundliches Winken.

So fahren wir dann, als wir in Serpentinen wieder aus den Bergen herabgestiegen sind, über gut ausgebaute, gerade Asphaltstraßen. Kamele können hier die Straßen kreuzen, werden wir durch ein Verkehrsschild gewarnt.
Und plötzlich sind sie da. Eine kleine Gruppe von 5 erwachsenen Tieren und 2 kleinen Kamelen, wie schon gesagt sind es korrekterweise Dromedare, wandern in der Nähe der Straße durch die Ödnis und zupfen an kleinen grünen Büschen der Salzvegetation. Lange betrachten wir sie, und sie betrachten uns. Es ist kein Ton ihrer sanften Schritte zu hören. Die Tiere scheinen auf ihren langen Beinen über dem Erdboden zu schweben. Das Wort “Wüstenschiff“ kommt uns bei diesen Bewegungen in den Sinn, und wir erkennen die Sinnhaftigkeit dieses Begriffs für die Tiere.

ohne Worte

ohne Worte

Tozeur kündigt sich an. Es soll hier zwei Plätze geben, die uns für eine Übernachtung geeignet erscheinen. Das Navi von Gerhard führt uns zielgerichtet dorthin. Auf einem Schild steht eine Telefonnummer, ein Anruf in englischer Sprache, und zwei Minuten später kommt Sami, der Besitzer des Campinglatzes auf einem Motorrad herangerauscht. Wir werden und schnell einig. Sami geleitet uns zu seinem Palmenhain in dem wir uns irgendwo installieren dürfen. Hier gibt es Wasser. Das Sanitärgebäude ist einfach aber sauber. Das dort angeschlossene Hammambad ist zur Zeit noch nicht in Benutzung. Es ist erst April. Die Saison hat hier noch nicht begonnen.
Wir stellen die beiden Geländewagen über Eck und bereiten uns, während in wenigen Minuten der Abend über uns hereinbricht, aus den uns noch verbleibenden Nahrungsmitteln eine etwas außergewöhnliche, aber gut gewürzte Kombination aus Nudeln mit Kartoffeln. Es schmeckt uns vorzüglich. Hunger ist der beste Koch.

Wohin müssen wir jetzt ?

Wohin müssen wir jetzt ?

Pause bei einem Pfefferminztee.

Pause bei einem Pfefferminztee.

Farben im Sandgrau

Farben im Sandgrau

Andere Vorstellungen des Reisens.

Andere Vorstellungen des Reisens.

In der Schlucht.

In der Schlucht.

Schlucht eines ausgetrocknetes Flussbetts

Schlucht eines ausgetrocknetes Flussbetts

Wasserfall in Tamerza

Wasserfall in Tamerza

Freundliches Winken.

Freundliches Winken.

Unser Camp in der Nähe von Tozeur.

Unser Camp in der Nähe von Tozeur.

TAG 14 - Tozeur und Nefta

Ich wache auf. Draußen in den Palmen machen sich die Vögel bemerkbar. Es ist noch dunkel. Doch es dauert nur wenige Minuten, und schon hat sich der neue Tag angekündigt. Die Sonne steigt hier im Süden sehr viel schneller über den Horizont, als wir es im Norden Deutschlands gewohnt sind.
Und es ist warm. Es ist richtig warm geworden. Bald schon werden die obersten Palmenwedel von den ersten Sonnenstrahlen gestreichelt und schimmern rötlich vor dem blauen Himmel. Das Leben im Palmenhain erwacht jetzt mit tausenden von Stimmen und Rufen.

Sonnenaufgang im Palmenhain

Sonnenaufgang im Palmenhain

Morgenstimmung

Morgenstimmung

Das Motorrad von Sami in der Morgensonne

Das Motorrad von Sami in der Morgensonne

Heute wollen wir uns Tozeur ansehen, eine Wüstenstadt mit außergewöhnlicher Architektur, aufgenommen in das Weltkulturerbe.
Da wir am Vormittag durch die Stadt streifen bekommen wir das volle Leben der Märkte und der Geschäftigkeit mit. Geparkt haben wir unsere beiden Fahrzeuge vor einem Elektroladen in der Nähe des Bahnhofs. Der Besitzer des Ladens war hoch erfreut, dass wir Kontakt zu ihm aufgenommen haben und meinte, dass die Wagen vor seinem Laden gut und sicher geparkt seien. Er wird ein Auge darauf haben. Er gibt uns seine Telefonnummer, für alle Fälle und falls er irgendetwas für uns tun könne.
Die Menschen scheinen hier in dieser Stadt besonders freundlich zu uns zu sein, begucken uns, haben aber immer ein Lächeln und eine freundliche Geste für uns parat. Es fühlt sich sehr angenehm an. Wir fühlen uns sicher.

Wir bestaunen die ungewöhnliche Bauweise der gelblichen Backsteinhäuser, die durch tiefe Fugen oder durch in Mustern nach vorne und hinten versetzter Steine sehr viele kleine Schatten auf die Wände werfen. Dadurch wird erreicht, dass die Außenwände der Gebäude nicht vollständig der Sonne ausgesetzt sind und so weniger stark aufgehitzt werden. Außerdem konnten die Erbauer mit schönen Schattenwürfen spielen, die diese Muster in den Mauern hervorrufen.
Das gesamte Ensemble dieser mit aus Steinmustern gebauten Gebäude, die verwinkelten Gassen und Gänge und die sorgfältige Instandhaltung ihrer Gebäude hat der Stadt den Eintrag in das Weltkulturerbe beschert.

Leider ist immer noch der Ramadan. Keines des hübschen Cafés hat geöffnet. Und auch die Versicherung des geschäftstüchtigen Besitzers eines Teppich-, Leder und Andenkenladens, mit dem Inhaber des Café Belvedere zu telefonieren, hat sich als Finte herausgestellt. Nein, es wird auch für uns keine Ausnahme gemacht.

Doch sind die Märkte jetzt am Vormittag in vollem Gang. Wir versorgen uns mit frischem Gemüse, Gewürzen, Oliven und Früchten, und versuchen dann, voll bepackt, unsere Autos wiederzufinden. Nein, wir haben uns nicht verloren in diesem Gassengewirr. Aus Erfahrung hatten uns rechtzeitig einige auffällige „Landmarken“ eingeprägt, so dass wir, ohne uns zu verlaufen, zu den Fahrzeugen gelangen.

Die große Moschee.

Die große Moschee.

Straßenecke in Tozeur.

Straßenecke in Tozeur.

Gerhard zeigt uns dann noch das “Belvedère“, eine Hügelkuppel, auf dem man vor etwa 20 Jahre einen Freizeitpark eingerichtet hatte. Auf einem Campingplatz unterhalb des Parks hatte er damals mit seiner Martina gezeltet, direkt neben den Fluten einer artesischen Quelle, aus der das Wasser in großen Mengen permanent aus der Erde in einen Pool floß.
Heute ist die gesamte Kuppel mitsamt des Gebietes des ehemaligen Campingplatzes eine Mondlandschaft. Man kann noch die demolierten Einrichtungen des Freizeitparks erkennen, die traurigen Ruinen des Empfangshäuschens des Camps und die toten Stumpen der Palmen, die damals dem Tal Schatten spendeten.
Verursacht wird diese Trockenheit durch die Hotels, die in großer Anzahl am Rande der Stadt gebaut wurden und deren Wasserdurst über die Jahrzehnte die fossilen Quellen haben versiegen lassen. Für den Gewinn weniger Hotelbetreiber und den Luxus weniger Touristen, wurde eine ganze Landschaft für viele Menschen für immer zerstört.
Aus einem der drei Zuläufe des heute noch vorhandenen Pools fließt es noch, das fossile Wasser dieser artesischen Quelle, so dass wir uns dort eine kräftige Dusche in der Wüste genehmigen können. Mit dickem Strahl lassen wir das angenehm warme Wasser auf unsere Körper prasseln. Welch ein Paradies muss das hier früher gewesen sein, als es noch intakt war.

Hotels mit großem Wasserbedarf.

Hotels mit großem Wasserbedarf.

Der letzte Wasserstrahl der artesischen Quelle.

Der letzte Wasserstrahl der artesischen Quelle.

Abends finden wir in Nefta, etwa 25 km von Tozeur entfernt, einen kleinen offenen Laden, in dem uns Palmensaft angeboten wird, und trotz Ramadan schenkt man uns ein. Ein herrliches, etwas süßes, erfrischendes Getränk, dass aus dem Pflanzensaft von Dattelpalmen erzeugt wird. Wir unterhalten uns gut mit der Familie, können sie sogar mit ein paar Kugelschreiber für die Kinder erfreuen - Stifte sind hier in Relation zu den anderen Lebenskosten extrem teuer - und dürfen dann auch noch auf dem Parkplatz des kleinen Ladens über Nacht stehen. Welch eine freundliche Geste.

Auf dem Parkplatz vor dem Laden unserer Gastgeber.

Auf dem Parkplatz vor dem Laden unserer Gastgeber.

Ein VW-Motorrad im Dorf ?

Ein VW-Motorrad im Dorf ?

"La Corbeille", die Korb-Oase bei Nefta.

"La Corbeille", die Korb-Oase bei Nefta.

Unten in der Oase.

Unten in der Oase.

Nachdem wir uns durch die so genannte “Korb-Oase“, einer Quelle am Grunde eines etwa 30m tiefen Kessels, haben führen lassen, holen wir uns für das Abendessen noch frisches Brot, denn morgen früh wird es das nicht zu kaufen geben. Auf dem Weg zurück zu unseren Fahrzeugen ruft uns eine junge Frau hinterher, wir sollten warten.
Ein junger Mann mit Rasterhaaren und Pudelmütze prescht auf einem Motorroller heran und überreicht Gabi strahlen ein von ihm frisch gebackenes Brot. “Ich schenke es Euch. Ihr sollt auch arabisches Brot essen, nicht nur die französischen Baguettes. Das ist ein großer Unterschied. Ich habe das Brot eben gerade gebacken“.
Wir sind gerührt. Gabi nimmt das noch warme Brot dankend aus seinen Händen in Empfang. Der junge Mann strahlt, schwingt sich auf seinen Roller und fährt, lange winkend, von dannen. Die Menschen sind in diesem Landstrich wirklich außerordentlich liebevoll und freundlich.

In der Nacht stehen wir noch lange oberhalb des tiefen Kessels, in dem Laternen den Weg zum Pool hinunter andeuten und sehen den vollen Mond über der Oase aufgehen. Morgen werden wir über den großen Salzsee Chott el-Jérid nach Douz, einem der Tore in die Sahara, fahren.

© Michael Bünte, 2022
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 06.04.2022
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 17.06.2022
Reiseziele:
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 7 Monaten auf umdiewelt.
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