2022 Mit einem Geländewagen durch Tunesien

Reisezeit: April - Juni 2022  |  von Michael Bünte

Djerba: Über die Insel

Das Künstlerviertel “Djerba Hood“

Im Süden von Houmt Souk kommen wir durch das Dorf Erriadh. Ein Teil dieses Dorfes hat sich zu “Djerba Hood“ herausgeputzt. Graffiti-Künstler aus der ganzen Welt haben Hausfassaden mit ihren Kunstwerken versehen. Hinter jeder Ecke stoßen wir auf neue Kreativität, Phantasien und Gesellschaftskritiken.
Es ist ein Gang wie durch ein Freilichtmuseum. Teilweise sind es nur kleine Gemälde auf einem Postbriefkasten, andere Werk nutzen eine gesamte Häuserfront und integrieren zweidimensionale Türen und Fenster des originalen Hauses in die dritte Dimension einer perspektivischen Darstellung.

Technik in einem Schmetterlingsflügel

Technik in einem Schmetterlingsflügel

Technik im Körper der Füchse

Technik im Körper der Füchse

Sabrine

Jetzt sitzen wir in einem vollständig lichtblau gehaltenen Raum auf den harten Brettern einer weiß gestrichenen Palette. Der Raum ist hell, lichtdurchflutet und mit Stoffen in Gelbtönen geschmückt, auf die Ornamente der Berber gedruckt sind. Gerade haben wir unsere bunten Keramiktassen mit türkischem Kaffee und eine Schale mit Keksen überreicht bekommen. Es ist so angenehm harmonisch in diesem Raum, die Einrichtung einfach, aber farblich perfekt abgestimmt, dass wir uns rundum wohl fühlen bei Sabrine Balboul, einer Tunesierin in den Mittdreißigern, die das “Amour Café“ in der “Rue de Palestine“ in Erriadh als ihr Erfolgsprojekt aufgemacht hat. Und es ist ihr gelungen.

Fassade des "Café Amour"

Fassade des "Café Amour"

Harmonie in Farbe

Harmonie in Farbe

Sabrine hinter ihrem Tresen

Sabrine hinter ihrem Tresen

zwei mal "Café Turc" bitte.

zwei mal "Café Turc" bitte.

Das Töpferdorf Guellala

Wir sehen sie schon beim Hereinfahren, die etwa fünf Meter hohe, den zentralen Kreisverkehr zierende Amphore. Das Dorf Guellala, bekannt wegen des hier betriebenen Töpferhandwerks, zeigt vor jedem Haus naturfarbene Tonkrüge, bunt glasierte Teller, Schüsseln, Lampen und alles was aus Keramik hergestellt werden kann. Es ist uns unbegreiflich, wie diese Mengen an Material an den Mann gebracht werden und wie davon Familien ernährt werden.
Eines der Geschäfte scheint sich als Vorbild europäischer Designstudien bedient zu haben und ist zu einer kunstvollen Keramikboutique hergerichtet. Die Preise dort sind, wie erwartet, etwas höher als üblich. Die Waren sind die gleichen. Und es wird nicht gehandelt. Die Räume dieser “Keramikhöhle“ lässt einem den Atem stocken. Wir schreiten wie durch ein Designerstück.

Ein Rundgang durch das Dorf bringt uns zu einer unterirdischen Olivenölmühle, in der zu früheren Zeiten der Mahlstein durch ein immer im Kreis laufendes Kamel bewegt wurde. Heute verwendet man dafür elektrische Motoren.
Die Klimatisierung vieler Räume geschieht hier über hunderte von kleinen Keramiktöpfchen, die mit der offenen Seite zum Raum in die Deckenkuppel oder in das Tonnengewölbe der Räume eingemauert sind. Wir vermuten, dass über die so vergrößerte Oberfläche der Raumdecke Wärme und Feuchtigkeit der Luft vermehrt ausgetauscht werden können. Die Kuppel bewirkt, dass immer nur ein Teil der Raumdecke der Sonnenstrahlung ausgesetzt ist. Eine geniale Erfindung.

Guellala, das Dorf der Töpfer

Guellala, das Dorf der Töpfer

übergroße Keramiken auf dem zentralen Kreisverkehr

übergroße Keramiken auf dem zentralen Kreisverkehr

an einer Straße in Guellala

an einer Straße in Guellala

Katzenkörbchen in einer Amphore

Katzenkörbchen in einer Amphore

das Designerstück im Dorf, Erdgeschoss

das Designerstück im Dorf, Erdgeschoss

das Designerstück im Dorf, Obergeschoss

das Designerstück im Dorf, Obergeschoss

eine Töpferwerkstatt mit unterirdischer Ölmühle

eine Töpferwerkstatt mit unterirdischer Ölmühle

die Deckengestaltung der Gewölbe dient der Klimatisierung der Räume

die Deckengestaltung der Gewölbe dient der Klimatisierung der Räume

ein freundlicher älterer Herr aus Guellala

ein freundlicher älterer Herr aus Guellala

Die Synagoge El-Ghriba

Wir statten der ältesten Synagoge Afrikas, in die am 11. April 2002 ein LKW mit 5000 Litern Flüssiggas hineingefahren ist, um Ungläubige zu töten, nur einen kurzen Besuch ab. Das heutige Gebäude aus dem neunzehnten Jahrhundert, wird seit dem Anschlag von Straßensperren geschützt und rund um die Uhr von der Polizei bewacht. Auf einer Gedenktafel in arabisch, deutsch und französisch wird der damaligen Opfer gedacht.

verstärkter Polizeischutz während des jüdischen Festes

verstärkter Polizeischutz während des jüdischen Festes

Straßensperren vor der Synagoge

Straßensperren vor der Synagoge

in Gedenken an die Opfer des Attentates auf die Synagoge im Jahr 2002

in Gedenken an die Opfer des Attentates auf die Synagoge im Jahr 2002

© Michael Bünte, 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Neapel nach Tunesien. Dieses ist der Bericht unserer zehnwöchigen Reise.
Details:
Aufbruch: 06.04.2022
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 17.06.2022
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 26 Monaten auf umdiewelt.
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