2022 Mit einem Geländewagen durch Tunesien

Reisezeit: April - Juni 2022  |  von Michael Bünte

an der Ostküste: Sousse

Sousse - über den Dächern der Stadt

Sousse - über den Dächern der Stadt

„Da musst Du jetzt abbiegen. Da geht es durch das Stadttor“, meldet meine Copilotin, die das Navi in ihrer Hand hält. Ich winke ab. „Ich werde doch nicht durch das antike Gebäude hindurch in eine Fußgängerzone fahren!“
Wir finden trotzdem schnell einen Parkplatz am Straßenrand, werfen so das Auto ab und schreiten durch riesige hohe, zinnenbewehrte Mauern in die Stadt Sousse hinein, die sich praktisch vor unseren Füßen ergießt, denn sie liegt an einem Berghang. Der Verlauf der kopfsteinernen Gassen mit ihren Treppchen und den weißblauen Häusern ist von hier oben gut zu verfolgen.
Weiter untern verschwinden die Gassen in den Tunneln der Souks, die, vollständig mit steinernen Gewölben überdacht, wie ein Kellerlabyrinth auf uns wirken. Wir wandern ins Dunkle. Plötzlich stehen wir wieder im Sonnenlicht unter dem blauen Himmel, während sich vor uns wieder Öffnungen in drei verschiedene Richtungen auftun. „Wie sollen wir hier wieder herausfinden?“ Wir prägen uns markante Punkte ein und drehen uns häufig um, um den Weg auch in der anderen Richtung kennenzulernen.

Sousse - Stadtmauer

Sousse - Stadtmauer

Die Hauptachse der Altstadt

Die Hauptachse der Altstadt

Kaffeehaus

Kaffeehaus

Marktstand

Marktstand

Kabelinstallationen

Kabelinstallationen

Blick auf die Moschee

Blick auf die Moschee

Das Ribat von Sousse

Schließlich erreichen wir den Ribat von Sousse. Er ist die älteste muslimischen Festungsanlage Nordafrikas und vollständig renoviert, innen allerdings völlig steril und leblos. Eine elektronische Schleuse, die laute Töne von sich gibt, als ich hindurchgehe - „das macht nichts, das tut sie immer“ - haben wir passieren müssen. Wir steigen auf den Turm über eine Wendeltreppe, die so schmal ist, dass sich keine zwei Personen begegnen dürfen. Über den Dächern können wir einen wunderschönen Rundblick auf den Hang, über den sich die Stadt erstreckt, auskosten. Wir blicken von oben auf die große Moschee von Sousse, aus der plötzlich der Gesang des Muezzin zu uns emporsteigt. Kurz darauf bildet sich nach und nach ein Chor aus zum Gebet rufenden Muezzinen von allen Minaretten der Stadt. Es ist halb fünf Uhr am Nachmittag.
In den unteren Räumen des Ribat erfahren wir über ein paar lieblos aufgehängte Plakate etwas über die Geschichte der nordafrikanischen Wehrklöster. Von Kairo bis nach Tanger in Marokko waren sie in ein Informationssystem über Lichtsignale gegen potentielle Invasoren eingebunden. Beim Heraustreten aus dem Ribat schreckt uns wieder das Alarmsignal der Sicherheitsschleuse aus unseren Gedanken. Der Pförtner zuckt kurz mit den Schultern und lacht zu uns herüber.

Blick von oben in den Hof des Ribat

Blick von oben in den Hof des Ribat

Mit dem Geländewagen durch die Gassen

Nachdem wir eine lange Zeit in der dritten Etage eines Cafés oberhalb der Stadtmauer mit hervorragendem Blick über die Stadt verbracht hatten, fahren wir unserem nächsten Ziel entgegen. Da es hier keine Stadtpläne gibt bemühen wir wieder unser Navigationsgerät. Wir zwängen uns innerhalb der Stadtmauer durch enge Gassen, an Treppen und abgestellten Handkarren vorbei und erreichen schließlich wieder die Hauptstraße, nachdem wir ein schmales Stadttor passiert haben. Wir kommen übrigens genau durch die Durchfahrt aus der Altstadt heraus, in die ich mich geweigert hatte, bei unserer Ankunft hier in Sousse hineinzufahren.

© Michael Bünte, 2022
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Neapel nach Tunesien. Dieses ist der Bericht unserer zehnwöchigen Reise.
Details:
Aufbruch: 06.04.2022
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 17.06.2022
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/4):
Pollensa07 1656508686000
Ein span­nen­der Urlaub ist zu Ende, der mich tief in das tu­nesische Leben mit­ge­nom­men hat. Vor Jahren war ich selbst schon einmal als Pauschal­tou­rist in diesem Land und habe einige Orte wie­derer­kannt. Sehr be­ein­druckt haben mich damals der antike Stein­bruch mit diesen warmen, gol­de­nen Farben. Das alles habe ich jetzt während Eurer Ur­laub­sta­ge wieder mi­ter­le­ben dürfen­.Ja, damals war dort alles noch of­ffi­zell geö­ffnet. Aber ich kann mich e­rin­nern, dass sich einige Tou­ris­ten unserer Rei­seg­rup­pe dort an spitzen Steinen und nied­ri­gen "Decken" ver­letzt haben. Von Eurem Stil her ist alles so aut­hentisch, dass man sich vom Lesen gar nicht los­rei­sen kann. Danke für diese inte­res­sante Reise!
Ulrike Schmittmann 1654715989000
Vielen Dank, dass ich in Ge­dan­ken mit­rei­sen kann durch Tu­nesi­en!
Ich habe alle Berich­te von eurer Reise versch­lun­gen­!
Lie­be Grüße an euch!
Jana 1654249320000
un­glaub­lich tolle Ur­laub­sbil­der! Ein spitzen Fo­tog­raf! Man hat das Gefühl mit dabei zu sein und von dem Alltag zu ent­flie­hen! Genießt euer Ab­tente­uer