2022 Mit einem Geländewagen durch Tunesien

Reisezeit: April - Juni 2022  |  von Michael Bünte

in den Norden: Hammam Zriba

Der Ort "Hammam Zriba"

Der Ort "Hammam Zriba"

Im Hammam

Jetzt ist es soweit. Wir sind in dem Ort Hammam Zriba angekommen. Der Name spricht für sich. 45 Grad heißes Quellwasser ergießt sich aus der Tiefe an die Oberfläche. Und schon zur Zeit der Römer hat man hier ein Thermalbad für die Allgemeinheit gebaut.
Der ganze Ort besteht aus Thermalbädern. Für die Ankommenden gibt es einen Parkplatz, auf dem ein mürrischer Wächter zwei Dinare kassiert und die Autos an fest zugewiesene Plätze dirigiert. „Ihr wollt einen anderen Platz? Ach, den im Schatten? Dann ist da aber ein kleines Trinkgeld fällig!“
Wir stellen uns in den freien Schattenplatz, auch ohne Trinkgeld. Die Freundlichkeit des Herren Parkwächter ist von nun an verschwunden, war also nur aufgesetzt.
Auf dem Weg zum Bad kommen wir an Läden vorbei, vor denen in bunter Vielfalt verschiedenste Utensilien angeboten werden, die man für so einen Badbesuch gebrauchen könnte - Schöpfeimerchen, Schwämme, Seife, Handtücher. Da wir so etwas noch nie gemacht haben, holen wir uns eine Wasserschöpfkelle, eine Olivenseife und einen Schrubbhandschuh.

Jetzt stehe ich alleine unter den vielen Einheimischen im Umkleideraum und versuche, mich zurechtzufinden. Ein gut durchtätowierter junger Mann kommt auf mich zu. Er möchte mich zu meinem Spind führen. „Zeig mir den Schlüssel, welche Nummer hast Du?“ Ich nenne ihm die „16“ und habe das Fach schon gefunden, als er noch hektisch durch den Raum rennt.
Ich habe etwas Sorge, dass man mir hier Hilfe anbietet, die ich nicht haben möchte.
Dann gucke ich in die verschiedenen dunklen Räume hinein, um zu erkennen, wie das Hammambad funktioniert. Es ist dämmrig hier, diesig von der hohen Luftfeuchtigkeit und heiß. Laut reflektieren sich die Stimmen an den gekachelten Wänden. In einem Raum wird sich eingeseift. Dort liegen die Männer rück- oder bäuchlings auf dem Boden und lassen sich mit Schrubbschwämmen massieren. Es stöhnt, es ächzt, verschieden Düfte wabern durch die Luft.

Kaum dass ich meinen Kopf in den Eingang gesteckt hatte, kommt ein durchtrainierter junger Mann auf mich zu. Mit hektischen Bewegungen bedeutet er mir, mich auf den Boden zu legen, damit er mich massieren könne.
„Nein, ich möchte keine Massage.“ „Warum nicht?“ Es gibt keinen wirklichen Grund außer dem, dass ich nicht in eine Falle tappen möchte.
Mein Gegenüber übergießt mich mit einem Eimer Wasser aus einem ständig durchflossenen Becken. „Autsch, ist das heiß? Das kann man mit der Temperatur doch nicht einfach über den Körper gießen.“ Er lacht, nickt mit dem Kopf und deutet mir wieder, mich endlich hinzulegen.
Nach einigem Hin- und her spricht mich jemand auf Französisch an. Ich sage ihm deutlich, dass ich heute keine Massage möchte, sondern dass ich einfach nur selbst das Hammam ausprobieren möchte. „Aber morgen kommst Du wieder. Dann meldest Du Dich bei ihm und er macht eine Massage.“
„Ok, morgen komme ich wieder, Inschallah“. Als ich dieses Zauberwort sage, ist der Bann gebrochen. Man lässt mich in Ruhe.
Ich schöpfe mit meinem Eimerchen das 45 Grad heiße Wasser aus dem Becken und gieße es mir vorsichtig über meinen mit der neuen Olivenseife eingeriebenen Körper. Immer forscher spüle ich die Seife ab. Der Körper gewöhnt sich an die Temperatur.
Und dann geht es ins Schwimmbecken, einem Raum, etwa 4 mal 4 Meter groß, mit einer hohen Kuppel. Auf dem Sims um das Becken herum sitzen die Männer, lassen die Beine in das Wasser hängen. Aus einem Edelstahlschlitz fließt, einem Wasserfall gleich, in beständigem Schwall eine große Wassermenge in das Becken. „Au verdammt, das ist ja auch so heiß. Und da jetzt hinein? Das ist bestimmt nicht gut für ein schwaches Herz.“
Wie sonst in kaltes Wasser lasse ich mich in das heiße Becken gleiten. Die Luft bleibt mir weg. Bloß nicht bewegen. Die Hitze kriecht in mich hinein. Der Körper gewöhnt sich langsam an die Temperatur. Ich entspanne mich, mache ein paar Schwimmzüge und stelle mich schließlich direkt unter den heißen Wasserschwall. Nur noch das Prasseln des Wassers um mich herum. Tief durchatmen. Dann sinke ich im Sprudeln und Blubbern des Wasserfalls über mir langsam vollständig in das heiße Becken hinein, tauche ab und schwebe schwerelos im Hammam.

Eingang zum Hammam

Eingang zum Hammam

Günstige Utensilien für das Hammam

Günstige Utensilien für das Hammam

Der Ruheraum

Der Ruheraum

Im Hammam

Im Hammam

© Michael Bünte, 2022
Du bist hier : Startseite Afrika Tunesien Hammam Zriba
Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir starten in Hamburg und reisen mit einem Toyota HZJ78 über Neapel nach Tunesien. Dieses ist der Bericht unserer zehnwöchigen Reise.
Details:
Aufbruch: 06.04.2022
Dauer: 10 Wochen
Heimkehr: 17.06.2022
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Michael Bünte berichtet seit 5 Monaten auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/4):
Pollensa07 1656508686000
Ein span­nen­der Urlaub ist zu Ende, der mich tief in das tu­nesische Leben mit­ge­nom­men hat. Vor Jahren war ich selbst schon einmal als Pauschal­tou­rist in diesem Land und habe einige Orte wie­derer­kannt. Sehr be­ein­druckt haben mich damals der antike Stein­bruch mit diesen warmen, gol­de­nen Farben. Das alles habe ich jetzt während Eurer Ur­laub­sta­ge wieder mi­ter­le­ben dürfen­.Ja, damals war dort alles noch of­ffi­zell geö­ffnet. Aber ich kann mich e­rin­nern, dass sich einige Tou­ris­ten unserer Rei­seg­rup­pe dort an spitzen Steinen und nied­ri­gen "Decken" ver­letzt haben. Von Eurem Stil her ist alles so aut­hentisch, dass man sich vom Lesen gar nicht los­rei­sen kann. Danke für diese inte­res­sante Reise!
Ulrike Schmittmann 1654715989000
Vielen Dank, dass ich in Ge­dan­ken mit­rei­sen kann durch Tu­nesi­en!
Ich habe alle Berich­te von eurer Reise versch­lun­gen­!
Lie­be Grüße an euch!
Jana 1654249320000
un­glaub­lich tolle Ur­laub­sbil­der! Ein spitzen Fo­tog­raf! Man hat das Gefühl mit dabei zu sein und von dem Alltag zu ent­flie­hen! Genießt euer Ab­tente­uer