Transsilvanien (Siebenbürgen) und Bukowina - Rumänien 2018

Reisezeit: Mai - Juli 2018  |  von Uschi Agboka

Kurz-Info - Teil II - Carta - 7 .- 27. Mai 2018 : Donnerstag, 10. Mai 2018 - 6. Tag

Donnerstag 10. Mai 2018 6. Tag

E 68/1 Porumbacu de Jos / Vestem / Sibiu (Hermannstadt)

Str. Mitropoliei: Orthodoxe Kathedrale Sfanta Treime - Post - Casa Cariatide
Hallerbastei / Vasa Altenberger
Piata Mare (Marktplatz): Filekhaus - Ehem. Jesuitenkirche, heute Pfarrkirche Sfanta Treime (Biserica Parohiala Romano-Catolica Sfanta Treime) - ehemalige Jesuitenresidenz, heute kath. Stadtpfarrhaus - Brukenthal Palais - altes Rathaus mit Touristeninfo - Statue Gheorghe Lazar - Casa Haller - Ratsturm - Casa Weidner
Piata Mica (Platz der Handwerker): Denkmal Georg Daniel Teutsch - Lügenbrücke - Casa Artelor - Luxemburg Haus - Apothekenmuseum - Hermes Haus
Piata Huet: Catedrala Evanghelica, Casa Calfelor (Gesellenhaus)

Fahrzeit 5 1/2 Std. 60 Meilen = 96,6 km

Gestern Abend hat es noch arg gestürmt und geregnet. Doch heute Morgen ist alles trocken und die Sonne scheint hin und wieder. Wir fahren daher nach dem Frühstück nach Sibiu. Abfahrt gegen 11 Uhr.

Von der Straße aus haben wir immer wieder einen schönen Blick auf das Fagarasch-Gebirge, auf den Gipfel liegt noch viel Schnee.

Das Făgăraș-Gebirge (auch Fogarascher Gebirge, rumänisch Munții Făgăraș) liegt in der Gebirgsgruppe der Südkarpaten in Rumänien. Es wird von der Transfogarascher Hochstraße durchzogen.

Der Gebirgskamm hat eine Länge von etwa 70 km und eine Breite von 40 km. Innerhalb des Gebirges liegt westlich von Kronstadt der Berg Moldoveanu. Dieser ist mit 2.544 m die höchste Erhebung des Gebirges wie auch ganz Rumäniens.

Fünf weitere Gipfel im Făgăraș-Gebirge haben eine Höhe von über 2.500 m, und zwar der Negoiu (2.535 m), der Viștea Mare (2.527 m), der Lespezi (2.522 m), der Vânătoarea lui Buteanu (2.507 m) und der Dara (2.501 m). Zu den Bergen mit Höhen unterhalb von 2.500 m zählt zum Beispiel der Șerbota mit 2.331 m.

Im Făgăraș-Gebirge liegen mehrere kleinere Seen.

Unterwegs kauft Rolf an einer Tankstelle ein Kartenbuch der Region, damit wir uns nicht verfahren. Wir sind ja mit dem Motorrad ohne Navi unterwegs und nach Schildern sucht man oft vergebens.

An den Straßenrändern sehen wir viele verwilderte Hunde. Sie sind überhaupt nicht aggressiv, im Gegenteil, eingeschüchtert, verängstigt und halb verhungert. Es tut einem weh, das zu sehen.

In Sibiu findet Rolf - ich weiß nicht, wie er das macht - sofort die richtige Straße ins historische Zentrum. Die Beschilderung ist hier, wie schon erwähnt, nicht gerade hilfreich.

Wir finden an einer Post einen guten Parkplatz und erstehen in einem nahe liegenden kleinen Geschäft erst einmal eine Rumänien-Flagge für unser Motorrad.

Dann machen wir uns auf zur Besichtigung. Was wir uns alles angeschaut haben, könnt Ihr oben lesen. Es finden sich hier u. a. prächtige alte Häuser, Kirchen, Statuen, Brunnen etc. Alles muss fotografiert werden.

An der Lügenbrücke machen wir Pause. Rolf bringt die Einkäufe - ja, muss ein - zum Motorrad, während ich schon mal ein alkoholfreies Bier und ein Glas Wein bestelle. In diesem Lokal ist es etwas teurer, eben Touristenpreise, trotzdem noch günstig, 4,50 Euro.

Was mir immer wieder in der kurzen Zeit hier auffällt, die Menschen sind nicht so freundlich wie z. B. in Spanien, Portugal, Italien und Frankreich. Das ist nicht so meine Welt.

Legende zur Lügenbrücke: Die erste gusseiserne Brücke Rumäniens, die 1859 erbaut wurde und den Piata Huet und den Piata Mica verbindet, ist sicherlich die populärste Brücke der Hermannstädter.

Einer Version nach soll ihr Name auf einem Irrtum beruhen. Die gusseiserne Brücke müsste daher eher Liegenbrück genannt werden, da sie über die Straßenauffahrt von der Unter- zur Oberstadt zum "Liegen" gebracht wurde.

Andere Versionen berichten von den Lügen der Händler, die sich zum Feilschen auf der Brücke getroffen haben oder von Liebespaaren, die sich hier, im Schein der schön geschwungenen Laternen, ewige Liebe geschworen haben, was wohl oft mit einer Lüge gleichzusetzen ist.

Die in der Bevölkerung jedoch populärste Version besagt, dass die Brücke unter Lügnern sofort zusammen bricht. Da dies in der Geschichte der Brücke glücklicherweise noch nie geschehen ist, spricht dies nach Meinung der Hermannstädter für die Ehrlichkeit der Bürger der Stadt und natürlich auch für ihre Besucher.

In der Catedrala Evanghelica kaufen wir uns eine Karte, die für alle Kirchenburgen gilt. Kosten 10 Euro, das ist ja eigentlich viel zu wenig. Und trotzdem gibt es gerade deutsche Touristen, die zu geizig sind, das zu bezahlen. Unfassbar für uns.

Die Kathedrale wird zurzeit renoviert und war daher Innen nicht zu besichtigen.

Sibiu (Hermannstadt) ist eine Stadt im Kreis Sibiu in Siebenbürgen und war 2007 zusammen mit Luxemburg Kulturhauptstadt Europas.

Die Stadt liegt am Zibin, einem Nebenfluss des Alt, nahe den Südkarpaten. Weitere Gewässer in der Stadt sind die Bäche Reußbach, der Trinkbach und der Seifenbach, der Schewiskanal sowie der Bindersee.

Südlich der Stadt erstreckt sich die Marginimea Sibiului, eine traditionell rumänisch bewohnte Region der Vorkarpaten. Nördlich, nordwestlich, nordöstlich, südwestlich und östlich der Stadt befindet sich der ehemalige Königsboden, das historisch von Siebenbürger Sachsen besiedelte Gebiet.

In Siebenbürgen bildete Hermannstadt das Oberzentrum im wichtigen Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. Der Hermannstädter Stuhl war auch flächenmäßig der größte.
Er dehnte sich im Süden bis zu den Karpaten aus und umfasste im Norden auch Exklaven im Kokelgebiet und Seiden. Er wurde begrenzt (von Osten über Norden nach Westen) von den Stühlen Leschkirch, Mediasch und Reußmarkt. Hier trafen die wichtigsten Handelsrouten Siebenbürgens und der Rotenturmpass in Richtung Walachei zusammen. Die Lage an diesem Wegekreuz war für die Stadt von herausragender Bedeutung, machte sie aber auch immer wieder zum Ziel heftiger Angriffe.

Vermutlich 1147 erreichten die ersten deutschen Siedler die Gegend; sie ließen sich auf dem Hügel über dem Zibin-Fluss, der heutigen Oberstadt, nieder. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1191 unter dem Namen praepositum Cibiniensem; eine Propstei entstand.

Ab 1223 ist der lateinische Name „Villa Hermanni“ und ab 1241 die deutsche Entsprechung Hermannstorf belegt. Der Name leitet sich wahrscheinlich von der Bezeichnung der kölnischen Siedler ab, die ihren neuen Ort nach dem Erzbischof Hermann II. benannten oder aber Lokator namens Hermann.

Begünstigt durch seine Lage an der Kreuzung zweier wichtiger Straßenverbindungen wuchs die Siedlung in Folge stark an und zählte 600 Bewohner, eine damals für ein Dorf bereits ansehnliche Größe. Es wird vermutet, dass die ursprüngliche Siedlung als auch die damalige Kirche bereits mit Wällen oder Palisaden befestigt war. 1241 wurde Hermannsdorf wie viele andere Orte Siebenbürgens im Mongolensturm zerstört.

Das Dorf konnte sich allerdings schon bald von den Zerstörungen erholen und entwickelte sich in Folge zu einer Stadt. Ausdrückliches Stadtrecht kann aber erst ab Mitte des 14. Jahrhunderts angenommen werden. Der Name Hermannstadt wurde zum ersten Mal 1401 erwähnt auch wenn er sicher schon zuvor in Gebrauch war. Im 14. Jahrhundert entwickelte sich Hermannstadt außerdem zu einem Handelszentrum von internationaler Bedeutung. Es war eine der wichtigsten Städte in Siebenbürgen – vielleicht sogar die wichtigste, da sie nicht nur Zentrum von Handel, Verwaltung und Kirche war, sondern auch die größten Befestigungen in ganz Siebenbürgen besaß.

1438 belagerten die Türken die Stadt, es gelang aber nicht, die Stadt einzunehmen. Hingegen wurde das gesamte Umland verwüstet. Als Folge der Bedrohung durch die Türken ließ die Stadt drei Mauerringe (die teilweise noch erhalten sind) mit 39 Türmen und mehreren großen Toren errichten. Sie wurde damit zur größten befestigten Stadt im Königreich Ungarn.

Hermannstadt widerstand mehrfach Belagerungen durch die Türken, denen es nie gelang, die Stadt einzunehmen. 1445 bezeichnete deshalb Papst Eugen IV. Hermannstadt als Mauer und Schild der Christenheit.

Jedoch verheerten die durchziehenden und vor der Stadt lagernden Heere wieder und wieder das gesamte Umland. Nur einmal gelang es dem ungarischen Fürsten von Siebenbürgen, Gabriel Bathory,
durch eine Finte die Stadt zu besetzen, zu plündern und alle deutschen Bewohner der festen Mauern zu verweisen – eine bittere Lehre, die danach zu noch größerer Wachsamkeit und Misstrauen der Deutschen führte.

Um 1500 hatte Hermannstadt bereits etwa 6.000 Einwohner. Am 31. März 1556 brannte bei einem Stadtbrand die gesamte Unterstadt und auch ein Teil der Oberstadt nieder. An die 550 Gebäude wurden zerstört.

Hermannstadt war das politische Zentrum der Siebenbürger Sachsen und Sitz der Universitas Saxonum, einer Art Siebenbürger Parlament, das sich bis 1878 um siebenbürgisch-sächsische Belange kümmerte und ein Symbol der politischen Einheit und Unabhängigkeit der Siebenbürger Sachsen war.

Im Jahr 1692, nachdem Siebenbürgen Österreich angegliedert wurde, ließen sich in der Stadt kaiserliche Truppen nieder. General Damian Hugo von Virmont unterstützte den Bau der Jesuitenkirche am Großen Ring und die Rückgabe des Fransziskanerklosters.

Im Jahr 1781 fielen durch einen Erlass Kaiser Joseph II. die alten Gesetze, nach denen sich in der Stadt keine Angehörigen anderer Nationen ansiedeln durften. Dadurch konnten nun auch Ungarn und Rumänen innerhalb der Stadtmauern Besitz erwerben. Als erstes ließ die Witwe von Gergely Bethlen
ein spätbarockes Palais neben dem reformierten Pfarrhaus in der Fleischergasse errichten, heute bekannt als „Das Haus mit Karyatiden“. In der Folge konnten auch die Rumänen erstmals Kirchen in der Stadt bauen, so etwa 1788 die Biserica din Groapa und die Biserica dintre Brazi.
Im 18. Jahrhundert genoss Hermannstadt unter anderem den Ruf, östlichste Stadt Europas mit Postanbindung zu sein.

Im Kaisertum Österreich unterstand Hermannstadt bis 1867 wie ganz Siebenbürgen der kaiserlich-königlichen (k. k.) Regierung in Wien. Bei der Neugliederung in die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn wurde es zum Königreich Ungarn, zu Transleithanien, gezählt und unterstand nun bis 1918 der königlichen Regierung in Budapest. Diese war bestrebt die nichtmagyarischen Nationalitäten des Königreichs, damals etwa die Hälfte aller Einwohner Transleithaniens, zu magyarisieren.

Nach dem Ersten Weltkrieg entschieden sich die Rumänen Siebenbürgens am 1. Dezember 1918 in
Alba Iulia für den Anschluss an Rumänien, der de facto auch sehr rasch erfolgte. Die Siebenbürger Sachsen und andere Siebenbürgendeutsche unterstützten dies, da sie sich in Rumänien (vergeblich) bessere Minderheitenrechte erwarteten.

Im Vertrag von Trianon der Kriegssieger mit Ungarn wurde 1920 gegen den Protest der Magyaren fixiert, dass Siebenbürgen mit Hermannstadt bei Rumänien verbleibt. Auch danach blieb die Stadt weiterhin deutsch geprägt. Erst Ende der 1930er Jahre verloren die Siebenbürger Sachsen in ihrer Metropole die absolute Mehrheit.

2017 wurde Hermannstadt der Ehrentitel "Reformationsstadt Europas" durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.

Erst spät fahren wir zurück. Relaxen und Duschen ist angesagt. Wir haben so viel angeschaut, das muss erst einmal verarbeitet werden.

Zum Abendessen gibt es Fisch, Salat, Brot. Auch heute gehen wir spät schlafen.

Weitere Bilder findet Ihr unter

Uschi & Rolf – Rumänien - Tschechien – Polen – Slowakei @Uschi.Rolf.Tschechien.Polen.Slowakei
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© Uschi Agboka, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Besichtigung der Kirchenburgen in Siebenbürgen (Transsilvanien) und der Moldauklöster in der Bukowina mit vielen Hintergrundinformationen.
Details:
Aufbruch: 05.05.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.07.2018
Reiseziele: Rumänien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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