Transsilvanien (Siebenbürgen) und Bukowina - Rumänien 2018

Reisezeit: Mai - Juli 2018  |  von Uschi Agboka

Kurz-Info - Teil III - Blajel - 28.05.-15.06.2018 : Donnerstag, 7. Juni 2018 - 34. Tag

Donnerstag 7.06.2018 34. Tag

14a Medias / 14 / 14B - Seica Mica (Kleinschelken) - Kirchenburg / zurück 14 - Seica Mare (Marktschelken) - Kirche - Schulhaus / Axente Sever (Frauendorf) - Kirchenburg / Agarbiciu (Arbegen) / Medias

Fahrzeit 6 1/2 Std. 49 Meilen = 79 km

Gegen 9 Uhr starten wir. Es hat sich bewährt, dass wir früh los fahren bei der Hitze.

Über Medias kommen wir schnell nach Seica Mica. Dort halt direkt an der Kirchenburg. Der Bürgermeister ist gerade vor Ort und schließt uns das Tor zu der Anlage auf. Da haben wir ja mal wieder Glück gehabt. Leider auch hier alles sehr ungepflegt und dem Verfall preis gegeben. Aus diesem Grund ist die Kirche an sich geschlossen und nicht zu besichtigen. Unfallgefahr.

Rolf lässt sich jedoch nicht abhalten, eine wacklige Treppe auszuprobieren. Er muss ja immer überall herum klettern, ich bleibe hingegen lieber auf dem sicheren Boden.

Die Kirchenburg, eine stark befestigte evangelische Kirche mit dreischiffiger Basilika und massivem Glockenturm (erbaut im 15. Jh.). Die einstige Bedeutung der Gemeinde Kleinschelken spiegelt sich in der Größe der Mitte des 14. Jh. errichteten dreischiffigen Pfeilerbasilika wieder. Im Laufe der Jahrhunderte wurde diese zu einer großen Kirchenburg ausgebaut.

Die gotisch überformte Kirche erhielt einen Westturm, der wie der Chor später mit zwei Wehrgeschossen aufgestockt worden ist. Erhalten haben sich zwei kleinere Verteidigungstürme, die beiden Ringmauern sind teilweise abgetragen.

Auf der Westseite war der innere Bering mit einem Torturm gesichert. Um den für die Versorgung der Belagerten wichtigen Brunnen zu schützen, wurden der Turm der Kirche sowie der Westturm mit 14 Metern hohen Mauern verbunden, wodurch der sogenannte Brunnenhof entstand. Seine Umfassungsmauern erhielten umlaufend einen Wehrgang mit Wachtürmchen.

Der Innenraum der Kirche wurde im 18. Jh. durch Einbau von Emporen über den Seitenschiffen erweitert. Zeitgleich wurden die Schiffe mit Flachdecken überdeckt. Der Chor dagegen zeigt bis heute sein gotisches Kreuzrippengewölbe.

Obwohl die Ortschaft Kleinschelken „klein“ im Namen trägt, galt sie schon Ende des 15. Jh. als größte Gemeinde des Schelker Stuhls (Verwaltungsgebiet von Schelken/Jeica). Den Legenden nach haben große Persönlichkeiten in dem Dorf verweilt.

Vor langer Zeit, so heißt es, reisten die Apostel Paul und Lukas durch das Land. Eines Abends kehrten sie bei einer Bäuerin in Kleinschelken ein. Die begeisterte Frau bot den hohen Gästen natürlich das Beste aus ihrer Küche an: Maisbrei und Rahm. Verzaubert vom köstlichen Geschmack fragten die Jünger, wie dieses Gericht heiße. Die Bäuerin teilte ihnen mit, dass es noch keinen Namen habe. Entzückt schlugen Paul und Lukas vor, dass von nun an der Maisbrei „Paul-Lukas“ heißen solle. Ob sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat? Was mit Sicherheit gesagt werden kann ist, dass der goldene Maisbrei, das rumänische Nationalgericht (rum. mămăligă), im Sächsischen tatsächlich „Palukes“ genannt wird.

Șeica Mică (deutsch Kleinschelken) ist eine Gemeinde mit ca. 1.600 Einwohnern im Kreis Sibiu in Siebenbürgen, Rumänien. Der Ort Șeica Mică liegt 23 km westlich von Mediaș und ist mit dem Auto nur über eine Abzweigung von der Straße Mediaș–Blaj zu erreichen.

Die nächsten Bahnhöfe liegen nördlich an der Bahnstrecke Teiuș–Brașov sowie im 4 km südöstlich von Șeica Mică befindlichen Șeica Mare an der Bahnstrecke Sibiu–Copșa Mică.

Um 1280 fand die erste Orstgründung auf der Mitte des Bergrückens zwischen Kleinschelken und Kleinkopisch. 1311 wurde der Name "Salchelk" erstmals urkundlich belegt; er ist auf das slawische Wort "sol" (zu dt. Salz) zurückzuführen. Der Ort wurde als Kleinschelken 1318 erstmals urkundlich erwähnt.

Es finden sich allerdings auch zahlreiche Hinterlassenschaften aus der Eisenzeit, der Daker und der Römer.

Kleinschelken wurde wie das gesamte Gebiet Siebenbürgens seit der Mitte des 12. Jh. von deutschen Kolonisten besiedelt, die der ungarische König Géza II. auf dem sog. Königsboden ansiedeln ließ. Die Nachfahren dieser Einwanderer behielten ihren dem Moselfränkischen nahe stehenden Dialekt bis in die Gegenwart bei. Seit 1414 ist eine Schule dokumentiert. 1494 wurde Kleinschelken Marktort.

1530 wurde der Ort im Zusammenhang mit den habsburgisch-türkischen Kriegen geplündert. 1553 wurde die Reformation eingeführt, 1576 erhielt der Ort die Blutgerichtsbarkeit vom Wojvoden Siebenbürgens zugestanden. 1661 war Kleinschelken Schauplatz eines siebenbürgischen Landtags. 1705 kam es zu Plünderungen durch kaiserliche Truppen. In den Jahren 1838 und 1865 ereignete sich in Kleinschelken jeweils ein Großbrand.

Als Folge des Zweiten Weltkrieges verließ ein Großteil der deutschstämmigen Bewohner den Ort, um in Deutschland zu leben. Eine letzte große Welle dieser Rückwanderung erfolgte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der politischen Wende in Rumänien. Durch die Abwanderung der Siebenbürger Sachsen leben heute überwiegend Rumänen in Șeica Mică. Ein Teil der Aussiedler aus dem Ort ist in Deutschland in der Heimatortsgemeinschaft Kleinschelken organisiert. Seit 2012 ist das Kleinschelker Heimatmuseum eröffnet und kann im als Gasthaus ausgebauten Pfarrhof besichtigt werden.

Wir verlassen den schönen kleinen Ort und seine freundlichen Einwohner und fahren nach Seica Mare, halten dort an der Kirchenburg und dem alten Schulhaus. Leider auch hier alles nur von Außen zu bestaunen, was wir immer sehr bedauern. Während Rolf irgendwo herum spaziert, um mehr zu entdecken, unterhalte ich mich mit einem älteren Herrn, ein Nachfahre der Siebenbürger Sachse. Die Freude bei diesen Menschen ist immer sehr groß darüber, dass man sich für die alten Bauten und die Geschichte interessiert.

Șeica Mare (deutsch Marktschelken) ist eine Ortschaft mit ca. 4.800 Einwohnern in Siebenbürgen (Rumänien). Der Ort liegt im Kreis Sibiu an der Nationalstraße (drum național) DN 14, die von Hermannstadt nach Mediaș(Mediasch) führt, dreißig Kilometer nördlich von der Kreishauptstadt Sibiu entfernt.

Marktschelken ist eine von Siebenbürger Sachsen im Mittelalter gegründete Siedlung. Um 1300 wurde die - heute evangelische - Kirche gebaut.

1309 wird Marktschelken als Selk zum ersten Mal urkundlich erwähnt. In den Urkunden wird ein Dechant Symon de Selk genannt, was auf die frühe Bedeutung dieses Ortes als Sitz des Schelken Kapitels hinweist. Der Schelker Stuhl wird 1336 erstmals als solcher erwähnt, er war der untere innerhalb der "zwei Stühle" der "Mediascher Provinz" und umfasste die Ortschaften Marktschelken, Kleinschelken, Arbegen, Frauendorf, Wurmloch, Mardisch, Schaal, Haschagen und Kleinkopisch.

Die Führung des Schelker Stuhles lag in den Händen eines Königrichters mit dem Amtssitz in Marktschelken.

Im Jahre 1412 erhielt die civitas maior Schelk (Stadt Groß Schelken) vom siebenbürgischen Woiwoden Stibor ein Jahrmarktprivilegium, was die Ortsbezeichnung Marktschelken zur Folge hatte.

1516 gab es im Ort 62 Wirte, 4 Witwen, 4 Hirten und 1 Müller. 1520 bestätigte König Ludwig II. den Marktschelkern das Recht, in freier Wahl einen eigenen Richter zu bestimmen.

In den darauf folgenden Jahren hatten die vier Richter der Gemeinden Marktschelken, Kleinschelken, Frauendorf und Arbegen das Recht, über Leben und Tod in ihren Dörfern zu urteilen. Ihre Sitzungen hielten sie im Marktschelker Rathaus ab, das sich im Burgring über dem Eingang zum Kirchhof befand.

Zum Zeichen der eigenen Gerichtsbarkeit wurde auf dem Marktplatz ein Pranger aufgebaut - ein etwa sechs Meter hohes vierseitiges Türmchen, auf dessen Spitze in einer Wetterfahne die Jahreszahl 1525 eingearbeitet war. Die Fahnenspitze lief in einer linken Hand mit drei zum Schwur erhobenen Fingern aus, die das alte Wappen des Schelker Stuhles darstellte. An jeder der vier Prangerseiten befand sich eine Nische mit einem festen, verschließbaren Eisenring, der dem Missetäter um den Hals angelegt wurde, so dass er während seiner Strafe aufrecht stehen musste. Neben ihn legte man die von ihm gestohlenen Gegenstände. Ein Amtsrichter zwang ihn, wenn Menschen vorübergingen, zu schreien: "Was hier liegt, habe ich gestohlen!" Den Pranger haben rumänische Studenten, denen eine große Menge Gleichgesinnter mit der Staatsfahne folgten, an ihrem ersten Ostertag 1935, während die Sachsen im Gottesdienst waren, zerstört.

Am 25. Mai 1541 wurde in Marktschelken ein Landtag abgehalten. Auf diesem Landtag wurden die Weichen für die Entwicklung Siebenbürgens unter türkischer Oberhoheit für die folgenden anderthalb Jahrhunderte gestellt, da hier mehrere Landesvertreter für die künftigen Verhandlungen mit den Osmanen bestimmt wurden.

In Marktschelken lassen sich vom 16. Jahrhundert an verschiedene Handwerker feststellen, die sich in Zünften zusammenschlossen. Urkundlich sind folgende Zünfte nachgewiesen: Leineweber, Schuster, Wollweber, Schmiede, Maurer und Töpfer.

1595 wird im Ort erstmalig eine Schule erwähnt.
1719 sterben 95 Ortsbewohner an der Pest.

1804-1805: Durch die Regulation werden das Marktgemeinderecht sowie Marktschelken als Gerichtsvorort des Schelker Stuhls aufgehoben.

Geschichte der Wehrkirche: Bereits Ende des 13. Jahrhunderts entstand eine turmlose Basilika, die dem Heiligen Martin geweiht war.

1520 begannen die Bewohner, die romanische Basilika zu einer Wehrkirche umzubauen. Während der Arbeiten erhielt das Mittelschiff ein Tonnengewölbe, die Arkadenbogen wurden erhöht und ein neues Seitenschiff angebaut. Im Zuge des Umbaus der Kirche behielt das Chorquadrat sein altes Kreuzgratgewölbe, das von drei Rundbogenfenstern erhellt wird. Der schlichte Barockaltar stammt erst aus dem Jahre 1776. Über dem Chor errichtete man ein Wehrgeschoss und zugleich die Ringmauer mit mehreren Wehrtürmen und verschiedenen eingegliederten Bauten: den Tortum, auch Sünderturm genannt, weil hier das Arme-Sünder-Glöcklein hing, das Rathaus, die alte Schule, eine Fleischhalle, ein Gefängnis und ein Fruchthaus.

1800 wurde die Kirche verlängert und 1806 der viergeschossige Glockenturm gebaut. In den folgenden Jahren wurden die Turmfenster vergrößert und mit Eisenrahmen versehen. 1936 erfolgte die letzte große Restaurierung der Kirche. 1906 wurde die alte Ringmauer mit allen der Kirchenburg eingegliederten Bauten restlos abgetragen und anschließend die jetzige Ringmauer vom Maurermeister Andreas Roth (1857-1948) errichtet.

Aus Chroniken geht hervor, dass die Kirche des öfteren von feindlichen Horden geplündert wurde, so z. B. von den sogenannten "Kurutzen" um das Jahr 1700, die Fenster heraus brachen, Türen und Laden zerschlugen, Behänge und anderes wertvolles Kircheninventar raubten. Die Einwohner mussten flüchten, das Dorf wurde angesteckt und brannte völlig nieder.

Von den verschiedenen Vereinen, die das Gemeinschaftsleben Marktschelkens im Laufe der Geschichte geprägt haben, war der Raiffeisenverein einer der bedeutendsten. Dem Neuen Volkskalender ist zu entnehmen, dass der Bau der Wasserleitung im Jahr 1896 ursprünglich nur von den Hofbesitzer der Obergasse unternommen wurde. Bei der damaligen Verschuldung der Leute wäre das Vorhaben gescheitert, wenn nicht der Raiffeisenverein billig und in leichter, bequemer Weise das Geld dazu besorgt hätte. Die Wasserleitung war lebensnotwendig für die Obergasse, die vom Aussterben bedroht war: Wegen des Wassermangels wollten keine Burschen mehr in die Obergasse heiraten. Der Raiffeisenverein förderte auch andere wichtige Bauten: die erwähnte Renovierung der Kirche und der Ringmauer (1908) sowie den Bau der neuen Schule (1911), die auch heute noch steht. Große Verdienste hat der Verein sich auch um die Wiederherstellung der verwüsteten Weingärten erworben und vielen Bauern beim Ankauf von Hof, Vieh und Grund geholfen.

Wie groß die Zahl der Ansiedler war, die einst Marktschelken gründeten, ist nicht bekannt. Bis in das 16. Jahrhundert ist es wohl eine rein sächsische Gemeinde gewesen. Im 17. Jahrhundert verzeichnet das Lexikon Transilvanicum außer evangelischen Sachsen auch rumänische Familien und ungarische Dienstboten. In den folgenden Jahrhunderten ist dann neben den Sachsen eine zahlreiche anderssprachige Bevölkerung herangewachsen, und Sachsen, Rumänen, Ungarn und Zigeuner lebten meist friedlich zusammen.

Einer der entscheidenden und tragischsten Abschnitte in der Geschichte Marktschelkens im 20. Jahrhundert ist die Ausreise fast aller sächsischer Bewohner nach Deutschland. Die Erschütterungen der letzten fünfzig Jahre mit dem Zweiten Weltkrieg und seinen verheerenden Folgen, der Deportation nach Russland, der totalen Enteignung, der nervenaufreibenden Diskriminierung der Deutschen durch Partei und Staat, führten zum Verlassen der Heimat. Weil viele Männer und Frauen nach Gefangenschaft und Deportation in Deutschland gelandet waren, begann in den 60er Jahren, im Zuge der Familienzusammenführung, der Exodus und ein Neuanfang in der Bundesrepublik.

Laut Volkszählung von 1992 lebten in Marktschelken 4.297 Rumänen, 431 Magyaren, 181 Roma und 147 Rumäniendeutsche. 2011 wurden 3.744 Rumänen, 250 Magyaren, 172 Roma und 41 Rumäniendeutsche registriert, restliche machten keine Angaben zu ihrer Ethnie.
Zur Zeit leben nur noch 15 Sachsen in Marktschelken.

Unsere Tour geht weiter, wir fahren über Agarbiciu (Arbegen). Die Kirchenburg in Arbegen schauen wir jedoch nicht an. Der Weg dorthin tiefer Schotter, nicht ideal für unser Motorrad.

Agârbiciu (Arbegen) ist ein Dorf in Siebenbürgen im Kreis Sibiu (Hermannstadt). Es gehört zur Gemeinde Axente Sever (Frauendorf)

Der Ort liegt in einem südlichen Seitental der Tarnava Mare (Große Kokel) am Bach Visa (Weißbach), ca. 17 km von Medias entfernt.

Arbegen wurde um das Jahr 1268 von deutschen Siedlern – Siebenbürger Sachsen -
ursprünglich auf Adelsboden gegründet, errang dann aber 1315 zusammen mit den benachbarten Ortschaften des Schelker und Mediascher Stuhls (den sogen. Zwei Stühlen) das Hermannstädter Recht und wurde somit freie Gemeinde des Königsbodens.

Die erste urkundliche Erwähnung als Egurbeg stammt aus dem Jahr 1343. Im Jahr 1516 hatte der Ort „55 Wirte, 2 Witwen, 2 Hirten und einen Müller“.
Über mehrere Jahrhunderte war Arbegen von den Siebenbürger Sachsen geprägt. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten sie noch knapp die Hälfte der Bevölkerung, 1977 noch mehr als ein Drittel. Nach der Revolution von 1989 wanderten die meisten deutschstämmigen Bewohner aus. Dadurch ging auch die Einwohnerzahl deutlich zurück. Der Ort wird heute überwiegend von Rumänen bewohnt.

Die Kirchenburg Arbegen mit der evangelischen Marienkirche stammt aus dem 15. Jh.

Weiter geht es bis Axente Server.

In Axente Server (Frauendorf) befindet sich die gut erhaltene Kirchenburg direkt an der Straße mit einem großen Parkplatz. Aber heute sind wir keine Besucher anzutreffen.

Der Haupteingang ist verschlossen, aber ein Pfeil weist uns um die Kirchenburg herum, zu einem kleinen Tor. Wir werden freundlich begrüßt.

Eine junge Familie, die sich um das Museum und die Kirche kümmert, lebt hier innerhalb der Befestigungsmauern. Sie haben sich dort ein kleines Paradies mit Garten geschaffen.

Im Vergleich zu anderen Kirchenburgen ist hier alles sehr gepflegt und gut erhalten. Der Garten um die Burg mit den vielen Blumen, einfach herrlich. Wir lassen uns Zeit, alles in Ruhe anzuschauen. Rolf klettert natürlich auch auf den Kirchturm, um von oben ein paar Bilder zu machen.

Das kleine Museum, was man hier eingerichtet hat, zeigt viele interessante Dinge. Schön sind die Erklärungen dazu.

Ich kann einige der alten Kornkammern, die man zu Gästezimmer umgebaut hat, anschauen. Sehr schön ist das hergerichtet.

Die evangelische Kirchenburg stammt aus dem 14. Jahrhundert. Die Wehrkirche ist ein gewichtiger Zeuge der schweren Zeiten, die die Region erlitten hat. Denn nicht nur der Bering verfügt über Wehrsysteme, sondern das ganze Kirchengebäude ist befestigt. Der massive Turm zwischen Saal und Chor ist aus dem 14. Jh. Er besitzt als letztes Geschoss einen Wehrgang und im ersten und zweiten Obergeschoss einfache, längliche Schießscharten, die innen als Nischen ausgebildet sind. Sowohl der Chor als auch das Schiff wurden mit zwei übereinander liegenden, mit Schießscharten versehenen Wehrgeschossen befestigt. Auf den verstärkten Strebepfeilern der Westfassade wurde ein mit Wurfscharten ausgestattetes Wehrgeschoss errichtet.

Die erstmals 1322 als "Kirche aller Heiligen" erwähnte Kirche entstand in zwei Bauphasen. Die Urkirche ist eine hochgotische Saalkirche, erbaut aus Bruch- und Flußsteinen. In ganz seltener Bauweise, wurde über dem Chorquadrat ein dreigeschossiger Glockenturm errichtet. Die Dicke der Turmmauer beträgt im Erdgeschoss 1,6 m. Im Süden des Turmes sind Reste einer Kapelle enthalten. Der Zugang zu den oberen Stockwerken erfolgt über eine in die Westmauer eingebaute Treppe.

1490 wurde die Kirche wehrhaft umgebaut. Es entstand eine der imposantesten Wehrkirchen Siebenbürgens.

Die Saal- und Chorwände wurden etwa zwei Stockwerken erhöht und schufen dadurch Raum für Wehrgeschosse. Der Aufstieg in der Westmauer wurde mit einem Fallgatter versehen, dessen Laufrinnen noch zu sehen sind. Gleichzeitig wurde der Glockenturm in ein mächtiges Bollwerk umgebaut und in den Wehrkomplex eingegliedert. Dazu gehört auch der eiförmige Bering (Ringmauer), dessen Wände zwischen 6 und 8 m hoch sind.

Unter dem zum Hof hin abfallenden Pultdach befanden sich Wohn- und Vorratskammern. Jede Kammer hat ihren eigenen Eingang und ist durch eine Öffnung in der Decke mit dem Wehrgang unter dem Pultdach verbunden. Von hier aus wurden die Schießscharten und Gießlöcher bedient. Entlang der Ringmauern, die heute noch erhalten sind, befinden sich die teilweise rekonstruierten, heute teilweise als Gästezimmer genutzten, ehemaligen Vorratskammern.

In der zweiten Hälfte des 18 Jh. wurde auf der Westseite der Kirche eine Orgelempore gemauert, an deren Brüstung musizierende Engel zu sehen sind. An der Süd- und Nordwand wurde eine hölzerne Empore errichtet. Der Barockaltar stammt von Stephan Valepagi aus dem Jahr 1777. Das Hauptbild stellte den gekreuzigten Christus dar, zu dessen Füßen Maria, seine Mutter, und der Jünger Johannes. Rechts und links rahmen je zwei korinthische Säulen die Apostel Paulus und Petrus ein. Unter der Kreuzigungstafel, auf der Predella, ist ein Abendmahlsbild zu sehen, und den Abschluss im Oberbild zeigt den Auferstandenen. Die gemauerte Kanzel wird von zwei Heiligenbildern geschmückt.

1777 baute der Hermannstädter Orgelbauer Johann Hann eine Barockorgel, die 1926 von der Firma Ludwig Wegenstein zu einer pneumatischen Orgel umgebaut wurde.

Im Glockenturm befinden sich drei Glocken. Die große Glocke von 1699, trägt die Inschrift: „Gloria in excelsis deo et in terra pax hominibus“.

1964 wurden Kirche und Kirchenburg umfassend renoviert. Die Kirche wurde am 4. August 2009 bei einem Unwetter schwer beschädigt.

Axente Sever ist eine Gemeinde im Kreis Sibiu in Siebenbürgen, Rumänien. Frauendorf liegt im Kreis Sibiu, 36 km nördlich der Kreishauptstadt Sibiu (Hermannstadt) und 11 km südlich von Mediaș (Mediasch).

Das Dorf liegt auf dem rechten Ufer der Vișa (Weißbach), eines linken Nebenflusses der Târnava Mare (Große Kokel). Die Hauptstraße verläuft parallel zum Weißbach. Senkrecht dazu führt eine Gasse in östliche Richtung. An der Schnittstelle befindet sich die Kirchenburg.

Über die Gründungszeit der Ortschaft Frauendorf besitzen wir so gut wie keine schriftlichen Urkunden. Trotzdem reicht ihre Entstehung sehr weit ins Mittelalter zurück, und bald nach der Ansiedlung der Sachsen im 12.Jahrhundert tauchen schriftliche Erwähnungen dieser Ortschaft auf.

Der Ort wurde 1305 als „Assonfalva“ erstmals urkundlich erwähnt, als untertänige Gemeinde der Familie Apafi. 1516 wurde Frauendorf eine freie Gemeinde des Mediascher Stuhls.

Bemerkenswert ist, dass in der ersten urkundlichen Erwähnung die ungarische Ortsbezeichnung zu finden ist. Da auch bei den anderen Nachbarorten zuerst immer die ungarische Ortsbezeichnung auftaucht, ist anzunehmen, dass dieses Gebiet vor der Besiedlung mit Deutschen von Szeklern besiedelt war.

Ungeklärt bleibt die Herkunft des Ortsnamens Frauendorf. Eine Sage, derzufolge die Frauendorfer einem Hirtenjungen den versprochenen Lohn nicht bezahlen wollten, so dass er alle Männer in die nahe gelegene Kokel lockte, wo sie ertranken und die Frauen allein zurückließen, ist wissenschaftlich belanglos.

Die zweite urkundliche Erwähnung der Gemeinde Frauendorf stammt aus dem Jahre 1322. Eine sehr interessante und aufschlussreiche Eintragung befindet sich in der „Geschichte der Stadt Kronstadt“ aus dem Jahre 1532. In der Zeit also, da unsere Vorfahren darangingen, die Lehre Luthers anzunehmen und evangelisch zu werden, gab es in Frauendorf 84 Wirte.

Ausgehend von der Annahme, dass Wirt gleichzusetzen ist mit Hof und dass auf einem Hof durchschnittlich 4 bis 5 Personen lebten, können wir uns leicht die Einwohnerzahl aus jener Zeit ausrechnen. Es waren etwa 400 Seelen.

Gelegentlich der Überholung des Turmdaches im Jahre 1964 fand man in dem von vielen Kugeln durchlöcherten Turmknopf (beim Durchzug der Russen nach dem Zusammenbruch des 2.Weltkrieges war der Turmknopf oft Zielscheibe berauschter Soldaten) eine wertvolle Schrift, die im vorigen Jahrhundert dort hinterlegt wurde. Laut dieser Turmschrift gab es im Jahre 1819 in Frauendorf 132 sächsische Wirte (Familienväter).

Von großer Bedeutung für die Ortsgeschichte von Frauendorf sind auch die Aufzeichnungen über den Bau der Kirche und Kirchenburg. Diese, jeden Besucher beeindruckende Kirchenburg mit dem wuchtigen Turm über dem Kirchenschiff, wurde im 14. Jahrhundert erbaut und gilt wohl als das Wahrzeichen von Frauendorf.

Das Pfarrhaus gehört zu den ältesten Gebäuden des Ortes und ist mit der in dem kleinen Vorgarten stehenden großen Tanne nicht mehr aus dem Ortsbild wegzudenken. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Pfarrhaus stand das Predigerhaus, das im Jahre 1873 gebaut wurde. Dieses Haus wurde später zweckentfremdet und abgetragen. In den Jahren 1910/11, kurz vor Ausbruch des 1.Weltkrieges, wurde die schöne einstöckige Schule gebaut. An der Gassenfront des Schulhofes befanden sich drei geräumige Lehrerwohnungen und der Gemeindesaal. Eine schöne Fliederhecke säumte den Vorhof entlang der Straße. Alle diese Liegenschaften, in der Ortsmitte gelegen, waren bis zur Enteignung durch den rumänischen Staat im Jahre 1948 Eigentum der evangelischen Kirche.

Sehr spät im Vergleich zu seiner 800-jährigen Geschichte tauchen in Frauendorf rumänische Familien auf, doch führt ihr Kinderreichtum zu einem zahlenmäßig sehr raschen Aufschwung. Die Rumänen und in ihrem Gefolge die Zigeuner waren ausnahmslos an den Dorfenden angesiedelt, wobei in Frauendorf der auslaufende Hirschel den eigentlich rumänischen Ortsteil bildete. Ihr Grund- und Gemeindebesitz war minimal.

Erst die beiden Agrarreformen nach dem Anschluss an Rumänien brachten zunächst eine teilweise und dann eine radikale Änderung mit sich. 1945 wurden die Sachsen restlos enteignet. Hordenweise wurden die sächsischen Höfe überfallen und alles, was nicht nietfest war, wurde mitgenommen. Vieh, Ackergeräte, Hausrat, Kornvorräte und in manchen Fällen selbst das Brot auf dem Tisch wechselten ihre Besitzer. Rumänische Kolonisten zogen auf sächsische Höfe. Den sächsischen Hausbesitzern und ihren Familien wurde bestenfalls ein Nebenzimmer zum Wohnen überlassen. Es begann eine schwere Zeit.

1885 wurde in Frauendorf ein Raiffeisenverein gegründet. Die ursprüngliche rumänische Bezeichnung „Frâua“, phonetisch an die deutsche angelehnt, war bis 1970 offiziell in Verwendung. Seither trägt die Ortschaft den Namen eines rumänischen Revolutionärs (siehe Persönlichkeiten).

Wir verlassen Axente Sever und fahren nach Medias. Wir wollen dort im Restaurant Zur Traube essen. Rolf bestellt alkoholfreies Bier, Gemüsesuppe, Schweinekotelett, Brot. Ich wähle ½ l Rotwein, Hühnerbrust und Kartoffeln mit Butter und Petersilie. Alles sehr lecker und der Preis für uns zwei 14 Euro.

Ein Gewitter droht, so fahren wir Richtung Campingplatz, wo wir gegen 15 Uhr eintreffen. Im kleinen Lädchen gegenüber dem Campingplatz noch Tomaten, Papierrollen und Eis gekauft.

Zwar haben wir in Medias schon unsere Regenkleidung angezogen, doch wir erreichen unser Zuhause noch ohne Regen. Gott sei Dank kühlt es etwas ab. Die anderen Camper auf dem Platz sind weiter gefahren. Meist bleiben sie nur 1 bis 2 Tage.

Nun heißt es Schreiben, Relaxen, Duschen. Rolf isst am Abend sein restliches Kotelett vom Mittag, dazu gibt es Tomatensalat, Äpfel und Brot. Morgen müssen wir neu einkaufen.

Weitere Bilder findet Ihr unter

Uschi & Rolf – Rumänien - Tschechien – Polen – Slowakei @Uschi.Rolf.Tschechien.Polen.Slowakei
https://www.facebook.com/Uschi.Rolf.Tschechien.Polen.Slowakei/about/

© Uschi Agboka, 2019
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Besichtigung der Kirchenburgen in Siebenbürgen (Transsilvanien) und der Moldauklöster in der Bukowina mit vielen Hintergrundinformationen.
Details:
Aufbruch: 05.05.2018
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 01.07.2018
Reiseziele: Rumänien
Der Autor
 
Uschi Agboka berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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