Einmal um die Welt

Reisezeit: März - September 2005  |  von Niels Becker

Indien (09.08 - 07.09): Ankunft in Delhi - eine eigene Geschichte

Der erste Eindruck

So ein erster Eindruck von einem Land ist ja eigentlich schon wichtig, umso trauriger, wenn der dann ziemlich über ausfällt. Im Flieger hab ich dann zum ersten mal unseren Reiseführer aufgeschlagen und ein wenig über Delhi gelesen.

Auweija, dachte ich, das hörte sich alles irgendwie nicht so positiv an.
Wenn man nachts ankommt (wie fast alle internationalen Flüge) und das Land nicht kennt, soll man sich am Flughafen vor Betrügern in Acht nehmen. Die Inder versuchen einen direkt dort abzupassen, in ihre Taxen zu schleppen und fahren dich dann zu einem ihrer Hotels hin, unabhängig davon ob man dahin möchte oder nicht. Das ist eine Variante. Andere laufen so, dass dir der Taxifahrer erklärt dein Hotel sei abgebrannt oder voll. Wenn man letzteres nicht glaubt, wird man zu einem Telefon gebracht, dort wird die Nummer des Hotels gewählt und eine Stimme sagt dir dann am telefon, dass die Reservierung gar nicht existiert.
Natürlich ist das alles ein abgekartertes Spiel bei dem es nur darum geht, dich in das Hotel zu bringen, das dem Taxifahrer die meiste Kommission einbringt.

Neben weiteren etlichen Warnungen vor Betrügereien und schlimmeren, wurde dann noch erwähnt, das man sich gegen diese Taxis schützen kann, indem man ein vorherbezahltes Taxi nimmt.

Da wir mitten in der Nacht (1:50Uhr) in Delhi ankamen und noch kein Hotel gebucht hatten, waren wir zunächst sehr vorsichtig und blieben erst einmal dort wo man die Koffer abholen konnte, sprich, wir waren noch vor den wartenden Horden von Indern die hinter dem Zoll standen sicher. Dort warteten noch einige andere Reisenden, einige hatten es sich auf Bänken "gemütlich" gemacht und wir hielten Ausschau nach der Touristeninformation die sich auch hier irgendwo befand. Direkt daneben lernten wir zwei andere Deutsche, Conny und Matt, kennen die ebenfalls nach einer Unterkunft suchten. Weil uns das alles nicht so gehäuer war, einigten wir uns gemeinsam auf ein Hotel und riefen dann (für umsonst) von der Information dort an. Der Mann sprch leider kein Englisch, so dass wir die etwas grummelige Inderin die an der Touristeninformation sass baten uns zu helfen. Wiederwillig (wir wären sonst ja nicht gegangen) half sie uns dann auch ein Zimmer für die gleiche Nacht noch zu reservieren, einziger Wehrmutstropfen war, dass uns niemand vom Hotel mitten in der Nacht abholen wollte. Nagut dachten wir uns. Wir sind ja nun zu viert und wir haben grade eben ein Zimmer reserviert. Uns kann also keiner mehr erzählen, das Hotel gäbs nicht oder es sei voll, schließlich wissen wir es besser.

Also gingen wir raus. Und tatsächlich, die Menschenmassen waren weg.
Direkt um die Ecke gab es dann vier Fenster. Bei allen stand "vorherbezahltes Taxi" dran. Bei einem zwar ganz oben drauf und bei allen anderen nur per Hand auf ein Blatt Papier geschrieben.Aber wenn die hier schon ihr Büro haben, kanns ja nicht ganz verkehrt sein, so unser Gedanke. Niels erkundigte sich bei allen nach dem Preis, handelte dann noch ein wenig herum (der einzigste der nicht handelte war der mit dem richtigen
Schild...) und dann hatten wir auch schon ein Taxi.
Wir hätten etwas stutzig werden sollen, als der Mann dann auf einmal doch kein Geld im voraus haben wollte sondern uns sagte, wir sollten den Taxifahrer am Ende bezahlen, aber wir wahren etwas zu müde um richtig zu denken (schließlich war es kurz nach 2 indischer Zeit und in China wäre es nun ja schon 2,5 Stunden später). Das zweite mal hätten wir uns wundern sollen, als uns der Mann dann nach draussen zu einem Taxi begleitete, dass nicht viel größer war als ein Corsa, in dem wir aber erstaunlicherweise unsere vier großen Rucksäcke plus die kleinen Rucksäcke und zusätzliche Taschen und uns hineingezwängt haben. Aber, man weiss ja nie, wie das in einem anderen Land so läuft. Nun gut, richtig stutzig hätte uns dann aber schlussendlich die Äußerung des Chefs machen müssen, dass der Fahrer den Connought Place (der Hauptplatz von Neu Delhi) nicht kennter sich dann aber einfach durchfragt.

Aber wie schon vorher, wir sind nicht stutzig geworden. Statt desssen stiegen wir einfach ein und dachten uns kann ja nichts passieren...

Eine Nachtfahrt die ist lustig, eine Nachtfahrt die ist toll...
Erst einmal versuchten wir uns mit dem Taxifahrer zu unterhalten, das war ein etwas ältere Mann, der auch etwas Englisch sprach. Wo kommmt ihr her, ward ihr schon mal hier etc. Natürlich waren wir schonmal in Indien (unser Reiseführer hatte uns diese Antwort eingetrichtert, nur wären wir dann nicht so blöd gewesen dieses Taxi zu nehmen, was sich wahrscheinlich auch der Fahrer gedacht und damit auf unsre tatsächliche Unkenntnis geschlossen hat.) Wir fuhren so durch die Gegend, bis wir aufeinmal abbogen.
Interessanterweise stand auf den Schildern nirgendwo etwas von Zentrum oder so und wir versuchten verzweifelt mit unseren Karten auszumachen, wo wir denn so sind. - Ohne Erfolg-! Delhi ist nämlich nicht nur verdammt groß, es fängt auch hier schon eine Besonderheit an, die sich durch ganz Indien
durchzieht: Die Strassen haben oftmals keine Strassennahmen! Daher war es unmöglich auch nur annähernd irgendwas zu finden. Nachdem wir dann abgebogen sind, fuhren wir durch immer kleinere, immer enger werdende unbeleutetere Strassen, in denen wilde Hunde rumsträunten, Kühe umherzogen, Leute auf Pritschen oder auf dem Boden schliefen und alles immer unbehaglicher wurde. Auf einmal kamen wir an einem kleinen Platz vorbei, bei dem der Taxifahrer anhielt. Einige Personen standen draussen rum und unterhielten sich, es war mittlerweile halb vier Uhr morgens, er wolle nur mal kurz nach dem Weg fragen, meinte er. Niels stieg aber gleich mit aus, schliesslich wollte er mithören, wo uns die Leute hinlotsten. An dem Platz gab es auch noch ein Büro das hell erleuchtet war. Eine Touristeninformation, die mitten in der Nacht geöffnet hatte, das roch direkt nach verarschung. Auf einmal kamen zwei weitere Deutsche aus dem Büro gestürmt. Das Mädel kam zu mir ans Fenster, sie war kreidebleich und sah hundeelend aus.

"Die bringen uns nicht dahin wo wir wollen", meinte sie den tränen nah.
Total verzweifelt erzählte sie uns, dass sie seit einer dreiviertelstunde in diesem Büro sassen, ihnen aber keiner sagen konnte, wie sie zum Hauptplatz von Delhi kommen können und ihnen gleichzeitig niemand verrät wo sie denn nun genau seien. Niels wurde nur gesagt, wir währen in der Connaught Place Area, also nicht weit entfernt. Irgendwie kam uns das aber nicht so ganz koscher vor. Der Taxifahrer wollte uns dann auch noch in das Büro reinschleppen, weil uns die Leute draussen (die alle dazu gehörten) nicht weiter helfen konnten. Nachdem die beiden Deutschen uns aber gewarnt hatten, protestierten wir und versuchten unseren Fahrer wieder in das Auto zu bekommen. Dieser wehrte sich aber und deutete immer wieder auf die Tür. Wir besprachen mit den anderen beiden, dass sie mit ihrem Taxi hinter uns herfahren sollten, weil wir ja schließlich zum gleichen Platz wollten wie sie, aber irgendwie hat ihr Fahrer sie dazu bekommen wieder bei ihm einzusteigen und zack, brauste er ohne auf uns zu warten davon. Wir hoffen, dass die Beiden dort angekommen sind, wo sie hinwollten! Nach einigem gezanke und den überredungskünsten von Niels bekamen wir dann unseren Fahrer dazu wieder bei uns einzusteigen. Die anderen Gesellen die draussen rumstanden um uns zu "helfen" gefiel das alles nicht sonderlich. Irgendetwas wurde noch abgesprochen, bevor wir endlich weiterfuhren. Am Ende der Strasse bog unser Fahrer dann rechts ab. An der nächsten Kreuzung wieder rechts und am ende der Strasse fuhr er wieder rechts und ratet mal, wo wir dann wieder landeten??? Genau, vor der Touristeninformation! Er wisse nicht wo wir hinmüssen, sagte uns unser Fahrer, er könnte ja nocheinmal darein und nachfragen. NEIN!!! Brüllten wir von hinten und der Fahrer bekam es sichtlich mit der Angst zu tun. Also fuhren wir weiter. Doch genau vor uns startete ein Auto mit den vier Leute, die zuvor hier an dem Platz standen... ICh machte mir ein wenig Sorgen (nein eigentlich war mir generell schon hundeelend zu mute, ich hatte keine Ahnung wo wir sind, der Fahrer steckt mit einer Bande zusammen und will uns wer weiß was antun, es war dunkel, alles wimmelte von Hunden und Dreck und wer weiß was die Typen jetzt noch mit uns vorhaben, so dachte ich zumindest), aber alles war nur halb so schlimm. Matt blieb total gelassen und war der Meinung, wir seien ja zu viert und der arme Taxifahrer ganz alleinŽ. Ausserdem war das Benzin bald irgenwann alle und dann könnten wir ja einfach in ein anderes Taxi umsteigen.. Ob das alles so geklappt hätte, möchte ich bezweifeln, aber zumindest beruhigte uns seine Gelassenheit. Der Taxifahrer hatte es ab da aber tatsächlich mit der Angst zu tun bekommen. Ab sofort fuhr er zwar immer noch in irgendwelchen kleinen Gassen und Strassen umher, fing nun aber an, Leute auf der Strasse nach dem Connaught Place zu fragen. Weil wir ihm nicht trauten, wiederholte Niels in Englisch die Frage immer noch einmal woraufhin uns einige auch etwas merkwürdig anschauten, dann aber meist doch irgendwelche Antworten auf Englisch gaben und uns zeigten wo wir hinfahren müssten. Nach weiteren 1,5 Stunden kamen wir dann um kurz nach 5 (ziemlich

erschöpft) bei unserem Hotel an. Draussen wartete der Nachtportier (oder so
ähnlich) geduldig auf uns und half uns dann mit unserem Gepäck. Als es dann ums bezahlen ging, meinte der Taxifahrer zu Niels, er sei ja nun sooo lange gefahren, ein kleines Trinkgeld wäre doch wohl angebracht!
Niels kippte fast um und meinte nur, er solle sich demnächst doch mal an befahrerenere Straßen halten und nicht in so kleinen Gassen rumgurken, dann würde es vielleicht auch schneller gehen. Wir gaben ihm genau das, was wir vorher ausgehandelt hatten und verabschiedeten uns in unserer Zimmer.

Unser Fazit:
. Der arme Taxifahrer, hatte anscheinend wirklich keine Ahnung gehabt, wo er uns hinfahren sollte. Er fährt bestimmt immer nur den Weg zu der Touristeninformation. Dort wird ihm dann gesagt, in welches Hotel er die Leute bringen soll (diese wird ihm bekannt sein und Provision an seinen Chef zahlen). Klappt das nicht, bekommt er sicherlich großen Ärger...
. Wir glauben, das alles nur eine Zermürbungsstrategie ist. Die beiden anderen Deutschen waren mit Sicherheit irgenwann bereit in irgendein Hotel gebracht zu werden, Hauptsache sie sind aus dem Taxi raus. Deshalb war es gut zu viert zu sein, vor allem wenn jemand die Ruhe in Person ist Zusätzlich hilft es, sich seine Angst oder sein Unbehagen nicht zu zeigen, denn dann weiß der Fahrer nicht, woran er ist und immer ganz bestimmt zu sagen, was man möchte und was nicht. In die Information reingezerrt hätten sie uns sicher nicht.
. Wir glauben mittlerweile auch nicht mehr, dass sie uns etwas angetan hätten, Überfallmäßig oder so. Während wir im Auto sassen, war uns das aber nicht so klar, da wir das Land und die Leute nicht kannten und sie uns ja einfach irgendwohin hätten bringen können.
. Wir wissen jetzt, dass die Inder zwar wirklich auf dein Geld als Tourist aus sind, dieses organisierte haben wir aber nur in dieser Art in Delhi angetroffen. Die meisten wollen einen einfach nur bescheißen und wenn man darauf reinfällt ist man selber schuld. Gewalttätig an das Geld heranzukommen wollen auch die meisten Inder nicht. (Zumindest hätten wir es keinem zugetraut den wir getroffen haben).

© Niels Becker, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Am 15. März geht´s los: Wir starten vom Düsseldorfer Flughafen zu unserer 5,5 monatigen Tour rund um die Welt. Auf den nächsten Seiten findet ihr zunächst einmal unsere geplante Reiseroute. Später könnt ihr hier unsere Berichte und Fotos aus den einzelnen Ländern sehen. Wir freuen uns natürlich ganz besonders über Einträge in unserem Gästebuch. Liebe Grüße Nicole und Niels
Details:
Aufbruch: 15.03.2005
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 07.09.2005
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Mexiko
Veracruz
Mazunte
Peru
Bolivien
Chile
Neuseeland
Australien
China
Chengdu
Indien
Der Autor
 
Niels Becker berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.