7 Monate in Chile

Reisezeit: Juli 2009 - März 2010  |  von Kathi Fersen

Meine Gastmutter & Bergurlaub (16.-22.11.)

In der Nacht von Montag auf Dienstag bin ich wach geworden, da meine Gastmutter vor Schmerzen geschrien hat, aber kurz darauf ist dann Javier aufgestanden und dann bin ich wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen hab ich erst gar nichts komisches bemerkt, erst als ich sah, dass keine Möbel mehr im Flur waren und die Haustür abgeschlossen war und keine Schlüssel steckte, habe ich gemerkt, dass ich alleine zu Hause war. Ich hab mir dann schon gedacht, dass sie bestimmt gestern Nacht noch ins Krankenhaus gekommen ist. Als ich von der Arbeit kam, war sie immer noch wieder da. Um 17 Uhr sind sie nach Hause gekommen. Ich war in meinem Zimmer und hab nur mehrere schwere Sachen gehört, die hochgetragen wurden und hab mich schon gewundert. Als ich aus meinem Zimmer kam schienen alle sehr bedrückt und ich hab Javier gefragt, was gestern abend passiert sei. Er meinte, dass es ihr schlecht ging und sie keine Luft mehr bekam und sie bis grade im Krankenhaus waren. "Der Arzt hat uns die Entscheidung offen gelassen, wo sie sterben soll. Aber zu Hause ist es besser. Jetzt warten wir bis sie stirbt!" In dem Moment kam gerade die Schwester aus Santiago an. Wir sind gleichzeitig die Treppen hochgegangen, nur sie ist rechts ins Schlafzimmer ihrer Mutter und ich bin in mein Zimmer. Kurz darauf lief die aus dem Zimmer ihrer Mutter wieder raus und heulte ganz fürchterlich. Ich konnte gar nicht einschätzen, wie Javier das meinte, mit warten auf den Tod. Ob er das jetzt meinte, weil es keine Behandlung mehr gibt oder ob es wirklich in den nächsten Tagen oder Wochen so weit ist... Bevor ich mich mit Nadine getroffen hatte, war grade die eine Tochter in ihrem Zimmer und ich dachte sie unterhalten sich , also wollte ich nicht stören. Außerdem war ich mir auch unsicher, was ich sagen sollte. Denn was sagt man jemanden, der gerade gesagt bekommen hat, dass es keine Behandlung mehr gibt?! Am Sonntagabend hatte ich mich noch mit ihr unterhalten und sie hatte so gehofft, dass die Chemo hilft. Aber ihre Stimme war schon echt schwach. Als ich wieder gekommen bin vom Essen gehen mit Nadine und Franzi, waren nur noch die 3 Kinder im Haus und ihr Ex-Mann.

Beim 3 Gänge Geburtstagsessen

Beim 3 Gänge Geburtstagsessen

Also hatte ich die Tochter gefragt, ob ich zu ihr gehen könne. Sie meinte, dass sie sie gerade umziehen, aber sie sagt mit Bescheid. Bevor ich dann reingegangen bin, sagt nur die andere Tochter:"Achja, Kathi hat sie ja noch gar nicht gesehen." Meine Gastmutter lag in ihrem Bett und hatte eine große Beatmungsmaske auf dem Gesicht und war nicht mehr ansprechbar... der Anblick war nicht schön... Wahnsinn wie schnell das gegangen war. Die Kinder und der Mann hatten Luftmatratzen um ihr Bett gelegt, um die ganze Zeit bei ihr zu sein. Um halb 12 bin ich ins Bett, aber ich konnte nicht schlafen. Etwa eine Stunde später hörte ich ganz viele schnelle Schritte und Javier sagt am Telefon: "Wir brauchen einen Krankenwagen. Meine Mutter atmet nicht mehr." Kurz darauf ruft die eine Tochter jemanden an und sagt ganz ruhig: "Du stell dir vor, meine Mutter hat aufgehört zu atmen!" Auf einmal kommt der Ehemann von der anderen Tochter und ich höre wie sie versuchen sie mit Wiederbelebungsverusche machen, da das Bett quitschte und plötzlich fingen alle ganz dolle an zu weinen und man hörte nur noch das Sauerstoffgerät, dass laut fiepte. Irgendwann kam dann auch endlich der Krankenwagen, aber der hat kurz darauf gleich den Personalausweis verlangt, bestimmt um den Totenschein auszustellen. Am nächsten Morgen waren halt auch ganz fertig und verheult. Irgendwann kam das Bestattungsinstitut mit dem Sarg, aber anstatt den Sarg wieder mitzunehmen, liegt sie jetzt im Esszimmer im Sarg. Irgendwie komisch. Den ganzen Tag über waren voll Leute hier und haben Blumen auf den Sarg gelegt. Aber komisch find ich das schon ein bisschen, dass der Sarg mitten im Wohnzimmer liegt... Wahnsinn wie schnell das alles ging!!! Und hinzu kommt noch das schlechte Wetter momentan...naja... Um17 Uhr wurde dann der Sarg in die Kirche gebracht. Ich bin abends zu Angelika gegangen. Gerade als ich losgehen wollte, fing es fürchterlich an zu regnen und ich war trotz Regenjacke ganz nass als ich ankam. Das bin ich gar nicht mehr gewöhnt... Angelika hatte Frikadellen gemacht (oder wie man in Österreich sagt: "faschierte Leibchen"). Waren sehr lecker. Nachdem wir dann noch mit ihrer Gastmutter geredet haben und mit ihrer kleinen Gastschwester gespielt haben, haben wir dann einen Film geguckt. Ich hab dann auch da geschlafen. Am nächsten Morgen hab ich noch schön in Ruhe mit ihrer Gastmutter gefrühstückt und nett geredet. Die Gastfamilie ist echt nett von Angelika. Am Donnerstag wollten wir eigentlich mit den Kindern einen Ausflug auf einen Markt machen, aber leider hatte die Schule nicht die 2 Euro für den Bus für alle zusammen. Naja so sind wir so spazieren gegangen und haben ein Eis gegessen. Wir haben sogar von einer älteren Dame Kekse geschenkt bekommen. Das Wetter war auch endlich mal wieder besser Nach der Schule (donnerstags hab ich ja immer schon um halb 2 Schluss) bin ich ins Zentrum gefahren und wollte eine Empanada essen. Auf einmal tickt mich jemand von hinten an. Und wer steht hinter mir: Nadine Schon lustig welche Zufälle es gibt in so einer Millionenstadt. Dann waren wir Empanada essen und danach noch einen Kaffee trinken (naja und ein kleines Stückchen Kuchen konnte ich mir auch nicht verkneifen^^) Sie hat mich gefragt, ob ich mit ihr mit möchte übers Wochenende in eine Berghütte von einem Kommilitonen mit noch 3 anderen Deutschen zu kommen, Klar

Am Freitag um 14 Uhr ging es mit unserem Mietauto los. Jahannes, Andrés, Nadine und ich. Nach 2, 5 Stunden und einem Zwischen Einkaufsstopp sind wir in der "Hütte" angekommen. Allerdings entpuppte sich die Hütte als Villa mitten in den Anden! Mit 3 schlafzimmern, 4 Bädern, Wohnzimmer mit kamin, koplett eingerichtete Küche, Heizung, etc Es war echt der Hammer, Hier ein paar Eindrücke:

Nadine und mein Schlafzimmer

Nadine und mein Schlafzimmer

Das Wohnzimmer

Das Wohnzimmer

Das Esszimmer

Das Esszimmer

Ein Teil des Hauses

Ein Teil des Hauses

Unser Blick vom Bett

Unser Blick vom Bett

Die Umgebung

Die Umgebung

Abends gab es selbstgemachte Pasta und als Nachtisch Pfannkuchen mit Nutella! Zusätzlich natürlich viel Bier und Psico!

Johannes und Andres

Johannes und Andres

Die Terasse

Die Terasse

Verinzelt sah man in der Ferne "Nachbarn"

Verinzelt sah man in der Ferne "Nachbarn"

Ein ganz toller Sonnenuntergang

Ein ganz toller Sonnenuntergang

Am Samstag habe wir erstmal ausgeschlafen. Während Nadine und Andrés Shanna abgeholt haben, hab ich mich gesonnt und gelesen und nachher mit Johannes das Mittagessen vorbereitet.

Nadine, Shanna, Johannes, Andres beim Mittagessen

Nadine, Shanna, Johannes, Andres beim Mittagessen

Die Anden

Die Anden

Nachmittags haben wir dann Kekse gebacken =) Auch wenn ich noch nicht wirklich in Weihnachtsstimmung bin... Waren super lecker! Abends haben wir gegrillt

beim Grillen

beim Grillen

churri und Rind

churri und Rind

Am Sonntag waren wir ganz faul und haben gar nichts gemacht Bis 1 gepennt, gefrühstückt, gesonnt, nochmal ins Bett gelegt etc... wie eigentlich das ganze Wochenende nur gechillt

Um halb 9 abends sind wir dann zurück gefahren... War echt toll das Wochenende

© Kathi Fersen, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Hier werde ich beschreiben, was ich 2 Wochen lang bei meinem Sprachkurs in Santiago erlebe, bei meinem 6 monatigem Praktikum in einer Schule für Kinder mit geistiger Behinderung und auf der 4 wöchigen Rundreise durch Chile!
Details:
Aufbruch: 31.07.2009
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 01.03.2010
Reiseziele: Chile
Argentinien
Der Autor
 
Kathi Fersen berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.