2009 - Zurück nach Australien

Reisezeit: Juli 2009 - März 2010  |  von Mirjam & Nico L.

Das Semester in Cairns: 8. Woche - Chillagoe und Mareeba

Am Freitag nahm ich mir endlich Zeit, eine richtige Tour zu machen. Dies war ein ganz besonderer Tag für mich, denn die Tour ging an den Rand des Outbacks.

Vielleicht ist dies nun ein bisschen schwer zu verstehen, da ich ja im Outback - auf den Farmen - eigentlich eher schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Daher war für mich auch klar, dass ich nie mehr als Arbeiter, sondern nur noch als Tourist dorthin gehen würde. Auch leben könnte ich dort nicht, dafür ist es einfach zu einsam.
Aber dennoch ist das Outback einfach etwas ganz besonderes. Nirgendwo habe ich mich so vollständig, so frei und irgendwie auch zuhause gefühlt wie dort.
Ich würde mich mit diesen Gefühlen wahrscheinlich für verrückt halten, würde ich nicht einige tolle Menschen kennen, denen es genauso geht wie mir (und die denke ich gerade ganz genau wissen, dass sie gemeint sind!).

Wie oft habe ich mich in den letzten zweieinhalb Jahren dorthin zurück gewünscht. Habe in einer überfüllten U-Bahn in Köln gesessen, die Augen zu gemacht und es mir vorgestellt - und dann war alles wieder da: Ich spürte den roten Sand unter meinen Blundstones, die Sonne, den Geruch der Erde und Bäume, diese besondere Luft.
Und nun, an diesem Tag, würde ich endlich nicht mehr nur in meiner Vorstellung dort sein, sondern in echt!
Wie gesagt, es ging nicht wirklich ins Outback, eher an den Rand. Aber es reichte, um dieses Gefühl zu haben und viele Erinnerungen zurück zu bringen.

Der Tag begann ziemlich früh, denn ich musste schon um 07.15 Uhr hinter dem Einkaufszentrum sein, um dort von der Tour Company abgeholt zu werden. Es handelte sich dabei um Billy Tea Safaris, mit denen ich schon 2006 am Cape Tribulation gewesen war.
Ich war der letzte und saß somit etwas eingeklemmt auf der letzten Bank - aber man kann nicht alles haben. Die Fahrt ging zunächst die Kuranda Range hoch, so dass wir tolle Ausblicke auf die Gegend hatten.

Ausblick von der Kuranda Range: Die Gegend nördlich von Cairns - die Northern Beaches und der Flughafen. Irgendwo dort muss auch die Uni sein.

Ausblick von der Kuranda Range: Die Gegend nördlich von Cairns - die Northern Beaches und der Flughafen. Irgendwo dort muss auch die Uni sein.

Wir fuhren an Kuranda vorbei und überquerten den Barron River, dann ließen wir den tropischen Regenwald hinter uns. Es war verblüffend, wie schnell sich die Vegetation veränderte. Quasi von einer Sekunde zur anderen befanden wir uns in trockenem Eukalyptuswald.
Diese Landschaft kam mir so bekannt vor - fast genauso hatte es auf Strathburn ausgesehen. Da musste ich wirklich mehr als einmal schlucken.
Wir fuhren durch ein paar verschlafene Dörfer, ansonsten nur durch diese Wälder, die ab und an von verbrannten Flächen unterbrochen wurden. Hier wurde kontrolliert abgebrannt, nur einer der Brände war von einer Zigarette ausgelöst worden (bzw. durch den Trottel der sie aus dem Auto geworfen hatte).
Nun gab es auch immer mehr Termitenhügel in den Wäldern, und wir sahen sogar einen Dingo, juhu!
Nach ca. einer Stunde waren wir bei den Mareeba Wetlands angekommen. Dies ist ein künstlich entstandenes Schutzgebiet, in dem mehr als 200 Vogelarten leben.

Emu mit Babys!

Emu mit Babys!

Wir machten eine zwanzigminütige Fahrt mit einem kleinen Elektroboot. Leider sahen wir jedoch kaum Vögel, und der Grund dafür ist kaum zu glauben. Es liegt am Lake Eyre, der sich nur sehr selten mit Wasser füllt. Wirklich nur alle paar Jahre oder sogar Jahrzehnte.
Im Moment befand sich dort Wasser und so waren die meisten Vögel aus Mareeba dorthin geflogen. Allerdings ist der See in Südaustralien und über 1500km von hier entfernt! Woher wussten die Vögel, dass sie nun dorthin können? Einfach erstaunlich.
Nun, ein paar waren hier geblieben, und auch ohne Vogelmassen war die Fahrt mit dem Boot sehr schön und wir genossen die Landschaft und die friedliche Atmosphäre.

Als nächstes fuhren wir zwei Stunden nach Chillagoe, das ca. 200km westlich von Cairns liegt.
Chillagoe ist ein kleiner, wirklich sehr verschlafener Ort. Im 19. Jahrhundert und zu Beginn der 20. Jahrhundert - während des Goldrausches und zur Zeit der Kupferminen und Holzindustrie in North Queensland - war es eine Stadt von 10.000 Einwohnern. Heute leben dort nur noch zweihundert Menschen.

Zunächst besuchten wir "Chillagoe Hub", ein Informationszentrum zur Geschichte des Ortes und den Höhlen

Zunächst besuchten wir "Chillagoe Hub", ein Informationszentrum zur Geschichte des Ortes und den Höhlen

Die Kirche in Chillagoe

Die Kirche in Chillagoe

Nach einem kurzen Aufenthalt im Infozentrum ging es dann zum Höhepunkt der Tour, den Chillagoe Caves. Dies sind Kalksteinhöhlen, die aus einem Korallenriff entstanden sind, das sich hier vor Millionen von Jahren befand - als all dies noch ein riesiger Ozean war.
Jeder von uns bekam eine Lampe und dann ging es los.
Insgesamt war ich von den Höhlen etwas enttäuscht, ich habe schon interessantere gesehen und auf den Fotos des Prospekts sahen sie einfach schöner aus. Andererseits hatte ich die Tour nicht wegen der Höhlen gebucht, sondern um einen Tag wenigstens an den Rand des Outbacks zu kommen - daher genoss ich die Landschaft umso mehr.

Seht ihr die Frau in der Mitte?

Seht ihr die Frau in der Mitte?

*seufz*

*seufz*

Nach der ca. 45-minütigen Führung durch die Höhlen fuhren wir zu den alten Kupferminen. Es ist schwer vorstellbar, dass dort noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts Tausende von Männern arbeiteten. Sie taten dies unter sehr schwierigen Bedingungen, da es sehr unsicher und zudem so heiß war. Kaum jemand wurde älter als fünfunddreißig.
Dies ist ein Kapitel der Geschichte Queenslands, über das ich bisher sehr wenig wusste, und so fand ich die Erklärungen des Guides sehr interessant.

Mittlerweile war der Mittag schon vorüber und langsam waren wir alle sehr müde und hungrig. Es wurde also Zeit fürs Mittagessen!
Wir fuhren zurück nach Chillagoe und suchten dort den Pub auf. Das Essen war sehr lustig, denn wir waren wirklich eine nette Gruppe. Ich saß am Tisch mit einer jungen Frau aus Neuseeland, die genauso alt war wie ich, einem Mann aus Wales, dessen Vater Kölner war, und einem Pärchen aus Neuseeland, das für drei Jahre in Canberra lebte. Es ist immer wieder erstaunlich, was man für angeregte Unterhaltungen mit Menschen führen kann, die man gerade erst kennen gelernt hat und wahrscheinlich auch nie wieder sieht.

Unser Pub in Chillagoe

Unser Pub in Chillagoe

Unser nächster Stop war in Lappa, genauer gesagt am ehemaligen Pub von Lappa. Zur Zeit der Minen war hier Hochbetrieb gewesen. Nun war der Pub in ein verrücktes Museum verwandelt worden und man konnte ein buntes Sammelsurium aller (un-)möglichen Dinge betrachten.

Unser Fahrzeug

Unser Fahrzeug

Als nächstes fuhren wir wieder zwei Stunden lang und hielten dann in der Nähe von Biboohra am Skybury Coffee Center. Leider besuchten wir nicht die Kaffeeplantage sondern machten nur Halt im Café - aber hier war es auch sehr schön. Alles war sehr schön eingerichtet und von der Terrasse aus hatte man einen tollen Ausblick. Ich bestellte einen Tee, da ich keinen Kaffee mag - also war das mit der Plantage eigentlich doch nicht so schlimm - und genoss die friedliche Atmosphäre.

Kaffeebaum

Kaffeebaum

Blick von der Terrasse

Blick von der Terrasse

Hier werden auch verletzte und verwaiste Kängurus aufgenommen und gepflegt, die die Besucher füttern dürfen

Hier werden auch verletzte und verwaiste Kängurus aufgenommen und gepflegt, die die Besucher füttern dürfen

Nachdem wir uns alle mit einem Kaffee oder Tee gestärkt hatten - der Mann aus Wales konnte Kaffee lustigerweise auch nicht ausstehen - fuhren wir dann die letzte Stunde nach Cairns zurück, wo ich der erste war, der "abgeladen" wurde. Ich ging noch kurz einkaufen und machte mich dann auf den Weg zurück in die WG.
Eigentlich wollte ich gar nicht mehr zurück in den Uni-Alltag, sondern direkt wieder auf Tour, direkt wieder zum roten Sand.
Aber: Ich hatte nun fast schon Bergfest - nur noch etwas mehr als zwei Monate bis zum Beginn meiner Rundreise, und ganz, ganz viel Outback!!!

© Mirjam & Nico L., 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Juli bis November 2009 machte ich ein Auslandssemester an der James Cook University in Cairns. Danach reiste ich vier Monate mit dem Rucksack durch das Land - zunächst schaute ich mit Zentralaustralien und den Süden an und bereiste dann einen Monat lang den Westen, bevor ich vier Wochen in Melbourne und Tasmanien verbrachte. Zum Schluss verbrachte ich dann noch etwas Zeit in Sydney, in Brisbane und im Outback von Queensland.
Details:
Aufbruch: 22.07.2009
Dauer: 8 Monate
Heimkehr: 24.03.2010
Reiseziele: Australien
Hongkong
Der Autor
 
Mirjam & Nico L. berichtet seit 15 Jahren auf umdiewelt.
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