Neustart

Reisezeit: Juni - Dezember 2021  |  von Beatrice Feldbauer

Belen-Markt

Mein Frühstück heute mit Müesli, Früchten und Yoghurt

Mein Frühstück heute mit Müesli, Früchten und Yoghurt

Heute habe ich Christoph getroffen. Er kommt von Kreuzlingen und lebt seit sieben Jahren hier in Iquitos. Er ist mit einer Polizistin verheiratet und arbeitet als Dschungelguide.

Ich kenne ihn schon lange und hatte vor allem während der Pandemie, Kontakt mit ihm. Auf dem Höhepunkt der Krise, als die Situation aussichtslos war, startete er eine kleine Hilfsaktion und half seinen Nachbarn und Freunden mit Lebensmitelpaketen.

Es freut mich sehr, ihn heute zu treffen und zu hören, wie es ihm ergangen ist, und vor allem zu hören, dass langsam wieder Touristen eintreffen. Er hat sich zum Spezialisten für Amphibien entwickelt. Nächste Woche ist er mit ein paar Touristen auf dem Amazonas unterwegs um Zierfische zu suchen. Ich hoffe, dass wir uns noch einmal treffen, solange ich hier bin. Er macht übrigens im Moment die Ausbilung zum nationalen Guide. Das gibt ihm die Möglichkeit, ganz Peru mit Touristen zu bereisen. Bisher brauchte man überall immer einen lokalen Guide, wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist. Die neue Ausbildung öffnet ganz neue Möglichkeiten.

Marden, den ich vor ein paar Tagen getroffen habe, war der erste, von dem ich von dieser Möglichkeit erfahren hatte, denn er hatte das Zertifikat eben erst bekommen. Auch May ist im Moment in dieser Ausbildung, die zur Zeit online stattfindet. Das eröffnet ihnen allen neuen Möglichkeiten und erhöht die Qualität der Guides.

auf dem Markt in Belen

auf dem Markt in Belen

Ich habe eine ganze Liste von Dingen im Kopf, die ich besorgen muss, denn ich will nächste Woche einen Ausflug in den Dschungel machen. Für eine ganze Woche weg von der Zivilisation. Das macht mir etwas Respekt, aber ich freue mich natürlich sehr darauf und bin ja so gespannt.

Allerdings muss ich noch ein paar Sachen besorgen und dafür eignet sich der Markt von Belen am besten. Da kann man alles kaufen. Natürlich gibt es in der Stadt auch kleine und grössere Supermarkets, ja sogar Warenhäuser, aber eigentlich geht man für alles, was man braucht zum Belen Markt. Jedenfalls war das früher so, ob das jetzt noch so ist, werde ich sehen. Der alte traditionelle Markt würde während der Pandemie komplett geschlossen, es gab keinen einzigen Stand mehr. Er wurde behördlich verboten, denn er war ein grosser Infektionsherd. Fast alle Verkäufer waren infisziert. Lito, einer meiner Freunde, der hier früher die Touristen durch den Markt geführt hat, hatte mir Fotos geschickt. Von völlig leeren Strassenzügen, wo früher kein Durchkommen mehr war zwischen Ständen, Kunden und Touristen war während der Pandemie gähnende Leere.

Strassenküchen

Strassenküchen

Und heute scheint der Markt wieder aufzuleben. Zwar herrscht nicht ganz das Gedränge von früher, doch es gibt schon wieder ein grosses Angebot an allem, was man täglich braucht. Früchte, Gemüse, Lebensmittel, Kosmetik, Kleider, Schuhe, Medizin, alles gibt es hier. Da liegen ausgenommene Poulets neben Flipflops, offene Medizinschachteln, einzelne Pillenblisters, ganz ohne Abpackzettel, getrocknetes Dschungelfleisch, das mit Venado (Hirsch) angeschrieben ist, daneben Rucksäcke oder Sonnenbrillen. In einer Strasse werden lebende Hühner in Verschlägen gehalten und per Kilo verkauft.

Bei den Chinesen gibt es alles, was man im Haushalt braucht. Diesen Bereich beherrschen die chinesischen Händler komplett. Sie müssen schon sehr früh ins Land gekommen sein, heute wird wahrscheinlich jedes Geschäft, das Geschirr, Pfannen oder Plastiktöpfe verkauft, von chinesischen Familien geführt. Die Angestellten sind zwar Peruaner, aber hinter der Kassse hockt ein Chinese, der meist sehr schlecht Spanisch spricht. Das war schon immer so, seit ich hier auf dem Markt einkaufe. Und ich habe früher sehr viel eingekauft. Fast das ganze Zubehör für die Lodge, habe ich hier in Belen gekauft.

Ich gehe im Kopf noch einmal meine Liste durch:
Hängematte - check
Moskitonetz - check
Bänder zum aufhängen - check
Gummistiefel - check
Regenschutz - check
Moskitospray - check
WC-Papier - check
Sonnencreme - check
Stirnlampe - check, die habe ich schon in der Schweiz gekauft. Auch entsprechende Kleider habe ich dabei. Dieses Jahr bin ich seit Hilfe von Eveline sogar viel besser ausgerüstet als andere Jahre. Mit Kleidern, die eine eigene Mückenabwehr eingebaut haben - sowas gibt es - und vor allem einem Hut mit integriertem Moskitonetz. Es kann also nichts mehr schief gehen. Jetzt brauche ich nur noch eine Tasche, um all das einzupacken, denn der Rucksack reicht da nicht aus. Man kann sie überall kaufen, diese grossen viereckigen Tashen mit dem karierten Muster, in denen alles mögliche transportiert wird.

Zagirettendreher

Zagirettendreher

Nachdem ich alles eingekauft habe, sehe ich mich noch ein wenig um. Bei den Zigarettenhändlern, die blitzschnell ihre Zigaretten drehen. Heute hat es sogar Platz, um den Tabak auf der Strasse zum Trocknen auszulegen, das wäre früher undenkbar gewesen.

Der weltberühmte Schamanenmarkt auf dem Medizinalpflanzen verkauft werden, ist zwar geschrumpft, scheint aber wieder zu entstehen. Hier gibt es verschiedene grüne Kräuter, getrocknete Hölzer und Rinden, die meist ausgekocht und als Essenz gegen alle Krankheiten getrunken werden. Bei unserem letzten Besuch hatte Keylas Mutter am Morgen sieben verschiedene Kräuter gekauft und den aufguss meiner Freundin Rita gebracht, als diese eine grössere Magenverstimmung hatte. Es brauchte etwas Geduld, aber es half.

Früher habe ich hier immer die feinen Räuchermischungen gekauft. Einige Freundinnen haben sich darüber immer sehr gefreut. Hölzer und Harze und vor allem das stark duftende Palo Santo sind darin. Palo Santo riecht so intensiv, dass ich es jeweils in mehrere Plastiksäcke packen musste, damit es nicht den ganzen Koffer beduftete.

Heute kann ich leider nichts kaufen. Kein Platz und zu lange unterwegs.

Der frühere Schamanenmarkt ist geschrumpt

Der frühere Schamanenmarkt ist geschrumpt

Medizinalpflanzen und Rinden

Medizinalpflanzen und Rinden

abgepackte Räuchermischungen

abgepackte Räuchermischungen

Skuriles Zubehör für Schamanenrituale

Skuriles Zubehör für Schamanenrituale

Auch bei den Gewürzen riecht es wunderbar. Essig und Oel werden in kleinen Säcklein angeboten, Gewürze in grossen Schüsseln oder kleinen Plastiksächlein. Dazu gibt es jede Menge selber abgemischtes oder industrielle Mischungen. Oder einzeln abgepackte Muskatnüsse oder Gewürznelken.

Bei den Ponche-Verkäuferinnen bleibe ich stehen. Ponche wird mit Eiern, Milch und Zucker gemacht. Das schwingen die Verkäuferinnen mit ihren grossen eigenartigen Schwingbesen und schütten dann die schaumige Flüssigkeit in Becher. Mich erinnert es an das Dessert, das meine Mutter nur zu ganz speziellen Feiertagen machte. Samt und Seide nannte sie diese Süssigkeit, die offiziell wohl Sabajone heisst. Für die Erwachsenen gab sie etwas Rum hinein, die Kinder bekamen es ohne Alkohol.

Dschungelfleisch, es riecht intensiv nach den Gewürzen, mit denen es präpariert wird

Dschungelfleisch, es riecht intensiv nach den Gewürzen, mit denen es präpariert wird

abgestelle Zuckerwatte

abgestelle Zuckerwatte

Popcorn

Popcorn

Mittendrin ein paar Kartenspieler - sie liessen mir Platz, damit ich fotografieren kann.

Mittendrin ein paar Kartenspieler - sie liessen mir Platz, damit ich fotografieren kann.

Ich fahre mit dem Mototaxi zurück in mein Zimmer und habe grad eben meine Sachen abgelegt, als sich May meldet. Er hat etwas für mich.

Wir treffen uns auf dem Bulevard zu einem Krug Maracuyasaft. Evila hat mir eine Kappe mitgebracht. Extra für mich gemacht. In rosa. Ich bin etwa verwirrt, denn so einen Hut habe ich noch kaum getragen. Fühle mich noch etwas unwohl, unbequem, aber May beteuert, dass ich den unbedingt brauche, um mich gegen die Sonne zu schützen, wenn ich auf dem Boot im Dschungel unterwegs sei. Er muss es wissen, ich behalte ihn gleich mal an und stelle das Bild in meinen Status und langsam gewöhne ich mich an das Gefühl

Zum Nachtessen gehe ich ins La Notte. Der Balkon mit der Aussicht über den Bulevard gehört zu meinen Liebslingsorten.

Es gibt Doncella patarashka, Fischfilet im Blattmantel, mit Zwiebeln, tomaten und Kulantro. dazu fritierte Kochbananenscheiben und Salat mit Palmherzen. Ein sehr typisches Essen von Iquitos. Schmeckt fein.

Patarasca (Jungle-Style) filete de doncella con cebolla, tomate y culantro a la parilla - servido con patacones y ensalada

Patarasca (Jungle-Style) filete de doncella con cebolla, tomate y culantro a la parilla - servido con patacones y ensalada

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Immer wenn der Mensch seine Zukunft plant, fällt das Schicksal im Hintergrund lachend vom Stuhl. Dieser Satz hat mich durch das Corona-Jahr begleitet. Eigentlich war mein Abflug nach Südamerika am 3. April 2020 gebucht. Doch dann kam alles anders.
Details:
Aufbruch: 20.06.2021
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: Dezember 2021
Reiseziele: Peru
Kolumbien
Live-Reisebericht:
Beatrice schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 17 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/52):
Lilo 1632729932000
Hallo Beat­ri­ce, jeden Tag bin ich ges­pannt auf einen toll gesch­rie­benen, sehr le­ben­di­gen Bericht. Und freue mich ebenso auf die absolut ge­lun­ge­nen Fotos. Ich bin auf der Reise dabei mit großem Inte­res­se. Viel Glück wei­ter­hin und bleib gesund..
anonym 1632558804000
Liebe Beat­ri­ce, bin wieder a-jour und finde es sehr span­nend, aber auch sehr mutig, so alleine herum­zu­rei­sen!­
Wünsche dir wei­ter­hin viel inte­res­sante Be­geg­nun­gen und reise gut und stay safe
Brigitte 1632549898000
Liebe Beat­ri­ce, mit grossem Inte­res­se lese ich alle deine span­nen­den und auch leh­rreichen Beit­räge. Fühle mich oft als Mit­rei­sen­de, einfach ohne Maske, Zer­ti­fi­kat etc. Die Fotos muss ich mir dann in Ruhe zuhause an­schau­en, da der Inter­ne­tem­pfang hier an der Ostsee für mein iPad zu wenig her­gibt. Wünsche dir wei­ter­hin viele span­nen­de Ein­drücke. Liebe Grüsse Bri­git­te