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Reisezeit: November 2008 - Mai 2009  |  von Nadine. & Stefan K.

Kambodscha: Phnom Penh

Phnom Penh ist die Hauptstadt Kambodschas, hat zwei Millionen Einwohner und liegt im Südwesten des Landes am Tonle Sap, einem Zufluss des Mekong.

Wieder mal liegt ein langer Reisetag hinter uns, denn am 24.04.09 gings von Chiang Mai erst wieder nach Bangkok und von da weiter nach Phnom Penh. In Bangkok haben wir aber erstmal wieder Rucksäcke umgepackt um den Rucksack bei der Gepäckaufbewahrung noch ein bisschen voller zu machen, schliesslich haben wir auf dem Nachtmarkt in Chiang Mai ordentlich zugeschlagen und müssen überflüssige Sachen nicht mit uns herumschleppen. Nachdem dies erledigt war, ging es also mit dem Flieger endlich weiter nach Kambodscha. Als wir in Phnom Penh ankommen ist es bereits gegen 20 Uhr und es wird langsam dunkel. Aus unserem Reiseführer haben wir ein mittelklassiges Hotel ausgesucht, wo wir uns mit einem Tuk Tuk hinfahren lassen. Von Aussen sieht das Hotel nicht sehr einladend aus, aber das hat ja nicht unbedingt was zu heissen. An der Rezeption sitzen 2 nicht sehr gepflegte Männer und der eine zeigt uns 3 Zimmerkategorien, jeweils für 15$, 20$ und 25$. Wir entscheiden uns für das 20$ Zimmer, welches recht gross ist, aber kein Fenster hat und nach kaltem Rauch stinkt(was jedoch alle taten)! Wir checken für 2 Tage ein und denken, dass wir die Nächte schon irgendwie herum bekommen. Da wir ziemlich müde sind und am nächsten Tag gleich die Stadt erkunden wollen, gehen wir schnell schlafen. Im Zimmer ist es stockdunkel und durch den muffigen rauchigen Geruch im Zimmer dauert es eine ganze Weile, bis wir endlich langsam am Einschlafen sind. Doch plötzlich krabbelt etwas blitzschnell an meinem (Nadine) nacktem Bein hinauf. Ich schlag etwas weg, fange an zu schreien, Stefan steht im Bett und findet vor Aufregung den Lichtschalter nicht. Er schreit: "Hier ist was im Bett" und ich antworte schreiend: "Das was im Bett ist, ist gerade über mein Bein gekrabbelt!" Endlich findet er den Lichtschalter, was wahrscheinlich nur ein paar Sekunden gedauert hat uns aber wie eine Ewigkeit vorkam. Wir springen beide aus dem Bett und suchen nach dem Krabbelding. Es ist eine ca. 6cm große Karkalake, welche wir quer durchs Zimmer jagen, bis ich sie endlich mit meinem klopapierumwickelten Schuh erlege. Stefan hat inzwischen angefangen alles in die Rucksäcke zu stopfen und sagt bestimmend: "Wir gehen". Ich: "Und wohin?" Mittlerweile war es nämlich bereits ca. 23.30 Uhr! Stefan: "Mir egal, in eines der teuren Hotels!" Na gut, denke ich. Die tote Karkalake lassen wir als Beweis mitten im Zimmer liegen. An der Rezeption sitzen immer noch die 2 Männer und schauen TV. Wir erklären was los ist, zahlen eine Nacht und verlangen das Geld für die zweite Nacht zurück, was Sie ohne Einspruch machen. Sie fragen wo wir nun hinwollen und Stefan nennt Ihnen eines der teuren Hotels aus dem Reiseführer. Sie schauen uns verdutst an und sagen die ganze Zeit: "expensive, expensive", doch das ist uns gerade mal egal. Als wir aus dem Hotel raus kommen und ein Taxi rufen wollen, ist nichts mehr los auf der Strasse. Ein paar Männer liegen in ihren Tuk Tuks oder auf den aneinander gereihten Rollern und schlafen. Der Typ aus dem Hotel weckt 2 von ihnen und mit Sack und Pack fahren sie uns mit dem Roller in das andere Hotel. Dies kostet zwar nun 30$ die Nacht, ist aber sauber und das Zimmer liegt nicht im Erdgeschoss wie das andere. Somit hatten wir dann doch noch 2 angenehme Nächte in Phnom Penh. Mit dem Tuk Tuk Fahrer, welcher uns vom Flughafen in die Stadt gefahren hat, haben wir ausgemacht, dass er uns am nächsten Tag (25.04.09) von einer zur nächsten Sehenswürdigkeit der Stadt fährt für umgerechnet ca. 10€. Man muss dazu sagen, dass alle Tuk Tuk Fahrer meistens die selben Tagestouren anbieten und man nicht lang suchen und organiesieren muss um alles zu sehen. Nicht ganz pünktlich holte er uns vorm Hotel ab und als erstes gings zum Wat Phnom.

Blick aus unserem Hotel...

Blick aus unserem Hotel...

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Die Straßen von Phnom Penh.

Die Straßen von Phnom Penh.

Erste Sehenswürdigkeit in Phnom Penh war der Wat Phnom.

Info:
Der Wat Phnom ist die wohl bekannteste Stupa von Phnom Penh. Errichtet auf einem 27 m hohen künstlichen Hügel mit 300 m Durchmesser ist es das höchstgelegene religiöse Bauwerk der Stadt. Das Heiligtum oben ist über Treppen und Rampen zugänglich. Der Legende nach hatte den Bau im Jahre 1372 die wohlhabende Witwe Daun Chi Penh veranlasst, nachdem sie fünf Buddha-Statuen, davon vier aus Bronze und eine aus Stein, in einem Koki-Baumstamm am Ufer des Mekong gefunden hatte, der durch eine große Flutwelle flussabwärts gespült wurde. Sie ließ den Hügel nord-östlich von ihrem Haus aufhäufen und den Tempel, der die Statuen beherbergen sollte, aus den angespülten Baumstämmen errichten. Sie gab der Anlage den Namen Wat Phnom Daun Penh. Phnom bedeutet auf Khmer "Hügel", und dieser bildete die Keimzelle für die Stadt, deren Name wortgetreu übersetzt "Hügel Penh" heißt. Im übrigen bedeutet Wat "Tempel".
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Bauwerk mehrmals vollständig erneuert oder renoviert (zuletzt 1926) und um weitere Schreine und andere Gebäude ergänzt, das ursprüngliche Gebäude aus dem 14. Jahrhundert ist nicht mehr vorhanden. Die Stupa beherbergt die Asche von König Ponhea Yat und ist das Zentrum der Feiern zum kambodschanischen Neujahrsfest in Phnom Penh.
Um den Hügel herum führt ein großzügig dimensionierter Kreisverkehr, wo immer viel los ist.

Blick auf den Wat Phnom.

Blick auf den Wat Phnom.

Blick in den Tempel.

Blick in den Tempel.

Die Pagode von Wat Phnom.

Die Pagode von Wat Phnom.

Überall laufen Elefanten als Touriattraktion herum.

Überall laufen Elefanten als Touriattraktion herum.

Kambodscha ist doch wieder ganz anders als Thailand, uns faszinierte mal wieder ganz besonders die dort freilebende Tierwelt...

...beim Essen...

...beim Essen...

...Gucken...

...Gucken...

...Kopfüber...

...Kopfüber...

...im Baum sitzend...

...im Baum sitzend...

...und beim Raufen.

...und beim Raufen.

Weiter gings zur 2 Station, dem Nationalmuseum.

Eindrücke von unterwegs...

Eindrücke von unterwegs...

Info:
Das Nationalmuseum wurde 1917 zu Ehren von König Sisowath eröffnet. Hier kann man sich gut über die Periode von Angkor informieren und an die 5000 Objekte aus dieser Zeit bewundern.

Das Nationalmuseum.

Das Nationalmuseum.

Der Innenhof.

Der Innenhof.

Die vielen Kunstwerke aus Stein.

Die vielen Kunstwerke aus Stein.

Damit man Kambodscha ein bisschen besser versteht, hier mal ein kurzer Ausschnitt der schrecklichen Geschichte des Landes:

"Am 17. April 1975 wurde Phnom Penh von den Roten Khmer eingenommen, das "Demokratische Kampuchea" ausgerufen und der im Exil lebende Norodom Sihanouk als Staatsoberhaupt eingesetzt. Die meisten Einwohner der Stadt freuten sich über das Ende der Kämpfe und begrüßten die einmarschierenden Truppen jubelnd. Ein großer Teil der Kämpfer bestand aus Kindersoldaten, die zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als die Schrecken des Krieges kannten.
Die Stimmungslage kippte schnell, als Pol Pot und die Roten Khmer mit der Errichtung eines Terrorregimes begannen. Am 4. April 1976 wurde Norodom Sihanouk wegen seiner Kritik am Kurs der Roten Khmer als Staatsoberhaupt abgesetzt und unter Hausarrest gestellt, Khieu Samphan zum neuen Staatsoberhaupt und Pol Pot zum Regierungschef ernannt.
Mit dem Fall Phnom Penhs begann eines der blutigsten Kapitel der Geschichte. Die Roten Khmer begannen, die radikalen Ideen ihres "Bruders Nummer 1 (Pol Pot)" vom kommunistisch-primitivistischen Bauernstaat konsequent umzusetzen, und zwangen die Bevölkerung unter Androhung der Todesstrafe, die Hauptstadt binnen 48 Stunden zu verlassen. Sie sollten auf dem Lande als Bauern und Landarbeiter eingesetzt werden. Intellektuelle (auch Brillenträger wurden dafür gehalten) galten als überflüssig und unerwünscht. In den folgenden vier Jahren wurden vor allem der gebildete Teil der Bevölkerung und Regimekritiker von den Roten Khmer ermordet. So überlebten diese Episode der kambodschanischen Geschichte landesweit nur 50 Ärzte und 5.000 von vormals 20.000 Lehrern. Außerdem kam es infolge von Enteignungen und einer desaströsen Wirtschafts- und Handelspolitik zu Hungersnöten. Es wird vermutet, dass unter den Khmer Rouges 1,7 bis 2 Millionen Menschen ums Leben kamen. Die Herrschaft Pol Pots war ebenso von seiner Paranoia und der seiner Anhänger geprägt, die jeden, der nicht pünktlich zur Arbeit erschien, als Volksverräter bestraften. Die Kambodschaner waren gezwungen worden, schwarze Einheitskleidung zu tragen, und mussten täglich 12 Stunden und mehr unter schwersten Bedingungen Landarbeit verrichten, ohne entsprechend mit Nahrungsmitteln und Medizin versorgt zu werden. Schon nach kurzer Zeit konnten die Bauern nicht einmal mehr den Reisbedarf des eigenen Volkes decken, und nicht wenige mussten sich von Ratten ernähren, um nicht zu verhungern."

Dritter Halt des Tages war das Toul Sleng Genocide Museum, das berüchtigte S21, wo wir uns gut über die Khmer Rouge Ära unter Pol Pot informieren konnten. Bis 1975 war dieses Gefängnis eine High-School. Vom 17.4.1975 bis zum 07.01.1979 wurde es als Konzentrationslager genutzt. Über 17.000 Menschen wurden hier inhaftiert, gefoltert, verurteilt und auf den Killing Fields von Choeung Ek hingerichtet.

Südflügel des Tuol-Sleng-Museums.

Südflügel des Tuol-Sleng-Museums.

Gänge des Grauens.

Gänge des Grauens.

Folter- und Mordinstrumente in einem der ehemaligen Folterräume.

Folter- und Mordinstrumente in einem der ehemaligen Folterräume.

In vielen Räumen sind Fotos der Opfer ausgestellt welche vor ihrem Tod gemacht wurden...

In vielen Räumen sind Fotos der Opfer ausgestellt welche vor ihrem Tod gemacht wurden...

und danach...

und danach...

Auch die Ausgrabung der Massengräber wurde bildlich dokumentiert.

Auch die Ausgrabung der Massengräber wurde bildlich dokumentiert.

Alles wurde mit Stacheldraht gesichert.

Alles wurde mit Stacheldraht gesichert.

Einzel-Zelle für die „Bessergestellten“.

Einzel-Zelle für die „Bessergestellten“.

Im Hof steht ein Denkmal welches den Opfern zu Ehre errichtet wurde.

Im Hof steht ein Denkmal welches den Opfern zu Ehre errichtet wurde.

Totenschädel werden in Vitrinen ausgestellt.

Totenschädel werden in Vitrinen ausgestellt.

Ein hoher Zaun mit Stacheldraht wurde um das Folterzentrum errichtet.

Ein hoher Zaun mit Stacheldraht wurde um das Folterzentrum errichtet.

Behausungen.

Behausungen.

Pünktlich zum Mittagessen waren wir dann auf dem Russenmarkt, wo man mal wieder alles von A-Z kaufen konnte, doch wir haben uns ausschliesslich um unser leibliches Wohl gekümmert

Einer der vielen Essensstände.

Einer der vielen Essensstände.

Hier haben wir gebratene Nudeln gegessen, hmmm.

Hier haben wir gebratene Nudeln gegessen, hmmm.

In der Markthalle.

In der Markthalle.

Obst- und Gemüsestände...

Obst- und Gemüsestände...

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Hmmm, "gut riechender" getrockneter Fisch.

Hmmm, "gut riechender" getrockneter Fisch.

Nachdem wir uns auf dem Markt gestärkt haben und wir uns durch die heissen, feuchten und vollen Gänge der Markthallen wieder nach draussen gekämpft haben, ging es weiter zu den Killing Fields.

Info:
Die Killing Fields sind eine Reihe von Stätten in Kambodscha, auf denen Tausende von Menschen umgebracht wurden. Die bekanntesten befinden sich in Choeung Ek, ein ehemaliger Obstgarten und chinesischer Friedhof etwa 17 Kilometer südlich von Phnom Penh, auf denen bis zu 17.000 Menschen umgebracht wurden. Massengräber mit 8.895 Leichen wurden hier nach dem Fall der Diktatur entdeckt, der größte Teil der Toten stammt vermutlich aus dem "Sicherheitsgefängnis 21", einem ehemaligen Gymnasium in Phnom Penh, das als Folter- und Verhörzentrum diente und heute ein Museum ist.
Die Killing Fields gelten als ein Synonym für den Massenmord der Roten Khmer an der eigenen Bevölkerung in der Zeit von 1975 bis 1979. Besonders einprägend dabei sind die Bilder tausender Totenschädel und anderer menschlicher Überreste, welche die Felder Kambodschas übersäten. Die Totenschädel werden heute zum Teil in einem Stupa aufbewahrt, der zum Gedächtnis an die Toten auf dem Gelände in Choeung Ek errichtet wurde. Um Munition zu sparen, wurden die Todgeweihten in diesem Exekutionszentrum nicht erschossen, sondern mit Eisenstangen, Äxten oder ähnlichem erschlagen. Kinder wurden gegen Bäume geschlagen, bis sie tot waren. Die Toten wurden in Massengräbern verscharrt, die auch heute noch deutlich sichtbar auf dem Gelände vorhanden sind.
Da teilweise mehr Leute pro Tag ankamen, als getötet werden konnten, wurden die Leute temporär in einem "Warteraum" eingesperrt. Damit die auf ihren Tod wartenden Leute die Schreie der Sterbenden nicht hören konnten, wurde die Anlage mit Musik beschallt.

Die Gedenkstupa in Choeung Ek, voll mit menschlichen Schädeln (ca. 5000 Stück).

Die Gedenkstupa in Choeung Ek, voll mit menschlichen Schädeln (ca. 5000 Stück).

Die Schädel in der Stupa.

Die Schädel in der Stupa.

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Kleidung der Toten.

Kleidung der Toten.

Ein Massengrab in welchem die Leichen keine Köpfe mehr hatten.

Ein Massengrab in welchem die Leichen keine Köpfe mehr hatten.

Ebenfalls riesiges Massengrab.

Ebenfalls riesiges Massengrab.

Auf dem Rückweg in die Stadt entleerte dich der Himmel regelrecht, denn es goss wie aus Kübeln, sodass wir trotz Planen um unser Tuk Tuk nass wurden.

Doch die Kinder hatten ihren Spaß...

Doch die Kinder hatten ihren Spaß...

...unter dem vom Dach herabschiessenden Wasserfall.

...unter dem vom Dach herabschiessenden Wasserfall.

Nach diesem durchwachsenen Tag mit informativen und doch auch traurigen und schrecklichen Eindrücken der Vergangenheit des Landes, liessen wir den Abend in einem Khmer Restaurant auf einer der Terrassen über dem Tonle Sap Fluss ausklingen. Doch leider hat uns das Khmer Essen an diesem Abend nicht wirklich überzeugt.

Abends auf dem Nachtmarkt sitzen die Einheimischen auf Matten beim Abendessen.

Abends auf dem Nachtmarkt sitzen die Einheimischen auf Matten beim Abendessen.

Von Phnom Penh wollten wir eigentlich mit dem Boot über den Tonle Sap weiter nach Siem Reap. Doch da der Fluss zur Zeit leider extremes Niedrigwasser hat, wäre die Gefahr mit dem Boot im Schlamm stecken zu bleiben viel zu gross gewesen. Also mussten wir doch den Bus nehmen, welcher uns in 7 Stunden von Phnom Penh nach Siem Reap brachte.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Stefan und Nadine auf Weltreise – 180 Tage unterwegs quer durch Südamerika, über die Südsee nach Neuseeland, von dort nach Australien und über Südostasien wieder nach hause.
Details:
Aufbruch: 23.11.2008
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 09.05.2009
Reiseziele: Ecuador
Peru
Brasilien
Argentinien
Chile
Bolivien
Cookinseln
Neuseeland
Franz-Josef-Gletscher
Australien
Thailand
Kambodscha
Der Autor
 
Nadine. & Stefan K. berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
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