cool runnings ...

Reisezeit: März 2009 - November 2010  |  von Stephanie Wiesmüller

Timber Creek: der Ranger

Ich öffne also wie üblich die Motorhaube und starr Mal wieder total ratlos hinein. Hab ich ja nun auch schon mehrmals geprobt, das fachmännische Öffnen...machen Männer ja auch immer so.

Noch immer kein Micha in Sicht, hoffe, er merkt bald, dass ich nimmer hinter ihm fahre. Und wie immer, jemand hält an. Ob wir Hilfe brauchen?!? Yepp, schaut so aus. Ein echter ranger steht vor uns, richtig mit Abzeichen und allem. Er hilft oft Touristen die liegen bleiben, sagt er, wir sind heute schon die Dritten. Tröstet mich grad gar nicht, wie weit ist es zur nächsten Werkstatt? Knapp 50 km sagt er, er kann uns leider nicht abschleppen, er hat kein Seil....wieso nur habe ich mir nicht schon längst eines gekauft? Ich hätte es ja nun schon ein paar Mal gebrauchen können. Nein ehrlich, ich wurde hier in 8 Monaten schon öfter abgeschleppt als in meiner gesamten Autofahrerkarriere daheim!
Micha, endlich, Retter in der Not! Er schüttelt nur den Kopf. Da hab ich mich so bemüht, die Kühlersache in Darwin auf die Reihe zu kriegen, mein Budget so überstrapaziert, um pünktlich für Stefan's Ankunft wieder mobil zu sein und jetzt schon wieder der Kühler?!?! Hoffentlich ist nicht schon wieder der Motorkopf betroffen. Nochmal ein paar Tausender kann ich mir beim besten Willen nicht leisten. Ich tu ihm leid, und das tut mir gut, Mitleid kann ich jetzt echt brauchen, ich fühl mich nämlich einer Ohnmacht gefährlich nahe....so eine Scheiße!!! Sagt man nicht?? Doch, in meinem Fall darf man das sagen, ... laut sagen, sogar schreien wäre angebracht. Hilft mir jetzt aber auch nicht weiter. Der ranger, John heißt er, sagt, er wohnt im nächsten Ort und er kann uns auch einen Mechaniker empfehlen. Es gibt in dem 50-Seelen-Kaff nämlich gleich zwei davon. Wir sollen uns mit John dort treffen und er begleitet uns dann zum dem Nicht-Trinker-Mechaniker. Da schaut er Fab an und fängt zu lachen an. Der Junge, der auf dem Zement tanzt wie Happy Feet, der Pinguin aus dem Disneyfilm.....John war also auch im letzten roadhouse, als wir gerade da waren und hat die Szene mitbekommen Den Spitznamen wird er jetzt wohl nicht mehr los!

John fährt los und ich bin etwas beruhigt, dass uns jemand unter seine Fittiche genommen hat.
Wir schnallen also Micha's Seil an die Autos (was hab ich nur für ein Glück, dass Micha immer da ist?) und er schleppt mich den ganzen Weg zur nächsten Werkstatt. Auf halbem Weg stehen wieder zwei Autos am Strassenrand, die wir mit flotten 40 km/h passieren....und verrenken uns den Hals. Das war doch gerade John, der anscheinend mit einem Spezl mitten auf dem Highway ein Bierpäuschen einlegt. Wir wollten uns doch im nächsten Kaff gleich treffen und er steht hier und zischt ein kühles Bier?!?!?

Endlich angekommen warten wir also auf John, der Gott sei Dank nicht zu lange auf sich warten lässt und ich steig zu ihm ins Auto. Er fährt mich zum Mechaniker, der selbstverständlich total begeistert ist, dass wir am Sonntag bei ihm vorbei schaun. Nah, sagt er, er ist total busy im Moment, er hat überhaupt keine Zeit,....aber mit einem Blick auf mich verspricht er doch, sich den Wagen morgen Mal anzusehen. Gleich in der Früh um acht soll ich ihn bringen. Das ist gut, denn dann kann ich die Nacht noch auf'm Caravanpark verbringen, und muß nicht noch zusätzlich eine mordsteure Unterkunft zahlen. Immerhin. Blödsinn, sagt John, das kostet doch nur Geld, er hat ein fast leer stehendes Haus, wir können die Nacht über bei ihm bleiben. Wow, das ist unglaublich. Micha schleppt mich also zu John's Haus ab, das nur einen Katzensprung von der Werkstatt entfernt ist, und wir sind für den Moment alle erleichtert. John macht es uns so angenehm wie möglich, wir machen ein BBQ für alle, ratschen bis tief in die Nacht, lauschen John's Geschichten über das Rangerleben. Mit großen Hoffnungen für morgen gehe ich mein eigenes Zimmer mit Klimaanlage, Stefan ins Wohnzimmer auf eine Matratze und Micha und Fab bekommen jeder ein eigenes Fliegennetz Zelt im Garten aufgestellt. Die Selbstverständlichkeit von Gastfreundlichkeit in Australien hat mich schon so oft verwundert und einmal mehr bin ich beeindruckt!

© Stephanie Wiesmüller, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Für alle, die sich zwischendrin Mal fragen, wo ich mich rum treibe. 12 Monate down under, in meinem Fall open end im Anschluss, als Reisepartnerin a Bratwürstl und vorab mit mächtig Schiss, ob mir nicht doch meine Mami fehlen wird ;-)
Details:
Aufbruch: 15.03.2009
Dauer: 21 Monate
Heimkehr: 30.11.2010
Reiseziele: Australien
Indonesien
Singapur
Malaysia
Thailand
Laos
Der Autor
 
Stephanie Wiesmüller berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.